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27.03.2019
Maximilian Eggesteins Entscheidung

Steilvorlage für den kleinen Bruder

© nordphoto


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Da saß er nun also, der Fast-Nationalspieler Maximilian Eggestein und sollte am Mittwochmittag über seine aufregenden Tage beim DFB-Team von Bundestrainer Joachim Löw berichten. Das tat der 22-Jährige auch, ehe das Gespräch eine ungeahnte Richtung nahm. Plötzlich ging es nämlich nicht mehr nur um eine mögliche Zukunft im deutschen Elitekader, sondern erneut um die bei Werder. Und wo Eggestein sonst meist geschwiegen und auf Denkprozesse oder ausstehende Gespräche verwiesen hatte, sagte er nun: „Ich habe eine Entscheidung getroffen. Es wird zeitnah bekannt gegeben. Wann genau, das kann ich jetzt auch nicht immer beeinflussen.“

Eggestein spürte natürlich selbst, in welche Situation er sich mit diesen Sätzen befördert hatte. Er grinste schelmisch, wollte partout keine weiteren Details preisgeben und provozierte so nur weitere Nachfragen. Doch Werders Mittelfeldakteur blieb wortkarg, ließ sich nichts mehr entlocken. Nicht einmal, ob sein Grinsen vielleicht schon mehr aussage – nämlich genau das, was die Fans so gern hören wollen: Dass Maximilian Eggestein seinen im Sommer 2020 auslaufenden Vertrag vorzeitig verlängert. „Nein, ich will nicht zu viel verraten“, sagte er und grinste munter weiter.

Sportchef Frank Baumann hielt sich auf Mein-Werder-Nachfrage bedeckt: „Ich weiß von nichts“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich muss mit ihm erst noch sprechen, welche Entscheidung er jetzt getroffen hat. Wenn ich in den nächsten Tagen mehr weiß, dann kann ich auch mehr dazu sagen.“ Eine Person, die definitiv schon mehr weiß, ist der Bundestrainer. „Das bleibt aber unter uns“, sagte Maximilian Eggestein augenzwinkernd. Während der vergangenen Tage hatte es ein ausführliches Gespräch mit Joachim Löw gegeben, bei dem es auch um einen möglichen Vereinswechsel ging. „Er hat nicht gesagt, dass es für mich bezüglich des Nationalteams besser wäre, wenn ich in die eine oder andere Richtung gehe“, sagte Eggestein. „Er hat einfach nur gefragt, wie es aussieht, und wollte mir nicht zu einer bestimmten Richtung raten. Das sollte meine Entscheidung bleiben.“

Das Geheimnis darum, wie genau diese aussieht, wird nun also demnächst gelüftet. Neben Eggesteins Mundwinkeln gab es jedenfalls noch ein weiteres Indiz, das für eine Verlängerung an der Weser spricht. Und zwar eine Äußerung, die der 22-Jährige bezüglich seiner Perspektiven in der Nationalmannschaft tätigte. „Mit Weitsicht macht es natürlich einen Unterschied, ob man international spielt oder nicht. Wenn man sieht, wo die Jungs alle spielen, dann spielt das schon eine gewisse Rolle“, sagte Eggestein. „An oberster Stelle steht aber auch die Spielpraxis. Du kannst zwar bei einem Champions-League-Klub sein, aber wenn du da keine Rolle spielst, dann tust du das auch nicht in der Nationalmannschaft. Da ist es dann vielleicht von Vorteil, wenn man erst Spielpraxis sammelt und in den ersten Jahren noch nicht international spielt.“

Absage an Dortmund

Das klang wie eine Absage an die Größen der Zunft, so soll Borussia Dortmund ein gesteigertes Interesse an einer Verpflichtung Eggesteins haben. Es sieht so aus, als hätte Werder letztlich die besseren Argumente parat gehabt. Eben jener Klub, bei dem Eggestein bislang nicht nur zum gestandenen Bundesliga-Profi gereift ist, sondern sich für höhere Aufgaben empfohlen hat. Zumal Werder einen Weg bietet, der noch lange nicht zu Ende sein muss. Schließlich ist es nicht ausgeschlossen, dass der Klub noch in dieser Saison den Einzug ins europäische Geschäft schafft und so die eigene Attraktivität noch einmal steigert – für Spieler anderer Vereine, aber eben auch für einen Maximilian Eggestein.

Es würde ihm fraglos dabei helfen, dass sich die Zuschauerrolle vor der DFB-Premiere nicht allzu häufig wiederholt. Zumindest dieses Mal konnte Eggestein seine Nichtberücksichtigung verschmerzen. „Ich hatte damit gerechnet, dass ich nicht viel Einsatzzeit bekomme. Es ging darum, die Leute, das Trainerteam und die Spielidee kennenzulernen und den großen Respekt abzulegen, der beim ersten Mal durchaus vorhanden ist“, sagte er. Deshalb hat Eggestein viel beobachtet, sich beispielsweise genau angeschaut, wie sich ein Weltmeister wie Toni Kroos auf ein Länderspiel vorbereitet.

Es sind Eindrücke, die Eggestein spürbar beeindruckt haben, aber weiterhin keine Selbstverständlichkeit sind. „Ich habe noch nicht mal ein Spiel gemacht und was nach dem Sommer passiert, hängt mit meinen Leistungen und der personellen Situation zusammen. Deshalb möchte ich nicht sagen, dass ich jetzt ein Teil des Teams bin.“ Ohnehin sieht es danach aus, dass es erst mal zurück zum deutschen Nachwuchs geht. „Ich habe Joachim Löw gesagt, dass mir ein Turnier wie die EM helfen würde. Es gibt auch bereits eine Tendenz, wie U 21-Coach Stefan Kunz bereits öffentlich gesagt hat, aber keine fixe Entscheidung“, sagte Eggestein.

Gut möglich also, dass vom 16. bis 30. Juni in Italien und San Marino abermals von Werders Brüderpaar die Rede sein wird. Zur U 21 gehörte aktuell nämlich Johannes Eggestein, was die Chancen auf eine Turnierteilnahme erhöht. Vorher muss aber auch er noch seine Zukunft klären, der bisherige Kontrakt endet schon 2019. „Ich möchte nicht für ihn reden, das ist ja seine Entscheidung“, sagte Maximilian Eggestein. Und wieder grinste er fleißig dabei. „Ich weiß es natürlich, aber das soll er schon selbst verraten.“ Es war die perfekte Steilvorlage. Johannes Eggestein wird nämlich am Donnerstag bei Werders Spieltags-Pressekonferenz auf dem Podium sitzen. Welche Fragen er zu hören bekommt, dürfte dank seines großen Bruders klar sein.

klarerBlick am 28.03.2019, 08:43
Die Vertragsverlängerung ist zu begrüßen, da ein Verein wie Werder nicht das Geld hat, erstklassige Mittelfeldspieler zu verpflichten. Da ist ein Eigengewächs sicher eine gute Lösung. Er kann sich auch noch weiter entwickeln.

Bei JoEggestein ist das anders: Wer regelmäßig Spiele guckt, weiß, dass er sich im Zweikampf selten durchsetzen kann. Kopfballstärke (für einen Stürmer nicht unwichtig....) hat er nicht. M.E. blockiert er den Platz für Sargent, der mit seiner körperlich Wucht mehr Gefährlichkeit ausstrahlt
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MaLo am 28.03.2019, 12:09
Was J. Eggestein angeht, sehe ich das komplett anders. Er ist zwar noch lange kein Top-Stürmer, aber auf jeden Fall schon ein brauchbarer Spieler, und er ist ja auch erst 20. Da er inzwischen zum Außenstürmer umfunktioniert wurde, ist die Kopfballstärke auch eher nachrangig zu betrachten, Kopfbälle spielen bei Werders System auch nur noch bei Standards oder wenn Pizarro auf dem Feld ist eine Rolle. Und mit seiner Technik und Schnelligkeit kann er sich inzwischen sehr wohl gegen Gegner durchsetzen, was zum Beispiel im Spiel gegen Leverkusen erkennbar war; das sieht man aber nur, wenn man Spiele mit einem wirklich klaren Blick anschaut... Und nicht, wie viele Foristen hier, die einmal gefasste Meinung als für alle Zeiten unverrückbare Wahrheit deklariert... Und er blockiert auch keinen J. Sargeant, da beide unterschiedliche Spielertypen sind. Letztgenannter braucht deutlich erkennbar noch mehr Zeit, um für die Startelf ein Kandidat zu sein - und die bekommt er ja bei Bremen...
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Netzorath am 28.03.2019, 12:52
In Leverkusen hat es in zwei Szenen sehr schön gepasst, und er konnte seine wirklich gute Technik einsetzen, das war sehr erfreulich. Ansonsten stimmt es leider, dass er immer noch große Durchsetzungsprobleme wegen seiner körperlichen Schwächen hat. Zumal er eben nicht schnell ist, da müssen Sie mal genauer hinschauen, Johannes Eggestein ist nicht schnell. D.h. fehlendes Durchsetzungsvermögen plus fehlende Schnelligkeit führen nicht nur in Wolfsburg immer wieder dazu, dass er völlig abtaucht, und zwar vor allem außen, da wird er völlig weggedrängt. Innen sieht er wegen seiner Technik und Wendigkeit besser aus, siehe das 2:0 in Leverkusen und sein Tor gegen Augsburg. Aber zum Mittelstürmer fehlt ihm natürlich das Körperliche. Der braucht mal ein halbes Jahr Krafttraining wie Luis Figo zu Beginn seiner Karriere, den Brian Robson in Barcelona erst mal an die Geräte schickte, "die Verteidiger pusten Dich ja weg".
Ist leider so, Technik allein reicht nicht.
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