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23.05.2019
Florian Kohfeldt im Mein-Werder-Interview

„Wir sind echt attraktiv für Spieler“

© Nordphoto


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Sie haben vor wenigen Wochen erneut betont, dass Sie nicht davon abweichen, Ihren bis 2021 laufenden Vertrag auch zu erfüllen. Warum war Ihnen diese Deutlichkeit so wichtig, Herr Kohfeldt?

Florian Kohfeldt: Ein großes Problem mit solchen Aussagen ist, dass ich ja explizit danach gefragt werde. Und wenn die Frage ist, ob ich davon abweiche, dann ist meine Aussage nur natürlich und keine extra große Überhöhung dessen. Sie steht aber auch weiterhin.

Man hätte Sie ja auch so interpretieren können, dass es nur darum geht, den Vertrag zu erfüllen. Aber vielleicht geht es ja auch darum, länger bei Werder zu bleiben.

Auszuschließen ist das nicht. Ich habe momentan keinerlei Ambitionen, hier wegzugehen. Ich fühle mich sehr, sehr wohl. Ich zitiere da gern das Spruchband aus der Ostkurve – auch ich habe das Gefühl, dass wir erst am Anfang sind. Und das gilt auch für mich. Das kann dann auch bedeuten, dass wir, wenn der Verein es will, den Vertrag noch mal verlängern.

Ihr Name hat momentan einen sehr guten Klang in der Branche. Was macht das mit Ihnen, wenn dann doch einmal ein Angebot oder zumindest eine Anfrage von einem anderen Verein kommt?

Das weiß ich nicht.

Es hat sich also noch niemand gemeldet?

Ich habe einen sehr guten Berater. Und einen guten Berater zeichnet aus, dass er mich wirklich nur dann anruft, wenn er das Gefühl hat, dass wir darüber reden müssen.

Diesen Punkt gab es also noch nicht?

Er ruft schon ab und zu mal an (grinst), aber grundsätzlich habe ich noch nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, mich ernsthaft mit etwas anderem zu beschäftigen.

Das heißt, dass jemand wie Sie, der so viel im Voraus plant, das bei seiner eigenen Trainerkarriere nicht tut?

Natürlich habe ich Vorstellungen davon, was ich noch einmal erreichen möchte und was irgendwann noch einmal Ziele und Herausforderungen sein können. Ich glaube aber, dass man das ein Stück weit auch in diesem Moment merken muss. Ob es dann passt oder ob man auch mal eine Pause braucht. Die größte Maxime, die man als Trainer haben und ausstrahlen sollte, ist: Ich bin zu tausend Prozent hier, identifiziere mich mit meiner Aufgabe und es geht nicht nur darum, meine persönliche Karriere voranzutreiben. Deshalb sind Trainer da auch anders gefragt als Spieler. Wenn der Trainer schon anfängt zu sagen, dass er mal schaut, wenn dort oder dort eine Tür aufgeht, wie soll ich denn dann von den Spielern erwarten, dass sie zu tausend Prozent nur den Verein im Kopf haben?

Ist es umgekehrt genau dieses erwähnte Gefühl, das es jetzt bei Max Kruse nicht gegeben hat und Sie enttäuscht?

Nein. Max hat einen auslaufenden Vertrag nicht verlängert, das ist eine sehr legitime Sache. Deshalb bin ich nicht enttäuscht. Es tat weh, weil ich ihn menschlich und sportlich sehr schätze. Ich sehe aber gerade im Sportlichen eine Chance darin, dass wir uns anders aufstellen. Und anders heißt nicht schlechter.

Es gibt aber auch Beispiele im Profifußball, wo Spieler den Verein eben nicht ablösefrei verlassen, weil er ihnen so viel bedeutet.

Das kann man so sehen und ist völlig legitim. Man muss aber auch sagen, dass es vor drei Jahren nur ganz wenige Spieler mit seiner Qualität im Profifußball gegeben hätte, die in der damaligen Situation zu uns gewechselt wären. Dementsprechend finde ich die Debatte etwas schwierig. Wir waren damals ganz unten, das war ganz kurz, nachdem wir gegen Frankfurt in der allerletzten Sekunde den Klassenerhalt geschafft haben. Natürlich hatte Max keine einfache Situation in Wolfsburg, aber er hätte Champions League spielen können. Die Angebote waren tausendprozentig da. Er hat sich aber bewusst für Werder entschieden, weil er hier in der Jugend war und auch in diesem Verein noch einmal etwas erreichen wollte. Jetzt hat er drei Jahre hier gespielt und einen großen Anteil daran, dass der Verein zwei Schritte weiter ist als vor drei Jahren.

War die Art des Abschieds, den er bekommen hat, denn die richtige und gebührende? Oder war es letztlich die, die er verdient hat in dem Moment?

Er hat einen Abschied bekommen, das ist erst einmal ganz wichtig. Er hat ihn leider nicht auf dem Platz bekommen, obwohl wir da alle für gekämpft haben. Deswegen war es das Mindeste, dass er sich im Stadion verabschieden durfte. Was ich mitbekommen habe, war, dass es sehr höflich und anerkennend war – und das ist okay so.

Der Abschied war aber auch ein wenig austauschbar. Max Kruse hätte durchaus Besseres verdient gehabt, und das hätten die Fans ihm sicherlich auch sehr gern gegeben, aber nach der Hängepartie und der Enttäuschung über den Wechsel war das wohl nicht mehr möglich.

Das mag sein, trotzdem hat er seinen Abschied gehabt. Und er hat ihn im Stadion gehabt. Das war auch sein Wunsch, sich noch einmal von den Fans zu verabschieden. Das ist auch ein Charaktermerkmal, das ihn auszeichnet. Es hätte ja auch sein können, dass er ausgepfiffen wird. Darüber haben wir vorher auch geredet, aber Max duckt sich nicht weg.

Wie genau wollen Sie seinen Abgang denn jetzt auffangen?

Ein Ziel ist es, den Offensivbereich sehr facettenreich aufzustellen. Wir möchten eine Mischung an Spielern haben, die grundsätzlich schwer zu verteidigen sind innerhalb des Gesamtkonstrukts. Wir haben mit Milot Rashica schon einen Spieler, den jeder Gegner nur noch ungern im Eins-gegen-eins spielen lässt. Wir haben mit Yuya Osako jemanden, der sich unheimlich gut in den Zwischenräumen bewegt. Wir bekommen jetzt mit Niclas Füllkrug jemanden, der vorne einen Ball festmacht. Was wir noch nicht haben, ist dieser Schuss Kreativität in gewissen Momenten. Wir wollen uns da nicht auf einen Spielertyp festlegen und haben jetzt die Chance, uns auch im Variantenreichtum breit aufzustellen. Das kann sich genauso auch aufs Mittelfeld beziehen.

Haben Sie eigentlich am Anfang mal überlegt, was Sie am Spielfeld anziehen? Sie zählen ja zu den Trainern, die gern einen Trainingsanzug tragen.

Das habe ich anfangs gar nicht gemacht, zwischendurch dann allerdings mal. Tim Wiese hat mir ja auch mal empfohlen, eine Jeans anzuziehen, weil ich wie ein Balljunge aussehe (lacht). Für die jetzige Situation, mein Alter und die Verbundenheit zu anderen Bereichen des Vereins würde ich es momentan komisch finden, wenn ich in Jeans und Sakko dort stehen würde.

Und so können Sie ja auch viel besser mitfiebern. Deshalb die Frage: Was war für Sie der emotionalste Moment der Saison?

Da gibt es zwei, beide Male war es im Pokal. Dortmund war der schönste Moment, nicht nur, weil wir dort gewonnen haben. Es ist alles so eingetreten, wie wir das Spiel geplant haben – plus die Tatsache, dass wir immer wiedergekommen sind. Das war einfach toll. Diese Emotion, diese Freude. Diese Rückfahrt war richtig schön. Und dann war da eben der erwähnte besondere Moment nach dem Spiel gegen die Bayern.

Für einen Verein wie Werder Bremen ist es aktuell sehr schwierig, einen Titel in die Hand zu bekommen. Geht es deshalb auch darum, Momente mit den Fans und mit der Mannschaft zu sammeln?

Das ist ein Ansatz, den ich sehr charmant finde. Er birgt nur eine Gefahr: Man darf sich nicht in diesen Momenten verlieren, sondern muss trotzdem immer das Streben nach durchgehendem Erfolg haben. Natürlich ist die Meisterschaft ein Ziel, das für uns nicht realistisch ist. Das wäre ja Fantasterei, wenn wir davon reden würden. Aber eine gewisse Art und Weise darzustellen, ist schon etwas sehr Erstrebenswertes. Und über diese Art und Weise gewisse Momente zu kreieren, ist etwas Besonderes und etwas Bleibendes. Mir hat ein Freund nach dem Dortmund-Spiel gesagt, dass das jetzt endlich mal wieder ein Spiel war, über das er auch in fünf Jahren noch redet. Das ist etwas, was schön und gut ist. Trotzdem sage ich, dass kontinuierliche Weiterentwicklung wichtig ist. Vier geile Spiele im Jahr mit geilen Momenten und den Rest einfach so hinspielen – das ist auch nicht gut.

Sie haben mit Ihrer Mannschaft eine gute Saison gespielt, der Spirit in der Stadt hat sich wieder verändert. Nun sind bei den Fans aber vielleicht auch die Erwartungen wieder höher. Ist es berechtigt, diese zu hegen, oder befindet sich Werder eigentlich noch auf einem Schritt irgendwo dazwischen?

Es wird im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder zehn bis elf Mannschaften geben, die entweder mehr Geld investiert haben und wahrscheinlich auf einigen Positionen die höhere Qualität haben werden als wir, und trotzdem wäre ich verrückt, wenn ich sagen würde, ich möchte diesen Spirit, diese Haltung zurückdrehen. Das ist doch genau das, was wir erreichen wollten. Es muss halt trotzdem jeder wissen – und da haben die Fans ein sehr gutes Gespür dafür – , dass wir erst an einem Anfang sind. Natürlich sind wir in einem Prozess, aber diese Erwartungshaltung will ich um keinen Millimeter zurückdrehen. Das war das Beste an unserem Saisonziel. Das hat uns komplett immer angespornt, niemals zurückzustecken. Wir werden uns auch weiterhin sehr ambitionierte Ziele in dem Wissen setzen, dass wir über viele kleine, kluge, bessere Entscheidungen ausgleichen müssen, was andere Vereine monetär haben. Kein 'weiter so' – sondern besser werden.

Wie genau sieht der nächste sportliche Schritt aus?

Er gibt sehr klare Ansatzpunkte in unserem Spiel, die besser werden müssen. Offensiv sind wir eine der Mannschaften, die systematisch am besten ins letzte Drittel kommt, aber dafür haben wir noch zu wenig Tore geschossen. Das ist auch ein Kaderplanungsthema. Niclas Füllkrug ist jemand, der diese Boxpräsenz deutlich hervorheben soll. Die Themen Spieleröffnung, Übergangsspiel und grundsätzlich Staffelung in unserem Spiel zu haben, sehe ich auf einer guten Basis. Wir haben schon gemerkt, dass sich die Gegner da sehr stark nach uns richten, deshalb musst du da sehr stabil bleiben. Wir werden da sicherlich in der neuen Saison noch andere Lösungen haben, um nicht ausrechenbar zu sein. Es bleibt nämlich unsere Grundphilosophie, spielerisch die Dinge zu lösen.

Und in der Defensive?

Da geht es um die Konterabsicherung, wobei ich auch weiterhin sagen würde, dass es kein allgemeines Problem ist. Es gab da eben die Spiele gegen Leverkusen und Düsseldorf, wo es schlecht war. Wenn du dich mit sehr vielen Spielern am Angriff beteiligst, dann musst du den Moment des Ballverlustes perfekt organisieren. Da habe ich aber ein gutes Gefühl, weil wir keinen großen Umbruch haben werden. Ich habe es schon gesagt und bleibe dabei: Ich gehe davon aus, dass Max Kruse der einzige Stammspieler ist, der den Verein verlässt. Deshalb werden wir eine Vorbereitung haben, die diese Arbeit auch ermöglicht.

Was macht Sie so sicher, dass der Kader wirklich so zusammenbleibt? Gibt es keine Summe für einen Spieler, bei der der Verein schwach werden könnte?

Es gibt viele Gründe, zum Beispiel die persönlichen Gespräche. Bei allen habe ich das Gefühl, dass sie diese Stimmungslage haben, dass sie hier noch nicht fertig sind. Vielleicht war es auch genau das, was bei Max anders war. Vielleicht wäre es sogar viel gefährlicher geworden, wenn wir uns für Europa qualifiziert hätten. Dann hätte der eine oder andere Spieler wirklich auf die Idee kommen können zu sagen, wie eigentlich der nächste Schritt bei Werder Bremen aussieht. Wir haben schließlich auch Spieler, die Ambitionen oder die Möglichkeiten haben, zu Vereinen zu gehen, die systematisch Titel gewinnen können. Das Zweite ist die Vertragslage. Natürlich gibt es utopische Summen, aber wir haben alles in der Hand und treffen Entscheidungen. Und drittens kommt ein weicher Fakt hinzu, wenn ich mit möglichen neuen Spielern spreche: Viele wollen auch nach Bremen, weil sie das Gefühl haben, dass man sich hier entwickeln kann, es geile Fans und ein tolles Umfeld gibt. Wir sind echt attraktiv für Spieler – und das wissen auch die jetzigen Spieler, dass das nicht überall so ist.

Reden wir über Niclas Füllkrug. Ist es nicht ein enormes Risiko, sich auf einen Spieler zu verlassen, der bereits drei Knorpelschäden erlitten hat? Und auch noch für eine Ablöse?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein gewisses Risiko dabei ist. Wir haben das aber eingehend untersucht und die Botschaft, die wir bekommen haben, ist, dass es keine dramatisch erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung gibt. De facto ist es schon einmal passiert, das darf man nicht davonlügen. Im positivsten Sinne ist es aber ein typischer Werder-Transfer. Wir haben einen Spieler, der nachweislich einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet hätte, für gutes Geld bekommen. Wenn er gesund bleibt – und das wird er –, dann gewinnen wir einen Spieler dazu, der im letzten Jahr ans Tor zur Nationalmannschaft geklopft hat und trotzdem noch entwicklungsfähig ist. Ich sehe da viel eher die Chance. Ganz ohne Risiko bekommen wir solch einen Spielertyp eben nicht.

Das Gespräch führten Jean-Julien Beer und Malte Bürger. Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Florian Kohfeldt (36)

übernahm Werders Bundesligamannschaft im Herbst 2017 im Abstiegskampf und schaffte nun fast den Sprung nach Europa. Das macht den jungen Bremer für andere Klubs interessant. Er kann sich aber vorstellen, länger zu bleiben.

Luckybox am 24.05.2019, 08:12
Finde, man merkt Kohfeldt richtig an wie enttäuscht und auch sauer er über den Kruse Abgang ist.
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Nomolas am 24.05.2019, 10:22
Die folgende Aussage finde ich sehr interessant:
"Das Zweite ist die Vertragslage. Natürlich gibt es utopische Summen, aber wir haben alles in der Hand und treffen Entscheidungen."
Zwischen den Zeilen gelesen, bedeutet das nämlich, dass wohl doch nicht so viele Spieler wie spekuliert eine AK haben könnten.
Ich gehe persönlich sogar davon aus, dass außer Maxi kein anderer eine AK hat.
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Posaune am 24.05.2019, 20:51
Ich bin immer wieder erstaunt und begeistert über die Qualität seiner Antworten. Er hat nicht lange zu überlegen und abzuwägen über das was er sagt. Aber was er sagt hat für mich stets Substanz und Qualität.
Super Typ.
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delles.wiki am 25.05.2019, 00:03
Es fällt mir immer schwer zu verstehen, warum der Abgang des absoluten Leistungsträgers eine Chance darstellen sollte. Fußballerisch, bei den Mitteln, die Werder zur Verfügung hat, nicht zu ersetzen und also zunächst einmal eine Schwächung. Es gibt doch nur gute und weniger gute Fußballer, und wir haben gerade den Besten verloren. Sicherlich wird sich die Hierarchie in der Mannschaft verändern und andere werden tragendere Rollen übernehmen müssen, trotzdem wiegt der Verlust schwer und ist zunächst einmal ein Nachteil. Kruse keinen neuen Vertrag zu geben und dann Abermillionen für einen Spieler wie z.B.
(den zugegebenermaßen jüngeren) Gregoritsch auszugeben, passt irgendwie nicht zusammen. Irgendwie scheint bei diesem Abgang was mitzuschwingen, was nicht so schön ist. Schade...
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Rossi52 am 25.05.2019, 01:14
Kohfeldt steht mit seinen immer äußerst fundierten Antworten für mich sogar noch über Rehhagel und Schaaf.
Ich habe selten einen Trainer erlebt, dem man ohne Vorbehalte jede seiner Aussagen und Analysen ohne jeglichen Einwand abnimmt.
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Netzorath am 25.05.2019, 14:19
Das ist eindeutig richtig, aber mal ehrlich, dazu gehört auch nicht sehr viel. Rehhagel war nie bereit, über das zu reden, was er machte, und von Schaaf gab es immer nur die gleichen Floskeln. Die redeten noch nicht mal über das System, mit dem sie spielten. Es war eine andere Zeit, in der man nicht bereit war, Fans und Öffentlichkeit einzuweihen in seine Arbeit. Das geht heute auf dem Niveau nicht mehr.
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Werderland am 25.05.2019, 10:31
Die vergangene Saison wird allgemein und zurecht als erfolgreich angesehen, unsere Mannschaft hat zweifellos ein sehr positives Bild abgegeben.

Max Kruse war Herz und Hirn dieser Mannschaft. Er war bester Torschütze, bester Vorbereiter, ligabester Elfmeterschütze. An seine fussballerische Extraklasse langt in unserem Kader höchstens noch Claudio Pizarro heran.

Und diesen Spieler lässt man gehen, und das auch noch ablösefrei. Wenn es stimmt, dass man ihm einen Vertrag mit abgespeckten Bezügen angeboten hat, dann war das eine Aufforderung zu gehen. Dann muss Frank Baumann aber auch mächtig 'was in der Hinterhand haben. Sonst ist wohl eher er derjenige, der sich verpokert hat.

Selbstverständlich haben wir immer Abgänge verkraften müssen, und natürlich gibt es auch die Chance auf neuen, anderen Erfolg. Ich glaube aber, dass der Verlust von Max Kruse ganz besonders schwerwiegend ist. Wir hatten bei früheren Abgängen (Johan Micoud, Diego, Özil etc) immer noch sehr viel Qualität im jeweiligen Kader, auf jeden Fall sehr viel mehr als heute. Die Qualität für Europa haben im aktuellen Kader außer Jiri Pavlenka und Davy Klaassen höchstens noch Milot Rashica und Maxi Eggestein, wenn sie sich weiter so entwickeln. Danach kommt nur noch Personal, mit dem wir sicherlich die Klasse halten können, mit dem aber ein einstelliger Tabellenplatz schwer zu erreichen wäre.

Ich hatte nach der Saison eigentlich gedacht, dass wir uns stetig verstärken würden und eher einen Spieler vom Kaliber Kruse dazu bekommen, als einen zu verlieren. Und die Namen, die da jetzt kursieren, machen nicht viel Hoffnung, den Qualitätsverlust aufzufangen.

Die Personalie Kruse gibt unserer wirklich sehr positiven Saison einen sehr bitteren Nachgeschmack. Das kann durchaus auch bei Florian Kohfeldt so sein, der moderiert das aber professionell weg. Man kann ihm in der Tat gut zuhören.
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susanneundjens am 25.05.2019, 13:14
Da ich sowas ähnliches auch schon mal geschrieben habe, ist es klar, dass ich hier zustimme. Gerüchteweise soll Kruse aber ja sogar 4,5 Mio. gefordert haben. Das wäre also eine Erhöhung. Und so ein Gehalt ist eben zu hoch für Werder.
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Posaune am 25.05.2019, 20:49
Und diesen Spieler lässt man gehen, und das auch noch ablösefrei.

Weil der Vertrag so unterschrieben wurde ist es nun mal so! Man hatte Max aber schon vorher eine Vertragsverlängerung angeboten und Kruse wollte nicht. Damit hat er eine heute mögliche Ablöse verhindert. Nicht Werder.

Natürlich war Max hervorragend und immer gesetzt.

Aber Kohfeldt hat auch gesagt:
Ich sehe aber gerade im Sportlichen eine Chance darin, dass wir uns anders aufstellen. Und anders heißt nicht schlechter.

Werder hat den Spieler Füllkrug verpflichtet. Derhat eine erstaunliche Entwicklung genommen und ist für mich persönlich eine "Ein Mann Büffelherde". Da wird man anders spielen müssen und das wird dann ohne MaxKruse vielleicht besser gehen. Her Kohfeldt sieht diese Chance anscheinend und ich denke, dass er weiß wovon er spricht.

Also keine Panik.
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Netzorath am 25.05.2019, 14:03
Lesenswerte Beiträge hier, deren zugrunde liegende Wertung mir aber zu negativ ist, vor allem was die Einschätzung unserer Spieler angeht. Man braucht das nur mal mit dem Personal von Eintracht Frankfurt zu vergleichen, deren Spieler sich ja als sehr geeignet für Europa gezeigt haben und deren Potential für meine Begriffe nicht über dem unserer Spieler anzusiedeln ist. Im Einzelnen kann man da natürlich herrlich streiten.

Zum tatsächlichen Grund des Ausscheidens von Kruse will ich nichts sagen, da wir nichts Konkretes wissen. Die Spekulationen reichen von deutlicher Mehrforderung von ihm bis zur angestrebten Reduzierung seitens Werder, was ich mir nicht vorstellen kann. Dass ein Spieler, der es voller Selbstbewusstsein darauf ankommen und den Vertrag auslaufen lässt, ablösefrei geht, kann man kaum verhindern.

Es ist sicher richtig, dass Kruses Potential das größte bei Werder war, aber auch, dass er es regelmäßig nur die halbe Saison gezeigt hat. Jetzt stehen wir noch unter dem Eindruck seiner zweifellos blendenden Rückrunde, in der er aber erst in der Endphase in den Torjäger- und Scorertabellen auftauchte. Seine Leistungen in der Hinserie waren immer ausbaufähig, und darunter hat die ganze Mannschaft wegen ihrer Abhängigkeit von Max regelmäßig gelitten, wie die Tabelle immer zeigte.

Und damit sind wir auch schon bei der Chance, die sein Ausscheiden bieten KANN, wenn man das frei werdende finanzielle Potential so clever nutzt, wie man sich das aufgrund der bisherigen guten Transferbilanz von Frank Baumann erhoffen kann. Man muss sich aus der Abhängigkeit von Kruse jetzt befreien, und das nicht nur, indem man einen Ersatzmann holt, sondern es so gestaltet, dass die Klasse sich nicht nur auf einen Spieler erstreckt, sondern auf mehrere verrteilt ist, so dass die Mannschaft auch schwerer auszurechnen sein wird. Kohfeldt sieht das auch so. Mich erinnert das an die frühere Gladbacher Mannschaft, die irgendwann mal ohne Netzer besser, weil schwerer auszurechnen war und der sein Weggang überhaupt nicht geschadet hat – im Gegenteil, sie haben ohne ihn noch mehr erreicht als mit ihm.

Aber das ist ein überaus schwieriges Unterfangen, keine Frage, und die mit Kruses Weggang verbundenen Sorgen teile ich durchaus.
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susanneundjens am 25.05.2019, 19:18
Ja, aber es wird jetzt wichtig im Sommer. Wenn man uns verkaufen will die Kruse-Rolle auf mehrere zu verteilen und außer Füllkrug und Friedl niemanden zu verpflichten, tja, dann können wir wieder den Fahrstuhl Richtung Platz 12 und 13 nehmen. Da bin ich mir wirklich sicher und ich denke normalerweise positiv. Holt Werder hingegen Grujic UND Gregoritsch oder zwei ähnliche Spieler, sieht es hingegen gut aus sich zumindest auf dem Niveau dieser Saison zu stabilisieren.
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WERDER2016 am 25.05.2019, 20:51
Sehr gut gesprochen, auf den Punkt gebracht.
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delles.wiki am 26.05.2019, 09:33
@Netzorath

Ja, das erhofft man sich natürlich, dass sich die Struktur der Mannschaft verändert, dass andere nun die sich bietenden Freiräume des sonst immer omnipräsenten Kruse nutzen. Darauf zielt ja auch Kohfeldts Aussage, dass der Weggang Kruses auch eine Chance darstellt.
Mir geht es aber auch wie @Werderland, ich hatte gehofft, Werder würde sich weiter verstärken können und Kruse bekäme Spieler an seine Seite, die auf seine Ideen eingehen und ihn selber auch in Szene setzten können. Das hatte beispielsweise ja auch mit Bartels so schön funktioniert, das war toll, das Zusammenspiel zwischen den Beiden.
Was aber auch wahr ist, Kruse war überall und nirgends, hat sich teils bis tief in die eigene Hälfte fallen lassen, um von hinten heraus das Spiel anzukurbeln oder ist auch extrem auf die Flügel ausgewichen. Ich kann mir vorstellen, dass Kohfeldt mit solcher Art taktischem "Wild-West" so seine Probleme hatte. Trotzdem, wo er auch unterwegs war, er war der Mann mit den Ideen, er war der Gestalter. Spielt er tatsächlich demnächst in einer Spitzenmannschaft, was ich ihm sehr wünschen würde, wenn es denn keine deutsche ist, wird er da seinen kreativen Freigeist zügeln und sich auf eine Rolle beschränken müssen.
So weit zurück und weit weg wie mit Netzer und Gladbach brauchen wir gar nicht gehen.
Ich kann mich noch gut an den Abgang unseres ersten großen Stars, Rudi Völler, erinnern. Da hat man auch gedacht, es ginge nicht mehr weiter mit dem Höhenflug Werders. Dann kam Riedle, zudem entwickelte sich die ganze Mannschaft weiter und was folgte war Glanz und Gloria, viele weitere Stars und immer wieder eine ähnliche Geschichte: Sie gingen zu mehr oder weniger großen Vereinen und wurden mehr oder weniger glücklich, und Werder blieb ein gutes Umfeld für die Entwicklung von weiteren Ausnahmespielern (Herzog, Basler, Frings, Pizarro, Ailton...). Das macht ja auch zu einem nicht geringen Teil den Charme dieses Vereins aus und ist sicherlich auch ein wichtiger Grund für die hohen Sympathiewerte, die dieser Verein weit über die Grenzen Bremens und des gesamten Nord-Westens hinaus genießt.
Ich bin überhaupt nicht pessimistisch, dafür sorgt alleine schon die hervorragende Arbeit unserer sportlichen Verantwortlichen und ein Umfeld, was geerdet ist und keine Wolkenkuckuckusheim-Anforderungen stellt.
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delles.wiki am 26.05.2019, 10:15
Noch eins: Natürlich haben Sie recht mit Ihrer Kritik an Kruse bzgl. seiner mangelnden Fitness, regelmäßig nach der Sommerpause. Trotzdem war man immer froh, dass er auf dem Platz stand. Das ist schon phänomenal, dass jemand im heutigen Spitzenfußball trotzdem nicht nur mithält, sondern sogar spielprägend bleibt. Auf der anderen Seite ist das natürlich kein besonders gutes und motivierendes Signal an die anderen Spieler, aber vielleicht ist man es auch eher bereit, es dem Star des Teams nachzusehen, wenn er trotzdem der Mannschaft helfen kann. Richtig ist aber auch, Werder wäre sicherlich erfolgreicher und jetzt weiter gewesen, wenn sich Kruse das nicht gegönnt und sich da professioneller verhalten hätte.
Meine Wertschätzung für diesen Ausnahmefußballer bleibt aber ungebrochen hoch und als Fan dieser Mannschaft hätte ich mir weiter diesen Spieler mit seinen besonderen Aktionen gewünscht. Andererseits habe ich, wie gesagt, großes Vertrauen in die Entscheidungen der sportlichen Leitung.
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delles.wiki am 26.05.2019, 13:26
Allgemein muss man sagen, dass dieser Trainer, diese Mannschaft (man denke nur an die tollen Pokalspiele gegen Dortmund und Bayern) und diese Kaderplaner- und umsetzer zu schönen Hoffnungen Anlass geben. Dazu die treue Anhängerschaft..., wir Werderfans haben es gut!
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