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06.12.2018
Hoeneß kündigt Lemke die Freundschaft

Zoff in der Loge

© collage/fotos: dpa


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Gute Freunde kann bekanntlich niemand trennen, bei nicht ganz so guten Freunden scheint das ein wenig anders zu sein. Willi Lemke und Uli Hoeneß waren sich über Jahrzehnte in tiefer Abneigung verbunden, bevor sie im Zuge von Hoeneß’ Gefängnisaufhalt im Frühjahr 2015 zueinanderfanden. Sie wurden zu Freunden, die sich gemeinsam für karikative Zwecke engagierten. Lemke lud Hoeneß zu seinem 70. Geburtstag ein, dieser nahm dankend an. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer: Am Sonnabend, rund um das Spiel Werder gegen Bayern, kündigte Hoeneß die Freundschaft zu Lemke mit einem symbolischen Akt auf.

Die Loge der Bremer Geschäftsführung liegt im mittleren Bereich der Nordtribüne des Weserstadions. Sie ist vor dem Spiel, während der Halbzeit und nach Abpfiff Treffpunkt für Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte der gegeneinander spielenden Klubs, auch wichtige Sponsoren Werders sind mitunter eingeladen. Und ehemalige Bremer Funktionäre, Ex-Manager Lemke beispielsweise war an diesem Nachmittag da. Für die Münchner waren Bayerns Vorstände Karl-Heinz Rummenigge und Jörg Wacker zugegen. Einer aber fehlte: Uli ­Hoeneß.

Es war eine deutliche Geste, durchaus bewusst eingesetzt. Am gemeinsamen Essen vor dem Spiel hatte der Präsident und Vorsitzende des Aufsichtsrates noch teilgenommen. In die Loge aber wollte Hoeneß nicht, er wollte Willi Lemke bewusst aus dem Weg gehen. Der Grund war ein Interview mit der „Sport Bild“, in dem Lemke kurz vor dem Spiel Hoeneß’ Auftritt bei einer Pressekonferenz einige Wochen zuvor kritisierte: „Das war leider wieder der alte Uli Hoeneß, und nicht mehr der Uli Hoeneß, mit dem ich Brüderschaft getrunken habe, nachdem er aus dem Gefängnis gekommen war.“ Hoeneß hatte auf dieser Pressekonferenz unter anderem dem ehemaligen Bayern-Spieler Juan Bernat vorgeworfen, einen „Scheißdreck“ gespielt zu haben.

Hoeneß ist enttäuscht, Lemke wundert sich

Im VIP-Bereich des Weserstadions erklärte Hoeneß am Sonnabend, wie enttäuscht er sei, dass Lemke sich nun öffentlich über ihn geäußert habe. Dass er enttäuscht sei über die Art und Weise der Kritik. Es gab mehrere Ohrenzeugen, als Hoeneß gar seinen Besuch bei Lemkes 70. Geburtstag im August 2016 in Bremen bedauerte. Und die Freundschaft für beendet erklärte. Menschen, die dabei waren, haben keine Zweifel, dass es für Hoeneß kein zurück gibt.

Lemke hat von Hoeneß’ Auftritt im VIP-Bereich nichts mitbekommen. Er hat lediglich bemerkt, dass Hoeneß nicht in der Loge erschien. Auf Nachfrage von Mein Werder sagt Lemke: „Ich habe mich gewundert, dass Uli nicht da war, und finde es schade. Ich hätte ihn gerne begrüßt.“ Weiter will er den Vorfall nicht kommentieren. Auch nicht über ein mögliches Ende der Freundschaft spekulieren. Das gemeinsame soziale Projekt, eine Schule für Mädchen in Simbabwes Hauptstadt Harare, soll aber Fall weiterbetrieben werden.

Skurrile Vorkommnisse

Für Hoeneß ist das Beenden der Freundschaft zu Lemke der nächste Auftritt einer ganzen Reihe an Vorkommnissen, die sich problemlos als skurril bezeichnen lassen. Paul Breitner erteilte er ein Verbot des VIP-Raums der Münchener Allianz Arena. Um kurze Zeit später auch noch Breitners Gehalt als Botschafter und Scout des FC Bayern zu veröffentlichen. Dazu zählt auch die bereits legendäre Pressekonferenz, auf der Hoeneß Bernat abstrafte. Und im Sommer, kurz nach der WM, echauffierte er sich über Mesut Özil, der in der Nationalmannschaft angeblich „seit Jahren einen Dreck gespielt“ habe.

Auf der Jahreshauptversammlung vergangene Woche gab es Kritik an der Art, wie Hoeneß derzeit auftritt. Es gab Pfiffe und Buh-Rufe, die den Präsidenten des FC Bayern offenbar unvorbereitet trafen. „Ich war schockiert. Ich hoffe, dass es sich wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern“, sagte Hoeneß nach der Versammlung. Was für seine Kritiker wiederum die Frage aufwarf, ob Hoeneß glaube, der FC Bayern gehöre ihm.

Das kurze Kapitel der Freundschaft zwischen Lemke und Hoeneß ist beendet, davon sind bei Werder nach dem Auftritt Hoeneß’ nahezu alle überzeugt. Auf das gute Verhältnis der Klubs zueinander soll das aber auch künftig keine Auswirkungen haben, heißt es.

Einen Kommentar zur Causa Hoeneß lest ihr hier.

uwue am 06.12.2018, 20:17
Uli Hoeneß, ich mochte seine Art im Umgang mit anderen noch nie, mutiert mehr und mehr zur Witzfigur
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alanya_fuchs am 06.12.2018, 20:25
Ein bedauernswerter Mensch, der offensichtlich psychologische Hilfe benötigt. Es mehren sich die Anzeichen einer Gefahr für sich selbst und andere ( FC Bayern).
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MargotMadaj am 06.12.2018, 20:23
Ja und nu? Kein Kommentar!
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DerSeemann am 06.12.2018, 20:42
Als Freund gibt man aber auch kein Interview in dem man den anderen derart kritisiert - auch wenn es wahr ist - sondern spricht Ihn persönlich an. Kein feiner Zug von Herrn Lemke.
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WerderanerFfm am 06.12.2018, 20:49
Sehe ich auch so. Ich hatte den Eindruck als wenn Lemke die Freundschaft nicht viel wert ist.
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WerderanerFfm am 06.12.2018, 20:45
Der Gefängnisaufenthalt hat wohl Spuren hinterlassen. Sehr traurig. Er tut mir wirklich aufrichtig leid.
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Posaune am 06.12.2018, 20:53
An Lemke`s Stelle würde ich auf eine Freundschaft mit Hoeneß einseitig verzichten, weil der verurteilte Wirtschaftbetrüger Hoeneß nicht mehr "Herr der Dinge" ist. Wer ihn kritisiert begeht Majestätsbeleidigung. Davon scheint er überzeugt zu sein. Traurig, traurig sein Abgang von der Bühne.
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Rautenjungen am 06.12.2018, 21:47
Hoeneß ist und bleibt halt was er verkauft. Ein armes Würstchen
Aber Lemke hätte auch seinen Mund halten können
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1-Werder am 06.12.2018, 22:25
Ich denke man sollte die aktuelle Situation nicht überbewerten. Ueli Hoeness, ein über viel Jahre erfolgreicher und anerkannter Manager, ist seit Monaten nicht, salopp ausgedrückt, in Bestform. Die merkwürdigen Pressekonferenzen deuten auf eine Machtverschiebung beim FCB hin. UH ist es gewohnt, selber den Takt vorzugeben, dass ist ihm in den letzten Monaten entglitten. Man hat über Jahrzehnte nicht von ihm vernommen, dass ihm Kritiker betroffene machen, UH ist sehr dünnhäutig geworden. W. Lemke, ein von mir in anderen Kommentaren geachteter Charakter, hätte seine berechtige Kritik idealerweise persönlich platziert. Insofern trägt er eine Mitverantwortung für die Situation. Beide charismatischen (bald...) Ex-Alpha-Manager sollten das Thema unter sich bereinigen; hierzu braucht es keine Öffentlichkeitsbeteiligung.
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Sweetwater am 06.12.2018, 22:55
Was muß Herr Lemke wohl für ein Freund sein, der Herrn Hoeneß in der Öffentlichkeit so derart kritisiert.
Er hätte ihm seine "Kritik" bzw. Mißfallen auch ohne zutun der gemeinen Presse, nämlich unter vier Augen mitteilen können. Da es aber recht still um Herrn Lemke geworden ist, waren die vollumfänglich nachvollziehbaren Statements des Herrn Hoeneß auf der PK Grund genug um sich wichtig zu machen.
In dieser Atmosphäre in der wir alle atmen wird sich kaum jemand finden ehrlicher, großherziger, sozialer, gütlicher, barmherziger, verständnisvoller, gutmütiger, warmherziger und mit noch mehr Fußballsachverstand bemittelt ist, als der Übervater und Philanthrop aus dem gesegneten Freistaat Bayern, Herr Ulrich Hoeneß.
Er sollte für alle Verantwortlichen des SV Werder Bremen als Vorbild dienen, wenn es um höchsten sportlichen Erfolg und noch mehr um Betriebswirtschaftlichkeit geht. Anschauungsunterricht in finaler Güte.
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WERDER2016 am 06.12.2018, 23:14
Auf einem bestellten Feld kann jeder Bauer gut wirtschaften. Nichts anderes hat Herr Hoeneß bei seinem Amtsantritt vorgefunden. Danach hat er mit fiesen Methoden in anderen Revieren gewildert und wird jetzt als Mutter Theresa hochgejubelt.
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Sweetwater am 07.12.2018, 01:55
Welch eine verzerrte Wahrnehmung!
Herr Hoeneß fand einen soliden geführten Verein vor und führte diesen dann -mit genialen Fußballsachverstand und einem ebensolchen betriebwirtschaftlichen Können- an die Weltspitze. Auf diesem langen Weg begleitete ihn stets, tief in seinem gönnerischen Herzen, ein hohes Maß an sozialen Engagement. Alle Methoden die er in seiner Eigenschaft als Manager anwandte waren jederzeit legal, mußten sie auch sein, denn für fiese oder gar nicht legale Methoden fehlt ihm genetisch das Organ.
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WerderanerFfm am 07.12.2018, 03:26
Als Hoeneß Bayern Manager wurde, war Bayern München pleite. Er allein hat den Verein an die Weltspitze geführt.
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alanya_fuchs am 07.12.2018, 08:36
Wie kommen Sie denn da drauf?

Zitat aus dem Buch "Samstags um halb vier"
Die Steuerschuld war so dramatisch, dass der Steuerberater des FC Bayern im März 1976 gegenüber dem Münchner Stadtsteueramt klagte, „zur Auflösung des Vereins“ gezwungen zu sein, falls der Fiskus „eine vollständige Zahlung“ der Steuerlast durchsetze. Dem Pleitegeier entkamen die Bayern nur, weil der Fiskus sich auf Ratenzahlungen einließ.

Da war Hoeneß noch Spieler.
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delles.wiki am 07.12.2018, 10:05
@Sweetwater

Meinen Sie denn, seine illegalen Methoden hatten nichts mit seiner Eigenschaft als Funktionär des FC Bayern zu tun?
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Sweetwater am 07.12.2018, 11:11
Von welchen illegalen Methoden sprechen Sie denn nur?
Mir ist lediglich bekannt, dass Herr Hoeneß aufgrund fahrlässiger Zahlendreher in seinen Einkommenssteuererklärungen am 13. März 2014 vom Landgericht München II bedauerlicherweise zu einer rechtkräftig gewordenen Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt wurde. Alles im privaten Bereich und ohne jegliche Verstrickungen zum Verein.
So und nun teilen Sie mir doch mal mit, welche "illegalen Methoden" Sie meinen, die er als Funktionär beim Klassenprimus begangen haben sollte. Oder haben Sie einfach mal einen Verdacht ohne näheren Hintergrund in den Raum geworfen, in der Hoffnung, dass sich irgendwo etwas finden läßt?
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alanya_fuchs am 07.12.2018, 11:50
Das ist Comedy pur.
Wie macht man bei einer Steuerhinterziehung von 30 Mio Euro einen Zahlendreher? 😅
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delles.wiki am 07.12.2018, 18:47
Das Satzzeichen am Ende war bewusst so gewählt, weil ich es nicht weiß. Also hören Sie auf, mir zu unterstellen, ich wolle irgendjemanden wegen irgendwas verdächtigen. Sie hingegen wollen glauben machen, Sie wüssten mehr als die Justiz. Machen Sie sich doch nicht lächerlich, das ist ja albern!
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Pit88 am 07.12.2018, 05:56
Mann, Mann, Mann sonst keine Probleme???
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pressestelle am 07.12.2018, 06:21
Wie ging die Geschichte mit China und dem Sack Reis nochmal genau ... ?!
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Tagenbaren01 am 07.12.2018, 06:56
Zwei alte Männer, die Großartiges für ihre Vereine geleistet haben.
Zwei alte Männer, die schon vor langer Zeit bewiesen haben, dass sie ehrhebliche Charakterdefizite haben.
Was soll's.
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borowka am 07.12.2018, 08:49
Amen, @Tagenbaren.
Ich denke, damit ist alles gesagt! 😉
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Michou am 07.12.2018, 11:22
Wo bleibt hier die Sprachpozilei ? Karikativ gemeint...:))
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hdwiesner51 am 07.12.2018, 16:35
Also, nun scheint es wohl doch so zu sein, dass jahrzehntelanger Weißwurst-und Weizenbierkonsum auf das Gehirn des Herrn Hoeneß geschlagen sind.
Anders kann man sein Verhalten in den vergangenen Wochen nicht erklären. Es ist leider mit Erstaunen zu vermerken, welche Aufmerksamkeit ein Intensivstraftäter in Steuersachen in der Öffentlichkeit genießt bzw. welche Plattform ihm in Presse/Funk/Fernsehen, auch als Präsident, gewährt wird.
Als Mensch ist der doch untragbar geworden.
Jeder Funktionsträger sollte diesen Typen meiden, wie der Teufel das Weihwasser!
Interessant: M.W. ist der FCB der einzige Bundesligaverein, welcher 3 straffällig gewordene hohe Funktionsträger bzw. der Straftat hinreichend verdächtigt, (Beckenbauer/Rummenigge/) beschäftigt!

Auch dies ein Alleinstellungsmerkmal!!!
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