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Rasenreport
27.02.2019
Werder befördert Sturmjuwel

Neuer Dienstgrad für Sargent

© nordphoto


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Eines stand recht schnell fest: Sebastian Langkamp hatte nun wahrlich nicht übertrieben. Als Werders Innenverteidiger am vergangenen Freitag nach dem Stuttgart-Spiel auf Startelf-Debütant Josh Sargent angesprochen wurde, sagte er nur knapp: „Er ist eigentlich ein ruhiger Typ, mit dem muss man nicht viel reden. Er redet auch nicht gerne, deswegen lässt man den mal lieber in Ruhe.“ Gemünzt war das natürlich auf mögliche motivierende Worte, die Langkamp seinem jungen Kollegen hätte mitgeben können – doch die Einschätzung gilt wohl nicht nur in dem Fall. Auch seine Vertragsverlängerung kommentierte Sargent völlig unaufgeregt und in knappen Sätzen. Es war spürbar, der 19-Jährige lässt lieber Taten als Worte sprechen.

„Bremen hat sich von Anfang an wie ein Zuhause angefühlt. Es war eine gute Entscheidung, hier herzukommen“, sagte Sargent am Mittwoch. Er lächelte kurz, kehrte dann ganz abgebrüht wieder in seine Ausgangshaltung zurück. „Niemand weiß, was in der Zukunft passiert, aber ich will immer besser werden und Leistung zeigen. Jeder hier würde gerne mal einen Titel gewinnen, aber wir fokussieren uns auf die Gegenwart.“

Überschwang klingt anders, dabei hätte Josh Sargent durchaus Grund dazu gehabt, offensivere Töne anzuschlagen. Erst im Vorjahr hatte er seinen ersten Profivertrag unterschrieben, nun folgte nach einem recht kometenhaften Aufstieg die Nachbesserung, quasi ein neuer Dienstgrad. Das alte Arbeitspapier lief bis 2021, nun wurde dem Vernehmen nach um zwölf Monate nachgebessert. Werders Eile ist verständlich. Konkrete Angebote habe es zwar noch nicht für den jungen Stürmer gegeben, erklärte Sportchef Frank Baumann, dennoch weckt ein Karrierestart wie der von Josh Sargent natürlich Interessen anderer Vereine. Das war im Winter, aber auch schon in der Vergangenheit so. „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir uns bei der Verpflichtung von Josh schon gegen namhafte Klubs durchsetzen mussten„, sagte Baumann, der aber nicht ohne Stolz auch auf das stärkste Bremer Argument verweist: “Er hat sich bewusst für Werder entschieden und sieht hier das beste Umfeld, um sich bestmöglich zu entwickeln.“

Sargents Impuls: Zielstrebig nach vorne

Die Voraussetzungen dafür sind nahezu optimal. Sargent bringt eine gute Intuition mit und etwas, das man nur schwerlich lernen kann: Die Gabe, sich nicht nur für den ersten Ball gut zu positionieren, sondern auch ein Gespür dafür zu haben, wo ein Abpraller oder abgefälschter Ball landen könnte. Diese besondere Antizipationsfähigkeit gepaart mit seiner wuchtigen Erscheinung und der nötigen Explosivität in Ballnähe lassen seine Aktionen sehr zielstrebig aussehen, wenngleich manchmal auch noch etwas unkoordiniert.

Der erste Impuls geht dabei fast immer in Richtung Tor – sofern der Spieler sich gut positioniert und in der richtigen Stellung angeboten hat. Steht Sargent offen oder wenigstens halboffen zur Spielrichtung, geht es schnell und schnörkellos in die Tiefe und auf den Gegner zu. Das ist unerschrocken und mutig, mitunter aber noch zu ungestüm und als Entscheidung nicht immer glücklich. Manchmal wäre ein Abspiel oder wenigstens die Sicherung des Balles die bessere Option.

Der Drang zum Tor und sein gutes Gefühl dafür, wo sich ein Raum öffnen könnte, geben seinem Spiel eine enorme Geradlinigkeit. Die ordentliche Technik und der gute Abschluss ergeben aus technisch-taktischer Sicht ein starkes Gesamtpaket für einen Teenager.

Einfluss auf die Zukunft Pizarros?

Dazu hat Josh Sargent einen überragenden Körper und die Fähigkeit, sich auch von der harten Gangart des Gegners nicht abschrecken zu lassen. Der Sprung in die Bundesliga ist ihm in dieser Beziehung problemlos geglückt. Als er neulich von Stuttgarts Innenverteidiger Ozan Kabak, wie Sargent auch ein enorm bulliger Typ, im Tackling förmlich abrasiert und durch die Luft gewirbelt wurde, stand Sargent einfach auf und machte weiter. Ohne zu lamentieren oder zu jammern.

Es gibt noch einiges zu lernen für den 19-Jährigen, gerade aus individual- und gruppentaktischer Sicht. Aber seine Anlagen sind außergewöhnlich gut und weit entwickelt, den Rest wird Werders Trainerteam in den kommenden Jahren formen. Wie sehr die Bremer aber schon jetzt mit Sargents Werdegang zufrieden sind, zeigt die Vertragsverlängerung. Die lohnt sich nämlich auch finanziell für den sechsfachen A-Nationalspieler. „Wir haben ihn zu einem branchenüblichen Jungprofi-Gehalt verpflichtet, durch seine Leistungen und das Potenzial, das wir in ihm sehen, hat er sich verdient, dass er in eine andere Gehaltsstufe kommt", sagte Frank Baumann. "Es ist nur fair, dass wir unsere Spieler wirklich gerecht und fair bezahlen und in diesem Gehaltsgefüge die jungen Spieler, wenn die Leistung stimmt, Schritt für Schritt nach oben rücken können."

Die Freude des einen, könnte das Leid des anderen sein – zumindest theoretisch. Werder ist offensiv vielseitig besetzt und hat nun eine weitere Weiche für die Zukunft gestellt. Für Sturm-Legende Claudio Pizarro könnte das Auswirkungen auf die Fortsetzung seiner Karriere an der Weser haben. „Joshs Verlängerung steht damit nicht in einem direkten Zusammenhang. Man hat in dieser Saison bislang gesehen, dass beide zusammen sehr gut funktionieren“, betonte Baumann. „Es ist somit durch die Verlängerung keine Entscheidung in die eine oder andere Richtung bei Claudio gefallen.“ Im April oder Mai werde man sich zusammensetzen und gemeinsam entscheiden, wie es mit dem Peruaner weitergehe, kündigte der Sportchef an.

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