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Rasenreport
04.12.2018
Sicherheitsvariante oder Risiko-Abwehr

Wie mutig ist Kohfeldt?

© nordphoto


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Die Vorbereitung auf Düsseldorf begann streng genommen schon gegen die Bayern. Florian Kohfeldt hatte sich furchtbar aufgeregt nach dem Platzverweis für Niklas Moisander in der Nachspielzeit gegen den Rekordmeister. Aber nicht, weil Werder die Partie in Unterzahl hatte beenden müssen, sondern “weil ich schon im Hinterkopf hatte, dass uns gegen Düsseldorf dann mit Niklas und wahrscheinlich auch Milos Veljkovic beide Innenverteidiger fehlen werden”, sagte Kohfeldt direkt nach der Partie gegen die Bayern. 

Nun hat sich die zarte Hoffnung auf einen Einsatz von Veljkovic längst zerschlagen, der Serbe wird gegen Düsseldorf ebenso fehlen wie Moisander. Weshalb Werder nun ein gehöriges Problem in seinem Abwehrzentrum hat, weil ja nicht nur die angestammten Innenverteidiger ausfallen, sondern auch der etatmäßige Sechser davor. Das Abwehr-Dreieck mit Moisander, Veljkovic und Philipp Bargfrede ist gesprengt und Kohfeldt steht jetzt vor der Frage, wie er das Zentrum gegen die Fortuna sichern will.

Der Coach hat am Dienstag nach dem Training bereits verraten, welche Abwehrspieler gegen Düsseldorf in der Startelf stehen: „Sebastian Langkamp, Marco Friedl, Ludwig Augustinsson und Theodor Gebre Selassie werden am Freitag von Beginn an spielen.“ Die vier seien gestandene Profis, sagte Kohfeldt. Die taktische Formation der Abwehr wollte er dagegen noch nicht verraten. Es gibt mehrere Möglichkeiten.

Sicherheit durch die Viererkette 

Die erste und gleichzeitig auch wahrscheinlichste Variante dürfte sein, die absenten Spieler in der gelernten Grundordnung zu ersetzen, sprich: Werder bleibt bei seiner Anordnung mit der Viererkette in der letzten Linie und mindestens einem Sechser davor. Dann würden Sebastian Langkamp und Marco Friedl für Veljkovic und Moisander starten, ein Rechtsfuß für einen Rechtsfuß und ein Linksfuß für einen Linksfuß. 

Immerhin wären damit im Spielaufbau theoretisch die gelernten Abläufe möglich, zumal wenn Nuri Sahin wieder auf der Sechs beginnen sollte wie in sechs der letzten sieben Spiele. Kohfeldt würde also nicht umbauen, sondern „nur“ die beiden Einzelspieler ersetzen müssen. Und er würde sich in dieser Beziehung kaum angreifbar machen, sollte die Partie nicht den gewünschten Ausgang nehmen. 

Nur die Bank müsste also neu bestückt werden, wenn die beiden eigentlichen Ergänzungsspieler starten. Gute Chancen haben die U23-Spieler Julian Rieckmann und Fridolin Wagner, die beide am Dienstag bei den Profis mittrainierten. Kohfeldt wolle noch die Trainingseindrücke abwarten, sagte aber: „Fridolin spielt zwar meistens im Mittelfeld, hat bei uns aber im Training und in Testspielen schon Innenverteidiger gespielt. Er ist der Stabilste der Spieler aus der U23 und am nächsten dran.“

Oder mehr Risiko mit der Dreierkette? 

Eine andere Option wäre die Rückkehr zur Dreier- beziehungsweise Fünferkette. Zwei Mal hat Werder in dieser Saison seine Abwehrformation verändert und beide Spiele verloren, in Stuttgart und zu Hause gegen Leverkusen. Allerdings haben beide Spiele ihre ganz eigene Geschichte, beim VfB war Werder die deutlich bessere Mannschaft und gegen Bayer funktionierten die vereinbarten Abwehrmechanismen nicht, dazu erwischte Friedl einen rabenschwarzen Nachmittag. Die Niederlagen an der Dreierkette festzumachen, greift zu kurz.

Ohne gelernte Innenverteidiger würde es auch bei drei Abwehrspielern in der letzten Linie nicht gehen, Langkamp und Friedl sollten auch bei dieser Variante gesetzt sein. Bliebe noch die „Libero-Rolle“, in die bei einigen Spielen mit der Dreierkette Bargfrede geschlüpft ist. Sahin wäre grundsätzlich ein Kandidat, allerdings keine besonders wahrscheinliche Option. 

Im tiefen Spielaufbau würden dessen Kreativität und Qualitäten bei Zuspielen hinter die gegnerische Abwehr kaum noch zum Tragen kommen und auch die guten Momente in der Balleroberung, wenn der Raum für den Gegner im Mittelfeld klein gehalten wird. Im Gegenzug fehlt es an Robustheit im Zweikampf und am nötigen Kopfballspiel und ganz sicher auch am Antritt und der Endgeschwindigkeit, sollte einer der flinken Düsseldorfer Angreifer mal durchrutschen. 

Maximilian Eggestein wäre deshalb die passendere Alternative. Eggestein bringt eine ganz andere Körperlichkeit mit als Sahin, ist wuchtiger und antrittsschneller. Ein Bremer 3-4-3 wäre auf jeden Fall vorstellbar und hätte in einem Spiel, das Werder „gewinnen muss und auch gewinnen wird“, wie Kohfeldt es mit Nachdruck formulierte, auch ein paar Vorteile.

Bessere Absicherung für Rashica 

Auf dem Papier stünden immer sieben Spieler vor der Abwehrkette, was genug Optionen im Spielaufbau zur Folge haben sollte. Dazu lässt es sich mit einer Dreierkette und den beiden Flügelverteidigern Theo Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson noch aggressiver nach vorne verteidigen als im 4-4-2 oder zuletzt sogar im 4-1-4-1. Auch die Variante der gependelten Viererkette wäre damit möglich, wenn Düsseldorf, das in der bisherigen Saison sehr variabel daherkam mit seinen Grundformationen und schwer zu lesen ist, mit drei Spitzen angreifen sollte. 

Und zuletzt gäbe es eine direktere Absicherung für etwa Milot Rashica. Der Flügelspieler scheint ganz nah dran an einem Einsatz von Beginn an. Kohfeldts Verzicht auf Rashica in den letzten Wochen begründete der Trainer auch damit, dass Rashica nicht immer so verteidigt hätte wie gefordert. Mit Augustinsson oder Gebre Selassie in seinem Rücken gäbe es für diese Momente mit den Flügelverteidigern aber eine Art doppelten Boden.

Netzorath am 04.12.2018, 17:21
Da ich nicht wüsste, wer der dritte IV für die Dreierkette sein soll, da man Caldirola offenbar restlos verbannt hat, was sich jetzt nämlich rächt, und außerdem man überwiegend nicht mit ihr gespielt hat außer ausgerechnet bei zwei Niederlagen, scheidet die Dreierkette für meine Begriffe aus (obwohl sie aus den unterschiedlichsten Gründen das deutlich flexiblere und auch defensiv bessere System darstellt, drei IV, zu denen die beiden Außenspieler stoßen, wenn der Gegner angreift, und dafür haben wir auch genau die richtigen Leute, ich hab das hier schon ausführlich dargelegt.) Die Dreierkette muss einstudiert und eingespielt sein, und nun ausgerechnet ohne drei wesentliche Defensivstammspieler sollte man die Finger davon lassen, ohne dass ich jetzt behaupten will, dass das die Ursache für das Fiasko gegen Leverkusen war. Mangels Alternative stellt sich die Abwehr daher von selbst auf, was ich auch nicht weiter beunruhigend finde; denn sowohl Langkamp, der immer wieder für die Startelf gefordert wurde, bis zum Leverkusenspiel, als auch erst recht Friedl, der häufig für Augustinsson gefordert wurde, bis zum Leverkusenspiel, haben schon gezeigt, dass sie es können. Ein Spiel ändert dann schon mal die weit verbreiteten Ansichten, und schon bricht Panik aus, weil diese Spieler jetzt spielen m ü s s e n, die vor Kurzem noch gefordert wurden. Ich hoffe, nicht so beim Trainer. Bargfrede davor wäre natürlich besser, mit Sahin kann man aber besser nach vorn spielen und so die Fortuna in der Defensive binden. Diesen Dodi muss man aus dem Spiel nehmen. Die Mainzer haben gezeigt, wie man das macht. Wenn das gelingt, wüsste ich nicht, wie Fortuna uns gefährlich werden könnte, vorausgesetzt natürlich, die Leistung stimmt. Wie gegen Mainz sollte man nicht agieren.
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fh_king am 04.12.2018, 19:25
Die Dreierkette hat gegen den VfB und gegen LEV nicht funktioniert, weil beide Gegner 1-6 Mal durch schnelles Umschalten vor das Bremer Tor gekommen sind (um das zu verhindern, muss man da wohl - wie Du sagtest - brutal gut eingespielt sein). Sobald der Gegner das Spiel aufbauen musste, und Werder sich in aller Ruhe von einer 3er zu einer 5er Formation umbauen konnte, war das alles kein Thema. Eine 3er Kette gegen vermutlich tief stehende Düsseldorfer geht mind. 1-x Mal schief, weil der Lukebakio da im Umschaltspiel noch ne Tasse Kaffee trinkt, bevor er an unsere letzten Verteidigungslinie vorbeizischt....nenene, das soll mal schon souverän aus einer sicheren Abwehr heraus erledigt werden. Auch wenn das Spiel dann wohl wieder offenbaren wird, das wir ein absolutes Stuermerproblem haben...
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wolfgramm am 04.12.2018, 19:53
100 % Zustimmung bezüglich Caldirola,da sind Sie aber ziemlich alleine.Auch bezüglich Langkamp und Friedl Zustimmung.Es kommt mehr auf die Offensive an,diese muss endlich mal funktionieren.Andere haben gegen Düsseldorf auch getroffen.Man kann ja,wie früher,auch mal wieder 4:3 gewinnen.
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