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Rasenreport
08.04.2019
Werders gemeine Zwickmühle

Schnelldenker unter Zugzwang

© dpa


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Ja, was war es denn nun wert, dieses Spiel bei Borussia Mönchengladbach? Ein 1:1 hatte Werder geholt – und zwar in einer Begegnung, in der es lange nicht unbedingt danach aussah, als würden die Bremer überhaupt einen Punkt holen können. Die Gastgeber spielten forsch, Werder eher zurückhaltend. Erst ganz zum Schluss wurden die Bremer wieder die Bremer der vergangenen Wochen, in denen sie selbst mit Sturm und Drang erfolgreich waren. Und es wurde auch dieses Mal belohnt. „Ich werde mir jetzt ganz sicher kein schlechtes Spiel einreden lassen – denn das war es nicht“, sagte Trainer Florian Kohfeldt anschließend.

Nichtsdestotrotz war es natürlich auch nicht das, was sich der 36-Jährige von der Reise an den Niederrhein erhofft hatte. „Selbstverständlich bin ich nicht glücklich, denn wir wollten gewinnen“, sagte Kohfeldt. Werder tat sich jedoch gerade im ersten Durchgang besonders schwer damit, gelungene Aktionen mit dem Ball zu kreieren. Wo es sonst ein gutes Passspiel gab, häuften sich dieses Mal die Ungenauigkeiten. Der Druck wurde so nicht geringer, Werder rutschte immer tiefer in die Defensive. Das hatte im großen Maße auch mit der Person Dieter Hecking zu tun. Gladbachs Noch-Trainer hatte nach einer turbulenten Woche die taktische Marschroute umgekrempelt – und somit schon den ersten Wirkungstreffer gelandet, als das Spiel noch nicht einmal begonnen hatte.

Die Bremer Pläne mussten daraufhin umgeworfen und angepasst werden. „Es war eine 30-Minuten-Vorbereitung“, sagte Kohfeldt. „Damit muss man manchmal leben. Gladbach hat das allererste Spiel in dieser Saison überhaupt mal ein anderes System gespielt. Die Dreierkette war vorher überhaupt kein Thema für uns – als wir die Namen dann gesehen haben, wussten wir es.“ Auch Kapitän Max Kruse räumte ein: „Das System hat uns schon überrascht.“

Spontan, aber ordentlich

Also war schnelles Handeln gefragt. Es gibt Mannschaften, die würden in solchen Situationen ins Schlingern geraten. Profis, die aufgrund der Vielzahl an neuen Informationen ein wenig neben sich stehen. Es ist nicht lange her, da hätte genau das auch Werder blühen können. Es sind Momente wie diese, in denen am besten zu erkennen ist, welche Auswirkungen die Arbeit von Florian Kohfeldt hat. Er hat ein Team geformt, das nicht nur ein neues spielerischen Gesicht besitzt, sondern darüber hinaus in seinen Einzelteilen auch über Akteure verfügt, die in der Lage sind, blitzschnell handlungsorientiert zu reagieren. „Wir wussten sofort, was zu tun ist“, sagte Kohfeldt deshalb. Auch in der Pause justierte er nur ein wenig nach, rückte ansonsten nicht von der ursprünglichen Ausrichtung ab. „Für eine halbstündige Vorbereitungszeit haben wir das sehr ordentlich gemacht.“

Letztlich sogar so ordentlich, dass eine ebenso anstrengende wie gute Englische Woche ein versöhnliches Ende fand. Als Rückschlag im Kampf um Europa wollte Sportchef Frank Baumann das Unentschieden jedenfalls nicht verstanden wissen. „Es war ein richtig schweres Auswärtsspiel bei einer richtig guten Mannschaft. Deshalb kann man mit dem Punkt auch ganz gut leben“, sagte er. „Wir haben zwar ambitionierte Ziele formuliert, aber wir sind auch nicht komplett übermütig.“

Die Wichtigste Erkenntnis dürfte deshalb nach diesem Spieltag sein, dass Werder mittlerweile in der Lage ist, die eigenen Träume auch langfristig am Leben zu halten. Auch gegen Gegner aus den oberen Tabellenregionen. In Leverkusen wurde bekanntlich kürzlich gewonnen, nun gab es den nächsten Zähler gegen einen Champions-League-Anwärter. „Und es kommt auch noch ein taffes Restprogramm“, meinte Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Recht hat er, in den nächsten Wochen heißen die Gegner unter anderem Bayern München, Borussia Dortmund, TSG Hoffenheim oder RB Leipzig. In der Hinrunde nahm Werder trotz zum Teil guter Leistungen gegen dieses Quartett nur ein Pünktchen mit.

Von Topteams respektiert

Diese Dürre soll sich nicht wiederholen. Oder anders: Sie darf sich nicht wiederholen. Das Werder des Jahres 2019 belebt jedoch die Fantasie, dass tatsächlich mehr möglich ist. Egal wie schwierig die Aufgabe erscheint. Allein der fast schon beängstigende Nimbus der Unbesiegbarkeit ist Indiz genug. Und er produziert Sorgenfalten bei den Gegnern. „Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die in diesem Jahr noch kein Spiel verloren hat und eine unheimliche Qualität nach vorne hat. Da muss man immer auf der Hut sein“, sagte Dieter Hecking nach dem Remis am Sonntag.

Diesen Respekt hat sich Werder hart erarbeitet. Er beeinflusst die Gegner und beflügelt die eigene Leistung. „Es ist ein gutes Gefühl, immer zu wissen, dass wir Qualität nach vorne haben“, sagte Sebastian Langkamp. Und es ist eine Qualität, die Werder dringend brauchen wird. Schließlich wurde Rang sechs erst einmal abgegeben. „Wir dürfen uns jetzt aber nicht davon ablenken lassen, dass wir zwei Plätze heruntergerutscht sind. Wir sind noch immer in Schlagdistanz“, betonte Langkamp, der jedoch auch hinterherschob: „50 Punkte reichen in dieser Saison aber nicht. Wir müssen noch viele Punkte holen, um unser Ziel zu schaffen.“ Und eines ist klar: Nur mit Unentschieden – auch gegen Topteams – wird das nicht ausreichend gelingen.

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