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Rasenreport
08.01.2019
Konkurrenzkampf in der Abwehr

Veljkovic wackelt, Langkamp lauert

© nordphoto


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Es war wahrscheinlich das schlimmste Spiel seiner noch jungen Karriere. Als Werder Ende September mit 1:2 in Stuttgart verlor, gelang Milos Veljkovic überhaupt nichts. Vor dem ersten Gegentreffer schüttelte ihn der schnelle Anastasios Donis im Laufduell ab wie eine lästige Fliege. Auch sonst kam Veljkovic in den Zweikämpfen fast immer einen Tick zu spät, was dazu führte, dass er schon nach 36 Minuten mit der Gelb-Roten Karte zum Duschen geschickt wurde. Trainer Florian Kohfeldt stellte sich nach diesem rabenschwarzen Nachmittag vor seinen Innenverteidiger und betonte: „Ich sage schon jetzt, dass Milos nach seiner Sperre im nächsten Spiel wieder spielt.“

Unter Kohfeldt galt bislang ohnehin immer: Wenn Veljkovic und Niklas Moisander fit waren, dann kamen sie auch in der Innenverteidigung zum Einsatz. Eine der ersten Entscheidungen von ihm als Trainer lautete, den erfahrenen Lamine Sane auf die Bank zu setzen und stattdessen den jungen Veljkovic aufzustellen, weil er den Serben im Spielaufbau stärker einschätzte. Aktuell mehren sich jedoch die Anzeichen dafür, dass sich an Veljkovics Status etwas ändern könnte. Solch ein Treuebekenntnis zu dem 23-Jährigen wie noch vor rund drei Monaten gibt Kohfeldt in diesen Tagen im Südafrika-Trainingslager nicht mehr ab, denn Sebastian Langkamp hat vor der Winterpause Argumente für einen Stammplatz gesammelt. „Milos ist nicht raus, aber Basti hat das sehr gut gemacht“, sagte der Werder-Trainer am Sonntag. „Mit Sicherheit ist das eine der Positionen, wo wir zum Rückrundenstart nicht ganz sicher sind, wer da spielt.“

Langkamp im Testspiel erste Wahl

Zuvor hatten im abgebrochenen Testspiel gegen die Kaizer Chiefs Moisander und Langkamp die Innenverteidigung gebildet. So war es auch vor der Winterpause, als Veljkovic wegen eines Muskelfaserrisses ausfiel. Erst im letzten Spiel des Jahres in Leipzig rückte er wieder ins Team, allerdings auch nur, weil Moisander verletzt fehlte. In den drei Partien davor hatte Langkamp in Abwesenheit von Veljkovic ordentliche Leistungen gezeigt.

Insgesamt kam Werder mit dem Ex-Berliner in der Startelf auf zwei Siege, ein Unentschieden und drei Niederlagen. Dabei fielen im Schnitt 2,2 Gegentore pro Partie. Mit 87 Prozent angekommener Zuspiele agierte Langkamp bislang relativ passsicher und gewann 69 Prozent seiner Zweikämpfe. Mit Veljkovic in der Startelf verbuchten die Bremer vier Siege, drei Remis und sechs Niederlagen bei 1,9 Gegentreffern pro Spiel. Der serbische Nationalspieler war ähnlich passsicher wie Langkamp und kam auf 86 Prozent erfolgreicher Pässe. Seine Zweikampfquote von 54 Prozent ist schwächer als die seines Konkurrenten.

Der größte Unterschied zwischen Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp fällt dagegen nicht ins Auge, ist aber sehr wichtig: Während Veljkovic als Stammspieler über einen längeren Zeitraum fast in jedem Spiel von Beginn an zum Einsatz kam, war Langkamp in den vergangenen zwölf Monaten nur eine Teilzeitkraft. Als Herausforderer und Ergänzungsspieler lässt sich schlecht der nötige Rhythmus aufnehmen, es fehlt ein wenig an Sicherheit und Selbstverständlichkeit in den Aktionen. Angesichts dieser eher widrigen Umstände hat Langkamp in den letzten Partien vor der Winterpause einen richtig guten Job gemacht und den Rückstand auf Veljkovic aufgeholt.

Ruhig und souverän

Langkamp wirkte ruhiger und souveräner als Veljkovic, nicht ganz so verkrampft und verbissen wie der Serbe. Grundsätzlich sind sich beide Spieler ziemlich ähnlich und sind als Rechtsfüße an der Seite des linksfüßigen Abwehrchefs Moisander immer eher der Juniorpartner in der Innenverteidigung. Beide begehen relativ wenige Fouls (Veljkovic: 7, Langkamp: 5), spielen eher antizipativ und versuchen den Gegner zu stellen, statt in ein direktes Duell zu gehen. In den Zweikämpfen profitieren beide von ihrer Körperlichkeit, ob am Boden oder in der Luft.

Veljkovic ist sowohl im Antritt als auch in der Endgeschwindigkeit eine Spur besser, ohne dabei zu überragen. Langkamps Defensivkopfball ist absolut zuverlässig, hier hat Veljkovic einen Nachteil und klar schlechtere Werte vorzuweisen (72 Prozent gewonnene Kopfballduelle bei Langkamp, rund 60 Prozent bei Veljkovic). In der Spieleröffnung hat sich Langkamp erheblich gesteigert. Zwar streut er seltener als Veljkovic auch mal einen diagonalen Flugball ein, um das gegnerische Pressing aufzubrechen, seine Pässe ins Mittelfeld sind mittlerweile aber gut temperiert. Während Veljkovic, wohl auch wegen der Nachwehen seiner WM-Teilnahme, nach Jahren der Leistungssteigerung zuletzt stagnierte, hat sich Langkamp an Werders Fußball gewöhnt und auf seine älteren Tage nochmal verbessert.

Sollte Kohfeldt somit zum Rückrundenauftakt auf Langkamp setzen, dann wäre das ein weiteres Zeichen dafür, dass das Leistungsprinzip an erster Stelle steht. Die besseren Perspektiven besitzt nämlich Veljkovic. Er ist 23 Jahre alt und hat seinen Vertrag bei Werder bis 2022 verlängert, bevor er im vergangenen Sommer für Serbien bei der WM in Russland spielte. Die Bremer entdeckten das Abwehrtalent einst bei Tottenham Hotspur in der U21-Mannschaft und bauten den U20-Weltmeister von 2015 durch Einsätze in der eigenen U23 behutsam zum Bundesliga-Spieler auf. Auch wenn er nicht aus der eigenen Jugend stammt, gilt Veljkovic als Beispiel für den oft zitierten Werder-Weg. Langkamp dagegen kam im Winter 2018 als erfahrener Back-Up für die Abwehr von Hertha BSC. Er ist 30 Jahre alt und hat einen Kontrakt bis 2020. Die Zukunft gehört also eher dem sieben Jahre jüngeren Veljkovic, die nähere Gegenwart dagegen könnte Langkamp gehören.

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