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27.01.2019
Kohfeldts Resümee nach dem Frankfurt-Spiel

„Weltklasse“ mit Makeln

© nordphoto


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Florian Kohfeldt dürfte innerlich an seiner Siedetemperatur gekratzt haben, als er sich auf die unterste Stufe der Haupttribüne stellte, um die letzten Minuten zu beobachten. Schiedsrichter Markus Schmidt hatte Werders Trainer des Innenraums verwiesen. „Das Stadion muss brennen“, hatte Kohfeldt vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt an den Enthusiasmus der Zuschauer appelliert, und es konnte ihm nachher niemand vorwerfen, nicht mit gutem Beispiel vorangegangen zu sein. Warum er in den letzten Minuten auf die Tribüne musste, das wusste Kohfeldt im Detail selbst nicht genau. Doch es war an einem intensiven und teilweise mitreißenden Fußballabend ohnehin eine Randnotiz. Das Geschehen auf dem Rasen hatte genügend hergegeben, worüber sich im Nachklang diskutieren ließ.

Auch für Bundesligatrainer dauert das Spiel 90 Minuten, anschließend geht es meistens allerdings für rund eine Stunde in die mediale Verlängerung. Jedes Interview, das Kohfeldt am Sonnabend nach dem 2:2 gegen Frankfurt führte, schien wie ein Eiswürfel zu wirken, der in ein siedend heißes Getränk getaucht wird. Die emotionalen Aggregatzustände des Trainers mögen – von Sky über das Vereinsfernsehen und das ZDF bis zur Pressekonferenz – variiert haben, die Quintessenz seiner Aussagen war dieselbe: „In der Summe wäre meine Mannschaft der verdiente Sieger gewesen.“

Frankfurts Trainer Adi Hütter pflichtete ihm bei und verabschiedete sich als derjenige in Richtung Flughafen, „der mit dem Punkt gut leben kann“. Das Torschussverhältnis von 18:8 gab Werders Vorteile in 97 Brutto-Spielminuten akkurat wieder. Einen aussichtsreichen Kopfball hatte Sebastian Haller danebengesetzt, Ante Rebic hatte das 1:1 erzielt, Haller vom Elfmeterpunkt das 2:2 und in der wilden Schlussphase war der Franzose noch einmal gefährlich im Strafraum aufgetaucht – das war’s offensiv von den „Büffeln“ und ihren Kollegen. „Das ist nicht nur eine Top-Leistung nach vorne gewesen mit dem letzten Makel in der Box, sondern auch eine Top-Leistung nach hinten, gegen diese Mannschaft so wenig zuzulassen“, sagte Kohfeldt. „Das war kontrolliert und klar. Auch deshalb bin ich so angefasst, weil ich es als ungerecht empfinde.“

Trotz allem hinter Hertha und Mainz

Der 36-Jährige hat vor dem Rückrundenstart angekündigt, mehr als in der Hinrunde auf die blanken Ergebnisse schauen zu wollen. „Es geht jetzt nicht ums Deuten und Rechnen“, betonte er am Sonnabend und untermauerte gleichzeitig seinen Glauben daran, dass Werder sich in vergleichbaren Spielen bald nicht mehr um den Sieg bringen lassen wird. „Es war wieder ein Spiel, in dem die Wahrscheinlichkeit viel größer war, dass wir gewinnen.“

Nur einen kurzen Blick auf die Tabelle gönnte sich Kohfeldt: Absurderweise steht Werder trotz des starken Auftritts gegen Frankfurt als Elfter jetzt so weit unten wie nie zuvor in dieser Saison, hat den Rückstand auf den sechsten Platz in zwei Rückrundenspielen aber von fünf Punkten auf zwei verringert. Aktuell stehen Mannschaften wie Hertha BSC oder der FSV Mainz 05 vor Werder, die im Sommer bei der Frage nach ihren Saisonzielen nicht „Europa“ in den Mund genommen haben. Doch der nächste Gegner der Grün-Weißen, der 1. FC Nürnberg, hat sechs Spiele in Folge verloren, und der übernächste, der FC Augsburg, wartet seit Ende Oktober auf einen Sieg. Mit zwei Siegen läge Werder, hochgerechnet auf den Rest der Saison, auf Kurs „50 plus“ in Sachen Punkte.

Ärger über Schiedsrichterleistung

Ähnlich ambivalent wie die Tabellensituation war Kohfeldts Laune auf der Zielgeraden seines Arbeitstages. „Lasst uns über ein geiles Fußballspiel reden“, sagte er, nachdem es zunächst minutenlang um strittige Schiedsrichterentscheidungen gegangen war. Vor allem über Luka Jovics vermeintliches Handspiel kurz vor dem 1:1 hatte sich Kohfeldt echauffiert. Ausreden wolle er keine suchen, „aber man muss auch mal sagen dürfen, wenn etwas nicht gerecht war“, forderte der Trainer.

Ausschließlich Begeisterung löste dagegen Maximilian Eggesteins Auftritt bei ihm aus. „Das war Weltklasse“, sagte Kohfeldt. Der ältere der Eggestein-Brüder, eines von fünf Eigengewächsen in Werders Startelf, war schon in der Anfangsphase der beste Bremer gewesen. Dann erzielte er ein Tor, vor dem er drei Frankfurter Abwehrspieler mit einer Drehung stehen ließ und anschließend eiskalt verwandelte. Wirklich Weltklasse. „Kurz habe ich selbst die Orientierung verloren“, gab Eggestein zu. Fünf weitere Male schoss er aufs Tor, darunter war ein Pfostenschuss und in einer der letzten Szenen des Spiels rettete Marco Russ in höchster Not.

Zuversicht bei Eggestein

Eggestein hatte am Sonnabend nicht nur Europa-League-, sondern Champions-League-Niveau. Doch Kohfeldt ist zuversichtlich, dass es den Mittelfeldspieler, dessen Vertrag bis 2020 läuft, nicht zu einem Klub zieht, der dieses Niveau schon in Gänze verkörpert. „Ich muss mir keine Sorgen machen, weil ich mir sicher bin, dass er bleibt. Ich kenne seinen Berater gut, ich kenne seinen Vater gut. Aber am wichtigsten ist: Ich kenne Maxi gut. Wir haben sehr viele gute Argumente“, sagte Kohfeldt und grinste zufrieden.

Werders Trainer ist zuversichtlich, dass sich die Freude, die ihm seine Spieler mitunter bereiten, bald zuverlässiger in den Ergebnissen widerspiegelt. „Natürlich müssen wir mehr Tore machen“, sagte er. Allein durch Fingerschnipsen lasse sich das Problem mit der Chancenverwertung jedoch nicht lösen. „Wir arbeiten dran, das wird kommen. Der Glaube an die Jungs ist sehr groß.“ Am Ende seines Arbeitstages wirkte Florian Kohfeldt gar nicht mehr so unzufrieden.

Welcher Spieler war euer „Man of the Match“ gegen Frankfurt?

Nomolas am 27.01.2019, 10:36
Södele.
1 Nacht darüber geschlafen um das ganze emotionsfreier wiedergeben zu können. :-D
Wenn man sich den Spielverlauf angescheut hat, muss man Kohfeldt nur zustimmen wenn er sagt, dass wir das Spiel eigentlich hätten gewinnen müssen. Nichts desto trotz war es für den unparteiischen Betrachter wohl eines der besten Spiele der bisherigen Saison. Und zwar nicht nur auf Bremen oder Frankfurt gesehen. Frankfurt kam als Mannschaft mit breiter Brust und Ambitionen für - wenn man die Tabelle betrachtet - mehr als die EL und einer nicht einfach zu knackenden Defensive.
Das es Werder gelang diese Defensive teils schwindelig zu spielen und diese Fülle von Torchancen (18!) zu generieren, spricht aber auch eine eindeutige Sprache. Sehen wir mal kurz von der Chancenverwertung ab. Gegen Hannover hatte man 24 Torchancen und machte dies noch daran fest, dass Hannover absolut unterirdisch gespielt hat. Das ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen, aber wenn man gegen Frankfurt - und die sind bei allem Respekt ein ganz anderes Kaliber als Hannover - nur 6 Chancen weniger kreiert, dann zeugt dies von einer verdammt hohen Qualität.
Kommen wir zurück zu Chancenverwertung:
Man braucht kein Blatt vor den Mund nehmen wenn man sagt, dass diese verbesserungswürdig ist. Aber man sollte dabei auch berücksichtigen, dass bei der Bewertung selbiger mehr als nur der Faktor Spieler zählt. Gegen Hannover zum Beispiel hatte Esser einen Sahnetag erwischt, Frankfut rettete gestern unter anderem der Pfosten. Die Verwertung von Chancen im Spiel kann man nur leider nicht effektiv trainieren, auch wenn es einige glauben mögen (dazu bräuchte man nämlich die selben Gegenspieler wie auch im Spiel, ein Faktor der sehr hoch wiegt...). Das kreieren von Chancen lässt sich hingegen sehr wohl trainieren und wie zu sehen war funktioniert das auch recht gut. Das Verwerten der Chancen wird mit steigendem Selbstbewusstsein/Mut auch wieder besser, wobei ich davon abrate zu denken, man würde bei entsprechender Verwertung nun die Gegner jedesmal mit 4-5 Gegentoren nach Hause schicken.
Sicherlich ist es nach solchen Spielen wie gegen Frankfurt nicht einfach zu realisieren, dass man nicht gewonnen hat, ABER man muss auch sagen, dass wir in der Rückrunde auch noch nicht verloren haben. Es hätte also auch schlimmer kommen können. Besser sicherlich auch, aber wir wollen ja typisch Bremisch auf dem Boden bleiben ;-)
Ich persönlich erfreue mich lieber daran, diesen Entwicklungsprozess miterleben zu können und daran, dass wir ein Werder sehen welches mit dem der letzten Jahre nichts mehr zu tun hat. Der Blick geht definitiv nach vorn, das Spiel ebenso. Der Rest kommt auch mit der Zeit.
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NickNameless am 27.01.2019, 11:37
Einspruch, "Euer Ehren". Aber auch nur in einem einzigen Punkt:

Ich verstehe nicht, warum man im Fußball noch immer der Meinung ist, dass man mit max. 30 Min. täglichen Schusstraining ein überdurchschnittliches Niveau erreichen kann.

"Sport"-wechsel (in Anführungszeichen, für viele ist es ja kein Sport 😉): Wenn ein Phil Taylor nicht täglich bis zu acht Stunden trainiert hätte, hätte er diese Präzision nicht erreicht. Talent hin oder her.

Ich bleibe bei meiner Meinung. Wenn ein Bundesligaprofi jeden Tag 2 Std. reines Schusstraining machen würde, hätte im Sportstudio längst jemand auch einmal alle sechs versenkt. In meinen Augen hat jeder Profi da mind. vier Dinger reinzumachen! Aber selbst das ist ja schon selten.

Es hat nämlich nichts mit dem Spiel, dem Gegenspieler und der Situation zu tun, wie du schreibst. Es gibt diese eine Lücke, das kann man aus der Hintertor-Kamera immer wieder sehen. Ich muss aber eben auch technisch in der Lage sein, diesen "Schuhkarton" zu treffen.
Das wird aber bestimmt nichts, mit 'ner 1/4 Std. Training/Tag!

Und "ja", wenn man nach einer Std. laufintensivem Spiel 40m Anlauf genommen hat, kann einem die fehlende Luft bei der Präzision schon hinderlich sein. Das ist mir auch klar! Aber dann macht man es eben wie der Martin gestern ;-)
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Nomolas am 27.01.2019, 20:36
@NickNameless:

Die Majestätsbeleidigung sei dir verziehen! :-P
Ich habe ja zum Glück kein Problem mit anderen Ansichten. Im Gegenteil, sie sind erfrischend. Ich bin ja schliesslich kein Sonnenkönig.

Allerdings bin ich nicht sicher, ob sich das Training eines Dart-Champion auf Fußball adaptieren lässt.
Wie dem auch sei: Fakt ist ja, es geht bergauf.

Also: WEITERMACHEN! ;-)
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Werderstern68 am 27.01.2019, 11:41
@Nomolas Perfekt zusammegfasst 👍👌. Ich freue mich auch im Gegensatz zu den letzten 5-6 Jahren einfach mal wieder attraktiven Fußball zu sehen. Lieber so als den destruktiven Fußball der Schalker der sie zwar auf Platz 2 geführt hat sich aber dieses Jahr nicht auszahlt.
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chrijunge am 27.01.2019, 10:45
Nachdem sich im ersten Artikel die "Positiv" und "Negativ" Trolle überbieten, schreibe ich mal hier, hier ist es schön ruhig :)
Erstmal war es ein geiles Spiel und mit saustarken Toren! Augustinson mache ich gar keinen großen Vorwurf, das ist ein Reflex in Millisekunden, den man mal hat. Kennen wir alle. Das erste Gegentor war viel schlimmer und Kreisliga-Abwehr- Niveau.

Das "Problem" sieht mittlerweile glaube ich jeder. Wenn Werder vorne im 16er ist, werde ich nicht mehr nervös, da sie zu 90% die Pille nicht reinbringen. Ein richtig guter Knipser ist nicht bezahlbar und wird auch im Sommer nicht kommen (....wenn mittlerweile schon 10 Mio für Talente abgerufen werden, die noch kein Spiel gemacht haben). Dadurch rächen sich die ständigen Aussetzer hinten.

Bleiben wir realistisch und freuen uns über eine Saison Nicht-Abstiegs-Kampf und wenn öfter solch schöne Spiele kommen und wir hin und wieder die "großen" ärgern können freut es um so mehr. Für einen Ü7 Tabellenplatz fehlen uns die Mittel, die Zeiten sind abgefahren.
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delles.wiki am 27.01.2019, 12:25
Was soll das denn sein, ein "Positiv-Troll"?
Nach Ihrer Logik hätte Werder dann ja auch nie Deutscher Meister oder Europapokalsieger werden dürfen!
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wolfgramm am 27.01.2019, 13:05
Um es kurz zu machen:Wieder ein sehr gutes Spiel,leider fehlen wieder die Punkte.Gegen Hoffenheim,Leipzig und jetzt Frankfurt hätte man mindestens 5 Punkte mehr verdient gehabt.Die Chancenverwertung bleibt das einzige Problem,welches aber wohl nicht so schnell abzustellen ist.Deshalb wird es mit Platz 6 schwer,aber sollte man jetzt 6 Punkte holen.sähe die Tabelle schon wieder anders aus.Leider bin ich mir aber bewusst,dass Werder gerne mal Krisenvereine aufbaut,und Nürnberg und Augsburg muss man ja dazu zählen.Sollte man aber so spielen wie gegen Frankfurt,kann es eigentlich nur einen Sieger geben,da Nürnberg und Augsburg eben nicht die Qualität von Frankfurt haben.
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Greenkeeper10 am 27.01.2019, 13:23
Echt Schade aber bei den Standards kommt nix hier muss mehr Training angesetzt werden
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WerderanerFfm am 27.01.2019, 13:33
Hätte nicht gedacht, dass wir die gut spielen können. Mehr kann man gar nicht sagen. Wenn jetzt noch die blöden Fehler in der Abwehr weniger werden und dafür im Sturm mehr Chancen verwertet werden, sind wir oben dabei. Ich hoffe das Kruse und die Eggesteins gehalten werden können.
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