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Rasenreport
07.01.2019
Werders Herausforderungen in Südafrika

Trainingslager mit Höhen und Tiefen

© nordphoto


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Am Montag hatten sich nicht nur die Gewitterwolken, sondern auch Florian Kohfeldts schlechte Laune verzogen. In kurzer Sporthose und mit Arbeitsmappe unter dem Arm lief Werders Trainer durch die Lobby des Mannschaftshotels in Johannesburg. Während die Profis an ihrem einzigen freien Tag das Apartheid-Museum oder einen Safaripark besuchten, wollte sich Kohfeldt allenfalls eine Stunde auf dem Tennisplatz gönnen.

Das wäre auch dann der Plan gewesen, wenn nicht am Sonntagabend ein Gewitter zum Abbruch des Testspiels gegen die Kaizer Chiefs geführt hätte. Der südafrikanische Wetterdienst hätte angesichts der verärgerten Miene des Bremer Trainers eine Unwetterwarnung herausgeben können, so angefressen zeigte sich Kohfeldt unmittelbar nach der Partie, die nur 50 statt der geplanten 100 Minuten gedauert hatte. „Ich bin super sauer, dass wir das Spiel nicht durchziehen konnten und keine sportlichen Ergebnisse bekommen“, sagte Kohfeldt in den Katakomben des WM-Finalstadions von 2010. „Aber es ist kein Drama für die Vorbereitung in der Summe, weil wir den athletischen Teil absolviert haben und wir im Winter nicht viele Spiele brauchen.“

Nun hoffen sie bei Werder darauf, dass wenigstens die Partie bei Bidvest Wits, dem Tabellenführer der Premier Soccer League, am kommenden Freitag ohne besondere Vorkommnisse bleibt. Das Risiko ist da, dass auch dann ein Gewitter aufzieht. Zwar sind die Verhältnisse ungewöhnlich unbeständig für diese Jahreszeit, doch selbst im wärmsten Monat Januar kommt Johannesburg auf durchschnittlich 13 Regentage. „Alles hat seine Vor- und Nachteile“, hatte Sportchef Frank Baumann die Standortfrage gleich am ersten Tag in Südafrika beantwortet.

Werder fliegt in Südafrika unterm Radar

Listet man die positiven und die negativen Aspekte der 10.000-Kilometer-Reise ans andere Ende der Welt auf, ergibt sich in der Summe ein ähnliches Ergebnis wie bei Winter-Trainingslagern in Marbella oder Belek (wo 2012 auch schon mal ein Bremer Testspiel dem Wetter zum Opfer fiel). Die Strapazen der Anreise hat Werder versucht, mit einem Nachtflug in der Business Class zu kompensieren. So landeten die Spieler am Morgen des 3. Januar zwar nicht bestens erholt in Johannesburg, konnten aber nach ein paar Stunden Schlaf im Hotel schon am selben Nachmittag auf dem Trainingsplatz stehen. Das Gras dort ist anders als in Deutschland, aber das ist es in der Türkei und Spanien auch. Und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) unterstützt Werder mit 300.000 Euro, aber die hohen Kosten für die Reise nach Südafrika fressen diese Summe fast vollständig auf.

Die Ja-aber-Szenarien lassen sich fortführen: So erfordert die hohe Kriminalitätsrate in Südafrika besondere Achtsamkeit. Dafür wird Werder auf dezente Weise die ganze Zeit von Sicherheitsleuten begleitet. Bis zum Ausflug ins Stadion der Kaizer Chiefs hatte die Mannschaft die wohlhabende Nachbarschaft von Randburg, in der sich hohe Zäune und Mauern vor den Grundstücken abwechseln, ohnehin nicht verlassen. Die ständige Route: sieben Minuten zum Trainingsplatz, zwei Stunden Training und wieder zurück. „Die Stimmung ist gut, die Bedingungen sind gut. Alles, was man von einem Trainingslager erwarten kann, haben wir hier“, sagte Geschäftsführer Klaus Filbry gegenüber Mein Werder.

In südafrikanischen Medien fliegt der Verein weitgehend unter dem Radar. Boulevardzeitungen und die renommierte „Sunday Times“ widmeten sich am Montag in ihren Ausgaben ausschließlich der 1:2-Heimniederlage der Kaizer Chiefs gegen die Mamelodi Sundowns. In den Radio-Nachrichten war Tennisprofi Alexander Zverev der einzige deutsche Sportler, der auftauchte. Werders abgebrochenes Testspiel fand nur online Beachtung, mit der sportlich wenig schmeichelhaften Schlagzeile, dass sich das B-Team der Chiefs dem Bundesligisten aus Deutschland ebenbürtig gefühlt habe.

Werder-Spiele dürfen vor Ort nicht übertragen werden

Hinzu kommt, dass während der laufenden Saison keine Testspiele übertragen und vor Publikum ausgetragen werden dürfen. Das legt der Vertrag zwischen dem südafrikanischen TV-Rechteinhaber und der Premier Soccer League fest. Nach Informationen von Mein Werder war der DFL die strikte TV-Klausel nicht bekannt, als die Reise gebucht wurde. Auch am Freitag werden nur die paar Dutzend mitgereisten Werder-Fans und Internet-Zuschauer außerhalb Südafrikas das Testspiel gegen die Bidvest Wits sehen. „Das Spiel muss auf jeden Fall gut über die Bühne gehen“, sagte Florian Kohfeldt. „Das brauchen wir.“ 

Südafrika soll auf Wunsch der sportlichen Leitung um Kohfeldt und Baumann als Ziel ins Auge gefasst worden sein. Entsprechend lässt auch kein Verantwortlicher verlauten, man habe nicht gewusst, worauf man sich einlässt. Der Montag brachte anders als die beiden Tage zuvor immerhin keinen Regen, für die erste Einheit am Dienstag ist strahlender Sonnenschein angesagt, doch das Gewitterrisiko bleibt erhöht.

Und so ist noch jedes Schlussfazit möglich in der zweiten Halbzeit des Trainingslagers. Zu deren Beginn werden Werders Profis wieder auf dem Trainingsplatz den Ball streicheln und keine Tierbabys im Safaripark. Für das Posieren mit kleinen Löwen erntete der Verein Kritik in den sozialen Netzwerken. Vollkommen rund lief es damit auch am freien Tag nicht - zumal Werder am Abend noch bekannt gab, dass das Training am Dienstag auf dem Platz der Bidvest Wits stattfindet. Werders Trainingsplatz in Randburg muss geschont werden.

Einen Kommentar zum Südafrika-Trainingslager von Werder gibt es hier. 

Herzraute am 07.01.2019, 21:29
Ohne Worte diese Planung.
Das gute Licht welches Werder in der Hinrunde abgegeben hat schwindet etwas :(
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jamal0781 am 07.01.2019, 21:53
Als ich die Leistung im Testspiel gesehen habe war ich auch schon wieder satt.Aber schön wieder große Töne spucken.Wenn die Rückrunde so anfängt, wie die Hinserie punktemäßig aufgehört hat, dann kann sich jeder denken was das wieder wird.Deswegen weniger labern und endlich Punkte holen.
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fh_king am 07.01.2019, 22:07
10 Stunden Business Class ohne Zeitverschiebung ist ein Traum! Komplett flaches Bett, Futter und Filme ohne Ende...Da ist die Busfahrt nach Hannover anstregender (fahren die da überhaupt noch mit dem Bus hin?)
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