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Rasenreport
01.06.2019
Werder-Experten zum Stadionnamen

„Nur mit Tradition kann man nicht bestehen“

© nordphoto


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Die Empörung in den sozialen Netzwerken ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Am Freitag wurde bekannt, dass Werder die Namensrechte am Weserstadion verkauft. Nach Mein-Werder-Informationen soll in der kommenden Woche ein Vertrag mit der „Wohninvest Holding GmbH" unterschrieben werden. Das Immobilien-Unternehmen aus Fellbach bei Stuttgart zahlt drei Millionen Euro pro Jahr, die Laufzeit des Vertrags beträgt zehn Jahre. Trotz dieser Zusatzeinnahmen für Werder reagierten viele Fans im Internet erbost auf die Meldung. "Kein guter Tag für Bremen", hieß es etwa. Oder dass "die positive Stimmung, die über eine Saison aufgebaut wurde, ins Klo gespült" werde. Oder dass das Weserstadion "verramscht" werde.

Hört man sich unter Werder-Experten und Fans um, ist die Stimmung dagegen eher positiv. Sie zeigen Verständnis für den Schritt des Klubs.

Willi Lemke (früherer Werder-Manager und -Aufsichtsratschef)

„Der Verkauf der Namensrechte wird niemandem in der Geschäftsführung leicht gefallen sein. Aber 30 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren sind sehr gute zusätzliche Einnahmen. Das Geld wird sicher zum Großteil in den Schuldenabbau der Stadionkredite fließen, aber auch in den Spieleretat. Zum anderen bleibt es das Weserstadion – und das wird es auch im Sprachgebrauch der Bremer bleiben. Für die Geschäftsführung war es nicht leicht, einen Sponsor zu finden. Wir waren glücklich und stolz, als einer von wenigen Klubs den Namen so lange nicht verkauft zu haben. Aber wenn es dazu nutzt, den Spieleretat anzuheben und die Schuldenlast abzutragen, muss man als Verantwortliche so entscheiden.“

Jörg Wontorra (Sportjournalist und früherer Werder-Aufsichtsrat)

„Das letzte Tabu ist damit gebrochen. Aber es ist gut, dass es gebrochen wurde. Denn nur mit Tradition kann man im Fußball heute nicht mehr bestehen, man muss sich den Begebenheiten anpassen. Und wenn einem bei den Namensrechten ein wichtiger Partner wie EWE wegbricht, muss sich ein seriös geführter Verein umschauen, wie er diese Lücke füllen kann. Es war dabei ein guter Schachzug von Werder, dass es nun nicht zu einer ,Wohninvest-Arena' kommt, sondern zum ,Wohninvest Weserstadion'. Der beliebte und gewohnte Stadionname bleibt so erhalten. Übrigens muss man die frühere Werder-Führung nun für ihren ungeheuren Weitblick loben: Vor mehr als zehn Jahren die Straße „Am Weserstadion“ in die „Franz-Böhmert-Straße“ umzubenennen, war aus jetziger Sicht natürlich sehr schlau. Es wäre ja mehr als komisch, wenn man zum „Wohninvest Weserstadion“ durch die Straße „Am Weserstadion“ fahren müsste..."

Ralf Behrend (Vorsitzender des Fanklubs „Eastie Boyz“ aus Bremen)

„Es war schon länger abzusehen, dass Werder irgendwann in diese Situation kommen würde. Bei uns im Fanklub herrscht jetzt keine Empörung. Es wurde ein guter Kompromiss gefunden, weil wir weiterhin die Chance haben, das Stadion Weserstadion zu nennen. Und Werder braucht eben die Einnahmen, dem Verein sind in letzter Zeit einige Einnahmequellen verloren gegangen.“

Jürgen L. Born (früherer Vorsitzender der Werder-Geschäftsführung)

„Unternehmerisch gesehen ist das eine gute Entscheidung. So kann weitestgehend verhindert werden, dass Werder bei der Tilgung der noch offenen Kredite für das Weserstadion zu sehr zur Kasse gebeten wird. Die weggefallenen Zahlungen von EWE werden kompensiert. Was die Namensänderung betrifft, ist es zudem eine elegante Lösung, weil der Name Weserstadion erhalten bleibt.“

Klaus-Dieter Fischer (Werders Ehrenpräsident)

„Eines vorweg: Seit über 70 Jahren gehe ich ins Weserstadion, und es wird für mich immer das Weserstadion bleiben. Natürlich ist es traurig, wenn ein so traditioneller Name wegfällt oder ergänzt wird, aber Werder befindet sich in einem harten wirtschaftlichen Wettbewerb. Die gefundene Lösung ist akzeptabel. Der Name Weserstadion bleibt erhalten. Der Betrag, den Werder bekommt, ist in Ordnung. Und die Laufzeit über zehn Jahre verspricht eine langfristige Namensbindung, es gibt also nicht alle drei Jahre einen neuen Namen. Die Einnahmen sind notwendig, kein Werder-Fan will, dass die Bremer Weser-Stadion GmbH in die Insolvenz geht und dadurch auch Werder gefährdet. Ich kann aber jede Reaktion verstehen, die ablehnende wie die zustimmende. Ich finde Proteste in Ordnung, das gehört zu einer Demokratie. Ich denke aber, dass der Geschäftsführung keine andere Möglichkeit blieb. Jeder, der nicht von vorgestern ist, weiß: Die Bundesliga ist wirtschaftlicher Wettbewerb. Da darf man als Verantwortlicher und als Fan nicht zu sehr in die Romantik verfallen und sogar hoffen, dass die 30 Millionen Euro jetzt in die Mannschaft gesteckt werden. Das Geld wird für die Bedienung der Kredite für den Umbau des Stadions benötigt. Das grün-weiße Herz ist traurig, der Verstand muss leider einsichtig sein.“

Anja Stahmann (Sportsenatorin)

„Ich freue mich mit dem Verein und der Stadion-GmbH über den gelungenen Verkauf der Namensrechte. Dabei ist hervorzuheben, dass das Weserstadion weiterhin Weserstadion heißt, und nur mit einem Namenszusatz versehen ist. Für die Identifikation der Bremer mit ihrem Stadion spielt das eine wichtige Rolle. Ohne Sponsoring funktioniert Sport auf Spitzenniveau schon lange nicht mehr, der Verkauf der Namensrechte von Fußballstadien ist ein Stück wirtschaftlicher Notwendigkeit geworden. Wer an der Spitze dabei sein will, kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Die 30 Millionen Euro über zehn Jahre sind ein unverzichtbarer Beitrag zur Finanzierung des Spitzenfußballs in Bremen.“

Ingo Kläner (Vorsitzender des Fanklubs „27801“ aus Dötlingen)

„Ich hätte natürlich lieber einen Sponsor aus der Region gehabt, aber es war wohl nicht so leicht, überhaupt einen zu finden. Am liebsten wäre mir natürlich gewesen, dass alles so bleibt wie bisher, doch drei Millionen Euro im Jahr darf man eben nicht verschenken. Werder kann vor dieser Entwicklung nicht davonlaufen. Insgesamt ist es ein guter Deal, weil es dem Verein Geld bringt und der Name Weserstadion nicht komplett aufgegeben wurde.“

werderdino am 01.06.2019, 15:12
Sorry die Namensrechte, waren schon seit Jahren verkauft (EWE).
Die EWE,hat nur auf eine Erwähnung, im Stadionnamen verzichtet.
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kruse88 am 01.06.2019, 15:15
Ganz ehrlich?! Ist doch super das es im Endeffekt noch Weserstadion heißt! Ich glaube jeder Fan wird es weiter Weserstadion nennen! Und das Geld was reinkommt denke ich macht uns Stabiler in der Zukunft!
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langerhagen am 01.06.2019, 15:44
Mit 3 Mios im Jahr ? Wow! Das spült Werder in den Europacup.
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Werderstern68 am 01.06.2019, 15:58
@langerhagen man muss aber berücksichtigen dass viele kleine Baustellen zu bedienen sind. Andere Vereine ( wie die ganzen WM-Spielorte u.a. Leipzig ) müssen nicht für das Stadion noch Darlehenszinsen bezahlen. Hinzu kommen die Polizeikosten und wenn ein neues Leistungszentrum gebaut wird kommt auch noch einiges auf den Verein zu.
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FlyKilla am 01.06.2019, 18:31
@langerhagen
Wie wäre es wenn du etwas mehr als nur die Überschrift liest. Dann wüßtest du dass das Geld nicht (!) in die Mannschaft fließt, sondern nur in den Schulden Abtrag des Stadions. Ansonsten gäbe es noch die Alternative die Ticket Preise deutlich zu erhöhen. Ich finde es klasse das sich Schwaben bereit erklärt haben unsere Schulden zu bezahlen. :-)
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am 01.06.2019, 20:58
Der Kommentar wurde durch die Verfasserin / den Verfasser gelöscht. Sofern Antworten auf diesen Kommentar vorhanden waren, wurden diese ebenfalls entfernt.
Marko am 01.06.2019, 18:25
Hat man schon probiert an Radeberger ran zu treten!?. Das bringt doch auch gutes Geld. Wichtig ist das das Weserstadion als Name noch mit drinn ist und um es etwas zu mildern würde ich versuchen das Schild davor GrünWeiß vielleicht zu Umranden.
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alanya_fuchs am 01.06.2019, 21:51
Was macht man dann mit diesem Sponsor?
weserreport.de/2016/04/sport/werder/becks-und-haake-beck-unterstuetzen-werder-weiter/

Immerhin läuft der Vertrag noch 2 Jahre.
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Nomolas am 02.06.2019, 10:20
AB Inbev unterstützt zwar Werder als regionaler Sponsor/Getränkelieferant, hat aber kein Interesse an Stadion- oder Trikotsponsoring, da es die Bekanntheit der Marke nicht mehr steigern könnte. 😉

Radeberger hätte das selbe Problem
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am 01.06.2019, 21:51
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RSchneider am 02.06.2019, 08:28
Was ich so amüsant finde, beinahe jeder Verein verkauft seinen Stadionname aber alle wehren sich gegen die Abschaffung der 50+1 Klausel. Weil dann ja ein Großinvestor aus Russland oder dem arabischen Raum kommen könnte, um den Verein zu kaufen und damit die Tradition des jeweiligen Vereins gefährdet wäre. Das ich nicht lache! Selbst wenn ein Oligarch oder Ölscheich einen Verein kauft, würde sich an der Tradition nichts ändern. Das einzige was passieren würde, wäre, dass man international erfolgreicher und konkurrenzfähiger werden würde. Man braucht ja nur nach England zu schauen. Und ich glaube nicht, das Vereine wie Liverpool, ManU, Chelsea und Co. ihre Tradition, angefangen beim Stadionnamen, verloren haben nur weil sie in der Hand eines Milliardärs liegen.
In Deutschland verkauft man lieber alles Stück für Stück für lächerliche Summen, als den Verein im Ganzen, wo dann hingegen nach außen hin alles beim alten bleiben würde. Allerdings würden dann die Oberbosse der Bundesliga ihre Macht verlieren und das muss natürlich verhindert werden!
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Altobelli am 02.06.2019, 09:39
"Das einzige was passieren würde, wäre, dass man international erfolgreicher und konkurrenzfähiger werden würde."

@RSchneider:

Das ist viel zu kurz gedacht und so auch nicht richtig. Das man international erfolgreicher und konkurrenzfähiger werden würde, würde sicherlich erst mal eine ganze Weile dauern. Ich glaube auch nicht, dass man auch dann schon derart hohe Summen für Spieler bezahlen könnte, selbst wenn die 50+1 Regel fallen würde. Damit meine ich Ablösesummen plus Gehälter.
In England werden im Gegensatz zur Bundesliga noch weitaus höhere Fernsehgelder gezahlt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland bereit wäre, monatlich an die 100 Euro oder mehr im Monat für sein Pay-TV Abo zu bezahlen. Außerdem hat sich die Premier League weltweit schon richtig gut vermarktet und nimmt in Asien und anderswo auf der Welt ebenfalls noch extrem viel Geld ein.

www.sport1.de/internationaler-fussball/2017/03/live-fussball-im-tv-kostet-england-fans-ueber-1000-pfund-im-jahr

Außerdem hätte man wahrscheinlich einen Bundesliga-Spieltag von Freitag Abends bis Donnerstags, damit jeden Abend ein Spiel live im TV übertragen werden kann, wie in England. Das dieses dem deutschen Bundesliga Fan nur schwer zu vermitteln ist, konnte man ja jetzt schon sehr gut bei den völlig überflüssigen Montagsspielen sehen.
Diesen Vorsprung kann die Bundesliga, auch wenn Bayern, Dortmund etc. ab und an mal nach China oder in die USA reisen, nicht mehr aufholen.

Und ein weiterer und wichtiger Aspekt ist eben noch jener, dass die Vereine zu Spielbällen von Finanzjongleuren werden. Dann wird der Verein hier an eine Investorengruppe verkauft, dann wieder dort hin. Die Mitglieder haben darüber dann gar nichts mehr zu sagen.



"Allerdings würden dann die Oberbosse der Bundesliga ihre Macht verlieren und das muss natürlich verhindert werden!"

Und Sie glauben das ein Oligarch dann weniger zu sagen hat und sich mehr an die Spielregeln hält als "Oberbosse" wie in der Bundesliga, die in der Regel von Aufsichtsräten kontrolliert werden?
Hat ja zum Beispiel bei 1860 München super geklappt mit Herrn Ismaik. Und wenn man sich das Gebaren beim KFC Uerdingen in der dritten Liga anschaut, wo alle paar Tage der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, dann zeigt das auch deutlich, dass es eben nicht gleich heißt, dass man mit solchen Leuten Erfolg hat.

Auch wenn es sicherlich "vernünftige" und weitsichtige Geldgeber (Oligarchen) oder andere Investoren gibt, glaube ich nicht, dass sie alleine das Allheilmittel für erfolgreichen Fußball sind. Dazu gehört dann doch etwas mehr.

Der Bundesliga-Fußball sollte auch in Zukunft den Anhängern gehören und nicht irgendwelchen Oligarchen, Investorengruppen oder sonst wem.
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RSchneider am 02.06.2019, 09:57
Ich habe nicht von sofort eintretenden Erfolgen gesprochen. Aber langfristig gesehen ist es heutzutage für einen Verein erfolgversprechender an einen seriösen Investor zu verkaufen als beispielsweise für 10 Jahre den Stadionname an einen überregionalen Sponsor für 3 Millionen pro Jahr, die einen nicht wirklich weiter bringen.
Und natürlich sollte ein Investor ordentlich überprüft werden, statt z.B. bei 1860 oder Uerdingen an den erstbesten zu verscharrern. Und ob ein Verein dann letztendlich verkauft oder nicht bleibt jedem selbst überlassen.
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Altobelli am 02.06.2019, 10:12
Ich sage ja auch, dass es sicherlich auch weitsichtige und kluge Investoren gibt. Aber es hört sich alles viel zu einfach an.

Es ist jedoch immer noch ein enormer Unterschied, ob ich nur den Stadionnamen verkaufe oder gleich den ganzen Verein.
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am 02.06.2019, 10:33
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AnFo am 02.06.2019, 10:10
was passiert wenn man an den falschen investoren gerät sieht man ja bei zb.1860. und auch in england gibt es investoren die wappen oder vereinsfarbe geändert haben. will man das wirkich?
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SvK am 02.06.2019, 14:20
Nur Stimmen, die den Namensverkauf gut finden. Mal wieder sehr ausgewogene Berichterstattung vom WK...
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Wynton01 am 03.06.2019, 10:01
Der Namensverkauf war überfällig um noch die Insolvenz abzuwenden. Mehr wird mit dem Geld nicht passieren.
Ich bin allerdings auch Werder Fan, weil sie Werte verkörpern, die ich gut finde. Mit Wohninvest und Wiesenhof hat man diese Werte leider verkauft
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vpcn am 03.06.2019, 12:16
Jetzt seien wir doch mal ehrlich. Wenn Bremen aufgrund finanziellen Engpässen es nicht schafft, einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen, weinen hier die meisten. Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen: Im Bereich der 1. und 2. Bundesliga ist es immens wichtig, finanziell gut aufgestellt zu sein. Mit purer Romantik kommt man nicht weit. Oder man muss akzeptieren, dass es nicht reicht und der Gang in die 2./3./4. Liga unausweichlich ist. Die Fußballwelt ist nun mal so, also kommt runter von Euren höhen Rössern. Und wenn das Stadion Timbuktu Ost Stadion heisst, für mich bleibt es das Weser Stadion.
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