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Life und Style
24.01.2019
Rezension zu „Lauter Werder“

Welche Songs überzeugen – und welche nicht

© nordphoto


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Eigentlich darf erst am 4. Februar so richtig gefeiert werden, denn dann hat Werder offiziell Geburtstag. Die Begleitmusik gibt es allerdings schon jetzt. 19 Künstler haben insgesamt 21 Songs produziert, die auf dem Sampler zu finden sind. Bekannte Stücke von Jan Delay („Grün weiße Liebe“), De Fofftig Penns („Gröön un Witt“) oder Afterburner („Wir sind Werder Bremen“) sind ebenso dabei wie Neuauflagen von „Lebenslang Grün-Weiß“ („Die Original Deutschmacher) oder „Das W auf dem Trikot“ („Revolverheld“-Frontmann Johannes Strate“). Das Herzstück des Albums bilden allerdings etliche neue Songs, die Mein-Werder-Redaktion hat sieben Stück ausgewählt, bei denen sich ein besonderer Blick lohnt.

Marci the Kid – „Bremen ist die Eins“

Fußball-Songs haben es nicht leicht: Je mehr Mitgröhl-Potenzial sie haben, desto niedriger sind die musikalischen Ansprüche. Je höher die musikalischen Ansprüche sind, desto mehr leidet das Mitgröhl-Potenzial. „Marci the Kid“ hat mit „Bremen ist die Eins“ einen Song produziert, der mehr Disco als Stadion ist, vielleicht noch etwas mehr Lounge als Disco. Die beatlastige Melodie und die Lyrics stehen sich mitunter im Weg wie zwei Mittelstürmer, von denen der eine die Laufwege noch nicht verinnerlicht hat. So könnte der Refrain einem Werder-Schlagwort-Generator entstammen: „Im Weserstadion vereint / Lebenslang in Grün und Weiß / Wir regieren am Osterdeich / Werder Bremen ist die Eins.“ Wäre „Bremen ist die Eins“ ein Werder-Spiel, würde Florian Kohfeldt analysieren, dass das zwischen den Strafräumen ganz okay gewesen sei, seiner Mannschaft im Angriffsdrittel aber die zündenden Ideen fehlten. (jsg)

Flo Mega – „Jonny Otten“

Die großen Stars waren andere, aber Flo Mega hatte es dieser fleißige Fußballarbeiter mit dem Schnauzbart und der hohen Stirn angetan. „Sag‘ nichts gegen King Jonny Otten“, rappt der Bremer Musiker in seinem Song, der passenderweise einfach „Jonny Otten“ heißt. Hatte Flo Mega alias Florian Bosum seine größten Hits mit Soulliedern wie „Zurück“, kehrt er für den Werder-Sampler zu seinen Wurzeln zurück, und die liegen im Rap. Auf einem etwas düsteren, treibenden Beat setzt Flo Mega Werders glorreicher Zeit in den 80er- und 90er-Jahren ein musikalisches Denkmal. Es geht viel um „Namedropping“. Von Rune Bratseth über Uli Borowka bis Wynton Rufer kommen all die Werderaner vor, die unter Otto Rehhagel einen Titel nach dem anderen gewannen. Für Werder-Fans, die diese Zeit intensiv miterlebt haben, ist Flo Megas Song daher ein wahrer Genuss. Vor dem inneren Auge tauchen Fußballer auf, die noch nichts mit der heutigen Glitzerwelt Bundesliga am Hut hatten. Man trug Vokuhila oder eben einen Schnäuzer wie Jonny Otten. „Diese Männer werden immer für mich Helden sein“, rappt Flo Mega und fügt korrekterweise hinzu: „Diese Zeit kommt nie Wiedener.“ (crb)

Flowin Immo – „Das Körper-W“

Fußballlieder in Form von Mitgröhlhymnen kennt man, Lieder mit ordentlichem Schlagereinschlag auch. Aber dass ein Fußballsong im entspannten Reggae-Beat daherkommt? Eher nicht. Tja, Flowin Immo, das Bremer Rap-Urgestein, ist eben nicht bekannt dafür, viel auf Konventionen zu geben. Und so lädt er alle Werder-Fans in „Das Körper-W“ zur rhythmischen Gymnastik ein. „Zeige das Körper-W / hebe beide Arme und beuge die Ellenbogen“, leitet Turnmeister Immo den Hörer an und beweist, dass der Bundesligastandort Bremen eben doch ein besonderer ist. Man kann sich zwar nicht recht vorstellen, dass der Song im Stadion funktioniert, ein ohrwurmiges Teil ist er dennoch. Auch wegen netter Zeilen wie „wenn es Rehe hagelt, zählen wir Schaafe“ – zwei große Werder-Ären verpackt in eine Zeile. Zum Ende hin dreht das „Körper-W“ nochmal auf – wie ein Spiel im Schlussdrittel - und beschwört die Einheit zwischen Fans und Verein: „Das Weserstadion ist mehr als nur Rasen, Glas und Beton.“ Recht hat Immo. (oni)

Original Deutschmacher – „Heimstark“

Beim ersten Hören bekommt man schnell den Eindruck, als sei der Song in fünf Minuten geschrieben worden. Entschuldigend muss man festhalten, dass dieses Stück im Original eigentlich „Halbstark“ heißt und von der Band „The Yankees“ stammt. Entsprechend ist die lyrische und musikalische Kreativität hier von vornherein begrenzt. Beides allerdings war auch selten der Anspruch der „Original Deutschmacher“ (Arnd Zeigler und Berthold Brunsen). Jedoch ist es für sie Fluch und Segen zugleich, sich an ihren bestens bekannten Hymnen „Das W auf dem Trikot“ und „Lebenslang Grün-Weiß“ messen lassen zu müssen. Der Mitgrölfaktor ist dieses Mal, wenn man gut einen im Tee hat, durch viel Refrain und wenig Strophe sicherlich gegeben, aber der Text ist nun mal nicht besonders originell. Der Werder-Bezug ist zudem spärlich. Der Song taugt für launige Busfahrten von Fanklubs nach Hause, wenn Werder einen Heimsieg eingefahren hat. (bbo)

Afterburner – „Wunder sehen“

Die Melodie ist unverkennbar: Bei Afterburners „Wunder sehen“ handelt es sich um ein Cover des Welthits „Centerfold“ von der J. Geils Band. Und genau wie bei dem berühmten Gassenhauer aus den 80er-Jahren lädt auch die Werder-Version der 1996 in Osterholz-Scharmbeck gegründeten Band zum Grooven ein. Der Refrain ist schnell verinnerlicht, der Beat geht sofort ins Blut. Ein Gute-Laune-Lied, das jeden Werder-Fan auf einer Party auf die Tanzfläche locken dürfte. Inhaltlich, der Songtitel lässt es erahnen, befasst sich das Stück mit den Wundern von der Weser. Afterburner zeigt dabei ein hohes Maß an Kreativität („Ein Fünferpack war grad genug, für Dynamo auf Dope-Entzug“) – der unterhaltsame Liedtext ist exakt auf Bremen und Werder angepasst. Dass einige wenige Passagen nach dem „Reim dich oder ich fress dich“-Prinzip daherkommen, ist nur ein kleiner, zu vernachlässigender Makel. „Wunder sehen“ ist definitiv empfehlenswert! (fel)

Joka & MontanaMax & Shiml – „Mein Herz schlägt“

Werder und ein Rap-Song. Da denken viele mit Sicherheit zuerst an Jan Delay. An seinen lange angekündigten und im Sommer releasten Song „Grün weiße Liebe“. Allerdings handelte es sich dabei um eine softe Ballade – mit wenigen Rap-Elementen. Dass es auch anders geht, zeigen die Bremer Rapper Joka, MontanaMax und Shiml mit ihrem Track „Mein Herz schlägt“. Ihre Zielgruppe: ganz klar die jungen Ostkurvenbesucher. Im Video gibt’s Bengalos anstelle von Konfetti, dunkle Farben und Nacht-Aufnahmen. Alles ist ein bisschen rauer, dunkler, dreckiger. Musikalisch wird deutlich, dass die drei ganz unterschiedlich rappen und jeder seinen eigenen Stil hat. Der Part von MontanaMax ist durch seine Langsamkeit wahrscheinlich am massentauglichsten. Alle Drei zeigen durch Zeilen wie „Mein erster Balkenschal – schallender Applaus in der Kurve. Ein paar Jahre bevor Klaus-Bärbel einfach Pauli-Fan wurde“, dass sie in Bremen verwurzelt sind und stellen durch Name-Dropping eine Nähe her, mit der sich viele Werder-Fans identifizieren können. Einzig die Hook ist ein bisschen austauschbar. Dennoch bleibt es dabei: Solch einen Track haben die Platte – und auch die Werder-Fans – noch gebraucht! (kmu)

Rhonda – „Run Boy Run“

Keine Frage, dieser Song sticht heraus – und zwar aus gleich zweierlei Gründen. Einerseits deshalb, weil „Run Boy Run“ alles andere als ein klassischer Fußballsong ist. Vermutlich dürften auch gerade deshalb etliche Werder-Fans mit dem Werk der Neo-Soulband fremdeln. Andererseits ist gerade dieser Song der womöglich am besten produzierte auf dem gesamten Longplayer. Der Gesang von Frontfrau Milo Milone ist von enormer Qualität und muss sich selbst im internationalen Vergleich nicht verstecken. Die musikalische Sauberkeit steht diesem Eindruck in nichts nach. Da ist es fast ein bisschen schade, dass „Rhonda“ für ihr Glanzstück gecovert haben. Im Jahr 2013 rauschte der französische Indie-Musiker „Woodkid“ mit „Run Boy Run“ durch die Charts – auch dank der medienwirksamen Präsenz in den Werbespots eines großen Mobilfunkanbieters. Doch „Rhonda“ haben es jetzt geschafft, den Song auf eine neue, eigene Ebene zu heben. Allein weil er anders als alle anderen Songs auf diesem Sampler ist, hat er es mehr als verdient, ein Teil davon zu sein. Gerade wenn er derart gut gemacht ist. (mbü)

Ein Interview mit dem Afterburner-Sänger Tjalf Hoyer gibt es hier.

Das Jubiläumsalbum ist ab sofort überall erhältlich und online bei ITunes, Spotify, Deezer, Google Play oder Amazon Music – komplett oder zumindest in Ausschnitten –  hörbar.

celeris am 25.01.2019, 12:50
Das ist doch alles enttäuschend, was uns hier als "Werderhymnen" geboten werden. Bei näherem Hinsehen (besser: Hinhören) handelt es sich um Gröl-Songs der ganz flachen Art. Eine Werderhymne, die ihren Namen verdient hat, sollte nicht unbedingt nur dem flauen Zeitgeist huldigen, sie muss allen gefallen und - sie muss doch an etwas tiefere Gefühle appellieren und vielleicht auch ein ganz klein wenig Pathos verbreiten!

Dem werden die vorgestellten Gesänge nicht ansatzweise gerecht. Dabei hat(te) Werder Bremen doch eine offizielle Hymne, die früher auch in den Mitgliederheften auf der letzten Umschlagseite abgedruckt war. Sie ist zwar "uralt", hat aber Saft und Kraft, ist wunderbar zu singen und wird den obigen Kriterien wunderbar gerecht.

Wie schön, wenn man sich daran mal wieder erinnert!

Mit herzlichen Werdergrüßen
C.
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alanya_fuchs am 26.01.2019, 08:05
Wenn ich es besser könnte, würde ich sagen "alles Müll". So muss man nehmen, was da ist.
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