News
Latest News
Rasenreport
10.05.2019
Moisander im Mein-Werder-Interview

„Wir brauchen ein kleines Wunder“

© nordphoto


  • 5
  • 177

Herr Moisander, kennen Sie die „Wunder von der Weser“?

Niklas Moisander: Ich habe davon gehört, aber ich kann nicht sagen, um welche Spiele es dabei genau geht.

Damit gemeint sind die Europapokalspiele gegen Spartak Moskau, Dynamo Berlin, Olympique Lyon und RSC Anderlecht, in denen Werder stets große Rückstände aufgeholt und nahezu Unmögliches geschafft hat. Braucht Werder jetzt wieder ein Wunder, um noch die Europa League zu erreichen?

Vielleicht brauchen wir ein kleines Wunder. Aber wer in dieser Woche Fußball geguckt hat, hat gesehen, dass alles möglich ist. Wir haben zwar noch zwei sehr schwierige Spiele, aber wir glauben daran, dass es noch klappen kann.

Sie spielen auf diese verrückten Halbfinalspiele der Champions League an. Liverpool hat gegen Barcelona ein 0:3 aus dem Hinspiel gedreht, Tottenham hat gegen Ajax in der 96. Minute das entscheidende Tor geschossen. Man hat gesehen, dass im Fußball fast alles möglich ist. Kann das auch Werder Mut machen?

Was Liverpool und Tottenham gezeigt haben, ist wirklich unglaublich. Mit Salah und Kane fehlte jeweils der beste Spieler. Aber man kann das kompensieren, wenn man ein echtes Team ist. Das sollte jedem im Sport und im Fußball Mut machen.

Sie dürften sich allerdings am Mittwochabend nicht sonderlich gefreut haben. Waren Sie sehr enttäuscht darüber, dass Ihr Ex-Klub Ajax auf solch bittere Weise ausgeschieden ist?

Ja, ich war traurig, denn ich kenne noch ein paar Spieler bei Ajax. Der Verein ist für mich immer noch wichtig, aber Tottenham hat eben alles getan, um zu gewinnen, und hatte auch ein bisschen Glück.

Trotz des Ausscheidens hat Ajax eine herausragende Champions-League-Saison gespielt und ist mit relativ geringen finanziellen Mitteln bis ins Halbfinale gekommen. Kann Werder von Ajax etwas lernen?

Ja, natürlich. Ajax hat gezeigt, dass man nicht so viel Geld in Spieler investieren muss, um Erfolg zu haben. Mit einem klaren Plan, klaren Zielen, viel Arbeit und Selbstvertrauen kann man vieles erreichen. Die Ajax-Mannschaft ist sehr jung, aber spielt ohne Angst.

Ohne Angst kann Werder auch in die letzten zwei Saisonspiele gehen. Im Kampf um die europäischen Plätze ist Ihre Mannschaft der klare Außenseiter. Können Sie also gegen Hoffenheim befreit aufspielen?

Ja, es ist ganz einfach. (lacht) Die ganze Saison über habt ihr Journalisten viel gerechnet und kalkuliert, wie viele Punkte wir noch brauchen. Jetzt ist es leicht: Wir brauchen sechs Punkte aus zwei Spielen.

Für Werder ist das Hoffenheim-Spiel also vergleichbar mit einem Pokalhalbfinale. Im Falle eines Sieges könnte es ein Finale gegen Leipzig geben. Ihre Mannschaft hat in dieser Saison große Auftritte im DFB-Pokal gezeigt. Liegen Werder diese Alles-oder-nichts-Spiele?

Ich denke schon. Auch in den vergangenen Jahren, als wir im Abstiegskampf waren, haben wir die Spiele gewonnen, die wir unbedingt gewinnen mussten. Diese Saison war es genauso. Wir geben niemals auf, so wird es auch gegen Hoffenheim sein.

Bei der Aufstellung stellt sich erneut die Frage, wer neben Ihnen in der Innenverteidigung spielt. Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp haben sich regelmäßig abgewechselt, auch Marco Friedl kam mal zum Einsatz. Hat darunter die Eingespieltheit gelitten?

Nein, das war kein Problem. Alle drei sind sehr gute Spieler und haben sehr gut mit mir zusammengespielt. Wir wissen alle genau, was wir auf dem Platz machen müssen.

Die regelmäßigen Wechsel können aber auch ein Zeichen dafür sein, dass nicht alles rund läuft. 48 Gegentore hat Werder in dieser Saison bereits kassiert, in der vergangenen Spielzeit waren es insgesamt nur 40 Gegentreffer. Was muss in der Defensivarbeit besser werden?

Die Absicherung muss besser werden. Wir wollen Angriffsfußball spielen, dadurch geben wir dem Gegner Räume. Auf die Konter müssen wir besser vorbereitet sein.

Ein anderes Thema ist das fehlende Tempo. Es gibt bei Werder keinen Abwehrspieler, der überdurchschnittlich schnell ist. Ist das ein Problem?

Als Problem würde ich das nicht bezeichnen. Wir haben es insgesamt gut gemacht in dieser Saison, aber natürlich sind wir nicht die Schnellsten. Wenn wir richtig stehen, kommen wir gar nicht in Eins-gegen-eins-Duelle. Das muss das Ziel sein. Es hilft, wenn man schnell ist, aber wir müssen andere Wege finden. Du musst eben das Spiel lesen und antizipieren.

Bei allem Verbesserungspotenzial, das es noch gibt: Würden Sie jetzt schon sagen, dass es eine gute Saison für Werder war?

Unser Ziel war Europa. Wenn wir das nicht schaffen sollten, wäre das eine Enttäuschung. Darum wollen wir jetzt unbedingt diese zwei Spiele gewinnen. Ich möchte so gerne mit Werder international spielen. Wenn das in dieser Saison nicht klappt, weiß ich nicht, ob ich bei Werder dazu noch einmal die Möglichkeit habe. Ich habe noch ein Jahr Vertrag und weiß noch nicht, was dann passiert.

Haben Sie noch keinen Plan, wie es nach der kommenden Saison weitergeht?

Nein, bislang nicht. Ich fühle mich topfit und will sicher noch zwei, drei Jahre auf Topniveau spielen. Man muss schauen, was passiert. Ich spiele gerne in Bremen, bin sehr zufrieden und meine Familie fühlt sich wohl.

Können Sie sich also ein Karriereende bei Werder vorstellen?

Ja, das ist eine gute Option. Aber im Fußball weiß man nie.

In der kommenden Saison spielen Sie in jedem Fall weiter bei Werder. Das Ziel dürfte dann auch wieder ein internationaler Startplatz sein, oder?

Ja, das ist natürlich das Ziel.

Braucht die Mannschaft im Sommer Verstärkungen, um dieses Ziel erreichen zu können?

Ich denke, dass unser Team gut genug ist, um das zu schaffen. Das haben wir in dieser Saison gezeigt. Wir sind sehr nahe dran und glauben zu 100 Prozent, dass wir es noch nach Europa schaffen können. Aus meiner Sicht brauchen wir nicht unbedingt neue Spieler.

Im Kern bleibt die Mannschaft voraussichtlich auch zusammen. Ein großes Fragezeichen steht weiterhin hinter Max Kruse. Sein Vertrag läuft aus und seine Zukunft ist seit Monaten ein Dauerthema. Nervt das die Mannschaft nicht allmählich?

Nein, das ist kein Thema in der Mannschaft. Max muss seine Entscheidung treffen. Natürlich wäre es schön, wenn er bleiben würde. Aber es geht weiter bei Werder – mit oder ohne Max.

Max Kruse ist der Kapitän, Sie sind der Vizekapitän. Wie lief die Zusammenarbeit in dieser Saison?

Es hat gut gepasst. Wir sind zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, aber wir sind beide Gewinnertypen. Max ist etwas lockerer, das ist gut. Er ist ein toller Typ und natürlich ein sehr guter Spieler.

Während Max Kruse extrovertiert auftritt, sind Sie ein eher ruhiger Zeitgenosse, müssen als Abwehrchef und Vizekapitän auf dem Platz aber auch die Richtung vorgeben. Mussten Sie das erst lernen?

Das muss man lernen, aber das kommt auch mit der Erfahrung. Als junger Spieler bist du zu sehr mit deinem eigenen Spiel beschäftigt. Als älterer Spieler kann man auch auf andere Sachen schauen und anderen helfen. Aber ich sage nur etwas, wenn es sein muss.

Als älterer Spiele muss man außerdem mehr auf sich achten. Sie sind ohne größere Verletzungen durch die Saison gekommen, haben nur vier Bundesliga-Spiele verpasst, zwei davon wegen Sperren. Machen Sie besondere Übungen oder achten Sie speziell auf die Ernährung?

Das gehört alles zusammen. Die Ernährung und das Training müssen mit 33 Jahren anders sein als bei einem 24-Jährigen. Maxi Eggestein kann zum Beispiel im Kraftraum viel mehr machen und mehr trainieren als ich. In dieser Saison haben wir eine gute Balance gefunden. Ich musste mich anpassen, denn ich will immer trainieren und alles mitmachen, aber manchmal ist es besser, dem Körper Ruhe zu gönnen. Das habe ich nicht immer akzeptiert, doch in dieser Saison habe ich versucht, etwas cleverer zu sein, und das hat funktioniert.

Haben Sie einen besonderen Trick, um fit zu bleiben?

Nein, einfach gesund leben und keine verrückten Sachen machen. Ich lebe für den Fußball. Das ist meine große Leidenschaft neben meiner Familie. Ich bin noch hungrig, will gut spielen und etwas erreichen.

WERDER2016 am 10.05.2019, 22:12
"Wenn wir richtig stehen, kommen wir gar nicht in Eins-gegen-eins-Duelle. Das muss das Ziel sein. Es hilft, wenn man schnell ist, aber wir müssen andere Wege finden. Du musst eben das Spiel lesen und antizipieren."

Es gibt kein Spiel, in dem man zu 100 % richtig steht. Deshalb haben eben jene Mannschaften Vorteile, die oft richtig stehen und bei denen die Defensivspieler eben auch das nötige Tempo mitbringen. Solche Spieler sind im Regal eine Schublade höher und spielen in der Regel bei jenen Vereinen, die in dieser Saison vor Werder stehen.

"Aus meiner Sicht brauchen wir nicht unbedingt neue Spieler."

Doch.
9
3
AnFo am 11.05.2019, 08:49
Richtig und besonders neue defensiv spieler und nicht noch 3 stürmer
4
1
2004 am 11.05.2019, 12:18
Werder muss sich auf jeden Fall defensiv verstärken. Sowohl Veljkovic als auch Langkamp haben klare Defizite. Virgil van Dijk wäre genau der Richtige für die Innenverteidigung 😉
3
0
Wit am 11.05.2019, 15:08
Team ist gut genug für die Plätze 10 bis 15!
0
3
susanneundjens am 11.05.2019, 21:53
Seltsam, dass Sie dann nicht auf Platz 10, 11, 12, 13, 14, 15 stehen. Sachen gibt's.....
1
0

Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download