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17.01.2019
„MoAuba“ und “MegaBit“ im Interview

"Wir wollen ein Zeichen setzen“

© nordphoto


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Auf der Homepage von EA Sports steht bei Ihnen beiden als Lieblingsverein: VfL Bochum. Müsste dort nicht Werder stehen?

MoAuba: Das ist wohl noch nicht aktualisiert worden (lacht). Nein, im Ernst: Ich bin schon mein Leben lang in Bochum, war oft beim VfL im Stadion. Deswegen hat sich daran auch nichts geändert, als ich bei Werder unterschrieben habe. Ich supporte weiterhin auch Bochum.

MegaBit: Ich bin neu nach Bochum hinzugezogen, meine Sympathien für den Verein haben sich schnell entwickelt. Ich bin aber, ehrlich gesagt, kein wirklicher VfL-Fan. Für Werder hatte ich übrigens auch schon immer große Sympathien.

In der Virtuellen Bundesliga treffen Sie mit Werder auf den VfL Bochum, allerdings erst am 17. Spieltag. Zum Auftakt geht es an diesem Donnerstag (20.15 Uhr, live auf ProSieben Maxx) gegen RB Leipzig. Wie schätzen Sie den ersten Gegner ein?

MoAuba: Das ist ein Spitzenspiel. Leipzig ist ein starker Gegner, der auch um eine Top-Sechs-Platzierung kämpft, also um die Teilnahme zu den Play-Offs. Die haben mit Cihan Yasarlar einen Topspieler. Cihan und ich kennen uns sehr gut. Das wird ein hartes Spiel mit hoffentlich vielen Toren und Zuschauern.

MegaBit: Auf der Playstation ist die Partie Cihan gegen Mo ein absolutes Topduell, beide sind schon Deutscher Meister gewesen. Ich spiele auf der Xbox gegen Alex Czaplok. Er ist eher ein unbeschriebenes Blatt, aber auf jeden Fall ein starker Spieler, der in Einzelspielen immer gefährlich ist. Das ist jetzt seine erste Chance, sich auf großer Bühne zu beweisen. Deshalb ist er bestimmt super motiviert. Aber in den Einzelspielen wollen wir beide Duelle gewinnen und im Zwei-gegen-zwei müssen wir uns herantasten und gucken, wie gut wir harmonieren.

Was ist für Werder in der Virtuellen Bundesliga drin?

MegaBit: Das übergeordnete Ziel ist es, unter die besten sechs Mannschaft zu kommen. Wenn man in den Top Sechs ist, ist man direkt qualifiziert für das große Finale. Und da wollen wir beide natürlich unbedingt dabei sein. Wir wissen aber auch, dass uns viele die Favoritenrolle zuschreiben. Das bekommen wir mit, dessen sind wir uns bewusst. Und natürlich wollen wir dieser Rolle unbedingt gerecht werden.

Jetzt mal ehrlich: In der Einzel-Weltrangliste liegen Sie beide jeweils auf Platz drei („MoAuba“auf der Playstation, MegaBit auf der Xbox), Sie sind damit die beiden besten deutschen E-Sportler im Bereich der Fußballsimulation Fifa. Wäre alles andere als der VBL-Titel nicht eine Enttäuschung?

MoAuba: Wenn es nur Einzelduelle geben würde, und nicht noch ein Doppel, dann würden wir sagen: Unser Ziel ist es, auf jeden Fall zu gewinnen. Aber dieses Zwei-gegen-zwei gab es noch nie im E-Sport, da kann man ein paar Punkte liegenlassen. Ich glaube nicht, dass wir alles zerstören werden im Zwei-gegen-zwei. Das ist einfach zu ausgeglichen. Deswegen wäre es schon sehr gut, wenn wir in die Top Sechs kommen würden. Natürlich ist es aber auch unser Ziel, Erster zu werden. Ich will immer gewinnen.

Welche der 21 anderen Teams zählen Sie noch zum Favoritenkreis?

MegaBit: Wolfsburg, Schalke, Stuttgart, Leverkusen und vielleicht noch Bochum. Bochum hat eher die Außenseiterrolle unter den Favoriten, aber die haben sich als einzige deutsche Mannschaft neben uns für die Klub-WM qualifiziert.

Beim realen Fußball werden vor den Spielen Videoanalysen gemacht und Scouts sichten den Gegner. Bereiten Sie sich auch so akribisch auf die kommenden Gegner vor, um die Stärken und Schwächen herauszufinden?

MoAuba: Die meisten Playstation-4-Spieler kenne ich auswendig, und die kennen mich auswendig. Da brauche ich etwa von einem „TimoX“ (Timo Siep vom VfL Wolfsburg) kein Video zu sehen, das würde nichts bringen. Aber es gibt auch viele Teams, die mit Talenten antreten. Und wenn man Videos von deren Spielen hat, schaut man sich die an.

MegaBit: Unser Anspruch ist aber, unseren eigenen Spielstil durchzusetzen. Wir sind so in die Profiszene involviert, dass wir alle namhaften Leute kennen und schon mehrfach gegen sie gespielt haben. Es gibt etwa ein paar Kandidaten auf der Xbox, da weiß ich, dass ich nicht häufig den Ball sehen werde. Da muss ich meine Ballbesitzphasen effektiv ausspielen. Bei anderen Spielern ist es umgekehrt. Da weiß ich, dass es hin- und hergeht, da habe ich öfter den Ball, kann auch mal ein, zwei Risikopässe spielen.

Sie zocken gut 30 Stunden in der Woche Fifa, verbringen viel Zeit an der Konsole, spielen viele Turniere. Macht Ihnen das überhaupt noch Spaß?

MoAuba: Mir macht es Spaß, wenn man wirklich um etwas spielt, wenn es wichtige Spiele sind.

MegaBit: Der Spaßfaktor ist nicht mehr so hoch wie früher. Ich kann mich nicht mehr einfach mit Freunden hinsetzen und abends schön zocken. Bei uns ist das inzwischen alles sehr professionell, ein Beruf eben. Dementsprechend ist für uns der Spaß jetzt das professionelle Spielen, und das normale Spielen existiert nicht mehr.

Also haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht?

MegaBit: Ja, das ist Fakt.

Wie sah Ihr Weg zum professionellen E-Sportler aus?

MegaBit: Wir sind Pioniere, die ersten, die so etwas in Deutschland professionell machen. Wir sind da mehr oder weniger reingerutscht. Bei mir war es ungewöhnlich. Ich habe mich im Oktober 2015 aus dem Nichts für die WM qualifiziert. In den vier Monaten bis zu dem Event hat sich mein Denken über Fifa komplett verändert. Da habe ich mich zum ersten Mal mit der Pro-Szene auseinandergesetzt, habe Online-Turniere entdeckt, bei denen man um 50 bis 100 Euro gespielt hat. Ich habe damals gegen andere Profis gespielt, das hat mich spielerisch noch mal auf ein komplett anderes Level gehoben.

Und wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie Ihnen gesagt haben, dass Sie E-Sport-Profi werden wollen?

MegaBit: Bei mir was es doppelt leicht. Ich habe mich für die WM qualifiziert und parallel dazu eine Seminararbeit in der zwölften Klasse schreiben müssen. Meine Eltern haben mir in den Hintern getreten, dass ich bei der Seminararbeit vorankomme. Die Arbeit habe ich hervorragend abgeschlossen, dann wussten meine Eltern: Okay, nur weil er jetzt viel Fifa spielt, heißt das nicht, dass er andere Dinge vernachlässigt. Außerdem hat die WM damals in New York stattgefunden. Da ich noch minderjährig war, durfte ich ein Elternteil auf Kosten der Fifa mitnehmen. Ich habe dafür gesorgt, dass meine Familie zum ersten Mal in Amerika war. Sie war begeistert, dass ihr minderjähriger Sohn sie durch das Zocken ins Ausland bringt. Ab dem Moment hatte ich meine Eltern voll hinter mir.

Das klingt relativ unkompliziert und harmonisch. Wie sah das bei Ihnen aus?

MoAuba: Ich habe typisch arabische Eltern, die wollten, dass ich studiere. Es gab bei mir schon viele Diskussionen. Vor allem am Anfang, als E-Sport noch nicht so bekannt war. Ich habe mein Abitur nebenbei gemacht, aber dann hat sich die Frage gestellt: Studieren oder E-Sport professionell machen. Dann habe ich mich für Fifa entschieden. Für mich war es klar, für meine Eltern nicht. Aber jetzt, mit meinem Engagement bei Werder Bremen, sind sie begeistert und unterstützen mich die ganze Zeit.

Begeisterung ist ein gutes Stichwort: Die E-Sport-Branche boomt derzeit. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung des E-Sports in Deutschland?

MegaBit: Ich sehe das durchweg positiv – nicht nur auf Deutschland bezogen, sondern auch wie sich das international entwickelt. Als ich im März 2016 das erste Mal bei der WM war, hat der Sieger 20.000 US-Dollar bekommen, ein Jahr später waren es 200.000 US-Dollar. Auch die Anzahl der Turniere steigert sich kontinuierlich, das Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) unterstützt E-Sport nun mit der Gründung der Virtuellen Bundesliga. Ein weiterer großer Schritt nach vorne?

MegaBit: Mein Traum ist es seit ein paar Jahren, dass wir eine Bundesliga parallel zu den echten Fußballern haben. Jetzt haben wir genau das. Das ist der Anfang zur weiteren Professionalisierung und jetzt steht die DFL mit so vielen Vereinen schon voll dahinter. Das ist eine Frage von ein, zwei Jahren, bis alle Vereine der ersten und zweiten Liga an Bord sind.

Was bedeutet es, dass der Wettbewerb im Free-TV gezeigt wird?

MoAuba: Das ist für uns ein Riesenschritt. Es gibt eine ganz andere Zielgruppe als bei den Spielen, die im Livestream über Twitch zu sehen sind. Im Fernsehen gucken dann viele andere Leute zu, das erhöht die Aufmerksamkeit.

MegaBit: Außerdem können wir dadurch die Vorurteile gegenüber E-Sport abbauen und die Akzeptanz beschleunigen.

Sie sprechen die Vorurteile mancher Menschen gegenüber E-Sport an. Sie sprinten, schießen und passen in einer virtuellen Fußball-Welt, sitzen auf einem Stuhl und schauen auf einen Bildschirm. Was entgegnen Sie den Menschen, die kritisch hinterfragen, was E-Sport mit Sport zu tun habe?

MoAuba: Ich verstehe die Menschen, die das sagen. Das sind meistens ältere Leute, die sich mit E-Sport gar nicht befassen. Es ist nicht die körperliche Belastung wie bei einem realen Profifußballer, aber so ein Turnier am Wochenende dauert manchmal 25 Stunden – das belastet den Kopf. Du musst einfach fit sein.

MegaBit: Das Vorurteil ist, dass viele bei Sport als erstes an Bewegung denken und dass man beim E-Sport nur die Daumen bewegt. Aber unabhängig davon, ob Fußball, Schach, Darts oder E-Sport: Der Wettkampf steht im Vordergrund – und unter dem Aspekt ist E-Sport auf jeden Fall Sport. Es passiert viel mental, bei manchen Turnieren sitzen wir an einem Tag zehn Stunden vor dem Bildschirm. Wenn wir spielen, müssen wir bei 100 Prozent sein. Wenn wir kurz mal nicht konzentriert sind, kassieren wir Gegentore und sind raus aus dem Turnier. Das sind Konzentrationshöchstleistungen, das ist auch sehr anstrengend, aber eine andere Anstrengung, als wenn ich real Fußball spiele und zehn Kilometer auf dem Platz laufe.

Wie lange wollen Sie das denn noch machen?

MoAuba: Ich habe Kai „Deto“ Wollin von Manchester City als Vorbild. Der ist jetzt 30 und spielt immer noch auf höchstem Niveau. Vielleicht spielt er noch bis 40, dann habe ich ein neues Ziel. (lacht) Für mich macht E-Sport Spaß. Ich glaube nicht, dass ich irgendwann mal keine Lust mehr darauf habe. Aber das weiß man nie.

Theoretisch könnten Sie doch bis ins hohe Alter spielen, weil Sie nicht so sehr auf die körperliche Fitness angewiesen sind wie ein echter Fußballer.

MegaBit: In anderen E-Sport-Bereichen wie Counter-Strike oder Call of Duty kommt es auf Millisekunden an. Bei Fifa ist es ein bisschen angenehmer, weil es mehr auf das Spielverständnis und das Erkennen der Situation ankommt. Deswegen kann ich mir schon vorstellen, dass man das ein paar Jahre länger machen kann. Ich habe in meinem Karriereplan erst mal angedacht, bis 30 zu spielen. Bis dahin möchte ich ein abgeschlossenes Studium haben. Wenn es dann für E-Sport nicht mehr reicht, will ich normal arbeiten, und wenn es noch reichen sollte, will ich von Jahr zu Jahr schauen.

Nebenbei noch ein Studium – wie wollen Sie das zeitlich schaffen?

MegaBit: Vor einem Jahr hätte ich gesagt, dass ich das auf jeden Fall nebenbei schaffe. Als der neue Turnierkalender herauskam, habe ich gemerkt, dass ein Studium nebenbei überhaupt nicht klappen würde, weil alles eng getaktet ist. Ich muss mich wahrscheinlich aufs Sommersemester konzentrieren. Ich will später im Sportmanagement arbeiten, deswegen ist mein Engagement im E-Sport nicht hinderlich, für das, was später im Leben ansteht.

Aber jetzt steht erst mal die Virtuelle Bundesliga an. Wie geht die Auftaktpartie gegen Leipzig aus?

MoAuba: Wir gewinnen alle drei Spiele.   

MegaBit: Das wäre der überragende Auftakt. Das ist das Zeichen, das wir setzen wollen. Live im Free-TV wollen wir natürlich unser bestes Fifa zeigen. Drei Siege wären geil, das würde uns viel Selbstvertrauen geben. Aber es wird sehr schwierig.

Zur Person:

Mohammed „MoAuba“ Harkous (22) wohnt in Bochum und spielt seit Juli 2018 für Werder. Der gebürtige Hagener ist seit 2016 E-Sport-Profi. Seitdem hat er viermal die Deutsche Meisterschaft (Electronic Sports League) auf der Playstation gewonnen.

Michael „MegaBit“ Bittner (20) wohnt ebenfalls in Bochum. Im September 2018 wechselte der gebürtige Bayreuther vom VfL Bochum zu Werder. Er bevorzugt die Xbox, ist aber auch Experte auf der Playstation. Seit 2017 bezeichnet er sich als E-Sport-Profi.

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