News
Latest News
17.05.2018
Rasenreport
Filbry im Interview

"Es gibt für uns eine Schmerzgrenze"



  • 13
  • 119
Nordphoto

Herr Filbry, vergangenen Mittwoch haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung getagt. Sind die Kontrolleure einverstanden mit dem Kurs der Geschäftsführung?

Klaus Filbry: Es war ein sehr harmonisches, konstruktives Treffen, wir haben die Planungen für die neue Saison diskutiert. Alle ziehen an einem Strang und gehen einen gemeinsamen Weg. Wir wollen den nächsten Entwicklungsschritt nehmen und in den Kader investieren. Damit haben wir ja schon angefangen. Der Aufsichtsrat geht diesen Weg mit. 

Mit Kevin Möhwald und Yuya Osako wurden bereits zwei Neuzugänge vorgestellt. Sind finanzielle Mittel für weitere Verstärkungen vorhanden?

Frank hat gesagt, dass er sich die eine oder andere Verstärkung für den Kader noch vorstellt, also sind wir noch nicht fertig. (lacht)

Gibt es eine neue Strategie in der Transferpolitik, also vermehrt in Qualität zu investieren, um sich aus dem unteren Tabellendrittel herauszuspielen?

In den letzten zwei Jahren haben wir 50 Millionen Euro in den Kader investiert, was zeigt, dass Investitionen für uns nichts Neues sind.

Wird es bei Neuzugängen Ablösesummen im zweistelligen Millionen-Bereich geben oder eher kleinere Lösungen?

Es kann durchaus sein, dass wir noch einen größeren Transfer tätigen. Wenn wir glauben, dass es wie bei Max Kruse oder Milot Rashica gute Investitionen sind, sind wir auch bereit, ins Risiko zu gehen. 

Ist das auch deshalb möglich, weil Werder durch Rang 8 der Fernsehgeld-Tabelle 4 Millionen Euro mehr bekommt?

Die Basis war schon gut, aber 4 Millionen Euro mehr haben oder nicht, ist für einen Verein wie Werder etwas, womit man das eine oder andere Thema leichter umsetzen kann. Aber es geht auch um etwas anderes. Die Art, wie wir Fußball spielen, die Art der Außenwirkung von Frank Baumann und Florian Kohfeldt, das hilft uns, Spieler zu bekommen. Nehmen wir Josh Sargent, der von allen großen Vereinen Angebote vorliegen hatte. Oder Osako, der nach Bremen kommt, weil er hier Fußball spielen kann. Das sind gute Beispiele für das Biotop Bremen: Die Art des Fußballs, die Art, wie man hier als Spieler entwickelt wird, wie man hier als Profi leben kann. Das macht uns zu einer attraktiven Adresse.

Ob das so bleibt, hängt auch davon ab, wie viele Spieler im Sommer gehen. Dass Thomas Delaney ein potenzieller Kandidat ist, ist bekannt. Gibt es eine Tendenz bezüglich seiner Zukunft?

Zunächst hat Thomas einen laufenden Vertrag. Er hat gesagt, dass er sich einen Wechsel vorstellen kann, aber nicht wechseln muss. Jetzt spielt er erst mal mit Dänemark die WM, und dann schauen wir mal, was passiert. Die Philosophie, bei einem konkreten Interesse zu Gesprächen bereit zu sein, haben wir bei Werder immer gehabt. Natürlich gibt es für uns eine Schmerzgrenze, aber aktuell müssen wir mit niemandem sprechen, weil es nichts Konkretes gibt.

Es liegt kein Angebot vor, das an der Schmerzgrenze kratzt?

Das besprechen wir intern.

Wenn Sie Delaneys Spiele der WM anschauen, hoffen Sie dabei, dass er keine guten Auftritte hinlegt und so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass er in Bremen bleibt? Oder wünschen Sie ihm maximalen Erfolg?

Ich wünsche ihm, dass er mit seiner Mannschaft erfolgreich ist und persönlich eine gute WM spielt. Das gilt auch für Augustinsson, Milos Veljkovic.

Es gibt weitere Spieler im Kader, die potenzielle Verkaufskandidaten sind, Jiri Pavlenka oder Ludwig Augustinsson. Florian Kohfeldt möchte natürlich niemanden abgeben. Wie sehen Sie das als Geschäftsführer?

Da sind wir zu 100 Prozent einer Meinung. Beide haben Verträge, sind Leistungsträger, und als Verein wollen den nächsten Schritt gehen. Am Ende gibt es immer eine Schmerzgrenze, das war bei Diego so, Per Mertesacker. Für einige Spieler sind wir eine Weiterbildungsstation, das ist uns klar. Aber man muss immer schauen, wann es der richtige Schritt ist.

Im Winter wurde bereits umfangreich investiert. Gibt es finanziellen Druck, Spieler verkaufen zu müssen?

Nein. Da helfen dann die Mehreinnahmen durch die Fernsehgeld-Tabelle.

Ist es dadurch möglich, das laufende Geschäftsjahr ohne Verlust abzuschließen?

Aufgrund der sportlichen Situation sind wir im Winter erneut ins Risiko gegangen, deshalb kann ich aktuell nicht sagen, ob wir es erreichen werden. Zumindest werden wir relativ nah dran sein. Wir wollen Eigenkapital aufbauen, wenn es jedoch eine sportlich kritische Situation gibt, ist dieser Kurs mit dem Aufsichtsrat abgestimmt. Dort sind Unternehmer, die sehen, dass wir die nächsten Schritte machen bei den richtigen Investitionen.

Ziel des Aufsichtsrats war lange Zeit, eine schwarze Null zu schreiben. Hat sich das durch die neue Zusammensetzung des Gremiums verändert?

Das ist von je Bremer Politik gewesen: Keine Schulden und stetiger Aufbau des Eigenkapitals. Wir hatten in der Vergangenheit intensive Jahre, in denen wir die Balance finden mussten, Kaderkosten zu reduzieren und gleichzeitig in die Qualität der Mannschaft zu investieren. Das hat gut geklappt. Das ist auch ein großer Verdienst von Frank Baumann.

Der Vertrag von Frank Baumann läuft noch für ein weiteres Jahr. Gibt es Anzeichen, dass der Aufsichtsrat seinen Kontrakt demnächst verlängert?

Es gibt von beiden Seiten positive Annäherungen, und die Bereitschaft ist auch beidseitig vorhanden. Ich würde das sehr, sehr, sehr begrüßen.

Eine qualitative Investition ist Yuya Osako. Ist er als japanischer Spieler zugleich ein Schlüssel, um auf dem japanischen Markt neue Sponsorenverträge zu erschließen?

Das wird sich zeigen. Yuning Zhang hat uns in China enorme Reichweite in den sozialen Netzwerken verschafft, er hat uns Sponsoren verschafft. Osako spielt die WM und ist so automatisch ein interessanter Spieler für den japanischen Markt. Wir rechnen damit, regelmäßig fünf bis zehn japanische Journalisten vor Ort zu haben, das wird unsere Bekanntheit erhöhen. Wenn Josh Sargent sich entwickelt wie erhofft, wird so auch der amerikanische Markt ein Thema.

Als Türöffner für den chinesischen Markt hat Zhang funktioniert, sportlich nicht. Wie geht es mit ihm weiter?

Wir führen intensive Gespräche mit DOSB, DFB und DFL bezüglich einer Spielgenehmigung. Das ist wie das Wetter: Mal sieht es gut aus, dann wieder schlechter. Es ist ein sehr komplexes Thema. Es kann sehr gut sein, dass Yuning uns am Ende der Saison verlässt, weil er Spielpraxis braucht. Die können wir ihm auf Bundesliga-Niveau nicht garantieren.

Was für Möglichkeiten gibt es für Zhang?

Weil er in Europa ausgebildet wurde, weckt er Interesse auf dem chinesischen Markt. Er muss für sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Ob er sich noch mal ausleihen lässt oder nach China geht.

Hätte sein Abschied Auswirkungen auf den Sponsoren-Vertrag mit Yingsheng? Dort besitzt Vater Zhang Anteile.

Beide Verträge sind nicht aneinandergekoppelt, aber es kann sein, dass dann das Engagement von Yingsheng nicht weitergeführt wird. Wir haben aber weitere Projekte, die wir mit ihnen anschieben wollen.

Aus wirtschaftlicher Sicht hat sich der Transfer Zhangs für Werder gelohnt?

Wir haben zwei chinesische Partner, vielleicht kommt ein weiterer hinzu. Aktuell sind wir da in Verhandlungen zum Thema Wissenstransfer. Wir haben eine mündliche Zusage, aber wir müssen abwarten, bis die Tinte trocken ist. Wenn es so kommen sollte, wird es ein siebenstelliger Betrag sein.

Verlängert wurde mit EWE ein weiterer großer Sponsorenvertrag. Hat das Auswirkungen auf einen möglichen Verkauf des Stadionnamens?

Dadurch, dass die EWE ab der kommenden Saison ausschließlich Energie- und Telekommunikationspartner ist, haben wir in dem Bereich angepasste Erlöse. Diese Lücke müssen wir versuchen zu schließen. Wir wissen aber auch um die Sensibilität des Themas und werden das sehr verantwortungsbewusst lösen.

Würde der Verkauf des Stadionnamens für Transfers aufgewendet werden, oder um die Kredite des Stadionumbaus zu finanzieren?

Wir haben gewisse Verbindlichkeiten mit der Bremer Weserstadion GmbH, die müssen bedient werden. Das ist die wichtigste Prämisse, da gut aufgestellt zu sein. Da würde das Geld hineinfließen. Der Stadionumbau war eine gute Entscheidung. Mit Köln haben wir das emotionalste und schönste Stadion der Liga. Köln ist abgestiegen, da haben wir kommende Saison vielleicht sogar das schönste Stadion der Liga. 

Bei Claudio Pizarro neigt sich die Karriere nun vielleicht doch dem Ende entgegen. Wird es in diesem Jahr noch ein Abschiedsspiel geben?

Es wird ein Abschiedsspiel für Claudio in Bremen geben, in diesem Jahr ist es aber ausgeschlossen. Dafür braucht es eine lange organisatorische Vorlaufzeit. Und ich glaube, er hat für sich noch nicht entschieden, ob weiterhin spielen will.

Das Gespräch führte Christoph Sonnenberg.

Klaus Filbry

ist seit 2010 Mitglied der Geschäftsführung Werder Bremens und des Präsidiums der DFL sowie des DFB. Der Vertrag des 51-Jährigen bei Werder Bremen wurde kürzlich verlängert und läuft bis 2020.

Weserzwitschern

Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download