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18.12.2018
Nachwuchsleistungszentrum Pauliner Marsch

Werder und Senat bilden Arbeitsgruppe

© Werder Bremen


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Um 13.55 Uhr öffneten sich die Türen des Senatssaales und herauskam eine illustre Männer-Gruppe. Klaus Filbry, Hubertus Hess-Grunewald, Frank Baumann und Marco Bode erweckten dabei keinen schlecht gelaunten Eindruck, als Geschäftsführung des SV Werder Bremen und Bode als Aufsichtsratschef hatten sie zuvor fast zwei Stunden lang dem Bremer Senat die Pläne für ihr Nachwuchsleistungszentrum präsentiert. Unterschriftsreif ist der Plan noch nicht, aber alle Parteien sind sich nach dem Treffen im Rathaus offenbar grundsätzlich einig: Es soll gebaut werden in der Pauliner Marsch.

Um das möglichst zeitnah zu realisieren, werden der Senat und Werder Bremen eine Arbeitsgruppe bilden. Von Senatsseite werden dabei die Staatsräte der betroffenen Fachressorts beteiligt sein – dies sind das Bau-, Sport-, Wirtschafts- und Finanzressort. Werder wird seine Teilnehmer in den nächsten Tagen benennen. Schon Anfang 2019 soll es das erste Treffen geben. Bürgermeister Carsten Sieling, der sich bereits im Vorfeld für ein Nachwuchsleistungszentrum in der Pauliner Marsch ausgesprochen hatte, begrüßt die Zusammenarbeit mit Werder.

Dissonanzen ausgeräumt

„Wir wollen gemeinsam ein solches Leistungszentrum möglich machen und wir wollen es in der Pauliner Marsch möglich machen. Das ist ein wichtiges Gebiet, nicht nur für die Naherholung, sondern auch für den Sport. Das zu nutzen und zu stärken, ist auch in städtischem Interesse“, erklärte er. Es gehe jetzt darum, am Ende des Prozesses zu einer gemeinsamen Haltung zu kommen, wie man dieses Projekt realisiere. 

Die Zusammenkunft zwischen Senat und Werder war, so berichten Augenzeugen, getragen von dem Gedanken: Wie können wir die Werder-Pläne umsetzen, die man ja eigentlich schon gerne realisieren würde? Dissonanzen, die es zuletzt zwischen Bau-Senator Joachim Lohse (Grüne) und Werder-Präsident Hess-Grunewald gegeben hatte, weil Lohse eine Antwort auf die ersten Werder-Baupläne schuldig blieb (der WESER-KURIER berichtete), wurden flugs ausgeräumt. „Das wurde kurz angesprochen und dann abgehakt“, erklärte ein Beteiligter. 

Erste Skizzen vorgestellt

Hess-Grunewald zeigte erste Skizzen des Zentrums, anschließend stellten die anwesenden Senatoren entstandene Fragen. Ein wesentlicher Punkt: Was passiert, wenn die Weser über die Deiche tritt und das neue Nachwuchsleistungszentrum flutet? Schließlich liegt das Areal rund um Platz 11 mitten im Überschwemmungsgebiet. Die Antwort von Hess-Grunewald: Das neue Zentrum sei baulich vor Fluten von bis zu sechs Metern Höhe geschützt. Der Werder-Präsident erklärte nach dem Treffen: „Wir sind sehr zufrieden mit dem heutigen Termin. Und haben das Gefühl, dass wir auf ein Grundverständnis stoßen und dass die Dringlichkeit, die Sorgen und Nöte des SV Werder Bremen hinsichtlich seiner Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga erkannt wurden.“ Man habe das Signal mitgenommen, dass Werder die Pläne weiter konkretisieren solle.

Natürlich ging es auch um die Finanzierung des Projektes. Werder hat ersten Berechnungen zufolge 32 Millionen Euro Baukosten veranschlagt. Und möchte, dass das Land Bremen sich dabei mit bis zu 50 Prozent beteiligt. Denn auch andere Bundesligavereine hätten bei der Realisierung von Nachwuchszentren staatliche Hilfe erhalten. Ein Wunsch, der auf der Tagesordnung der Arbeitsgruppe ganz sicher eines der wichtigsten und umstrittensten Themen sein wird.

32 Millionen oder mehr?

Auch die Opposition schaut sich derzeit sehr genau an, wie Werder und Senat um ein wichtiges Bauvorhaben ringen. Lencke Steiner, FDP-Fraktionsvorsitzende, erklärt: „Ich bin grundsätzlich dafür, das Zentrum in der Pauliner Marsch zu bauen. Der Standort ist toll, Werder hat einen hohen Identitätsfaktor.“ Nur über die Finanzierung müsse man sich noch mal unterhalten. „Die Frage ist doch: Bleibt es wirklich bei den 32 Millionen Euro? Und gibt es nicht Gebiete wie beispielsweise die Bildung, die auch Priorität genießen sollten?“, sagte Steiner.

Heiko Strohmann, verkehrspolitischer Sprecher der CDU, sagte auf Anfrage: "Es wäre ein fatales Signal für den Leistungssport und ein erheblicher Imageverlust, wenn die Nachwuchsförderung ins niedersächsische Umland abwandern müsste. Bürgermeister Sieling steht in der Verantwortung, aktiv einen Kompromiss zwischen Werder Bremen und den Anwohnern zu finden." Und Cindi Tuncel, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion, fügt an: „Niemand hat ein Interesse, dass Werder nach Diepholz umzieht, deshalb braucht es eine tragfähige Lösung für das Nachwuchsleistungszentrum. Natürlich müssen dabei Hochwasserschutz und Deichsicherheit im Überschwemmungsgebiet Pauliner Marsch fachlich berücksichtigt werden." Offen sei für die Linke aber noch die Finanzierungsfrage: "Die Weserstadion GmbH hat schließlich noch nennenswerte Schulden vom letzten Stadionumbau." Fragen, die der Arbeitskreis nun schnell beantworten muss.

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