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06.02.2019
Werders wunderbarer Pokalabend

„Was ist denn mit euch los?!“

© Imago


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Jiri Pavlenka hatte vor 80.000 Zuschauern im Tor gestanden, die größte Stehplatztribüne Europas im Blick, und zwei Elfmeter gehalten. Aber eine Interviewrunde um kurz nach halb eins? Da konnte sich Werders Keeper wahrlich angenehmere Aufgaben vorstellen. Doch es war ein besonderer Abend in Dortmund, der mittlerweile zur Nacht geworden war, und so stellte sich sogar der sonst so wortkarge Tscheche den Journalisten. „Ich bin sehr glücklich, dass ich der Mannschaft helfen konnte und wir weitergekommen sind“, sagte Pavlenka, dem Max Kruse nach dem entscheidenden Elfmeter zum 7:5 um den Hals gefallen war. Danach ging es für den Kapitän schnurstracks weiter Richtung Gästeblock, über die Werbebande und rauf auf den Zaun. Pavlenka hatte unterdessen noch zeremonielle Pflichten zu erfüllen.

Er nahm die Auszeichnung für den „Man of the Match“ entgegen, eine wenig wohnzimmertaugliche Trophäe. Doch nicht aus diesem Grund schränkte Pavlenka mit großer Bescheidenheit ein: „Eigentlich bin ich nur der ‚Man of the Penalties‘ gewesen, im Spiel habe ich ja fast nichts gehalten.“ Tatsächlich bekam er erst in der 106. Minute den ersten Schuss des BVB zu fassen, da lag Werder 1:2 hinten. Eine weitere Parade folgte, aber Pavlenkas große Stunde schlug erst, als er die Elfmeter von Paco Alcácer und Maximilian Philipp abwehrte. „Ich war mir hundertprozentig sicher, dass ich die ersten beiden halte“, sagte er. Diese Eingebung wird als eine von vielen Anekdoten mit diesem wahnsinnigen Spiel in Werders DFB-Pokal-Geschichte eingehen.

Die entscheidende Fußspitze

In der Verlängerung schickten Claudio Pizarro und Martin Harnik mit ihren Joker-Toren ebenfalls starke Bewerbungen ein. Die erste erinnerungswürdige Anekdote hatte sich nach nicht einmal fünf Minuten ereignet, als Max Kruse und Nuri Sahin an der rechten Strafraumecke zum Freistoß bereitstanden. Sahin war kurz von Trainer Florian Kohfeldt an die Seitenlinie beordert worden und hatte die Aufgabe, seinen Teamkollegen an eine Absprache zu erinnern. „Ich wollte ihn eigentlich hoch ins Eck schießen“, verriet Kruse später. „Aber was der Trainer sagt, muss umgesetzt werden.“

Der Plan lautete: Aufsetzer auf den zweiten Pfosten, um Werders ehemaligem U23-Torwart Eric Oelschlägel in seinem ersten großen Profispiel direkt eine unangenehme Aufgabe zu stellen. So ganz ging der Plan nicht auf, weil Milot Rashica den Freistoß mit der Fußspitze in der Luft erwischte und ins Tor lenkte. „Da gehört schon viel Fantasie zu, dass das so gewollt war“, sagte Kohfeldt und schickte augenzwinkernd einen kleinen Seitenhieb in Richtung des Torschützen: „Milot musste nicht mehr nachdenken, das hat ihm sicher auch geholfen.“

Das Nachdenken hatte Kohfeldt ausführlich übernommen, als er sich die Strategie für den zweiten Auftritt der Saison in Dortmund zurechtlegte – inklusive aller Abwägungen, wie BVB-Trainer Lucien Favre in bestimmten Fällen reagieren würde. Beim ersten Auftritt, einer 1:2-Niederlage Mitte Dezember, hatte Werder verblüffend engagiert mitgespielt und den BVB hoch attackiert. Laut Kohfeldt war das damals in einer schwierigen Phase der Hinrunde mit großem Hader-Potenzial als eine Art Beschäftigungstherapie gedacht. „Heute ging es dagegen nur ums nackte Ergebnis. Deshalb wollten wir bewusst diese tiefere Phase einstreuen, um dann irgendwann die Raute wieder auszupacken“, erklärte er die etwa 70 Minuten nach dem Führungstor, in denen Werder die Dortmunder mit einer Fünferkette und drei Mittelfeldspielern direkt davor empfing.

Mahnende Worte von Kruse

Dass pure Emotionen und taktische Erläuterungen in der Nachbereitung gleichermaßen Platz einnahmen, passte zu einem Spiel, das trotz des K.o.-Charakters erst in der zweiten Hälfte der Verlängerung so richtig abgegangen war. „Ich war beeindruckt, wie wir Fußball gespielt haben. Wir haben es geschafft, Leidenschaft und Cleverness zusammenzubringen“, sagte Kohfeldt. „Heute hat jeder gesehen, welche Siegermentalität grundsätzlich in uns steckt.“ Doch es sei nicht möglich, diese Leidenschaft jede Woche auf den Platz zu bringen, das könne keine Mannschaft der Welt. „Aber diese Cleverness musst du dir jede Woche erarbeiten. Wenn wir clever gewesen wären, hätten wir auch in Nürnberg gewonnen“, sagte Kohfeldt.

Mit konkreten Aussagen, was dieser Erfolg für den Rest der Saison, insbesondere in der Bundesliga, bedeuten könnte, hielten sich der Trainer und seine Spieler entsprechend zurück. Welchen Eindruck Werder mitunter bei der Konkurrenz hinterlässt, wollte Kohfeldt aber nicht ganz verhehlen. „Ich habe heute dreimal gehört: ‚Ihr spielt so einen Fußball und seid Zehnter in der Liga? Was ist denn mit euch los?‘“, erzählte er. Die nächste Aufgabe heißt am Sonntag um 15.30 Uhr: Heimspiel in der Bundesliga gegen den FC Augsburg. Danach folgen sechs weitere Ligaspiele, bis das Pokal-Viertelfinale ansteht. Anfang April dürfte sich dann längst abzeichnen, welcher der beiden möglichen Wege nach Europa der realistischere ist. Im Pokal hat Werder am Dienstag die momentan schwierigste Aufgabe im deutschen Fußball gelöst. „Wir können mitnehmen, dass wir guten Fußball gespielt und uns belohnt haben. Aber wir haben weder im DFB-Pokal noch in der Bundesliga bisher etwas erreicht“, sagte Kapitän Kruse.

Bis Freitag kann die Mannschaft den Erfolg von Dortmund genießen, inklusive eines freien Tages am Donnerstag. „Gleich wenn ich im Bus sitze, schreie ich noch einmal laut und dann ist gut“, kündigte Kohfeldt für sich persönlich an. Während der Trainer über das Erlebte sprach, ging immer wieder die Kabinentür auf und Musik drang nach draußen, „Wonderwall“ von Oasis inklusive. Es war eben ein Abend großer Werder-Emotionen, an dessen Ende sogar Jiri Pavlenka von seinen Heldentaten berichtete. Das will etwas heißen.

Wer war euer „Man of the Match“ gegen Dortmund? Jetzt abstimmen!

klarerBlick am 06.02.2019, 08:37
Wie von mir vorausgesagt: Pavlenka muß das Spiel retten

Großartig

Zum Glück hat uns das dumme Einsteigen von Bargfrede nicht den Sieg gekostet. Unverständlich, den immer wieder aufzustellen

Gebreselassie und Kruse auch mit einem super Spiel

Heimspiel gegen Hamburg
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tatihulot am 06.02.2019, 09:33
Betr. Noten für die Spieler: Ich hoffe nur inständig, dass der Notengeber kein Lehrer war oder ist - die armen Schüler*innen, die trotz sehr guter Leistungen nur eine bescheidene 3 bekommen.... Meine Benotung des Benoters: 5
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FlyKilla am 06.02.2019, 11:43
Du darfst nicht nur die beiden gehaltenen Elfmeter zur Benotung nehmen. Die natürlich erste Klasse waren! Fakt ist auch, dass er in den 120 Minuten vorher ziemlich viele Torschüsse nicht gut pariert hat. Sprich, Gegentore zugelassen hat. Von daher passt die 3. Trotzdem ist er für mich The Man Of The Match!
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alanya_fuchs am 06.02.2019, 13:18
Wenn Sargent mit einem einzigen Schuss mit Torerfolg und 15 Spielminuten man of the match wird, warum sollte man das bei Pavlenka anders bewerten?
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FlyKilla am 06.02.2019, 13:34
Etwas anderes habe doch gar nicht geschrieben. Nur das die Note 3 auf das ganze Spiel gesehen passt. Das wir ins Elfmeter schießen gekommen sind, ist eine Leistung der gesamten Mannschaft. Dass wir das ES gewonnen haben, verdanken wir Pavlenka! Und deshalb (ich wiederhole mich gerne) ist er für mich Man Of The Match!
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chrijunge am 06.02.2019, 10:40
Ein Spiel für die Geschichtsbücher, das wäre auch ein schönes Finale gewesen ;) Auch wenn es spielerisch nach vorne oft nicht sehr glanzvoll war, haben sie hinten so gut verteidigt wie lange nicht. Hut ab! Ich finde es auch gut, dass Kohfeldt Nürnberg noch erwähnt, denn wenn wir jetzt selbstgefällig nach Augsburg fahren, gibt es dort keinen Punkt! Deswegen, jetzt die breite Brust mitnehmen und in Augsburg alles geben.
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alanya_fuchs am 06.02.2019, 11:16
Was sollen wir in Augsburg?
Kampflos verlieren, weil wir in Bremen antreten müßten?
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holger_sell am 06.02.2019, 11:28
Wenn Werder nach Augsburg fährt, gibt es wirklich keinen Punkt, denn der Gegner und die Zuschauer sind im Weser-Stadion.
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Struuns am 06.02.2019, 11:01
Bravo Werder! Tolle Moral bewiesen.
Nun am liebsten gegen die Hertha, in Berlin.
Und das Finale gegen den HSV.
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alterwaller am 06.02.2019, 11:31
Finale gegen den HSV ? Hätte was. Aber lieber nicht. Das sind so Spiele da hat der HSV den Papst in der Tasche und den Schiri evtl. auf seiner Seite. Siehe ein bestimmtes Relegations-Spiel
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Werderstern68 am 06.02.2019, 21:04
Ich würde lieber im Viertelfinale zu Hause gegen den HSV spielen denn in Berlin war das bei den vergangenen Finalen gegen Dortmund Kaiserslautern Aachen Köln Leverkusen etc. immer eine super Fan-Feier auch mit den gegnerischen Fans was bei einem Finale gegen den HSV leider nicht möglich sein wird 🤷‍♂️
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wolfgramm am 06.02.2019, 13:06
@klarer Blick-Also,die Kritik an Bargfrede ist lächerlich.Sie werden auch bei Messi und Ronaldo Szenen finden,die nicht so toll sind.Aber wie wichtig Bargfrede ist,sieht man immer,wenn er fehlt.Sein Problem ist einzig seine Verletzungsanfälligkeit,planen kann man mit ihm kaum langfristig.Unverständlich wäre es,ihn nicht aufzustellen.Ansonsten gibt es bei diesem Spiel nichts zu kritisieren,man hat tolle Moral gezeigt und hatte nach 90 Minuten einen Punkt,wenn es ein Buli-Spiel gewesen wäre.Das gelang auch nicht so vielen Mannschaften.Pizarros Tor:Weltklasse,und da hat das Wort seine Berechtigung.Genau für solche Momente ist Pizarro auch genau der richtige Mann,ihn statt z.B. Sargent war genau die richtige Entscheidung von Kohfeldt.Das Stürmerkarussell wird sich wohl weiter drehen.Sah es zuletzt mit Vorteilen für J.Eggestein aus(Tor in Nürnberg) haben nun auch Rashica und Harnik wieder gute Chancen nach ihren Toren.Osako kommt noch dazu.Bin mal gespannt,wen Kohfeldt gegen Augsburg bringt.Die Bescheidenheit von Pavlenka passt zu ihm und gefällt mir sehr gut,Torhüter haben bei einem Elfmeterschießen nichts zu verlieren,im Gegensatz zum Schützen,der vergibt.Deshalb wäre mein "man of the match" Pizarro.
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Trooper am 06.02.2019, 13:41
Zu 90 Prozent richtig. Einzig: mein Spieler des Spiels: Max Kruse. Pensum: überragend. Ballsicher, mit Ideen, dem frühen Assist und dem entscheidenden Elfer.
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WERDER2016 am 06.02.2019, 15:43
@ wolfgram

Das mit Bargfrede sehe ich genauso. Außerdem war der Freistoß aus meiner Sicht fifty-fifty und die 2 Minuten Nachspielzeit in Hz. 1 war ein BVB Bonus weil sie zurücklagen. Gut, dass Werder es geschafft hat, sonst hätte man wieder stundenlang über die beiden spielentscheidenden Fauxpass von Herrn Doktor Brych debattiert. Die Szene vor dem 3:2 des BVB war ein klares Handspiel. Entweder der Schiedsrichter hat es nicht gesehen oder auch hier ein klarer BVB Bonus, wie die Bayern am SA beim Handspiel von Hummels.

Die unendliche Geschichte eben, die uns erhalten bleibt, solange es den Fußball geben wird. Früher hat man gesagt im Laufe einer Saison gleicht sich alles aus.
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Bubba am 06.02.2019, 16:38
Und jetzt bitte auswaerts gegen die Bayern
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