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Rasenreport
09.05.2019
Ex-Bremer Grillitsch im Mein-Werder-Interview

„Rückkehr? Im Fußball weiß man nie“

© dpa


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Herr Grillitsch, Sie pflegen eine gute Beziehung zu Maximilian Eggestein, seitdem sie in der Werder-Jugend zusammengespielt haben. Hat er sich eigentlich jemals bei Ihnen „bedankt“, dass Sie Ihren Stammplatz in Bremen geräumt haben?

(grinst) Nein, das brauchte er aber auch nicht. Bereits in unserer letzten gemeinsamen Saison hat er ziemlich viel gespielt, von daher hatte sich das abgezeichnet.

Erst durch Ihren Abgang im Sommer 2017 ergab sich aber eine Lücke im Team, die Maximilian Eggestein seither in bemerkenswerter Manier gefüllt hat. Sind Sie von der Entwicklung Ihres Ex-Kollegen überrascht?

Überrascht bin ich auf keinen Fall. Man hat immer gesehen, wie viel Qualität Maxi hat. Es war für mich nur eine Frage der Zeit, wann er den großen Durchbruch schafft. Es freut mich sehr für ihn, dass es so gut läuft.

Anders als Sie hat er in Bremen seinen Vertrag gerade noch einmal verlängert und ist geblieben? Hat er sich richtig entschieden?

Maxi ist schon einige Jahre bei Werder und weiß, was er am Verein hat. Wir haben auch miteinander geschrieben, als es darum ging, ob er bei Bremen verlängert. Ich denke, dass das auf jeden Fall eine gute Entscheidung von und für ihn war.

Haben Sie ihm denn schon vorgeschwärmt, wie schön es ist, in der Champions League zu spielen?

Nein, nein, das habe ich nicht.

Sie haben nicht nur international viel gespielt, sondern gehören auch in der Liga bei der TSG Hoffenheim zu den absoluten Leistungsträgern. Klingt so, als würde Ihr Karriereplan bislang voll aufgehen...

Ich bin schon zufrieden, wie es bisher gelaufen ist, und bereue keine Entscheidung. Nachdem ich mit der Station in Bremen erstmals weg aus meiner Heimat bin, konnte ich hier in Hoffenheim den nächsten Schritt gehen und mich zu einem gestandenen Bundesliga-Spieler entwickeln. Aber klar, das soll noch nicht das Ende meiner Entwicklung sein. 

Nun sieht es allerdings so aus, als würde es dieses Mal mit dem Einzug in die Königsklasse nichts werden? Wie schmerzhaft wäre das für Sie persönlich?

Wenn man einmal die Hymne gehört hat, will man das immer wieder erleben. Jetzt haben wir quasi zwei Endspiele um Europa, vieles ist möglich. Auch der Einzug in die Europa League wäre super, wir wollen auf jeden Fall wieder international spielen. Dafür müssen wir möglichst beide Spiele gewinnen - und dann werden wir sehen, wozu es reicht.

Auch in Bremen möchte man in dieser Saison nur zu gern nach Europa, wenngleich der Weg aktuell noch weiter ist. Wie sehr verfolgen Sie noch, was in Bremen und bei Werder passiert?

Wenn es zeitlich passt, schaue ich mir die Spiele schon gern an, zumal Werder attraktiven Fußball spielt. Bremen hat sich gut entwickelt, ich freue mich, dass es so läuft - zumal ich natürlich viele Leute dort persönlich kenne.

Im Fußball ist bekanntlich kein Platz für Sentimentalitäten. Nun müssen ausgerechnet Sie mit der TSG den Spielverderber für Werder geben.

Man kann es im Leben nun mal nicht allen recht machen (lacht). Ich bin jetzt bei der TSG und will unbedingt mit Hoffenheim nach Europa. Bremen kann dann gern in der kommenden Saison wieder angreifen (grinst).

Sind Sie überrascht, dass Werder nach all den schwierigen Jahren, die Sie zum Teil ja auch live mitbekommen haben, nun die Kurve zu bekommen scheint?

Nein, denn mit Frank Baumann und Florian Kohfeldt sind einfach gute Leute im Boot. Ich kenne beide gut und weiß, dass sie wissen, wie das Fußball-Geschäft läuft und wie man Erfolg haben kann. Das zeigt sich.

Vieles beim Aufschwung hängt mit Trainer Florian Kohfeldt zusammen, auch bei Ihrem Klub gibt es einen Coach, der enorm für seine Arbeit gelobt wird. Welchen Faktor spielt solch eine Figur?

Der Trainer ist ein ganz entscheidender Faktor in einem Verein. In meiner Zeit war Flo bereits Co-Trainer unter Skripnik, und ich habe ihn als sehr akribischen Tüftler erlebt. Auch zwischenmenschlich hatten wir ein richtig gutes Verhältnis. Flo ist ein Trainer der neuen Generation, der Spieler super weiterentwickeln kann. All das sieht man auch nach der recht kurzen Zeit bisher.

Nun verlässt Julian Nagelsmann bekanntlich Hoffenheim und wechselt nach Leipzig. Wie schwierig wird es, trotzdem weiterhin so erfolgreich zu sein, wie es die TSG in der jüngeren Vergangenheit war?

Dass wir einen extrem guten Trainer verlieren, steht außer Frage. Aber wir kennen den neuen Mann bereits. Alfred Schreuder war ja schon Co-Trainer hier, bevor es ihn zu Ajax zog. Alfred ist ebenfalls ein super Typ und taktisch auf sehr hohem Niveau. Daher bin ich optimistisch, dass wir an die jüngsten Erfolge anknüpfen können.

In Bremen ist es wieder in Mode, zum Verein zurückzukommen. Max Kruse, Claudio Pizarro, Martin Harnik und Niclas Füllkrug haben es vorgemacht. Wann kommen Sie zurück, um wieder gemeinsam mit Maximilian Eggestein zu spielen?

Derzeit bin ich absolut glücklich bei der TSG Hoffenheim. Aber auch wenn‘s eine Phrase ist: Im Fußball weiß man nie (grinst).

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