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19.04.2019
Bayern-Boss Rummenigge im Interview

„Werder muss sich noch gedulden“

© imago images


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Herr Rummenigge, die Duelle zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern waren in früheren Jahrzehnten ein brisanter Nord-Süd-Klassiker. Welche Gefühle löst die Paarung heute bei Ihnen aus?

Rummenigge: Das waren schon große Kämpfe damals, vergleichbar zu den Spielen heute gegen Borussia Dortmund. Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, als Werder Bremen 2004 mit Aílton im Olympiastadion in München Deutscher Meister geworden ist. Das war nicht schön für uns. Wir wissen, dass wir jetzt zwei wichtige und schwierige Spiele in der Bundesliga und im Pokal gegen Werder vor der Brust haben. Die wollen wir natürlich beide gewinnen, was nicht einfach wird.

Nach Jahren des Abstiegskampfs erlebt Werder gerade eine euphorische Saison. Wie sehen Sie die Entwicklung in Bremen – und freuen Sie sich, dass sich dieser Traditionsverein sportlich wieder erholt?

Grundsätzlich sehe ich die Entwicklung von Werder Bremen sehr positiv. Insbesondere seitdem sie mit Florian Kohfeldt einen neuen Trainer haben, der offensichtlich sehr gut zu diesem Club und dieser Mannschaft passt. Sie haben sich jetzt wieder nach oben entwickelt und sind sogar wieder in Reichweite zu den Europa-League-Plätzen. Ich empfinde die Entwicklung als sehr gut, da Werder Bremen für die Bundesliga immer ein wichtiger Club war.

Ganz Bremen liegt mal wieder Claudio Pizarro zu Füßen. Wie erstaunt sind Sie darüber, dass Claudio immer noch in der Bundesliga spielt und auch wichtige Tore für Werder geschossen hat?

Er erstaunt nicht nur uns hier bei Bayern München und mich, sondern die ganze Bundesliga. Man hat es nicht zuletzt auch beim Pokal-Spiel in Dortmund gesehen, dass er mit seinen 40 Jahren noch immer Spiele alleine entscheiden kann. Er ist ein Spieler auf den man immer aufpassen muss, da er nach wie vor mit seiner Schlitzohrigkeit und Erfahrung für gefährliche Situationen sorgen kann.

Sie als ehemaliger Weltklasse-Stürmer können es sehr gut einschätzen: Was macht die Klasse von Claudio Pizarro aus?

Claudio war immer ein Stürmer, der unglaublich klug gespielt hat und aufgrund seiner nach wie vor überragenden Technik für gefährliche Situationen und das eine oder andere Tor sorgen kann. Deshalb kann man vor Claudio nur den Hut ziehen, dass er in seinem Alter noch so einen Wert für die Mannschaft hat.

Viele Jahre hieß es: Würde Pizarro richtig für seinen Beruf leben, könnte er einer der besten Stürmer der Welt werden. Ist es nicht bemerkenswert, dass er gegen Ende seiner Karriere ein absoluter Musterprofi ist?

Claudio ist ein Mensch, der auch neben dem Fußball immer einen gewissen Life-Style gepflegt hat. Aber ich muss offen und ehrlich sagen, dass mir das lieber ist, als wenn einer außergewöhnlich professionell lebt. Das gehört auch dazu. Claudio hat sich trotzdem immer sehr professionell auf seinen Job vorbereitet und konzentriert.

Das Phänomen Pizarro: Wie schafft man es, beim FC Bayern und bei Werder Bremen so beliebt zu sein?

Ich denke, es liegt an dem Menschen Claudio Pizarro und an seinem Spielstil, der den Fans so sehr gefällt. Er war immer sehr authentisch und das scheint bei den Menschen in Bremen und auch in München sehr gut angekommen zu sein.

Wenn sich Pizarro nur zur Einwechslung bereit macht, erheben sich die Werder-Fans schon. Trainer Florian Kohfeldt spricht dann von Gänsehaut-Momenten. Ist es Ihnen eigentlich lieber, wenn Claudio in den beiden Partien gegen Bayern nicht spielt?

Das muss Florian Kohfeldt entscheiden, ob er Claudio von Anfang an bringt, oder ob er ihn einwechselt. Es ist eigentlich egal, denn er ist niemals zu unterschätzen.

Wird Claudio Pizarro nach der Spielerkarriere eher beim FC Bayern in München eine Aufgabe übernehmen, wo seine Familie wohnt, oder bei Werder Bremen?

Wir haben mit Claudio vereinbart, wenn er wirklich mal seine Karriere beendet, wann auch immer das sein wird, dass er dann nach München zurückkehren und bei uns eine Botschafter-Rolle übernehmen kann. Meines Wissens nach hat er hier in München immer noch ein Haus und seine Familie hat sich hier immer sehr wohl gefühlt.

Der SV Werder würde Bayern-Leihgabe Marco Friedl gerne behalten. Sehen Sie Chancen, oder muss sich Werder gedulden, bis die wichtigeren Personalien bei Bayern geklärt sind?

Wir haben Kenntnis davon, dass Werder Bremen ihn gerne behalten würde. Wir machen jetzt allerdings erstmal unsere Einkäufe und werden anschließend entscheiden, wie wir mit Marco Friedl umgehen werden. Ich weiß, dass er sich in Bremen sehr wohl fühlt. Jedoch muss sich Werder Bremen hier leider noch etwas gedulden.

Werders Kapitän Max Kruse zögert mit einer Vertragsverlängerung, weil er abwarten möchte, ob sich noch ein absoluter Topklub meldet. Können wir wenigstens den FC Bayern von der Liste streichen?

Ja.

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