News
Latest News
Rasenreport
15.10.2018
Werder trifft auf direkte Konkurrenz

Wochen der Wahrheit

© nordphoto


  • 6
  • 149

Claudio Pizarro hat das freie Wochenende genutzt, um nach London zu jetten. Dort spielten die Seattle Seahawks, seine erklärte Lieblingsmannschaft aus der NFL, der National Football League. Ebenfalls nach London war Christian Vander mit seiner Familie geflogen – auch Werders Torwarttrainer hat ein Faible für American Football. Nuri Sahin wiederum hatte es in die Heimat gezogen, er besuchte das Westfalenliga-Topspiel RSV Meinerzhagen gegen YEG Hassel. In Meinerzhagen war Sahin bis zu seinem Umzug nach Bremen Co-Trainer gewesen.

Dass Werders Profis die aktuelle Bundesligapause entspannt angehen können, hängt natürlich mit dem guten Start in die Saison zusammen. Sieben Spiele, 14 Punkte, Platz vier – so gut hat man sich in Bremen lange nicht gefühlt. „Die Startphase ist jetzt beendet“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach Werders 2:0-Sieg gegen Wolfsburg, „jetzt bist du drin in der Saison, jetzt hast du deinen Rhythmus gefunden.“ Oder eben nicht.

Nach dem ersten Fünftel der Saison haben sich Eindrücke verfestigt, Tendenzen bestätigt oder überholt. Werder will in den Europapokal. Um das zu schaffen, muss Werder nicht nur selbst gut spielen, sondern die Konkurrenz auch unter ihren Möglichkeiten bleiben. Nimmt man Bayern, Dortmund und RB Leipzig heraus, die von ihren Möglichkeiten und ihrem Selbstverständnis her eine Nummer zu groß für Werder sind, bleiben zehn Klubs, die vermutlich direkte Konkurrenten im Kampf um die europäischen Plätze sind oder es vom Potenzial her zumindest sein müssten. Und diese zehn Klubs lassen sich nach sieben Spieltagen in drei Kategorien einteilen: a) in Klubs, die wie Werder überraschend stark sind; b) in Klubs, die deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben sind; und c) in Klubs, die Werder im Auge behalten muss.

Bis die Bundesliga ab dem 12. November zum nächsten Mal für zwei Wochen Pause macht, trifft Werder in dieser Reihenfolge auf: Schalke 04, Bayer Leverkusen, Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach. Es sind allesamt Teams, die in die oben beschriebenen Kategorien fallen. Man könnte auch sagen: Jetzt kommen die Wochen der Wahrheit.

So stark wie Werder:

Nicht nur in Bremen hat der örtliche Fußballverein dafür gesorgt, dass bei den Fans zurzeit Glückshormone ausgeschüttet werden, auch in Mönchengladbach und in Berlin ist die Stimmung prächtig. Der Hertha (und dem kleinen Nachbarn 1. FC Union) widmete das Fachblatt „Kicker“ seine jüngste Titelgeschichte, Überschrift: „Boom, Boom, Berlin“. Warum Hertha so gut ist, konnte man beim Auftritt in Bremen zwar nur erahnen, aber davor (4:2 gegen Gladbach) und danach (2:0 gegen Bayern) hat die Mannschaft von Pal Dardai attraktiven Fußball gezeigt.

Auch in Gladbach ist zurzeit alles prima. Ein Geniestreich wie der 3:0-Sieg bei den Bayern fühlt sich fast nach Siebzigerjahre an, als die Borussia neben den Bayern das Maß aller Dinge war. So weit ist es 2018 noch lange nicht wieder, aber in Gladbach machen Spieler und Verantwortliche deutlich mehr richtig als falsch. Alassane Plea, der mit 23 Millionen Euro Ablöse teuerste Einkauf der Geschichte, hat schon fünf Tore geschossen. Lars Stindl hat sich zurückgemeldet, Thorgan Hazard ist in Topform. Werder trifft am 10. November im Weserstadion auf Gladbach.

Unter ihren Möglichkeiten:

35 Millionen Euro hatte der VfB Stuttgart im Sommer in zehn neue Spieler investiert. 33.000 Dauerkarten hatte der Klub verkauft, 65.000 Mitglieder zählt der VfB inzwischen, alles Zahlen, mit denen Werder nicht mithalten kann. Trotzdem ist es der VfB, der im Herbst den Trainer entlassen hat. Markus Weinzierl, der beim FC Augsburg anerkannt gute Arbeit geleistet hat und auf Schalke als gescheitert gilt, soll dafür sorgen, dass Stuttgart noch in die obere Tabellenhälfte rückt.

Noch weiter oben verorten sich der FC Schalke, Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim. In Hoffenheim, nur zwei Siege in sieben Spielen, rätseln sie, warum es nicht läuft. Ist es das Abschlusspech? Gegen Frankfurt traf Hoffenheim zweimal die Latte, gegen Leipzig einmal? Welche Rolle spielen die vielen Verletzten, die Belastung durch die Champions League und die Tatsache, dass der Abgang von Trainer Julian Nagelsmann spätestens zum Saisonende feststeht?

Die Trainer waren auch auf Schalke und in Leverkusen schon Thema. Mit Domenico Tedesco fremdeln einige. Ihnen spielt Schalke nicht schön genug, aber auch nach dem Fehlstart mit fünf Niederlagen lässt Schalkes Sportvorstand Christian Heidel keine interne Trainerdiskussion zu. Ganz ähnlich in Leverkusen, dort polterte Rudi Völler früh in Richtung Medien und Öffentlichkeit, als nach drei Niederlagen zum Start Heiko Herrlich hinterfragt wurde. Schalke, am Sonnabend Werders nächster Gegner, hat sich mit drei Zu-null-Siegen in Liga und Champions League freigeschwommen. Für Leverkusen, übernächster Gegner von Werder, gilt das noch nicht.

Auf dem Zettel:

Sie sind keine automatischen Anwärter auf Europa, aber sie spielen bisher so, als dürfe man sie nicht außer Acht lassen: Eintracht Frankfurt, Mainz 05, Augsburg und Wolfsburg. Frankfurt hat mit zwei Siegen in der Liga und zwei Erfolgen im Europapokal gegen Marseille und Lazio die Unsicherheit der ersten Wochen unter Neu-Trainer Adi Hütter abgeschüttelt. Wolfsburg geht den umgekehrten Weg, hat länger nicht gewonnen, aber davor angedeutet, dass sich die Mannschaft im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt hat. Der FC Augsburg hat erstaunliche Auftritte hingelegt: gegen Bayern (1:1), Gladbach (1:1), Freiburg (4:1) und natürlich beim Spektakel in Dortmund (3:4). Profis wie Philipp Max, Daniel Baier, Alfred Finnbogason, Michael Gregoritsch und an guten Tagen André Hahn stehen für gehobene Bundesliga-Klasse, das Spielsystem passt, „jeder weiß ohne nachzudenken, was zu tun ist“, sagte Kapitän Baier jetzt dem „Kicker“.

Zweimal 0:0, dreimal 0:1 beziehungsweise 1:0 – wenn an Mainz 05 eines bisher aufgefallen ist, dann die Torarmut in Spielen mit Mainzer Beteiligung. Das Torverhältnis von 4:4 war trotzdem für neun Punkte und Platz acht gut. Was von den Mainzern tatsächlich zu halten ist, kann Werder im direkten Duell Anfang November selbst herausfinden.

alterwaller am 16.10.2018, 09:36
Richtig. Will man weiter oben mit dabei sein musss gerade gegen diese Teams gepunktet werden. Mindestens 8 - 9 Punkte sollten es aus den nächsten 5 ( Schalke, Leverk., Mainz, Gladbach, Freiburg ) Spielen sein. Mir tun noch immer die verlorenen Punkte gegen 96, Nürnberg und den VFB weh. Will man also weiter oben einigemassen mitmischen darf sich sowas nicht wiederholen.
0
0

Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download