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20.02.2018
Vom Topspiel zum Dauer-Krisenderby

Was ist da bloß schiefgelaufen?

© nph / H. Koerkel, nordphoto


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Da liegt sie also. Weiß, faustgroß und so zerknüllt, dass sie Falten wirft. Der Besucher muss sie im Wuseum, dem Werder-Museum in der zweiten Etage des Weserstadions, schon ein wenig suchen. Sie liegt in einem Glasquader in der hinteren Ecke. Dort, wo sich die Gäste in ausrangierte Schalensitze fläzen können und auf Knopfdruck die Bilder der größten Werder-Erfolge in Endlosschleife im Fernsehen laufen. Sie passt hier gut hin, die Papierkugel, heimlicher Werder-Star der Derbywochen im April und Mai 2009, denn so wie diese 19 Tage damals verlaufen sind, gehören sie ohne Frage zu Werders größten Erfolgen.

Was waren das für Zeiten. Bremen und Hamburg und ein bisschen auch der Rest des Landes konnten gar nicht genug bekommen von den Duellen der stolzen Rivalen. Werder gegen den HSV, das waren drei Wettbewerbe, vier Spiele, viele Tore und verrückte Geschichten. Für die Bremer wurden es Feiertage, Werder gewann drei der vier Spiele, das unwichtigste – das Hinspiel im Uefa-Pokal-Halbfinale – überließ man dem HSV. Es gab ja noch das Rückspiel, und dort bügelte Werder das 0:1 aus der Vorwoche aus. Auch dank der Papierkugel, die ein Fan aufs Spielfeld geworfen hatte, und die dafür sorgte, dass der Ball ans Schienbein von HSV-Verteidiger Michael Gravgaard sprang. Es gab eine Ecke für Werder, und dann fiel schon das 3:1. Werder stand im Uefa-Pokal-Finale, der HSV war draußen. 

Tolle Tage waren das zwischen dem 22. April und dem 10. Mai, weil sie großes Kino boten und – je nach Sichtweise und Betroffenheit – Komödie, Drama oder Tragödie waren. Die Derbywochen markieren aber auch einen Einschnitt. Sie waren der Schlussakkord unter eine große Zeit. Im Jahr danach schaffte es der HSV noch einmal bis ins Halbfinale der Europa League und wartet seitdem auf die nächste Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb, mehr noch: Zweimal entging der Klub nur haarscharf dem Abstieg. Werder gelang nach einer guten Saison 2009/10 letztmalig die Qualifikation für die Champions League. Und auch von der Europa League kann Werder seitdem wie der HSV nur träumen. Im Mai 2016 wäre Werder dann fast abgestiegen.

Es ist verdammt viel schiefgelaufen bei beiden Klubs. Das Klischee geht so: Hamburg ist schöner, größer, potenter, Hamburg fühlt sich wie Champions League und tritt auch so auf. Bei Werder ist alles eine Nummer kleiner, nicht ganz so schrill, nicht ganz so überkandidelt. Das stimmt schon. Aber man kann auch nicht behaupten, dass sie beim HSV alles falsch gemacht und bei Werder einfach nur Pech gehabt hätten.

Werder war auch mal Champions League und ist so aufgetreten. Werder, das kann man im Jahr 2018 leicht vergessen, war zwischen 2004 und 2010 das, was heute Borussia Dortmund ist: der einzige konstante Bayern-Verfolger. Werder hat in dieser Zeit sieben Mal in der Königsklasse gespielt. Und wie. Mit mitreißendem Offensivfußball der Marke Schaaf, mit Johan Micoud, dem genialen Dirigenten. Mit Diego, dem kaum weniger genialen Nachfolger. Mit Per Mertesacker, mit Torsten Frings, mit Miroslav Klose, Tim Borowski und Mesut Özil, alles spätere Weltmeister oder Helden des Sommermärchens.

Fehler in Werders System

Das System Werder funktionierte so lange, wie die Klubführung und die Sportliche Leitung aus Klaus Allofs und Thomas Schaaf mehr gute als schlechte Transferentscheidungen trafen. Schon in den großen Jahren verlor Werder regelmäßig seine größten Spieler, an diesem Prinzip hat sich bis heute nichts geändert, höchstens der Maßstab für Größe. Werder hat Micoud verloren, Klose, Frings, Borowski und Ismael – und dafür Diego, Mertesacker und Özil geholt. Viele Menschen fragen sich bis heute, wo das viele Geld aus den Champions-League-Jahren und den späteren Spielerverkäufen geblieben ist. Antwort: Im Stadion, für dessen Ausbau Werder hohe Kredite aufnehmen musste, die noch lange nicht abbezahlt sind. Und im sündhaft teuren Kader jener Jahre. Das erste der vier Nordderbys 2009 gewann Werder mit folgender Aufstellung: Wiese, Boenisch, Fritz, Mertesacker, Naldo, Baumann, Frings, Özil, Diego, Pizarro und Almeida. Das war eine Millionen-Elf.

Werder hat nach der Verpflichtung von Mesut Özil nicht mehr gut eingekauft. Marko Arnautovic etwa wurde für mehr als sechs Millionen Euro geholt, er erhielt einen Vertrag auf Champions-League-Niveau, dummerweise spielte Arnautovic mit Werder aber nur in einem seiner drei Bremer Jahre auch tatsächlich in der Champions League. Ähnlich bei Eljero Elia, Mehmet Ekici oder Wesley: Zwischen fünf und 7,5 Millionen Euro hatten sie gekostet und wurden fürstlich bezahlt zu einer Zeit, als Werder sich das eigentlich nicht mehr leisten konnte. Heute vergessene Spieler wie Denni Avdic, Lukas Schmitz, Joseph Akpala oder Marcelo Moreno waren Millionen-Einkäufe zu einer Zeit, in denen Fehleinkäufe in dieser Größenordnung eigentlich verboten waren. 

Irgendwann war das Tafelsilber weg (Mertesacker, Naldo, Marko Marin, Sokratis), und Werder holte Thomas Eichin als Sanierer. Es folgten quälende Jahre der Konsolidierung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Spielern passte wieder besser, aber das hieß eben auch: Große Sprünge waren mit den Mannschaften der Jahre 2013 bis 2016 nicht zu machen. Auch weil für die zentrale Position in einem Verein wie Werder keine dauerhafte Lösung mehr gefunden wurde. Werder ist ein Trainerverein: Otto Rehhagel hat das begründet, Thomas Schaaf fortgesetzt, und dann mussten drei Trainer innerhalb von vier Jahren vorzeitig gehen. Verglichen mit dem HSV ist das nicht viel, für Bremer Verhältnisse aber unerhört.

85 Millionen Euro Minus

Den HSV traf die Nach-Derbywochen-Zeit noch derber. Interimslösungen mitgerechnet wechselte 16 Mal der Chef auf der Trainerbank, um Übergangslösungen bereinigt sind es seit Martin Jol immer noch zehn Namen. Und sechs Manager. Und mehr als 100 Spieler. Inzwischen gehen die Zuschauerzahlen runter, von einst 55 000 im Schnitt auf nun 49 000. „Das Missverhältnis zwischen Aufwand und Erfolg ist beim HSV eklatant größer als bei Werder“, sagt Daniel Jovanov. Er ist seit 2012 HSV-Reporter und schreibt unter anderem für die „Zeit“ und „Spiegel online“. Je nachdem, wie man die Bilanzen interpretiert, hat der HSV seit 2014 ein Minus von 35 Millionen Euro (so die offizielle Zahl) und 85 Millionen (so die Recherchen der „Zeit“) gemacht.

Am Sonntag erst hat Jovanov die siebenstündige Mitgliederversammlung besucht, an deren Ende Ex-Boss Bernd Hoffmann mit hauchdünner Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Die Stimmung war so aufgeheizt, dass Hoffmann unter „Hoffmann raus“-Rufen von Sicherheitsleuten in den Pressebereich geführt werden musste. „Ich bin nachdenklich“, sagte Hoffmann dort, „wenn wir den Gegner im eigenen Verein suchen, werden wir es zu nichts bringen.“ Beobachter Jovanov sagt: „Es herrscht ein Gefühl der tiefen Spaltung beim HSV.“

Das Sündenregister der vielen Vereinslenker ist lang: überbezahlte Spieler; eine insgesamt falsch zusammengestellte Mannschaft; und natürlich Klaus-Michael Kühne, der milliardenschwere Gönner und Anteilseigner des HSV. „Er hat mit seiner Kritik auf eine Weise recht, denn wenn 100 Millionen Euro an die Wand gefahren werden, dann muss er das kritisieren dürfen“, sagt Jovanov, „andererseits muss man aber auch sagen, dass er mit seinem Geld, seinen Einmischungen und seinen Personalentscheidungen dem HSV nicht geholfen hat.“

„Aufstellen für Europa“

Beim HSV sind sie wieder mal an dem Punkt, an dem grundsätzliche Entscheidungen fällig sind. Hoffmann hat angekündigt, dass es ein Weiter-so nicht geben wird. Das ist angesichts der sportlichen und finanziellen Notlage nachvollziehbar, heißt in der Konsequenz früher oder später aber auch: Der Nächste bitte! Der nächste Manager. Der nächste Vorstand. Der nächste Trainer. Als der HSV vor vier Jahren seine Profiabteilung aus dem e. V. ausgegliedert hat, geschah das unter dem Slogan „Aufstellen für Europa“. Heute, im Februar 2018, muss ein Plan B für den Abstiegsfall her, ein „Aufstellen für die zweite Liga“ quasi.

Die zweite Liga ist auch in Bremen etwas, das Angst und Schrecken verbreitet. Auch für Werder wäre ein Abstieg mit unkontrollierbaren Folgen verbunden. Das Fernsehgeld würde drastisch reduziert. Topspieler würden die Mannschaft verlassen. Immerhin hat Werder inzwischen wieder einen Kader mit ein paar wertvollen Spielern: Max Kruse, Thomas Delaney, Jiri Pavlenka, Ludwig Augustinsson oder Maximilian Eggestein würden Werder viel Geld in die Kasse spülen. Beim HSV dagegen sehen Kritiker höchstens bei den Spielern Filip Kostic und Fiete Arp eine positive Wertentwicklung. Über die meisten anderen Profis hatte Mäzen Kühne kürzlich sein Urteil ja schon gesprochen: „Der HSV ist ein Phänomen, weil die Luschen immer hier hängen bleiben.“

Auch Werder hat in den Champions-League-losen Jahren bis 2015 viel Geld durchgebracht, fast 40 Millionen Euro Rücklagen aufgebraucht. Seitdem schreibt Werder wieder schwarze Zahlen. Der Weg dorthin war mühsam. „Das Geschäftsmodell SV Werder steht unter brutalen Zwängen einer hemmungslosen Konkurrenz mit viel Privatkapital“, sagt der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel, aber trotzdem ist ihm dieses Geschäftsmodell eines mittelständischen Unternehmens lieber als der HSV-Weg mit Kühne. Werders Weg steht für Hickel für Nachhaltigkeit und Selbstbestimmung, mithin für „einen sympathischen Verein“.

Mit Blick auf das 108. Nordderby in der Bundesliga-Geschichte am Sonnabend im Weserstadion sagt Hickel: „Das Geschäftsmodell mit seriösem Jahresüberschuss, Eigenkapital und Vereinsmitgliedern wird gewinnen.“ Also Werder.

Vom Glanz jener Tage 2009 ist Werder trotzdem noch meilenweit entfernt. Bis sich das ändert, muss die Papierkugel im Wuseum als schöne Erinnerung dienen.

haraldbremen am 21.02.2018, 01:08
Werders Weg steht für Hickel für Nachhaltigkeit und Selbstbestimmung, mithin für „einen sympathischen Verein“.

Mit Blick auf das 108. Nordderby in der Bundesliga-Geschichte am Sonnabend im Weserstadion sagt Hickel: „Das Geschäftsmodell mit seriösem Jahresüberschuss, Eigenkapital und Vereinsmitgliedern wird gewinnen.“ Also Werder.

Mit Wissenschaft haben solche Aussagen von Herrn Hickel wohl überhauot nicht zu tun. Darum: Gibts in dieser Stadt eigentlich nur die alten Männer Lemke und Hickel?
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ostwest am 21.02.2018, 08:11
Ein Problem ist sicher, dass viele noch ewiggestrig von den "guten, alten Zeiten" schwärmen.

Die schlechte Arbeit von Filbry und Baumann darf nicht angesprochen werden.

Nach einem Sieg gegen ersatzgeschwächte Wolfsburger wird schon wieder von einer "Klassemannschaft mit Supercharakter " fabuliert
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vigot am 21.02.2018, 08:59
Ich denke der Niedergang begann bereits in der Zeit Schaaf/Allofs als man mit Klose und Diego es verpasst hat nochmal Meister zu werden und den Doubleerfolg zu konservieren. Man hatte eine herausragende Mannschaft und die Möglichkeiten waren mehr als da. Nach dem verkauf von Klose hat man es dann verpasst einen gleichwertigen Ersatz zu holen und verpflichtete B. Sanogo. "Man muss auch mal querdenken"- sagte KA damals noch... Joa ist nicht ganz aufgegangen und anschließend reihten sich Fehlkäufe und Halbfehlkäufe aneinander. In meinen Augen hat Allofs in seinen letzten Jahren eine richtig schlechte Arbeit bei Werder gemacht und einen finanziell und sportlich schwer angeschlagenen Klub hinterlassen.
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Trooper am 21.02.2018, 11:08
@vigot: das hatte mMn dann aber auch mit der Doppelfunktion zu tun, die KA damals übernommen hat, bzw. übernehmen musste nachdem Lemke Born weggeekelt hat. Ein echtes Eigentor, denn als Vereinschef UND Manager fehlte Allofs offensichtlich die Zeit (Achtung Mutmaßung!) um die entsprechenden Spieler ordentlich zu scouten. Das ist zwar Spekulation, aber auffällig ist doch der signifikante Qualitätsunterschied der verpflichteten Spieler VOR und NACH Borns Abgang 2009... Insofern haben Sie recht, wenn Sie den Niedergang schon in der Ära KATS verorten. Und das stimmt auch aus meiner Sicht voll und ganz. Mir ist da noch das geflügelte Wort von dem "bestellten Feld" in Erinnerung....auweia.

Aber im Grunde ist das eh alles Schnee von gestern. Am Samstag drei Punkte, dem Klassenerhalt dieses Jahr einen Schritt näher und mehr Planungssicherheit für 2018/19. Das ist was jetzt zählt.
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joey65 am 21.02.2018, 11:25
Ein guter Bericht von Herrn Hagedorn - auch wenn er mir in der Mitte recht bekannt vorkommt.

Werder hat nach der Verpflichtung von Mesut Özil nicht mehr gut eingekauft. Marko Arnautovic etwa wurde für mehr als sechs Millionen Euro geholt, er erhielt einen Vertrag auf Champions-League-Niveau, dummerweise spielte Arnautovic mit Werder aber nur in einem seiner drei Bremer Jahre auch tatsächlich in der Champions League. Ähnlich bei Eljero Elia, Mehmet Ekici oder Wesley: Zwischen fünf und 7,5 Millionen Euro hatten sie gekostet und wurden fürstlich bezahlt zu einer Zeit, als Werder sich das eigentlich nicht mehr leisten konnte. Heute vergessene Spieler wie Denni Avdic, Lukas Schmitz, Joseph Akpala oder Marcelo Moreno waren Millionen-Einkäufe zu einer Zeit, in denen Fehleinkäufe in dieser Größenordnung eigentlich verboten waren.

Die folgenden Zeilen veröffentlichte ich hier das erste Mal Ende März 2014, nach einem sportlichen Offenbarungseid der Mannschaft in Freiburg (kein Vergleich zum suboptimalen Auftritt am letzten Sonnabend dort):
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"Ich sehe die mangelnde Qualität des Kaders größtenteils als Altlasten der "Größen" Klaus Alllofs und Thomas Schaaf. Diese vermehrten 5 Mio. (oder deutlich mehr) Flops, die die beiden in der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit verpflichtet haben, kann vielleicht der FC Bayern verdauen, aber Werder nicht. Beispiele: Alberto (8,5 Mio,), Wesley (7,5 Mio.), Arnoutovic (6,2 Mio.), Ekici (5 Mio.), Elia (5,5 Mio,), Sanogo (4,5 Mio,). Will mal jemand zusammenrechnen? Knapp 40 Mio. (ohne Gehälter)! Und Leistung? Eine ganz fette NULL!!!Von etwas günstigeren Flops mal abgesehen. (Wer verpflichtete Tosic, Moreno, Avdic, Akpala, ... ?)."
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Auch in der Zeit darauf habe ich diese Aufstellung hier mehrfach gepostet, wenn hier wieder von der ausschließlich glorreichen Ära "KATS" geschwärmt wurde.

Festzuhalten bleibt, dass KATS in der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit mindestens genauso viel Mist verzapft haben, wie sie gute Arbeit in den ersten Jahren geleistet haben.
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vigot am 21.02.2018, 11:53
@vigot: das hatte mMn dann aber auch mit der Doppelfunktion zu tun, die KA damals übernommen hat, bzw. übernehmen musste nachdem Lemke Born weggeekelt hat.

Da haben Sie insgesamt absolut recht. Habe an diese unnötige Aktion gar nicht mehr gedacht, als man den kompetenten Herrn Born meinte voreilig opfern zu müssen.

Naja, viele Fehler wurden gemacht, hoffen wir, dass es in Zukunft etwas besser wird und am Samstag wichtige 3 Punkte geholt werden.
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wolfgramm am 21.02.2018, 12:21
@vigot-Ist schon richtig,dass in der Endphase Allofs/Schaaf die größten Fehler gemacht wurden.Aber ewig kann man sich auch nicht damit rechtfertigen,dass es schon lange schlecht läuft.Frankfurt ist zur Zeit ein gutes Beispiel,dass es schneller wieder bergauf gehen kann.Finanziell sind die auch nicht besser aufgestellt.
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Sweetwater am 21.02.2018, 13:25
"Was ist da bloß schiefgelaufen?"

Wieder so eine fiese Frage wider besseren Wissens des Herrn Hagedorn!

Nachdem man 2004 die Meisterschaft gewann, Pokalsieger wurde und stetiger Teilnehmer in der CL, kamen die Verantwortlichen, allen voran Herr Lembke, auf die abenteuerliche Idee das Weserstadion für ca. EURO 70.000.000,00.- umzubauen und damit begann der Niedergang. Die Qualität des Kaders konnte nicht mehr finanziert werden, man mußte die Stützen einer gut funktionierenden der Mannschaft verkaufen und versuchte nun dem gemeinen Anhänger zu suggerieren, wie toll es doch sei mit "jungen Leuten" und Nachwuchstalenten einen neuen Weg zu gehen - wohlwissend das dies der Liquidität geschuldet war. Man riss sich selber das Standbein weg. Nicht der fiese Stadionausbau hätte Vorang haben dürfen, sondern stets die Mannschaft. Nur wenn Qualität der Mannschft und deren Verbesserungen gewähleistet gewesen wäre und überdies Barmittel darüber hinaus übrig geblieben wären, hätte es zum Ausbau kommen dürfen. Warum? Weil die Profimannschaft das Gerüst für alles im Verein bildet. Mit deren Qualität, sprich Tabellenplatz ist das finanzielle Wohl oder Übel des SV Werder Bremen unzertrennlich verbunden.
Dieses ganze finazielle Desaster belastet sich bis heute den Verein, aus einem Vorzeigeklub ist ein verarmter, stets abstiegsgefährdeter Provinzverein geworden, dessen Lieblingbegriffe Sparen, Konsolidierung und und enger "finanzieller Rahmen" lauten.
Und es waren nicht die Unwegsamkeiten des Lebens, die Werder in den Dreck der Tabelle beförderten, sondern sie waren und sind bis heute hausgemacht.
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Wynton01 am 21.02.2018, 13:54
Stadionkosten, Born Abgang, viele Fehleinkäufe. Mit Eichin, dem man eigentlich nur danken kann, kam die Sanierung. Da er aber eine eigene Meinung hatte, musste er gehen. Baumann, Bode und Filbry führen die alte Miesere weiter...
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Bentlei am 21.02.2018, 14:44
@joey65: Glauben Sie ernsthaft, Ihr zitierter Beitrag sei Vorlage für einen Part dieses Artikels gewesen? Gütiger Himmel. Um das zusammenzuschreiben muss man wahrlich kein Sherlock Holmes sein, noch haben Sie da eine äußerst ausgeklügelte Interpretation vorgenommen, das sind lediglich aneinandergereihte Spielernamen, die man überall nachlesen kann.

Zum Artikel: Gefällt mir gut als Bestandsaufnahme, auch wenn man das so natürlich schon oft gelesen bzw. sich selbst zusammengereimt hat. Die Probleme setzen halt dann ein, wenn der Erfolg (Champions League) ausbleibt. Schade ist in der Tat, dass wir bis auf das Double 2004 und den Pokal 2009 keine Erfolge mehr mit diesen überragenden Einzelspielern erzielt haben - Thomas Schaaf hat meiner Meinung nach zu wenig aus dem Spielermaterial gemacht. Auch hat er den Zeitpunkt für einen stilvollen Abgang krachend verpasst, sein Zenit war längst überschritten, als er gehen musste. Die immer gleichen Phrasen, der immer gleiche Fußball, komplett resistent gegenüber modernem Fußball und zu sehr am Stuhl klebend. Das hatte überhaupt keinen Stil mehr.
Werder hat so einen Umbruch verpasst. Und wenn du auf dem (Gehalts-)Niveau keine zwei Jahre keine CL mehr spielst, dann bricht das Kartenhaus eben zusammen.

Mit Dutt hat man sich dann einen kompetent wirkenden Schwätzer als Trainer geholt, der zwar wunderbar reden konnte, aber Werder so unerträglich klein gemacht hat, dass selbst 0:6-Pleiten gegen die Bayern positiv bewertet worden sind. Skripnik wollte wieder an die Ehre appellieren, das "W" auf dem Trikot zu tragen, hatte aber so gar keine Ahnung von dem, was er da tut. Und Nouri ist am Ende über seine Hybris gestolpert. Schade ist einfach, dass wir es in den letzten Jahren nie geschafft haben, zwei solide Serien innerhalb einer Saison zu spielen, denn die Vereine, die deutlich bessere Kader als wir haben, lassen ja durchaus ein Vakuum zu, in das man reinstechen kann. Aber wenn du in jeder Rückrunde immer erst die Hypothek der Hinrunde abarbeiten musst, wird es eben schwer bis unmöglich, mal wieder einen großen Schritt nach vorne zu machen.

Am meisten nervt mich, dass die Ostkurve immer wieder mit den ollen Kamellen von 2004 beschallt wird. Das ist schon arg armselig, wenn man die triste Gegenwart vor Augen hat.
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Anna_von_82 am 21.02.2018, 16:36
@joey65: Glauben Sie ernsthaft, Ihr zitierter Beitrag sei Vorlage für einen Part dieses Artikels gewesen?

.... hat er nicht behauptet, sondern nur klargestellt, dass das alles hier schon zig mal so zusammengestellt wurde.

Thomas Schaaf hat meiner Meinung nach zu wenig aus dem Spielermaterial gemacht. Auch hat er den Zeitpunkt für einen stilvollen Abgang krachend verpasst, sein Zenit war längst überschritten, als er gehen musste. Die immer gleichen Phrasen, der immer gleiche Fußball, komplett resistent gegenüber modernem Fußball und zu sehr am Stuhl klebend.

Und jetzt soll er als Sportdirektor (-Koordinator?) eingesetzt werden.
Wer aus der "Familie" hat gesagt: "Thomas Schaaf steht für Innovation."?
Baumann, Hupe Grunewald, Bode oder Filbry? Zutrauen würde ich das allen.
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Netzorath am 21.02.2018, 16:42
@vigot-Ist schon richtig,dass in der Endphase Allofs/Schaaf die größten Fehler gemacht wurden.Aber ewig kann man sich auch nicht damit rechtfertigen,dass es schon lange schlecht läuft.Frankfurt ist zur Zeit ein gutes Beispiel,dass es schneller wieder bergauf gehen kann.Finanziell sind die auch nicht besser aufgestellt.

Genau.
Das ist ja (fast) alles richtig im Artikel und den Beiträgen, wobei ich Wert auf die Feststellung lege, dass bereits vor dem Pokalsieg 2009 schlecht gearbeitet wurde. Das mangelhafte Arbeiten ging schon deutlich eher los, bevor man durchgereicht wurde, und ist nicht nur mir schon damals aufgestoßen, an 2008 kann ich mich genau erinnern, aber sicher auch noch eher. Der starke Kader, den man halt noch hatte - man schaue sich nur mal die Aufstellung aus dem Endspiel 2009 an und stelle fest, wie wenig Schaaf mit diesen Spielern erreicht hat - hat das nur eben verdeckt.
Aber inzwischen ist 2018, also war jede Menge Zeit, das mal auszubügeln. Stattdessen ist es eher schlechter geworden, und wenn ich dann höre, dass Schaaf ja wohl nach wie vor wieder für Werder arbeiten soll, wenn auch in anderer Funktion, kann ich nur folgern, dass offenbar nicht viel gelernt wurde aus den Jahren des Niedergangs vom CL-Aspiranten zum Abstiegskandidaten und der anschließenden Kontinuität im Abstiegskampf. Logische Folge ist der Platz, auf dem wir heute stehen, und das war in den letzten Jahren ziemlich genau immer gleich. Wie gesagt, es ist die logische Folge, und nicht die Folge davon, dass man "nicht auf Rosen gebettet" sei und ähnlicher Unsinn, der dann immer als Ausrede herhalten muss.
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tommi24 am 21.02.2018, 16:46
........ kamen die Verantwortlichen, allen voran Herr Lembke, auf die abenteuerliche Idee das Weserstadion für ca. EURO 70.000.000,00.- umzubauen und damit begann der Niedergang. Die Qualität des Kaders konnte nicht mehr finanziert werden.

Wer hat das gerade noch dauerumgebaut??? Doch nicht etwa....oder doch!
Und für wen alles war dabei etwas übrig, weil das in Bremen so üblich und straffrei ist!
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pico1966 am 21.02.2018, 17:14
Und immer wieder die alten Kamellen und die Baderei im Selbstmitleid. Kein einziger Journalist hat 2010 gemeckert. Keiner hat 2007 die verschenkte Meisterschaft Schaaf angehängt.
Stadionneubau, Beluga, unfähiger Allofs usw...Immer die gleiche Leier.

Wir haben 2018. Wenigstens erzählt Baumann den Spielern nicht, was für tolle Hechte sie damals waren.
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Objektiv am 21.02.2018, 18:12
@vigot: das hatte mMn dann aber auch mit der Doppelfunktion zu tun, die KA damals übernommen hat, bzw. übernehmen musste nachdem Lemke Born weggeekelt hat. Ein echtes Eigentor, denn als Vereinschef UND Manager fehlte Allofs offensichtlich die Zeit (Achtung Mutmaßung!) um die entsprechenden Spieler ordentlich zu scouten. Das ist zwar Spekulation, aber auffällig ist doch der signifikante Qualitätsunterschied der verpflichteten Spieler VOR und NACH Borns Abgang 2009... Insofern haben Sie recht, wenn Sie den Niedergang schon in der Ära KATS verorten. Und das stimmt auch aus meiner Sicht voll und ganz. Mir ist da noch das geflügelte Wort von dem "bestellten Feld" in Erinnerung....auweia.

Aber im Grunde ist das eh alles Schnee von gestern. Am Samstag drei Punkte, dem Klassenerhalt dieses Jahr einen Schritt näher und mehr Planungssicherheit für 2018/19. Das ist was jetzt zählt.


Danke. Sonst hätte ich es so ähnlich beschrieben.
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WERDER2016 am 21.02.2018, 21:02
Der Titel des Kommentars suggeriert, dass es in der Gegenwart besser läuft. Dem ist leider nicht so und ie Fehler sind ähnlich gestrickt, unabhängig der handelnden Personen. Die Transfers von FB in ihrer Gesamtheit sind maximal suboptimal. Ich bin mir alles andere als sicher, dass die kolportierten 10 Mio. € für Langkamp und Rashica Werder weiterhelfen werden. Rashica ist leider nicht die viel gepriesene Soforthilfe und wird noch einiges an Zeit benötigen, bis er sich an die Bundesliga gewöhnnt hat. Dabei hätte gerade in Freiburg jemand gefehlt, der sofort Akzente setzen kann. Ein solcher Spieler ist sicherlich Martin Harnik, der sofort Alarm macht und mit Kruse sicherlich besser funktioniert hätte. Den hätte man doch auch für 7 Mio. € haben können, wenn man dran geblieben wäre.

Je mehr man sich mit dem restlichen Spielplan beschäftigt, desto unruhiger muss man eigentlich werden. Auswärts sind nach wie vor Überforderungstendenzen zu beobachten und gegen die Mannschaften aus BMG, Augsburg, 96, VfB und Mainz hat man noch keinesfalls gewonnen: 7 Punkte?

Und wenn man die beiden Heimspiele gegen Hamburg und Köln nicht gewinnt, wird es doppelt eng: Frankfurt, RB, BVB und LEV in dieser Reihenfolge, das sind die Teams von Platz 2 bis 5 in der Tabelle: 9 Punkte?

Dann wären es 39 Punkte, die reichen könnten. Viel dazwischen kommen darf dabei allerdings nicht.
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Netzorath am 22.02.2018, 12:02
. Keiner hat 2007 die verschenkte Meisterschaft Schaaf angehängt.

Aber selbstverständlich habe ich das, und ich könnte Ihnen gleich noch zwei Leute nennen, die es genauso gesehen haben. In der Rückrunde 2006/07 wurden für mich zum ersten Mal die eklatanten Schwächen unseres Trainers offensichtlich, seine Einfallslosigkeit, seine erschreckende Eindimensionalität, immer die gleichen Maßnahmen, keine Organisation usw. Völlig durchsichtig für die gegnerischen Trainer. Ich habe da viel zu geschrieben, andere ebenfalls. Und diese Erkenntnisse vertieften sich in den Jahren danach immer deutlicher, nur deswegen habe ich hier angefangen zu posten.
Und es ist eben nicht wirklich Schnee von gestern, da, wie auch WERDER2016 schreibt, die heutigen Fehler "ähnlich gestrickt sind, unabhängig der handelnden Personen". Man hat nicht die erforderlichen Lehren aus dem Niedergang gezogen. Eichin hat das getan, aber davon wollte man nichts wissen und hat ihn deswegen weggeschickt.
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Trooper am 22.02.2018, 15:27
Die Suggestion im Titel entgeht mir auch beim dritten Lesen desselben, sorry. Ich erkenne, das der Autor sich bei beiden Vereinen fragt, wie es soweit kommen konnte, das es seit Jahren ein Abstiegsendspiel ist. Mit der leisen Hoffnung im Artikel versteckt, das es zukünftig bei Werder dank Kohfeldt besser läuft, wofür es durchaus Anzeichen gibt, aber natürlich keine Garantie.
Lernen aus der Vergangenheit, das scheint derzeit aber nicht wirklich hoch im Kurs zu stehen. Ich dachte eigentlich, Werder steht für einen anderen Kurs...aber gut, was nicht ist... Mit meinem Post des Schnees von gestern wollte ich eigentlich auch nur erreichen, das der Blick auf das heute wichtige Spiel am Samstag gerichtet wird. Und auf die Spiele der Wochen danach. Wenn der Klassenerhalt gesichert ist, dann kann man sich damit beschäftigen, die Scherben der Vergangenheit zusammenzufegen und alternative Strategien zu entwickeln!
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wolfgramm am 22.02.2018, 16:38
@Trooper-Die Planungen für die Zukunft sind aber wohl gerade in vollem Gange.Und deshalb wäre es wichtig hier darauf hinzuweisen,dass eine neue Anstellung von Schaaf den Schnee von gestern wieder aufwirbeln würde.Er ist sicher nicht die personifizierte Zukunft.Dass man Eichin wegschickte,war der größte Fehler der vergangenen Jahre.Aber das ist natürlich auch Schnee von gestern.Dass wir hier eine Anstellung von Schaaf nicht verhindern werden,ist mir klar.Aber soll später keiner kommen,man hätte nicht gewarnt.
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WERDER2016 am 22.02.2018, 18:07
@ Trooper

Wenn der Klassenerhalt geschafft ist, wird man aus Sicht von Werder weder Scherben aus der Vergangenheit noch aus der Gegenwart haben, sodass es dann auch nichts gibt, was man zusammenkehren müsste. Im Gegenteil: mit Thomas Schaaf wird ein Sportdirektor installiert werden, dessen Personalie nicht für zukünftige Visionen steht. Es wird weitergehen wie in den Jahren zuvor: Leistungsträger werden den Verein wechseln, FK fängt von vorne an und wenn er Pech hat, läuft es wie jedes Jahr mit einem sich dynamisierenden schlechten Saisonstart.

Wie hat vor noch nicht allzu langer Zeit Marco Bode in einem Interview gesagt: der Wechsel von Eichin zu Baumann war der richtige Schritt, bei der Entlassung von Skripnik hat man vielleicht zu lange gezögert- man beachte die Formulierung vielleicht. Wie soll sich da etwas ändern?

Ich habe es oben bereits angesprochen: die Bedenken sind groß, ob der Klassenrehalt mit dem anstehenden Restprogramm in der Konstellation von Heim- und Auswärtsspielen überhaupt realisiert wird.
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susanneundjens am 22.02.2018, 18:26
@werder2016: Das mit Harnik ist reine Spekulation. 96 hat die Freigabe verweigert, aus guten Gründen denke ich. Thema durch. Und mit den von Ihnen vorhergesagten 39 Punkten bleibt Werder locker und entspannt in der Liga. Irgendjemand hat irgendwann behauptet man bräuchte 40 Punkte um drinzubleiben. Das ist aber Quatsch. Die letzten Jahre sagen das Gegenteil....Mit der Vorhersage für die Führungsebene sehe ich ähnlich schwarz wie Sie. Im Artikel geht es ja auch um den HSV. Dagegen geht es Werder aber vergleichsweise gut. Gott sei Dank.
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Trooper am 23.02.2018, 11:29
Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: eine Installierung von Schaaf in jedweder Funktion die Mannschaft oder ihre Leistung betreffend wäre NICHT in meinem Sinne, weil er in meinen Augen norddeutsch störrisch an seinen Linien festhält, auch wenn sich bereits herausgestellt hat, das es nicht funktioniert. Ich glaube nicht, das er diese Verhaltensweise inzwischen abgelegt hat, und deshalb halte ich ihn für wenig geeignet, die Werdertrainer anzuleiten, selber wieder zu trainieren oder anderweitig Fussballern was von Taktik oder Weiterentwicklung erzählen zu wollen. Nichtsdestotrotz hat er sich große Verdienste erworben und sollte auch dementsprechende Wertschätzung erfahren, wenn auch nicht in tätiger Funktion im Verein. Wie...nun das gilt es wohl noch herauszufinden. Aber ein Sportdirektor Schaaf kann aus meiner (zugegeben beschränkten auswärtigen) Sicht keinen Erfolg bringen. Mal abgesehen davon, das es weiter die Ansichten schürt, die Werderfamilie schustert sich die Jobs untereinander zu und schmort weiter im eigene Saft.... Diese ansicht sollte inzwischen auch bei den Vereinsoberen angekommen sein und man sollte sich dort dagegen wehren.
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