News
Latest News
Rasenreport
11.02.2019
Rashicas beeindruckende Entwicklung

Vom Chancentod zum Knipser

© nordphoto


  • 11
  • 216

Milot Rashica wusste genau, was er vorhatte. Keine Sekunde des Zögerns, keinen Moment des Überlegens gönnte sich der Werder-Stürmer. Seine Entschlossenheit war bis auf die Tribüne zu spüren. Gerade hatte Davy Klaassen Rashica perfekt frei gespielt, und nun boten sich dem 22-Jährigen gleich mehrere Möglichkeiten. Er hätte noch einmal querlegen können. Er hätte auch direkt aufs Tor schießen können. Rashica aber wusste genau, was zu tun war. Ein kurzer Haken, ein kurzer Blick, ein überlegter Abschluss. Schon stand es 1:0 für Werder gegen Augsburg nach gerade einmal fünf Spielminuten.

„Er hat in Ruhe geschaut, was der Torwart macht und ihn dann unten reingelegt“, kommentierte Florian Kohfeldt diese wichtige Szene später. Werders Trainer sagte das nicht ohne Stolz. Es ist schließlich noch nicht lange her, dass Kohfeldt erklären musste, warum Rashica selbst größte Torchancen nicht genutzt hat. Vor der Winterpause in den Spielen gegen Hoffenheim (1:1) und Leipzig (2:3) fiel der kosovarische Nationalspieler auf, weil er gleich reihenweise beste Möglichkeiten vergab. In Leipzig ging Kohfeldt nach dem Abpfiff zu seinem Schützling, legte seinen Arm um ihn und sagte: „Ich bin jetzt für dich da.“

Das war nicht einfach so dahingesagt, um einen enttäuschten Spieler zu trösten. Kohfeldt hatte tatsächlich einen Plan für Rashica. „Man kann sich die Routine in diesen Situationen erarbeiten, über Spielpraxis, aber auch über klare Entscheidungsfindungen im Training“, betonte er immer wieder. Diese Meinung hat nicht jeder Trainer. Manch einer glaubt, dass ein Spieler die nötige Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor entweder besitzt oder eben nicht. Kohfeldt hingegen ließ seine Spieler immer wieder Torschüsse üben. Es gibt bei Werder eine Gruppe von mehreren Offensivspielern, darunter auch Rashica, die nach Aussage des Trainers regelmäßig Sonderschichten schiebt. „Seit Wochen und Monaten haben wir viel am Abschluss gearbeitet und gesagt: Das ist trainierbar. Die Jungs haben sich das erarbeitet“, betonte Kohfeldt.

Beim Abschluss immer einen klaren Gedanken haben

Dass es am Training liegt, lässt sich schwer beweisen. Klar ist nur: Plötzlich tritt Werder effizient auf. Gegen Augsburg kamen fünf Schüsse auf das gegnerische Tor, davon waren vier drin – eine traumhafte Quote. Beim Pokalerfolg in Dortmund brachten sieben Schüsse auf das Tor drei Treffer ein – auch eine gute Quote. Selbst beim enttäuschenden 1:1 in Nürnberg waren die Bremer effizient, weil sie sich kaum Chancen erspielten. Drei Schüsse auf das Tor führten zu einem Treffer. Kohfeldt weiß allerdings, dass diese Werte mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Effizienz beim Torabschluss könne man nicht einstudieren und dann nie wieder verlernen, etwa wie das Positionsspiel. „Nächste Woche kann das alles wieder weg sein, aber natürlich sollte es jetzt möglichst so weitergehen“, sagte der Trainer. Ein wichtiger Faktor dabei könnte das Selbstvertrauen werden, das nach den Siegen gegen Dortmund und Augsburg nun zweifellos vorhanden ist. Rashica, der Matchwinner gegen Augsburg, brachte es mit simplen Worten auf den Punkt: „Immer wenn du triffst, fühlst du dich danach besser.“ Was ein Tor bewirken kann, zeigte sich an seinem Beispiel am besten. Nach den vielen vergebenen Möglichkeiten vor der Winterpause fiel Rashica im ersten Spiel des Jahres gegen Hannover der Ball einfach vor die Füße und er musste ihn nur zum 1:0-Siegtreffer ins leere Tor schieben. Eine leichte Aufgabe zwar, doch eben auch ein eminent wichtiges Erfolgserlebnis.

Rashica traf in der Folge auch in Dortmund und jetzt gegen Augsburg sogar doppelt – mit insgesamt nur zwei Torschüssen. Sein zweiter Treffer am Sonntag war dabei ein echtes Traumtor. Er ließ Gegenspieler Reece Oxford ins Leere grätschen und zirkelte den Ball traumwandlerisch sicher in die lange Ecke. „Für mich war sein erstes Tor trotzdem besser“, sagte Kohfeldt. Beim 1:0 war eben noch deutlicher zu erkennen gewesen, dass sich das Abschlusstraining ausgezahlt hatte. „Wir müssen wissen, was wir machen. Wir suchen uns eine Ecke aus und haben einen klaren Gedanken“, fasste Johannes Eggestein, der Torschütze zum 2:0, die Inhalte dieser Torschusseinheiten zusammen.

Rückenbeschwerden bremsen Rashica

Rashica hat diese Maxime ganz offenbar verinnerlicht. Genauso hat er sich die Kritik an seinem Defensivverhalten zu Herzen genommen. Kohfeldt hatte ihn nach dem Hinspiel gegen Nürnberg (1:1) abgestraft, weil er nicht konsequent genug nach hinten gearbeitet hatte. Rashica saß ein paar Mal auf der Tribüne – inzwischen geht er mit dem gleichen Engagement in Defensivzweikämpfe, wie er vorne in Richtung Tor stürmt. Am wichtigsten aber bleibt er natürlich in der Offensive. „Er hat Qualität, die wir nicht so häufig im Kader haben, von der Schnelligkeit und vom Dribbling her“, lobte Maximilian Eggestein seinen Teamkollegen.

Deswegen kam Rashica gegen die konteranfälligen Augsburger auch eine bedeutende Rolle zu. Er agierte ungewohnt zentral, über ihn sollten die schnellen Gegenangriffe laufen. Das klappte hervorragend, bis Rashica in der 36. Minute mit Rückenproblemen vom Feld musste. In ein paar Tagen will er aber wieder ins Training einsteigen. Und Maximilian Eggestein war sich sicher: „Wenn er weitergespielt hätte, hätte er noch ein, zwei Tore mehr gemacht.“ So schnell ändern sich also die Zeiten: Bei Rashica geht es längst nicht mehr um vergebene Chancen, sondern darum, wie viele Tore er noch schießen wird.

Lebenslang am 11.02.2019, 20:13
War echt ein geiles Spiel von Milot ;) Dennoch werden auch wieder Spiele kommen in denen es nicht so läuft wie er es sich, oder wir uns es wünschen... genauso bei Josh S. und Jojo... sollten meiner Meinung nach noch nich soviel von den 3 erwarten, dennoch schön, wenn sie treffen und uns einen schönen Nachmittag/ Abend bescheren... sind 3 klasse Spieler, denen man aber noch ein wenig Zeit geben muss um sich weiter zu entwickeln...
28
2
Daneris am 11.02.2019, 21:57
Sein zweites Tor gestern war weltklasse.
11
2
susanneundjens am 11.02.2019, 22:04
Manchmal verzweifle ich an Überschriften. Rashica war weder ein Chancentod, noch ist er jetzt ein Knipser. Was soll denn sowas? Immer nur schwarz-weiß. Rashica ist ein junger Spieler um die 20. Genau wie Eggestein und Sargent. Mit Anfang 20 hatten und haben wir alle im Beruf Schwankungen. Das ist menschlich und normal. Wichtig ist die mittelfristige Entwicklung und da sehe ich bei allen dreien eine gute, ordentliche Entwicklung. Und das zählt.
30
0
WERDER2016 am 12.02.2019, 17:19
Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Das sind eben die nach Schlagzeilen lechzenden Medien, die Trendbegriffe unreflektiert übernehmen. Ab welcher Quote ist man denn ein Chancentod und wann ist man ein Knipser? Der Autor dieses Beitrags könnte auf diese Frage voraussichtlich keine Antwort geben. Oder gibt es hierfür auch schon Datenbanken und Statistiken? Wenn nicht, wird es langsam Zeit.
2
0
Werderstern68 am 12.02.2019, 07:18
Dieser Beitrag erscheint heute auch im Weserkurier. ALLE anderen Artikel von MEIN WERDER heute im WK sind KEINE PLUS-Beiträge. Warum soll ich für den sportlichen Bereich den WK kaufen wenn ich dort KEINEN MEHRWERT habe 🤷‍♂️🤔😡
5
1

Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download