News
Latest News
Rasenreport
19.05.2019
Kleiner Unfall und neuer Vertrag

Pizarros Mannschaftsfoto mit der Polizei

© nordphoto


  • 10
  • 202

Die letzten beiden Fotos nach dem Sieg gegen Leipzig zeigen den Helden des Tages, Claudio Pizarro. Übers ganze Gesicht strahlend, aber nicht im Werder-Trikot, sondern in zivil. Das erste der beiden Fotos ist ein Selfie von Pizarro mit einem Porsche-Fahrer, dessen Auto er nach Spielende beim Ausparken vor dem Weserstadion geschrammt hatte. Das zweite Foto zeigt den Peruaner in einer Art „Mannschaftsbild“ inmitten der Gruppe von Polizisten, die den kleinen Blechschaden aufnahmen. Auch ein paar siegtrunkene Fans gesellten sich dazu. Der Bremer Publikumsliebling meisterte auch diese an sich stressigen Momente so, wie er es auf dem Feld macht – mit viel Herz und Raffinesse.

„Für Legenden gelten andere Regeln“, hatte Trainer Florian Kohfeldt kurz zuvor passenderweise erklärt, damit aber eigentlich die Verkündung von Pizarros Vertragsverlängerung vor dem Spiel per Videobotschaft im Stadion gemeint. In der Regel ist der Trainer nämlich kein Freund von solchen Gesten, in dem Falle aber war es eine gezielte und sinnvolle Aktion des Vereins, wie Sportchef Frank Baumann mit Verweis auf den Abschied von Kapitän Max Kruse und die Knie-Operation von Philipp Bargfrede erklärte: „Wir hatten vor dem Spiel ein, zwei nicht ganz so schöne Nachrichten. Wir wollten deshalb diesen Effekt für die Zuschauer, und man hat ja gemerkt bei der Bekanntgabe und auch bei der Einwechslung im Spiel, dass dadurch eine andere Atmosphäre entstanden ist. Dadurch sind wir bestätigt worden.“

Die Mannschaft bekam von alledem übrigens nichts mit, zum Zeitpunkt der Videobotschaft etwa zehn Minuten vor Anpfiff hielt Kohfeldt gerade seine Ansprache in der Kabine. Auch Pizarro lauschte in diesen Minuten den Worten seines Trainers. „Ich habe gar nicht mitbekommen, was draußen im Stadion passiert ist“, sagte die Sturmlegende nach dem Spiel, „ich wusste auch gar nicht, dass meine Videobotschaft gezeigt wurde. Man hat mir das erst später gesagt.“ Seine Mitspieler erfuhren übrigens erst nach dem Spiel, dass Pizarro in Bremen bleibt. Maxi Eggestein: „Claudio hat sich vor dem Spiel auch nichts anmerken lassen. Das ist ja nicht sein erster Vertrag, er ist da sehr erfahren.“

„Es war bei Pizarro keine Romantik“

Das zeigte sich auch bei seinem Siegtor, als er die Leipziger Defensive austrickste und mit einem feinen Linksschuss das 2:1 erzielte. Als Kohfeldt diesen fast schon romantischen Fußballmoment später würdigen wollte, leistete er sich einen herrlichen Versprecher, über den er selbst schmunzeln musste: „Bei seinem Tor hat Claudio ein letztes Mal in dieser Saison bewiesen, dass er ein Spiel verändern kann, wenn er reinkommt. Und zum Glück ja auch noch in den nächsten Jahren – ups.“ Der Trainer beugte sich rüber zu Werders Mediendirektor Michael Rudolph, um sich zu vergewissern, dass der Verein bei Pizarro keine Vertragslaufzeit bekannt gegeben habe. „Wobei“, sagte Kohfeldt dann, „bei Claudio möchte ich da ohnehin nichts ausschließen.“ 

Zu den Hintergründen der weiteren Zusammenarbeit mit dem demnächst 41 Jahre alten Stürmer erklärte Werders Trainer: „Claudio hat nicht die Erwartung für nächstes Jahr, dass er 20 Spiele von Anfang an macht. Das wäre Quatsch. Es war bei Pizarro auch keine Romantik. Es war die Überlegung, ob er auch im nächsten Jahr, so wie gegen Leipzig, Impulse in unser Spiel bringen kann. Auf dem Platz, aber auch neben dem Platz. Wir sind uns da sicher, Frank Baumann und ich. Deshalb werde ich hoffentlich noch öfter denken: Ball Pizarro – fertig machen zum Jubeln!“

Baumann bestätigte derweil, dass Pizarros Vertragsverlängerung mit dem tags zuvor bekannt gewordenen Weggang von Toptorjäger Max Kruse zusammenhängt: „Natürlich war es Teil der Überlegungen, mit Claudio weiterzumachen, wenn Max geht, das ist ja gar keine Frage. Es muss alles zusammenpassen in einem Kader, deshalb hatte das miteinander zu tun. Max ist ein wichtiger, zentral offensiver Spieler. Wir haben zwar noch viele andere vorne, trotzdem kann Claudio noch in vielen Momenten den Unterschied ausmachen und ein Spiel in eine Richtung lenken. Unabhängig davon, dass er in der Kabine, auf dem Trainingsplatz und insgesamt natürlich eine Wichtigkeit für die Spieler und für die Mannschaft hat.“

„Bei ihm kann man nie etwas ausschließen"

Vor allem gefällt Baumann an seinem früheren Mitspieler Pizarro, „dass er wie kein anderer für diesen Glauben steht, etwas erreichen zu können. Er ist immer sehr optimistisch und strahlt eine unheimliche Zuversicht aus.“ Es sei eminent wichtig, solche Typen in der Mannschaft zu haben, „die etwas erreichen wollen, egal ob sie 25 sind oder 40“. Oder bald 41. Die neue Vertragslaufzeit von einem Jahr wollte aber auch der Sportchef nicht bestätigen. Im Spaß sagte Baumann: „Wir wollten vier Jahre, Claudio sagte, er wolle erst einmal nur drei.“ Um dann wieder ernster darauf hinzuweisen, dass „wir alle bei Claudio doch schon seit drei oder vier Jahren sagen, dass es seine letzte Saison sein könnte. Insofern kann man bei ihm nie etwas ausschließen“. Nicht mal ein Mannschaftsfoto mit der Polizei…

Am Ende eines langen Tages war Pizarro zufrieden, „auch wenn es natürlich enttäuschend ist, dass wir unser Ziel Europa knapp verpasst haben. Es war trotzdem ein schöner Tag durch meine Vertragsverlängerung, mein Tor und den Sieg für Werder.“

Wer war euer „Man of the Match“?

Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download