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09.04.2019
Florian Bruns im Mein-Werder-Interview

„Werder ist ein Stück Heimat“

© dpa


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Herr Bruns, Sie waren Spieler und Co-Trainer von Werders U23 und dann auch Co-Trainer der Profis. Aus dieser Zeit kennen Sie noch viele Leute in Bremen. Herrscht in dieser Woche ein reger Austausch, bevor Sie mit dem SC Freiburg im Weserstadion gastieren?

Nein, in der Woche vor dem Spiel habe ich keinen Kontakt nach Bremen. Da möchte ich nichts hören, schließlich sind wir am Samstag Gegner. Aber ansonsten habe ich guten Kontakt zu Max Kruse, zu Fin Bartels und auch zu Maxi Eggestein – also zu den Spielern, mit denen ich selbst noch zusammengespielt habe.

Mit Max Kruse liefen Sie von 2009 bis 2012 für den FC St. Pauli auf. Inzwischen ist er Werders Kapitän und Schlüsselspieler. Seit Wochen spielt er überragend. Was macht Max Kruse so stark?

Max ist einfach ein Klassespieler, der in allen Situationen mit dem Ball Lösungen parat hat. Inzwischen arbeitet er mit seinen Nebenleuten auch super gegen den Ball. Man muss Florian Kohfeldt ein Riesenkompliment dafür machen, dass er das hingekriegt hat. Max hat das zwar vorher auch schon gemacht, aber er hat sich defensiv jetzt noch weiter verbessert. Offensiv erkennt er die Laufwege von Mitspielern und die freien Räume, in die er laufen muss. Dazu hat er einen wahnsinnig guten Abschluss, mittlerweile auch mit dem rechten Fuß. Und wenn er das Tor machen kann, aber ein anderer besser steht, dann spielt er den Ball ab. Das ist eine Besonderheit bei Max und das machen sehr viele Spieler eben nicht. Diese Charaktereigenschaft ist wirklich beeindruckend.

In der Öffentlichkeit gilt Max Kruse eher als extravagant. Dieser Ruf passt nicht zu dem Bild, das Sie gerade von ihm gezeichnet haben.

Manchmal entsteht ein falsches Bild in der Außendarstellung, bestimmt auch aus der Vergangenheit heraus. Aber er ist wirklich anders als viele denken.

Die große Frage bei Werder ist aktuell, ob Max Kruse seinen Vertrag verlängert. Was würden Sie ihm raten?

Ich bin weit davon entfernt, ihm Ratschläge geben zu können. Ich würde mich unglaublich freuen, wenn er in Bremen bleibt oder zumindest in der Bundesliga, damit man auch in den kommenden Jahren Max Kruse in den deutschen Stadien sehen kann. Für Werder würde es mich natürlich freuen, wenn er bliebe, denn er macht die Mannschaft wirklich besser.

Auch Fin Bartels war Ihr Mitspieler beim FC St. Pauli. Seine rund 15-monatige Leidenszeit nach einem Achillessehnenriss ist seit Kurzem beendet, auch wenn ihn derzeit eine Oberschenkelblessur plagt. Kann er wieder so gut werden wie vor der Verletzung?

Natürlich braucht er Zeit. Solch eine lange und schwierige Verletzung ist der Wahnsinn. Da braucht man Geduld, um wieder in den Rhythmus zu kommen und die Kraft für ein Spiel zu haben. Ich traue Fin zu, dass er wieder in die Spur findet. Es würde mich auch freuen, wenn er am Samstag auf dem Platz stünde. Ich hoffe aber für uns, dass er mit und ohne Ball noch nicht wieder so schnell ist wie früher.

Viele Werder-Fans hoffen darauf, dass das Traumduo Max Kruse/Fin Bartels bald wieder auf dem Platz zaubert. Haben die beiden auch schon beim FC St. Pauli so gut harmoniert?

Sie hatten etwas andere Positionen. Fin kam wirklich über die Außenbahn und Max spielte auf der festen Zehner-Position. Sie haben sich auf und neben dem Platz schon damals gut verstanden. Das wurde dann immer besser und in Bremen hat das Zusammenspiel seinen Höhepunkt erreicht. Wie sie sich gegenseitig die Bälle aufgelegt haben und teilweise blindes Verständnis füreinander hatten, war wirklich beeindruckend.

Mit Maximilian Eggestein haben Sie in Werders U23 zusammengespielt. Wie bewerten Sie seine Entwicklung?

Ein Jahr haben wir in der U23 zusammengekickt, er war ganz jung und ich war ganz alt. Seine Entwicklung ist toll. Momentan wird er einfach von Monat zu Monat besser. Er hat hart dafür gearbeitet und hat in Florian Kohfeldt einen Förderer, der immer an ihn geglaubt hat, auch in schwierigen Phasen.

Stichwort Florian Kohfeldt: Auch ihn kennen Sie gut. Als Sie Co-Trainer von Alexander Nouri bei den Profis waren, war Kohfeldt für die U23 verantwortlich. Jetzt hat er den Trainerpreis des Deutschen Fußball-Bundes erhalten und schwimmt auf einer Erfolgswelle. Überrascht Sie diese Entwicklung?

Überrascht bin ich davon nicht. Die U23 und die Profi-Mannschaft kann man natürlich nicht eins zu eins vergleichen. Aber dass er alle Möglichkeiten hat, sowohl fachlich als auch menschlich, war damals schon klar.

Wie eng war zu Ihrer Werder-Zeit der Austausch mit Florian Kohfeldt?

Ich war Co-Trainer der U23, als er Co-Trainer bei den Profis war. Dann war ich Co-Trainer der Profis und er U23-Trainer. Als ich noch Spieler in der U23 war, war er dort auch schon Co-Trainer unter Viktor Skripnik. Wir standen also oft im Austausch und hatten einen sehr guten Draht zueinander. Das hat wirklich Spaß gemacht, war immer offen und ehrlich. Das schätze ich sehr an ihm.

Und was zeichnet ihn jetzt als Chefcoach aus?

Man sieht bei der Mannschaft eine enorme taktische Flexibilität. Er setzt seine eigenen Ideen durch, hat aber er immer einen Plan B und C im Hinterkopf. Er kann Kleinigkeiten umstellen, ob es das System ist oder das Personal, und es klappt trotzdem immer. Dazu kommt die menschliche Komponente im Umgang mit den Spielern. Man muss ein Gespür für Spieler haben, die im Moment nicht ganz zufrieden sind. Wenn Trainer dieses Gespür haben, ist das ein riesiger Vorteil. Und Florian Kohfeldt hat es.

Hat Freiburgs Trainer Christian Streich dieses Gespür auch?

Ja, 100-prozentig hat Christian Streich das auch. Es ist beeindruckend, live mitzuerleben, wie man das innerhalb einer Mannschaft handlen handhaben kann. Man muss auch mit Enttäuschungen umgehen, die Mannschaft immer wieder zusammenhalten und allen vermitteln, wie wichtig es ist, als Mannschaft zu funktionieren und nicht als einzelne Spieler.

Welche Aufgaben haben Sie als einer von Streichs Co-Trainern?

Christian Streich legt viel Wert darauf, dass wir im Trainerstab viele Sachen zusammen besprechen. Jeder kann seine Meinung sagen. Wir als Co-Trainer müssen natürlich auch darauf achten, dass wir einen vernünftigen Draht zur Mannschaft haben. Es gibt Spieler, die wollen nicht direkt mit jeder Kleinigkeit zum Cheftrainer gehen und kommen dann lieber auf uns Co-Trainer zu. Man muss ein Bindeglied sein zwischen Cheftrainer und Mannschaft, das trifft es ganz gut.

Außerdem sind Sie für die Standardsituationen zuständig, und bei ruhenden Bällen ist der SC Freiburg Bundesliga-Spitze. Worauf kommt es bei den Standards an?

Wir machen das zu zweit (mit dem anderen Co-Trainer Lars Voßler, Anm. d. Red.), schauen uns alles in Ruhe an und analysieren es. Dann besprechen wir das mit der Mannschaft. Wichtig ist bei Standards, dass alle das Gleiche wollen. Man muss sich an Absprachen, Laufwege und Positionen halten, die man vorher festlegt, damit es sowohl defensiv als auch offensiv keine bösen Überraschungen gibt. Wenn ein oder zwei Spieler auf einmal andere Ideen haben, dann wird es schon schwierig. Man muss das gemeinsam durchzuziehen. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Spieler ihre Ideen einbringen.

Lassen Sie sich für das Werder-Spiel etwas Besonderes bei ruhenden Bällen einfallen?

Dazu darf ich natürlich nicht zu viel sagen. Wir werden uns wie vor jedem Spiel etwas überlegen und uns Werder angucken. Defensiv wollen wir natürlich darauf achten, dass wir die Freistöße und Eckbälle von Max Kruse und Milot Rashica entkräften, indem wir vernünftig stehen und die Bälle klären können.

Ist Werder aus Ihrer Sicht denn eine Mannschaft, die bei Standards gefährlich ist?

Ja, Werder ist definitiv gefährlich bei Standards. Die Bremer haben da eine ganz spezielle Kreativität. Mal schießt ein Rechtsfuß, mal ein Linksfuß. Mal spielen sie eine kurze Variante über Davy Klaassen. Sie haben viele Ideen und sind sehr kreativ, allen voran Max Kruse, der immer etwas Besonderes machen kann. Da müssen wir sehr aufmerksam sein.

Allgemein läuft es bei den Bremern gerade sehr gut, sie sind im Jahr 2019 ungeschlagen. Was zeichnet die Mannschaft aus?

Es gibt eine gute Mischung aus Erfahrenen und junge Wilden. Und die individuelle Klasse ist vorhanden, in jedem Mannschaftsteil gibt es ein bis zwei Klassespieler. Diese Zusammensetzung macht es für uns natürlich sehr schwierig.

Der SC Freiburg hat zudem turbulente Wochen hinter sich. Erst gelang ein viel beachtetes 1:1 gegen den FC Bayern, dann folgte eine 0:5-Klatsche in Mainz. Wie ist so etwas zu erklären?

Es fällt immer noch schwer, die Gründe festzumachen. Nach diesem tollen Spiel gegen die Bayern war die Niederlage in Mainz ein Nackenschlag. Wir sind mit breiter Brust dorthin gefahren und haben dann so einen Dämpfer gekriegt. Das müssen wir erst einmal verarbeiten und die richtigen Schlüsse für das Spiel gegen Werder ziehen.

Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen persönlich auf das Spiel? Sie sind in Oldenburg geboren und im Ammerland aufgewachsen, stammen also aus dem „Werder-Land“.

Ich war früher eigentlich Fan des 1. FC Köln mit Pierre Littbarski. Aber Werder-Sympathisant war ich natürlich auch. Als Kind bin ich oft mit meinem Papa ins Weserstadion gefahren. Werder ist daher ein Stück Heimat. Deshalb freue ich mich auch sehr auf das Spiel am Samstag und darauf, viele Leute zu treffen.

Im Mai 2017 mussten Sie als Co-Trainer bei Werder gehen, weil der damalige Chefcoach Alexander Nouri das Trainerteam anders gestalten wollte. Haben Sie deswegen noch ein schlechtes Gefühl?

Ich hege überhaupt keinen Groll. Das war alles sauber, da bleibt nichts zurück.

Haben Sie noch Kontakt zu Alexander Nouri?

Nein, wir haben keinen Kontakt mehr.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal zu Werder zurückzukehren?

Man kann im Fußball nichts ausschließen. Ich sage jedem, wie wohl ich mich damals in Bremen gefühlt habe und was für eine tolle Zeit ich dort hatte. Im Moment ist das aber überhaupt kein Thema.

Sie fühlen sich beim SC Freiburg sehr wohl. Kürzlich kamen aber Gerüchte auf, nach denen Sie als Co-Trainer zu Borussia Mönchengladbach wechseln könnten. Ist das für Sie vorstellbar?

Nein, das ist nicht vorstellbar. Ein Wechsel ist überhaupt kein Thema. Ich habe in Freiburg meinen Vertrag verlängert und habe das aus vollster Überzeugung gemacht, weil ich gerne in dieser Konstellation weiterarbeiten möchte. Ich möchte noch viel lernen. Schließlich bin ich noch jung und noch nicht lange dabei. Die Zusammenarbeit mit meinen Trainerkollegen und mit der Mannschaft macht riesigen Spaß.

Reizt Sie denn auch die Rolle eines Cheftrainers?

Ich kann mir natürlich vorstellen, irgendwann einmal Cheftrainer zu werden. Aber dafür brauche ich noch Zeit.

Zur Person

Florian Bruns (39) absolvierte insgesamt 74 Bundesliga-Spiele für den FC St. Pauli und den SC Freiburg. Seine aktive Laufbahn ließ er in Werders U 23 ausklingen und begann danach eine Trainerkarriere. Rund neun Monate lang war er Co-Trainer der Bremer Profis. Seit Juli 2017 ist er Assistenzcoach beim SC Freiburg, mit dem er am Sonnabend auf Werder trifft.

momaximo am 10.04.2019, 08:12
Bruns,du bist spezialist für ruhende Bälle
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WERDER2016 am 10.04.2019, 17:26
Nichts gegen die derzeitige Konstellation im Trainerteam, aber FB würde gut dazu passen. Wäre Nouri mehr Teamplayer geblieben, wäre Manches eventuell anders gelaufen. Nun ist es anders gekommen und damit kann man auch gut leben. Für Samstag braucht er sich nicht unbedingt etwas Neues ausdenken.
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susanneundjens am 10.04.2019, 19:36
Ja, absolut. Er passt gut zu Freiburg, ist da glücklich und unser Trainerteam ist auch gut. Also: Alle zufrieden!
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