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06.02.2019
Fußball-Legende mit 74 Jahren gestorben

Rudi Assauer ist tot

© imago


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2012 wurde bekannt, dass Rudi Assauer an Alzheimer erkrankt ist. In den Jahren danach hat er sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. An diesem Mittwoch ist der ehemalige Werder-Spieler und -Manager im Alter von 74 Jahren gestorben. Zuerst hatte die „Bunte“ über den Tod Assauers berichtet. Die stellvertretende „Bunte“-Chefredakteurin Tanja May habe die traurige Nachricht erreicht, dass Assauer tot sei, heißt es auf "Bunte.de". Das habe seine ehemalige Lebensgefährtin Beate Schneider gegenüber der Zeitschrift bestätigt: „Rudi ist heute Nachmittag gestorben. Es ist traurig, aber auch eine Erlösung für ihn. Wir sind alle wahnsinnig traurig.“ In seiner Wohnung in Herten schlief Assauer in den Armen seiner Tochter Bettina Michel ein. Auch Zwillingsschwester Karin war bei ihrem Bruder. Assauer, der mit Katy eine zweite Tochter hinterlässt, wäre am 30. April 75 Jahre alt geworden.

„Wir sind tief betroffen und traurig. Umso mehr trifft uns die Nachricht von seinem Tod ausgerechnet am Pokalspieltag. Wir wussten alle um seinen Gesundheitszustand. Rudi ist der Architekt des modernen Schalke. Er hat unendlich viel für Schalke getan und wir werden sein Andenken immer in Ehren halten“, sagte Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies vor dem Achtelfinal-Heimspiel im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf.

„Auch wenn sein Name vor allem untrennbar mit dem FC Schalke 04 verbunden ist – Rudi Assauer hat sich auch um Werder verdient gemacht und in unserem Verein Spuren hinterlassen“, wird Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald auf der Vereinshomepage zitiert. „Die Leidenschaft für den Fußball hat sein Leben geprägt. Er war der Erste, der den Weg gegangen ist, den nach ihm viele weitere wie Klaus Allofs, Frank Baumann oder Marco Bode gegangen sind – vom Spieler zum Verantwortlichen im Verein. Dabei ist Rudi Aussauer auch nach seiner Zeit in Bremen stets ein Werder-Freund geblieben und hat seine Freundschaften in Bremen gepflegt, allen voran zu Dr. Franz Böhmert.“

Seine Zeit bei Werder

An die 2000 Profispiele als Spieler, Trainer und Manager hat Rudi Assauer auf dem Buckel, für Werder waren es 226 als Spieler und rund 200 als Manager. Assauer war schon eine Legende, als er 1970 von Borussia Dortmund an die Weser wechselte. Der Abwehrspieler war Mitglied jener (Dortmunder) Mannschaft, die als erstes deutsches Team überhaupt einen Europapokal holen konnte.

Bei Werder bildete er mit Eisenfuß Horst-Dieter Höttges und Karl-Heinz Kamp das Gerüst in der Abwehr, konnte aber gegen Ende seiner aktiven Laufbahn das Abrutschen in die Abstiegszone auch nicht verhindern. Immerhin hielt Werder gerade noch so die Klasse, ehe Assauer mit 32 Jahren seine aktive Laufbahn beendete. Er wechselte die Seiten und stieg ins Management ein. Der damalige Werder-Chef Franz Böhmert machte Assauer zum jüngsten Bundesliga-Manager. Insgesamt fünf Jahre diente er Werder als Manager, dazwischen war er auch als Interimstrainer gefragt. Assauer ebnete Willi Lemke mit seiner neuen Art der Klubführung erst den Weg in eine neue Zeit.

Der Macher auf Schalke

1981 zog es den in Herten aufgewachsenen Assauer zurück in den Pott, wo er in mehreren Phasen – abgesehen von einem flüchtigen Abstecher zum VfB Oldenburg – dann in verschiedenen Funktionen beim FC Schalke tätig war. Bis 2006 war Assauer der starke Mann auf Schalke.

„Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich“, lautet einer der bekanntesten Sätze Assauers. Im Rückblick lässt sich sagen, dass er Schalke geschafft hat. In zwei Amtszeiten (1981 bis 1986 und 1993 bis 2006) war er insgesamt 18 Jahre lang für den Revierklub als Manager tätig. Der große Erfolg stellte sich aber erst ein, als ihn der damalige Präsident, „Sonnenkönig“ Günter Eichberg, in höchster Not im April 1993 holte. Schalke lag finanziell am Boden, es drohte der Lizenzentzug. In mühsamer Kleinarbeit gewannen Assauer und seine Vorstandskollegen in den Folgejahren das Vertrauen der Banken und Sponsoren zurück und legten damit die Basis für den späteren sportlichen Erfolg.

Mit Trainer Huub Stevens, den Assauer aus Kerkrade nach Schalke geholt hatte, eroberten die „Eurofighter“ um Olaf Thon und Marc Wilmots die europäischen Stadien. Der legendäre Uefa-Cup-Sieg bei Inter Mailand am 21. Mai 1997 ist bis heute der größte Erfolg der Klubgeschichte. Mit dem Wechsel von Stevens zur Hertha im Sommer 2002 neigte sich die erfolgreiche Zeit dem Ende entgegen.

Erste Anzeichen der Krankheit

Später kam es zum Bruch mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und den anderen Vorstandsmitgliedern. Längst gab es erste Anzeichen für Assauers Krankheit, die er aber zunächst ignorierte und dann vertuschte. „Man will es nicht wahrhaben. Wenn es eine Sache in der Welt gibt, vor der ich immer Angst habe, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer“, gestand er später. „Bloß nicht die Birne.“

Er vergaß Termine und konnte sich an bestimmte Dinge nicht mehr erinnern. Als man ihn als „Frühstücksdirektor“ und „Grüßaugust“, wie er es empfand, auf das Präsidentenamt abschieben wollte, lehnte er ab. Am 17. Mai 2006 kam er seiner Abberufung durch den Aufsichtsrat zuvor und trat als Manager zurück. Das Ende einer Ära. 2012 machte er seine Erkrankung öffentlich, auch in der Biografie „Wie ausgewechselt – verblassende Erinnerungen an mein Leben“ und einer TV-Dokumentation.

„Stumpen-Rudi“ und Simone Thomalla

Für große Aufmerksamkeit sorgte auch seine Beziehung mit der Schauspielerin Simone Thomalla (2000 bis 2009). „Vom Fußball hat sie keine Ahnung, aber sonst ist die Alte schwer in Ordnung“, sagte der stets Zigarren oder Zigarillos rauchende Manager – was ihm den Spitznamen „Stumpen-Rudi“ einbrachte – in seiner typisch rauen, aber liebenswerten und ehrlichen Art. Für einen Bier-Werbespot („Nicht gucken, nur anfassen“) wurden er und die spätere „Tatort“-Kommissarin 2006 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Zweimal war Assauer verheiratet. Die Ehe mit Ingrid Assauer wurde zwar erst 2007 geschieden, da lebte das Paar aber schon viele Jahre getrennt. Und die 2011 geschlossene Ehe mit der 21 Jahre jüngeren Britta Idrizi endete nach zwei Jahren in einem Fiasko und Streitereien vor Gericht.

Ein Kind des Ruhrgebiets

Als seine Mutter Elisabeth im Kriegsjahr 1944 Schutz suchte vor den Bombenangriffen der Alliierten im Ruhrgebiet, kam Assauer im saarländischen Altenwald zur Welt. Gleichwohl gilt er als Kind des Ruhrgebiets. Denn schon zwei Wochen später kehrte die Familie nach Herten zurück, wo er gemeinsam mit seinem um zehn Jahre älteren Bruder Lothar, der ebenfalls an Alzheimer litt und im Februar 2013 starb, und seiner Zwillingsschwester Karin aufwuchs. Karin war es auch, die Rudi durch seine Schulzeit lotste, weil der lieber mit seinen Kumpels auf der Straße Fußball kickte.

Während seine Schwester das Gymnasium absolvierte, verließ Assauer mit 14 Jahren die Schule und absolvierte eine Lehre als Stahlbauschlosser. Ein halbes Jahr lang arbeitete er auf der Zeche Ewald in Herten. Später machte er noch eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Doch der Fußball beherrschte sein Leben. Nach Jahren bei der SpVgg Herten wechselte er 1964 zu Borussia Dortmund. Mit dem BVB gewann er auf Anhieb den DFB-Pokal und 1966 an der Seite von Lothar Emmerich, Aki Schmidt und Reinhard „Stan“ Libuda den Europapokal der Pokalsieger gegen den hochfavorisierten FC Liverpool. Es war der erste Europacupsieg einer deutschen Klubmannschaft.



Werderanerfrankfurt am 06.02.2019, 19:41
Armer Kerl. Ruhe in Frieden! Danke für die Eurofighter und was du für den deutschen Fußball gemacht hast.
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