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15.05.2018
Rasenreport
So spielt Werders neuer Offensivmann Osako

Der Typ aus der Nische



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dpa

Der VfB Stuttgart hatte es vorgemacht: Fünf Neuzugänge hatte Werders Konkurrent am Montag auf einen Schlag der Öffentlichkeit präsentiert. Es waren Einkäufe für fast 20 Millionen Euro. Ganz so spektakulär machte es Werder am Dienstag nicht, aber für Bremer Verhältnisse waren es schon zwei wegweisende Verpflichtungen. Kevin Möhwald vom 1. FC Nürnberg soll Zlatko Junuzovic ersetzen, dieser Transfer hatte sich lange abgezeichnet, am Montag meldete Werder den allseits erwarteten Vollzug. Die zweite Personalie kam überraschender: Yuya Osako vom 1. FC Köln hat am Dienstagmittag im Klinikum Links der Weser den Medizin-Check absolviert. Als perfekt mochte Werder den Transfer am Dienstag zwar noch nicht vermelden. Aber Osako soll kommen, das steht fest.

Osako war einer von sieben, acht Namen auf einer Liste, die als Verstärkungen für Werders Offensivspiel infrage kommen. Allen Spielern auf dieser Liste, auf der auch Leonardo Bittencourt stand, der letztlich zur TSG Hoffenheim wechselte, ist gemein, dass sie flexibel einsetzbar sind – und ablösepflichtig. Zwischen sechs und acht Millionen Euro ist Werder nach Informationen von MEIN WERDER bereit, auf dieser Position zu investieren. Osako, der noch einen Vertrag bis 2020 in Köln hat, liegt dabei eher am unteren Ende dieser Spanne.

Zu teuer für Düsseldorf

Für Fortuna Düsseldorf war das offenbar zu viel Geld. Der Kölner Rivale, frisch aufgestiegen in die Bundesliga, galt – genau wie Hannover 96 – lange als einer der Hauptinteressenten, gegen die sich Werder im Kampf um Osako durchsetzen musste. Dass die Düsseldorfer ein Auge auf Osako geworfen hatten, lag auch an Friedhelm Funkel, dem aktuellen Fortuna-Trainer. Funkel war im Januar 2014 der erste Trainer von Osako in Deutschland. Osako war damals von den Kasima Antlers zu 1860 München gewechselt, damals noch zweite Liga. Dem "Kölner Stadtanzeiger" sagte Funkel jüngst: "Yuya würde ich mit Kusshand nehmen und liebend gerne verpflichten. Er ist ein Klasse-Typ, der spielerisch zu uns passen würde und eine große Bereitschaft mitbringt." Gelandet ist der Spieler in Bremen, als einer von Florian Kohfeldts Wunschspielern.

Yuya Osako ist ein Fußballer ganz nach dem Geschmack von Werders Cheftrainer. Der Japaner ist kein Spieler für die spektakulären Szenen, niemand für die ewig langen Highlight-Videos. Osako kann im Sturm spielen, ist aber kein Knipser. Er kann auf dem Flügel aushelfen, ist aber kein Tempodribbler. Er kann im offensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen, aber ein klassischer Zehner, der das Spiel an sich reißt, ist Osako auch nicht.

Es ist also schwierig, den Japaner, der am 18. Mai bereits seinen 28. Geburtstag feiert, in eine Schublade zu stecken. Dennoch gelangen Osako in der Europa-League-Saison, der Spielzeit vor dem diesjährigen Chaos also, sieben Tore und sechs Vorlagen. Eine mehr als beachtliche Quote, gerade wenn man bedenkt, dass das Kölner Spiel enorm auf den damaligen Scorer Anthony Modeste und dessen Tiefenläufe ausgelegt war. Jenseits fußballerischer Archetypen hat sich Osako in einer Nische auf Bundesliga-Niveau festgespielt, die sonst kaum jemand besetzt. Insgesamt kommt Osako in 108 Erstligaspielen auf 15 Tore und 15 Vorlagen.

Der Japaner verbindet als hängende Spitze eine Menge interessanter Eigenschaften miteinander. Darunter sind vor allem Stärken, die nicht so sehr ins Auge fallen: Osako bewegt sich geschickt zwischen den Linien, verarbeitet Bälle beidfüßig zumeist sauber und ist trotz (oder gerade wegen) seiner schlanken Statur oft dazu in der Lage, sich mit einer geschickten Körpertäuschung auch um robustere Gegner herumzudrehen und in Richtung Tor weiterzuspielen.

Technisch stark

Neben seiner Beweglichkeit ist Osakos größter Trumpf seine Technik: Der Neu-Bremer war zwar eher Zuarbeiter als Fixpunkt im Kölner Offensivspiel, seine beidfüßig gute Ballbehandlung erlaubt dem eigentlichen Rechtsfuß allerdings, sowohl im schnellen, engräumigen Kombinationsspiel als auch bei Hereingaben, im Dribbling oder in Abschlusssituationen zu überzeugen, ohne aber mit einer besonderen Inselbegabung herauszustechen. „Er ist einer der talentiertesten Spieler, mit denen ich je zusammenarbeiten durfte“, hatte Ex-Coach Peter Stöger einst über den Japaner gesagt. Auch in Drucksituationen merkt man in der Regel, dass Osako ein feiner Fußballer ist – im Rückrundenspiel gegen Werder stellte der Offensivmann seine Fähigkeiten nicht zuletzt mit dem zwischenzeitlichen 1:1 per Linksschuss unter Beweis.

Spricht man über Osakos Schwächen, wird häufig seine fehlende Torgefahr angeführt. Tatsächlich liegt hierfür allerdings wohl nur bedingt die Schuld bei Osako. Vielmehr dürfte die Kritik daher rühren, dass die unorthodoxe Spielweise des Angreifers, meist an der Grenze zu dem Raum, in dem es für den Gegner wirklich gefährlich wird, noch oft an den Maßstäben gemessen wird, die normalerweise an einen Mittelstürmer angelegt werden. Damit verkennt man Osakos eigentliche Qualitäten. Die wiederum könnten sich hervorragend für das eignen, was Florian Kohfeldt von seinen nominellen Außenbahnspielern in der Offensive verlangt: nämlich immer wieder einzurücken, die Halbräume zu besetzen und mit technisch sauberem Kombinationsfußball aus dem Positionsspiel heraus den Angriff weiterzuführen.

Die Konstanz fehlt

Was Osako tatsächlich mitunter abgeht, ist die Konstanz. Trotz seiner bald 28 Jahre bringt der Japaner seine Qualitäten nicht immer zuverlässig auf den Platz. Osako benötigt eine klar definierte Rolle in einem funktionierenden System, um gut zu spielen – und dazu den Rückenwind einiger Erfolgserlebnisse, um sehr gut zu spielen. Bisher sieht es so aus, als sollte er zumindest Ersteres in Bremen bekommen – noch dazu bei einer Spielausrichtung, die dem verkappten Kreativspieler Osako mehr liegen dürfte als der Konterfußball der Kölner. Für die Erfolge müsste das Team von Florian Kohfeldt dann selbst sorgen.

Bis Osako dauerhaft in Bremen heimisch wird, werden noch ein paar Wochen vergehen. Nach der Vertragsunterschrift in Bremen steht für Osako der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere an. Auch wenn Japans Nationaltrainer Akira Nishino seinen Kader für die Weltmeisterschaft noch nicht bekannt gegeben hat, gilt Osako als sicherer WM-Fahrer. Er hat bisher 26 Länderspiele gemacht und dabei sieben Tore geschossen. Einen Teil der Vorbereitung wird er deshalb verpassen.

Viel Aufmerksamkeit ist ihm und auch dem Bundesliga-Standort Bremen dann gewiss. Bei Werder werden alle sehr genau auf den Neuen schauen, und auch in Asien ist man gespannt. Über Osakos Wirken im fernen Deutschland berichten regelmäßig fünf, sechs Reporter, die dem Spieler vor allem an Spieltagen auf Schritt und Tritt folgen.

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