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01.05.2019
Sportpsychologe Mickler zu Werders Situation

„So etwas abzuhaken, muss gelernt sein"

© nordphoto


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Das Ringen um Erklärungen nach Niederlagen ist oft zäh. Warum dieses Ergebnis? Weshalb jener Fehler? Was sollte der Wechsel? Nach Spielen kommt es mitunter zu Gesprächen zwischen Trainer, Manager, Spielern und Journalisten, die nur einen Schluss zulassen: Beide Parteien haben zuvor unterschiedliche Spiele gesehen, so entgegengesetzt ist die Wahrnehmung. Vergangenen Sonnabend war das Gegenteil der Fall.

Erst räumte Frank Baumann in den Katakomben der Düsseldorfer Arena ein, die Mannschaft habe nach der mentalen Belastung der beiden Spiele gegen Bayern keinen weiteren Kraftakt zustande gebracht. Speziell „die letzten Minuten am Mittwoch waren ein wichtiger Faktor“, weshalb der Auftritt gegen die Fortuna recht leblos war. Kurz darauf gab Florian Kohfeldt eine ähnliche Erklärung ab: „Diese Woche mit dem Spiel am Mittwochabend, dieser Emotionalität und der Enttäuschung, war zu viel für uns.“

Ausreden oder Anschuldigungen gab es nicht, im Gegenteil, es gab eine klare Zuordnung für den Auftritt beim 1:4, der mit dem schmerzhaften Aus im Pokal begründet wurde: „Dann ist so eine Leistung menschlich und so ein Spiel ist drin, das muss man eingestehen“, sagte Baumann. Niemand von Seiten des Vereins versuchte, den dürftigen Auftritt zu relativieren. Der Kopf war Schuld, dass die Beine nicht konnten wie sie sollten. Wie groß der Einfluss der Psyche auf die körperliche Leistungsfähigkeit ist, ist nicht exakt messbar. Dass es ihn gibt, steht außer Frage. „Die mentale Beanspruchung war so hart, dass die Spieler sportlich nicht zu ihren besten Leistungen in der Lage waren“, sagt Dieter Eilts, Bremens Ehrenspielführer und Mein-Werder-Experte zur Pleite in Düsseldorf. Für Eilts spielt der Umgang mit der Pokal-Niederlage die entscheidende Rolle: „Man hat sich danach zu sehr mit Dingen beschäftigt, die einerseits Kraft kosten, man aber trotzdem nicht mehr ändern kann. Eben genau den Elfmeterpfiff des Schiedsrichters. Alle hadern damit, dass es gefühlt ungerecht war. Entscheidend ist, das Gewesene in diesem Fall abzuhaken.“

Mit Druck umgehen will gelernt sein

Diese Fähigkeit unterscheidet einen guten von einem sehr guten Sportler. In die besten Mannschaften Europas, die über Monate alle drei Tage spielen müssen, schaffen es nur Profis, die dazu in der Lage sind. Diese Fähigkeiten zu erlangen, ist nicht leicht. „Es ist eine große Herausforderung und muss gelernt sein, nach einem solchen Ereignis abzuschalten, es abzuhaken und sich auf das nächste Ereignis vorzubereiten“, sagt der Sportpsychologe Werner Mickler. „Dazu braucht es entsprechende Techniken.“ Für Mickler, viele Jahre am Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule in Köln tätig, ist der Spannungsabfall bei Werder erklärbar: „Jeder kann sich das wie folgt im Alltag vorstellen: Sie haben mehrere Prüfungen nacheinander. Eine ist dabei, die den weiteren Verlauf ihres Studiums festlegt. Sie haben den Eindruck, in dieser Prüfung in irgendeiner Art nicht fair behandelt worden zu sein. Das ist in Ihrem Kopf und wird nachwirken. Auch wenn Sie die nächste Prüfung haben, schweifen Ihre Gedanken ab, es tauchen Bilder auf und Sie beschäftigen sich damit.“ Volle Konzentration auf die nächste Aufgabe ist unter diesen Umständen nur schwer möglich.

Und doch gibt es Profis, die über diese Fähigkeit verfügen. Ende der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre, Werder war damals regelmäßig in internationalen Wettbewerben vertreten, hat Dieter Eilts ständig Englische Wochen gespielt. Um das Erlebte möglichst schnell abzuhaken, bediente er sich eines psychologischen Tricks: „Wenn ich nach Hause kam, habe ich quasi den beruflichen Koffer draußen vor der Tür abgestellt und mich danach mit anderen Dingen beschäftigt. Bin ich dann am nächsten Tag zum Training gegangen, habe ich diesen Koffer wieder mitgenommen“, erinnert sich Eilts an jene Zeit und fügt hinzu: „Man muss sich diese Freiräume schaffen, um wirklich abschalten zu können.“

Auf die Motivation kommt es an

In der Regel – oder für den weniger ungeübten Profi – dauert es, Phasen extremer Fokussierung eine Phase der Entspannung folgen zu lassen. „Nach großer körperlicher Anstrengung fühlt man sich kaputt. Ebenso ist es auf psychischer Ebene, beispielsweise nach Prüfungen. Oft fällt man in ein Loch und fühlt sich leer“, sagt Mickler, der die sportpsychologische Ausbildung für angehende Fußball-Lehrer des DFB leitet. Nur wer in der Lage ist, relativ zügig nach mentaler Herausforderung abzuschalten, kann jedoch die nächste Aufgabe unbelastet angehen. In jüngster Vergangenheit gab es einige Vereine, die sich für den internationalen Wettbewerb qualifizierten, das aber nicht regelmäßig schaffen. Oft folgte der ungewohnten physischen und psychischen Belastung eine Krise in der Liga. Mainz und Freiburg sind zwei Beispiel. Eintracht Frankfurt demonstriert allerdings gerade, dass Erfolg in zwei Wettbewerben trotz ungewohnter Belastung möglich ist.

Wichtig ist jetzt, dass Werder den Blick wieder auf die Liga richtet. Denn: Platz sieben zu erreichen, ist noch möglich. Mit dem Verlust des Ziels, den Pokal zu gewinnen, muss man umgehen. Es gibt ja noch ein zweites Ziel, die Bundesligasaison. „Da ist die Frage, wie sich die Spieler motivieren, wie sie diese Spiele angehen“, sagt Mickler. Helfen kann dabei ausgerechnet die Niederlage im Pokal. „Die Mannschaft muss sich klarmachen, dass sie eine Klasseleistung gegen Bayern abgeliefert hat“, so Mickler.

Alexander061080 am 01.05.2019, 19:30
... So reden wir nicht mehr drüber Samstag ist Heimspiel...
Und wir können den Bayern ein gefallen tun.
Ironie... Scheiße Situation trotzdem freu ich mich auf euch und die geilste Kurve der Welt...
Forza 3 Punkte
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j.micoud am 01.05.2019, 20:21
Ich hoffe,dass Rashica am Samstag dabei ist.Und ich traue M.Friedl zu gegen den jungen Dortmunder Angriff ein gutes Spiel zu machen.Entscheidend wird die Leistung und das Auftreten der gesamten Mannschaft sein.Wenn Kruse kein Bock mehr hat,verpufft die Motivation beim Rest der Mannschaft.Die brauchen paar gut gelungene Aktionen im Spiel,sollen wieder Spass am Fussball haben.Gegen Fortuna waren sie vorne oft ueberhastet und teilweise ungluecklich.Vielleicht wollten die zuviel.Immer schoen aufm Teppich bleiben,sich aber auch was trauen.Man muss nicht immer schoenen Angriffsfussball spielen,einfache Paesse und aus aussichtsreichen Positionen Abschluesse suchen.Heutzutage wird oft vorm 16-ner oder auch innerhalb versucht weiter zu kombinieren statt den Ball einfach mal gefaehrlich aufs Tor bringen.
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1-Werder am 01.05.2019, 20:10
Ich bin kein Psychologe, lasse nur etwas die Vergangenheit Revue passieren. Werder hatte in den besten Zeiten Charaktere wie Ailton, Klassnic, Micoud, Bode, Eilte uvam., die mit Stress wesentlich besser umgehen konnten wie das aktuelle Team. Das ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass viele Spieler im Team noch sehr jung sind. Diese haben in der nächsten Saison an Profil (wie Selbstbewusstsein...) zuzulegen. Ein I. Klassnic hat seinerzeit vor einem Bayern-Spiel auf die Frage, ob ihm das Spiel belastet, klar Stellung bezogen: Gegen Bayern, warum? Das war nicht gespielt, dass war u.a. die mentale Stärke des Teams. Die Bayern verfügen über diese Gene wie keine andere deutsche Mannschaft. Wer erfolgreich sein will, hat nebst spielerischen Qualitäten speziell daran zu arbeiten. Der Kopf darf nicht die spielerischen Veranlagungen blockieren. Ich bin gespannt, wie die nächste Saison verlaufen wird, mit oder ohne psychologischen Support. Das Spiel gegen DO ist bereits ein erster Gradmesser. DO ist derzeit bezwingbar. Einzig hoffe ich, dass ein Bremer 3er von einer Niederlage der Bayern begleitet wird...
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WERDER2016 am 01.05.2019, 21:11
dass ein Bremer 3er von einer Niederlage der Bayern begleitet wird...

zu Hause gegen 96?
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1-Werder am 01.05.2019, 22:19
Ist mir bewusst, W2016.... H96 hat einzig nichts zu verlieren. Schönen Abend
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Greenkeeper am 02.05.2019, 21:45
Ja , genau: Ausgerechnet gegen Hanoi-18, das war auch mein Gedanke.
Vor Allem, nachdem die Bauern beim Club schon einen fetten Warnschuss vor den Bug bekommen haben.
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susanneundjens am 02.05.2019, 22:47
Weiß der Psychologe auch was Fans tun müssen um wieder motiviert zu sein. Seit dem uns vom Schiri das Finale geklaut wurde, ist bei mir irgendwie der Stecker gezogen. Normalerweise wär ich gegen Dortmund am 32. Spieltag heiß wie Frittenfett, aber irgendwie will sich das nicht so recht einstellen.
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