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Rasenreport
31.03.2019
Rashica im Leistungsnachweis

Tiefenentspannt zum Torjäger

© nordphoto


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Manchmal sieht Fußball so leicht aus: Keine drei Minuten brauchte Milot Rashica, um den SV Werder im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 auf die Siegerstraße zu bringen. Ein kurzer Blick zu Max Kruse, der im Mittelfeld Platz genug hatte, um unbedrängt den langen Ball spielen zu können, ein Sprint in die Tiefe an Mainz-Kapitän Stefan Bell vorbei – und prompt tauchte Rashica  mit Ball am Fuß vor U21-Nationalkeeper Florian Müller auf.

Was dann passierte, verdiente sich nach dem Spiel auch die Anerkennung von Trainer Florian Kohfeldt: Rashica umkurvte Müller in vollem Tempo und schob überlegt ins nun leere Tor ein. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er vor einem Jahr noch versucht hätte, mit Mach Sieben den Torwart mit reinzuschießen“, äußerte sich Kohfeldt im Anschluss amüsiert. Noch kurz vor Weihnachten war Rashica vor allem dadurch aufgefallen, viele Großchancen leichtfertig zu vergeben, inzwischen wirkt er im Strafraum tiefenentspannt. „Er ist viel ruhiger vor dem Tor geworden“, lobte Werders Chefcoach.

Tatsächlich war vieles, was Rashica gegen Mainz zeigte, altbekannt: Dass der Kosovare mit einer Höchstgeschwindigkeit von 33,29 Kilometern pro Stunde einmal mehr der schnellste Bremer auf dem Platz war, überrascht ähnlich wenig wie die hohe Anzahl an angezogenen Sprints (31, nur Martin Harnik zog häufiger das Tempo an) und erfolgreichen Dribblings (vier, die meisten aller Spieler auf dem Feld). Die Entwicklung Rashicas zeigt sich aber eben vor allem in weniger augenfälligen Aspekten: Etwa in der Entscheidungsfindung, aber auch im Zusammenspiel mit seinen Nebenleuten.

Kohfeldt selbst verwies auch auf die starken Mitspieler, von denen Rashica profitiere: Neben dem überragenden Kruse nannte Werders Coach auch Davy Klaassen, der Rashica etwa gegen Augsburg zwei Tore auflegen konnte, oder Maximilian Eggestein, der sich gegen Mainz immer wieder mit attackierenden Pässen von der Sechserposition einschaltete und das Bremer Angriffsspiel ankurbelte. „Er muss eigentlich nur richtig laufen, den Rest spielen die anderen ihm da rein“, formulierte Kohfeldt. „Aber dieses ‚richtig Laufen‘ ist nicht einfach.“ Schon im Sommer-Trainingslager in Grassau habe sich das gute Zusammenspiel zwischen Tiefensprintern und Kreativspielern angedeutet, mittlerweile seien auch die Automatismen in der Raumbesetzung dazugekommen.

Dazu kommt nun eben auch noch die hervorragende Form Rashicas, dessen unwiderstehlicher Antritt vielleicht seit Ailton, mindestens aber seit Fin Bartels‘ besten Zeiten nicht mehr in vergleichbarer Form im Weserstadion bestaunt werden konnte. Dem Kosovaren kommt auch die Bremer Tendenz zugute, immer mehr vom 4-3-3 abzurücken, der Standard-Grundordnung zu Saisonbeginn: Als Stürmer in der Raute spielt der 22-Jährige deutlich näher am Tor. So gelingt es Rashica, deutlich mehr gefährliche Szenen zu sammeln als noch auf dem Flügel.

Gegen Mainz verbuchte Rashica zwar lediglich drei direkte Beteiligungen an Abschlusssituationen, beschleunigte aber auch eine Handvoll weiterer guter Umschaltaktionen, denen letztlich jedoch die Präzision im Zusammenspiel fehlte. Ohnehin ist Rashicas Spielweise auch eine der Risiken: Im Passspiel leistete sich der Kosovare mit lediglich 58,3 Prozent angekommener Bälle vielleicht zwei oder drei Abspielfehler zu viel. Fünf von neun gewonnen Zweikämpfen sind dafür eine gute Quote. Solange das Bremer Gegenpressing wie gegen die Rheinhessen funktioniert, dürfte sich Rashicas Mut weitestgehend auszahlen.

Zumal der neue, ruhige Rashica auch ein Auge für den Nebenmann besitzt: Beim 3:1 in der 63. behielt der Kosovare die nötige Übersicht, nachdem er bereits an Bell vorbeigegangen und sich vor dem Mainzer Tor von drei Gegenspielern bedrängt sah. Statt des Abschlussversuchs aus ungünstigem Winkel legte Rashica im letzten Moment quer auf den einschussbereiten Kruse, der sich die Chance nicht nehmen ließ. „Je länger wir zusammenspielen, desto besser lernen wir einander kennen“, kommentierte Rashica das Zusammenspiel mit seinem Kapitän: „Ich kenne seine Qualitäten – und im Moment läuft es einfach gut.“

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