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Rasenreport Taktik
04.01.2019
Ziele für das Trainingslager

Woran Werder in der Defensive arbeiten muss

© nordphoto


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Zwischenzeitlich sah das schon ganz gut aus, wie Werder gegen den Ball agierte. Bis zum 2:0-Sieg auf Schalke am achten Spieltag gestattete Werder den Gegnern mit Ausnahme der etwas wilden Partie beim FC Augsburg nicht besonders viele Torchancen und kassierte im Schnitt nur einen Gegentreffer pro Partie. In der zweiten Hälfte der Hinserie änderte sich das Bild aber teilweise grundlegend und der Gegentorschnitt stieg dramatisch auf 2,33 pro Partie an.

29 Gegentore sind nach 17 Spieltagen deutlich zu viele, um letztlich eine realistische Chance auf die internationalen Plätze zu haben. Florian Kohfeldt hat deshalb für die Tage im Trainingslager in Südafrika auch intensive Arbeiten an den defensiven Abläufen angekündigt, ganz speziell in zwei Bereichen soll sich die Mannschaft bis zum Start der Rückrunde verbessern.

Gegenpressing ist ein Schwerpunkt

Werder hat gerade in der Defensive keine besonders schnellen Spieler zur Verfügung, die auf einen ausgehebelten Verteidigungsmechanismus besonders zuverlässig reagieren könnten. Gemeint sind damit jene Szenen, die die eigenen Defensivspieler in Eins-gegen-Eins-Situationen schicken, weil weiter vorne die Abläufe nicht gepasst haben. Aus dem an sich sehr ordentlichen Positionsspiel im eigenen Ballbesitz sollte die Mannschaft eigentlich immer in der Lage sein, sich bei Ballverlusten geschlossen zusammenzuziehen und ins Gegenpressing zu gelangen.

Das Positionsspiel bestimmt die Abstände der Spieler zueinander und zu Ball und Gegner und bietet an sich die perfekte Basis für ein effektives Gegenpressing. Problematisch wird es allerdings, wenn die Spieler dahinter nicht mutig aufrücken und den Raum klein machen. Werden die Gegenspieler in Ballnähe dann doch ausgespielt, ist die Absicherung nicht da und der Gegner kann mit Tempo auf die Abwehrreihe zugehen.

Szenen wie diese gab es in einigen Spielen öfter zu sehen, ein paar davon führten auch zu Gegentoren. Gegen Hertha, Stuttgart, Leverkusen, Mönchengladbach, Dortmund und Hoffenheim wurde Werder bei einem schnellen Gegenstoß des Gegners erwischt. “Wir haben zu viele Konter gefressen, die auch zu Gegentoren geführt haben. Deshalb wird das Gegenpressing ein Schwerpunkt sein im Trainingslager”, sagt Kohfeldt.

Speziell soll daran gearbeitet werden, wie die Mannschaft gegnerische Passwege schneller und sicherer zustellen kann, es sind die verschiedenen Verantwortlichkeiten zu klären, welche Spieler in welchen Situationen welche Aufgaben zu erledigen haben. Das Nachrücken und (neu) Zuordnen in Ballnähe ist ein großes Thema und damit insgesamt die komplette Konterabsicherung. Hier hat sich die Mannschaft schlicht zu viele individuelle und gruppentaktische Fehler erlaubt, die oft genug auch bestraft wurden und wichtige Punkte gekostet haben.

Probleme mit Mannorientierungen

Wie eine Blaupause darf diese Fehlerbeschreibung auch für einen anderen Bereich gelten. In den letzten drei Spielen vor der Winterpause schluckte Werder jeweils einen Treffer, weil die Aufteilung und Aufgabenverteilung im eigenen Strafraum nicht gut war. Ist der Gegner bis an die Grundlinie durchgedrungen oder hat sich in den Rücken der Bremer Abwehr kombiniert, zeigte Werder beim Verteidigen des letzten Passes einige markante Lücken im System.

Kohfeldt vermutete zuletzt sogar ein systematisches Vorgehen der Gegner, um diese Schwächen zu bespielen und auszunutzen. Nicht nur bei Werder gilt das Prinzip, dass im eigenen Strafraum nicht mehr übergeben wird und schon gar nicht von den Innenverteidigern gekreuzt. Die Verantwortlichkeiten zwischen den zentralen Abwehrspielern und Torhüter Jiri Pavlenka sollte klar geregelt sein. Problematischer wird es da schon in der Abstimmung der defensiven Mittelfeldspieler mit der Viererkette. Wer schließt welche Passlinien? Wer übernimmt welche(n) Gegenspieler? Wie reagieren die Spieler auf den zu vermutenden Rückpass?

Die Außenverteidiger und der oder die defensiven Mittelfeldspieler sollten mannorientiert verteidigen und vorbereitet sein auf das, was kommt. Hier ist auch die Analyseabteilung gefragt, die eindeutige Muster der jeweiligen Gegner erkennen und die Spieler darauf vorbereiten muss.

“Wenn wir dahin wollen, wo wir hin wollen, dann müssen wir uns klar verbessern”, sagt Kohfeldt und legt noch einen drauf. “Das sind Dinge, die nicht einfach so vom Himmel fallen. Das kann man trainieren und das werden wir trainieren. Das ist ein klarer Auftrag auch an uns als Trainerteam.”

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