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03.02.2019
Zwölf Köpfe aus zwölf Jahrzehnten

Pioniere, Präsidenten und Pokalhelden

© Andreas Kalka


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1899 bis 1909: Hermann Kassens

Mit ihm fing alles an. Hermann Kassens gewann 1898 den Lederball, der später zur Gründung des FV Werder führen sollte. Mit seinen Freunden fing er danach an, auf dem Stadtwerder Fußball zu spielen. Die Gründungsversammlung hielt der FV Werder im Februar 1899 auf der Veranda des Lokals „Kuhhirten“ ab, das Hermanns Vater Friedrich Kassens gehörte. Ohne Hermann Kassens hätte es den FV Werder, der später zum SV Werder werden sollte, nie gegeben. Doch damit nicht genug: Hermann Kassens schoss auch noch das erste Tor in der grün-weißen Vereinsgeschichte: im September 1899 beim ersten Wettspiel gegen den Bremer SC, das vor 18 Zuschauern morgens um 8 Uhr angepfiffen wurde.

1909 bis 1919: Joseph Lutter

Wenn man so will, war er der erste Star des FV Werder: Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Joseph Lutter der Kopf der Mannschaft und wurde sogar auf einer Sammelkarte verewigt. Der Mittelfeldspieler erlebte aber auch ein dunkles Kapitel in Werders Klubgeschichte hautnah mit. Die um sich greifende Kriegsbegeisterung vor Beginn des Ersten Weltkriegs erfasste auch viele Vereinsmitglieder. Werder gründete etwa eine Abteilung für Handgranaten-Weitwurf. Viele Spieler zogen ab 1914 in den Krieg ‒ auch Lutter, der verwundet wurde. Seit 1927 verleiht Werder den Joseph-­Lutter-Wanderpreis an Vereinsmitglieder, die herausragende Leistungen erbracht haben.

1919 bis 1929: Franz Konya

Er war der erste Trainer im Bremer Fußball, der für seine Arbeit bezahlt wurde: Franz Konya. Im Mai 1922 sicherte sich Werder die Dienste des Ungarn. Vorher hatte Konya unter anderem die Olympiamannschaft Estlands trainiert. Um den professionellen Fußballlehrer zu finanzieren, richtete der Verein ein „Sportlehrerkonto“ für Spenden der Mitglieder ein. Die Verpflichtung lohnte sich: Durch Konyas professionelles Training und sein Faible für Disziplin – übermäßiger Alkohol- und Zigarettengenuss missfielen ihm sehr - entwickelten sich die Spieler enorm weiter und fuhren einen Sieg nach dem anderen ein.

1929 bis 1939: Leo Weinstein

Als 13-Jähriger kam Leo Weinstein nichtsahnend zum Fußballtraining, als ihm sein Trainer mitteilte, dass er als Jude nicht weiter Mitglied des SV Werder Bremen sein dürfe. So erging es damals auch anderen jüdischen Spielern. Der SV Werder passte sich in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus schnell an und erfüllte viele Vorgaben schon, bevor sie obligatorisch wurden. Erst hieß der Vereinschef nicht mehr Vorsitzender, sondern Vereinsführer. Dann wurden Juden wie Leo Weinstein ausgeschlossen. 1938 flüchtete Weinstein in die USA und kehrte vier Jahre später als Offizier der US-Army zurück, um Deutschland von den Nationalsozialisten zu befreien. Später wurde er Professor für französische Literatur an der renommierten Stanford University in Kalifornien. 1987 war Weinstein erstmals zu Gast bei einem Bundesliga-Spiel in Bremen.

1939 bis 1949: Marga Petersen

Solch einen Empfang sollten später nur noch die Werder-Fußballer erleben, 1952 aber galt der große Bahnhof einer Frau: Werder-Leichtathletin Marga Petersen hatte bei den Olympischen Spielen in Helsinki mit der 4x100-Meter-Staffel die Silbermedaille gewonnen. Sie steht damit stellvertretend für die Jahre nach dem Krieg, als die Leichtathleten den Fußballern vorübergehend – im wahrsten Sinne des Wortes – den Rang abliefen. Lena Stumpf stellte 1949 im Weserstadion einen Weltrekord im Fünfkampf auf. Nahezu unglaublich: Bis 1946 hatte sie wegen einer Diphterie-Erkrankung drei Jahre lang im Rollstuhl gesessen. Da verwundert es kaum, dass die Werderanerin Stumpf 1949 zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt wurde. Petersen hatten diesen Titel schon 1947 erhalten.

1949 bis 1959: Alfred Ries

Alfred Ries hat als Werder-Präsident weit mehr als nur ein Jahrzehnt geprägt. 1923 stand er erstmals an der Spitze des Vereins. Nach Hitlers Machtübernahme 1933 wurde es für Ries wegen seines jüdischen Glaubens gefährlich in Deutschland. Er verließ Bremen in Richtung Jugoslawien, wo er sich vor der SS verstecken musste. Zweimal kam er ins Gefängnis. Seine Eltern wurden im Konzentrationslager ermordet. Trotzdem kehrte Ries nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zurück nach Bremen und fungierte erneut als Werder-Präsident. „Wer Versöhnung will, muss sie praktizieren“ lautete sein bemerkenswertes Credo. Unter seiner Führung holte Werder 1965 die erste deutsche Meisterschaft.

1959 bis 1969: Willi Multhaup

Als 1963 die Fußball-Bundesliga in ihre erste Saison ging, hieß Werders Trainer Willi Multhaup. 1965 führte er die Mannschaft zur ersten deutschen Meisterschaft der Klubgeschichte. Der Mann aus dem Ruhrpott ‒ Spitzname: „Fischken“, weil seine Eltern ein Fischgeschäft besaßen – setzte auf eine ausgeklügelte Defensiv­taktik. Im Moment des großen Triumphs ­verließ Multhaup Werder nach rund zwei Jahren und ging zurück in den Westen zur Dortmunder Borussia, mit der er 1966 den Europapokal gewann.

1969 bis 1979: Franz Böhmert

Die erste Bundesliga-Saison stand bevor, und Werder benötigte dringend einen Mannschaftsarzt. Der spätere Vizepräsident Klaus-Dieter Fischer gab der Vereinsführung einen Tipp: Im Krankenhaus St.-Jürgen-Straße gebe es einen Arzt, der den ganzen Tag lang nur über Fußball rede. Den Namen wusste er nicht, doch der ließ sich herausfinden. Also wurde der Anästhesist Franz Böhmert der neue Werder-Arzt. Fischer staunte nicht schlecht: Diesen Arzt hatte er gar nicht gemeint. Wie sich später herausstellte, war die Verwechslung ein großer Glücksfall für Werder. Böhmert wurde 1970 zum Präsidenten gewählt und prägte den Verein wie kaum ein Zweiter. „Der Doktor“ zog während der glorreichen Phase in den 80er- und 90er-Jahren im Hintergrund die Fäden und war sehr beliebt in Bremen. „Der Stadionkunde ist der wichtigste, erst dann kommen Sponsoren und das Fernsehen“, betonte Böhmert, der 29 Jahre Präsident und fünf Jahre Aufsichtsratschef war.

1979 bis 1989: Otto Rehhagel

Es begann mit einem Skandal: Otto Rehhagel war als Trainer bei Kickers Offenbach gekündigt worden, weil ihn der DFB wegen Beleidigung des Schiedsrichters für zwei Monate gesperrt hatte. Also holte Werder Rehhagel im Februar 1976. Er sollte die Mannschaft vor dem Abstieg ­retten, was ihm auch gelang. Trotzdem ­verabschiedete sich Rehhagel im Juni 1976 schon wieder zu Borussia Dortmund, kehrte aber im März 1981 zurück. Rehhagel führte Werder zunächst zum direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga und später zu zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und dem Europapokalsieg der Pokalsieger. Im sportlichen Bereich hatte Rehhagel das alleinige Sagen. Er bezeichnete sich selbst als „demokratischen Diktator“ und sagte einmal: „Wer Erster ist, hat immer Recht. Ich ha­be also Recht.“ 1995 ging er zum FC  Bayern.

1989 bis 1999 Willi Lemke

Wie Otto Rehhagel begann auch Willi Lemke im Jahr 1981 seine Werder-Karriere. Der Manager und der Trainer praktizierten die perfekte Aufgabenteilung: Rehhagel war alleinverantwortlich für das Sportliche, Lemke arbeitete ihm zu. „Dass ich sportlich mal eine Einschätzung abgab, das kam nicht vor“, sagte der frühere Manager einmal. Wenn Rehhagel einen Spieler wollte, war es an Lemke, den Transfer möglich zu machen. Dabei half „Werder-­Willi“ sein großes Verhandlungsgeschick. Was Sponsoren und Marketing betraf, ging Lemke gerne neue Wege. 1989 verkaufte er etwa ein Werder-Heimspiel an einen Sponsor. Und er sorgte dafür, dass Werder der erste Bundesligist mit VIP-Logen war. Bis 1999 war Lemke Manager, bis 2016 saß er im Aufsichtsrat.

1999 bis 2009: Thomas Schaaf

Wer hätte an diesem verregneten Dienstagabend im Mai 1999 gedacht, dass gerade eine Ära begann? Als Nachfolger von Felix Magath gab Thomas Schaaf sein Debüt als Werder-Trainer im Nachholspiel gegen Schalke. Werder gewann mit 1:0. Schaaf rettete Werder vor dem Abstieg, gewann das Pokalfinale gegen die Bayern – und baute etwas auf an der Weser. Schaaf und Manager Klaus Allofs wurden zum Erfolgsduo. Vorstandschef Jürgen L. Born hielt ihnen den Rücken frei. Werder holte das Double 2004, den Pokalsieg 2009, kam ins Uefa-Cup-Finale 2009 und spielte sechsmal in der Champions League. Im Mai 2013 endete Schaafs Zeit als Chefcoach nach 5120 Tagen. Nur Otto Rehhagel war mit 5309 Tagen länger als Werder-Trainer im Amt.

2009 bis 2019: Frank Baumann

Es war dieser eine Tag, an dem Frank Baumanns Leben eine entscheidende Wendung nahm. Sein damaliger Verein 1. FC Nürnberg verlor am 29. Mai 1999 mit 1:2 gegen Freiburg, Baumann vergab eine Riesenchance, Nürnberg stieg ab. Hätte der Club den Klassenerhalt geschafft, wäre Baumann geblieben. So aber ging der Franke nach Bremen – und wurde zu einer prägenden Figur. Der ruhige, zuverlässige Defensivspieler stand in der Öffentlichkeit eher im Hintergrund, aber in der Kabine hatte sein Wort großes Gewicht. Baumann führte Werder als Kapitän zum Double 2004 und zum Pokalsieg 2009. Seit 2016 ist er nun wieder an ganz entscheidender Stelle im Verein tätig: als Sportchef.

RSchneider am 03.02.2019, 18:14
Ach waren das schöne Zeiten ...
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