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Rasenreport
06.04.2019
Werder im Hoch, Gladbach in der Krise

Ungleiche Doppelgänger

© DPA


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Irgendwo zwischen Küchenpsychologie und Lebensweisheit ist er beheimat, der alte Spruch, dass sich Gegensätze magisch anziehen. Wer die derzeitigen Leistungskurven von Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach vor dem Duell an diesem Sonntag (18 Uhr) betrachtet, erkennt schnell, dass es allerlei Widersprüche gibt. Und doch: Es existiert eine Bindung, die es aus Bremer Sicht kaum ein zweites Mal in der Liga gibt.

Es war im Jahr 2008, als Max Eberl in Gladbach als Sportdirektor anheuerte. Und als er damals bei einer Pressekonferenz saß und zur Zukunft des Vereins befragt wurde, antwortete er: „Wir müssen endlich eine Kontinuität finden, einen Weg und einen Plan verfolgen, mit dem wir uns über Jahre hinweg identifizieren können. Das ist wie bei Werder Bremen ein Prozess über Jahre hinweg, das muss unser Vorbild sein.“

Seither ist viel passiert. Der Borussia gelang in den Folgejahren tatsächlich ein imposanter Aufstieg, sie reifte vom Relegationsteilnehmer zum Champions-League-Klub. Werder verließ dagegen diese geliebten Regionen nach schönen Jahren und taumelte fortan seinerseits mal mehr, mal weniger bedrohlich am Abgrund. Wo einst noch Marko Marin spektakulär vom Niederrhein an die Weser gelotst wurde, ging Jannik Vestergaard nur wenig später den gleichen Weg in die entgegengesetzte Richtung. Die Verhältnisse hatten sich gedreht, Max Eberl hatte mit den Gladbachern quasi das eigene Vorbild überholt.

„Später ist Bremen ein mahnendes Beispiel geworden, was passieren kann, wenn man es nicht so gut hinbekommt. Was für Folgen kleine Fehler oder misslungene Transfers haben können“, sagte Max Eberl kürzlich im Mein-Werder-Interview. Am grundsätzlichen Respekt vor der Arbeit in Bremen ändern die schwächeren Jahre jedoch nichts. „Auch heute ist Werder noch ein Vorbild, weil man wieder sieht, was entstehen kann, wenn Männer mit einem klaren Plan am Ruder stehen.“

Mit Geduld und einem klaren Plan

Gemeint waren Sportchef Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt, die mit Geduld und Fleiß Werder zu einer neuen, alten Identität verhalfen. Sogar Spieler wie Thomas Delaney und Ludwig Augustinsson holten sie – obwohl die Borussia die beiden nur zu gern selbst verpflichtet hätte, wie Eberl zugab. Ein klares Indiz dafür, dass es sich in Bremen wieder zum Besseren wendet.

Also ganz so wie in der laufenden Saison. Werder punktet in der Rückrunde fleißig, der ersehnte Kontakt zu den europäischen Plätzen ist hergestellt. Die Gladbacher dagegen begeisterten phasenweise in der ersten Saisonhälfte, überwinterten als Dritter und hatten satte elf Punkte Vorsprung auf Werder. Danach hakte es im System. Lust hier, Frust dort. Im Prinzip sind sich Werder und die Borussia inhaltlich so ähnlich wie kaum zwei andere Mannschaften der Liga. Und doch haben sich in den vergangenen Wochen ein paar gravierende Unterschiede dargestellt. Abseits aller sportlichen Aspekte dürfte der wichtigste dabei sein, dass Werder mit Widrigkeiten sehr gut umzugehen vermochte – und die Borussia überhaupt nicht.

Mit der Umstellung auf das 4-3-3, das seit Saisonbeginn als Grundformation gesetzt ist, hat Gladbach die für seine Spielertypen beste Formation gefunden. Jetzt stocken gruppentaktische Abläufe, und schnell hat sich die Mannschaft in eine Lage manövriert, aus der sie seit Wochen nicht mehr herausfindet. Das Team wurde nach dem 0:3 zu Hause gegen Berlin fast komplett aus der Bahn geworfen. Davor war die Elf im Fluss, selbstbewusst und klar. Seitdem lassen sich die Beteiligten ablenken und schnell verunsichern.

Die Anhäufung teilweise gravierender individueller Fehler ist frappierend und führte zuletzt zu einer ganzen Reihe an vergleichsweise einfachen Gegentoren. Die personellen Wechsel des Trainers versandeten fast komplett wirkungslos und spülten unter anderem auch Spieler in Positionen, in denen sie sich nicht wohlfühlen – wie Fabian Johnson, der auf der wenig geliebten Position des Rechtsverteidigers agiert.

Kaum ein Spieler erreicht derzeit Normalform. Die Achse von Keeper Yann Sommer über Mathias Ginter und Tobias Strobl bis Lars Stindl ist mental angeschlagen, die Rollenspieler Jonas Hofmann, Thorgan Hazard oder Alassane Plea sind auf der Suche nach sich selbst. Das Quartett Hofmann, Stindl, Hazard und Plea hat in der Rückserie bisher magere drei Tore erzielt – zum identischen Zeitpunkt der Hinserie waren es deren 19.

Der Umgang mit den Ambitionen

Und dann wurde unter der Woche auch noch bekannt, dass sich die Borussia am Saisonende von Trainer Dieter Hecking trennt. „Ich bin Profi genug, das Thema abhaken zu können“, sagte der 54-Jährige. „Es geht nur darum, am Sonntag zu gewinnen, nicht für mich. Die Mannschaft muss für mich nichts tun, sie will selbst nach Europa.“

Noch so ein Gegensatz. Wo in Bremen von Beginn an ein ambitioniertes Ziel formuliert wurde, war man in Mönchengladbach deutlich zurückhaltender. Für viele Fans zu zurückhaltend. Erst jetzt, mitten im Endspurt, gibt es von Spielern und Trainer forsche Töne. Die Champions League soll es doch bitte erneut sein. Ganz so weit ist Werder nicht. Noch nicht. Aber wie war das noch gleich mit den Vorbildern?

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:


momaximo am 06.04.2019, 19:15
Werdet gewinnt natürlich
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alterwaller am 07.04.2019, 10:38
Weiter vorne dabei ? Dann sollten wir tunlichst gewinnen. Ich traue dem Frieden nicht. Auch Gladbach wird wieder in die Spur kommen. Nur bitte nicht heute. Und wenn Augsburg noch einen Punkt erkämpft, noch besser. Aber das ist eben alles Wunschdenken
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