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Rasenreport Transfergeflüster
08.04.2019
Warum Werder Füllkrug verpflichten will

Mut zu Lücke

© nordphoto


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Wer Niclas Füllkrug jemals hat sprechen sehen, dem wird sich sein Spitzname recht schnell erschlossen haben. Füllkrug, genannt Lücke, fehlt im oberen Kiefer ein Zahn. Die Lücke ist anatomisch bedingt und ziemlich groß, es gab nie einen Zahn an der Stelle. Was Marko Arnautovic dazu verleitete, Füllkrug zu gemeinsamen Bremer Zeiten Lücke zu nennen. Arnautovic ist bekanntlich längst weg, Füllkrug wahrscheinlich bald wieder da. Werder bastelt seit Längerem an einem Transfer des Hannoveraner Stürmers.

Ausgeplaudert hat es ausgerechnet Hannovers Präsident Martin Kind. „Werder hat sich als Erster konkret positioniert“, bestätigte er freimütig dem „Sportbuzzer“. Zunächst hatte „Bild“ vom Bremer Interesse an Füllkrug berichtet und einer Ausstiegsklausel, die sich beim Abstieg von 24 auf 12 Millionen Euro halbieren würde. Aber nicht mal diese Summe müsse Werder an 96 zahlen. Hannover, auf Transfereinnahmen angewiesen, um damit eine gänzliche neue Mannschaft aufzubauen, ist angeblich bereit, Füllkrug für weniger als acht Millionen Euro ziehen zu lassen. Zuzüglich erfolgsabhängiger Bonuszahlungen.

Ein Schnäppchen ist der 26-Jährige damit noch immer nicht. Zumal Füllkrug seit Dezember mit dem dritten Knorpelschaden seiner noch recht jungen Karriere ausfällt. Einer Verletzung, die vor nicht allzu langer Zeit noch ein anderes Wort für Karriereende war. Beim ersten Mal, im Jahr 2013, fehlte Füllkrug aufgrund eines Knorpelschadens von Mitte Januar bis Mitte Juni. 2015 von März bis August, und aktuell fällt er seit Dezember aus. Es war jeweils rund eine halbe Saison, die Ausfall-Prognosen für den dritten Knorpelschaden variieren. Denkbar, dass Füllkrug noch einmal zum Einsatz kommt, er ist seit Kurzem wieder im Trainingsbetrieb. Möglich ist aber auch, dass die Saison für ihn gelaufen ist.

Vorzeitiger Medizincheck

Es ist also durchaus mutig, Füllkrug zu holen. Und niemand im Verein wird, sollte der Transfer zustande kommen, bestreiten, dass er ein Risiko darstellt. Werder ist bemüht, dieses Risiko zu minimieren. Dazu gehörte auch, im Vorfeld eine Art vorzeitigen Medizincheck zu machen. Also zu überprüfen, ob Füllkrug den obligatorischen Medizincheck besteht. Auch da kam – wenig überraschend – heraus, dass ein Risiko besteht.

Aber ohne dieses Risiko, und das erklärt den Transfer eigentlich ganz gut, wäre ein Wechsel zu Werder nicht möglich. Vergangenen Sommer wollte Borussia Mönchengladbach Füllkrug haben und hinterlegte ein Angebot über 20 Millionen Euro in Hannover, damals lehnte 96 ab. Es gab keine Ausstiegsklausel, die wurde erst anlässlich einer vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Füllkrug Ende August 2018 eingebaut. Die liegt, wie eingangs beschrieben, in der Bundesliga bei 24 Millionen Euro, in der 2. Liga bei 12 Millionen. Aber dann erlitt Füllkrug im Laufe der Saison den dritten Knorpelschaden seiner Karriere, und nun sind die Vorzeichen andere.

Wo sonst Gladbach, Leverkusen, Dortmund mögliche neue Klubs für Füllkrug wären, ist es jetzt Werder. Es bleibt ein Risiko, im Gegenzug aber würde ein deutscher Spieler im besten Fußballalter kommen, der an der Schwelle zur Nationalmannschaft stand. Würde Füllkrug nach Bremen wechseln und gesund bleiben, wäre er ein starker Strafraumstürmer, wie Werder ihn nicht im Kader hat. Er würde die Mannschaft ohne Zweifel stärker machen. Wenn er denn käme.

Dass das Bremer Interesse an Füllkrug öffentlich geworden ist, könnte noch einmal Dynamik in einen möglichen Transfer bringen. Trotz Verletzung gibt es einen Markt für den Stürmer, andere Klubs könnten sich einschalten in die Verhandlungen. Ein Schelm, wer denkt, dass Hannovers starker Mann, Martin Kind, Werders Interesse nicht ganz uneigennützig öffentlich gemacht hat. Leichter wird die Arbeit für Frank Baumann dadurch nicht.

Was wird aus Harnik?

Was auch immer letztlich passiert, die Diskussion über Füllkrug dürfte auch von Teilen der Mannschaft sehr genau beobachtet werden, bevorzugt von den Stürmern. Der Vertrag mit Aron Johannsson wird wenig überraschend nicht verlängert. Welche Rolle Fin Bartels auf längere Sicht spielen wird, bleibt abzuwarten. Im Laufe der kommenden Saison wird er 33 Jahre alt, er befindet sich ohnehin auf der Zielgeraden seiner Karriere.

Claudio Pizarro wird sich weniger für den Rummel um Füllkrug interessieren. Pizarro entscheidet selbst, ob er eine weitere Saison dranhängt. Er dürfte dann weniger Spielzeiten bekommen und seltener einen Platz im Kader. Akzeptiert er diese Rolle, wird er bleiben. Für Pizarro soll das Erreichen der Europa League Motivation sein. Erste Gespräche über seine Zukunft wird es bald geben.

Für einen, der bis vergangenen Sommer Mitspieler Füllkrugs war, dürfte sich die Situation allerdings drastisch verändern: Martin Harnik. Schon jetzt mehr und mehr zur Teilzeitkraft geworden, würden sich die Chancen auf Einsätze noch einmal erheblich verschlechtern. Harnik, der im Juni seinen 32. Geburtstag feiert, hat zwar Vertrag bis 2021, ob er ihn in diesem Fall erfüllt, ist offen.

Eine Einschätzung zu Füllkrugs Qualitäten gibt es im Plus-Artikel.

wyntonrufer am 08.04.2019, 18:43
Bitte nicht, das Risiko ist viel zu groß!
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holger_sell am 08.04.2019, 19:21
Ich bin sicher, dass die Verantwortlichen bei Werder das Risiko sehr genau einschätzen.
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Johnny_Lawrence am 08.04.2019, 20:27
Bei aller Nostalgie aber ein dritter Knorpelschaden im Knie ist alarmierend. Ich halte in diesem Falle das Risiko für zu hoch. Sicher wird die medizinische Abteilung bei Werder genau hinschauen. Ich mag Füllkrug und fand und finde ihn symphatisch aber bei der Krankengeschichte lieber nicht holen bitte.
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WERDER2016 am 08.04.2019, 21:11
Knorpelschäden zieht man sich meines Wissens durch falsche Belastunngen zu, ähnlich wie Muskelverletzungen. Dass bei Füllkrug nun schon der dritte Knorpelschaden aufgetreten ist, deutet allerdings auf eine gewisse körperliche Schwachstelle hin. Da sind die kolportierten Millionenbeträge schon ein ordentliches Pfund.

Auf der anderen Seite ist NF ein Spielertyp, der seit Monaten gefordert wird, ein Knipser, der in der letzten Saison ordentlich mit Toren abgeliefert hat und das in einer Mannschaft, die nicht zur Creme de la Creme der Liga zählte. Hätten Gomez und Petersen nicht in der Gunst von Löw gestanden, wäre NF im letzten Sommer eine Option für die Nationalmannschaft gewesen.

Jetzt gilt es abzuwägen, wie groß das Risiko einer Verpflichtung tatsächlich ist. Auf Dauer würde Werder ein Spielertyp wie NF gut tun, aber mit Bargfrede hat man diesbezüglich bereits einen Problemfall im Team. 8 Mio. für einen weiteren Knorpelschaden wäre verdammt viel Geld.

Um Robert Glatzel von Heidenheim gibt es bereits Grüchte im Zusammenhang mit Werder. Der spielt allerdings in der 2. Liga und bräuchte Anlaufzeit ohne Option auf Garantie. Die 2. Liga ist nun mal kein Garant für gute Leistungen in der Bundesliga. Niemand mehr würde aus bekannten Gründen einen Simon Terodde verpflichten.
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alanya_fuchs am 08.04.2019, 22:31
Niclas Füllkrug ist erfolgreich am Knie operiert worden. Bei der Operation bestätigte sich der Verdacht eines Knorpelschadens im rechten Knie.

So war Ende Dezember die Meldung. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass ein junger Mensch danach wieder uneingeschränkt Hochleistungssport betreiben kann. So hatte z.B. Lukasz Piszczek 2013 einen Knorpelschaden in der Hüfte. Nach mehr als einem halben Jahr spielte er wieder, bis heute.
Josip Drmic war 23 und spielte wieder.
Die „Return to Sports“-Wahrscheinlichkeit liegt laut Literaturangaben bei 89 Prozent, jedoch erreichen nur ca. 70 Prozent der Hochleistungssportler das gleiche Level an sportlicher Belastbarkeit wie vorher.
sportaerztezeitung.de

Ich bin für kaufen, no risk no fun.
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Nomolas am 09.04.2019, 10:55
@alanya_fuchs: Sehe ich ebenso!
Darüber hinaus haben auch Bargfrede nach Meniskusriss und Entzündung im Knie (287 Tage) und Fin Bartels nach Achillessehnenriss (428! Tage) gezeigt dass man selbst nach schwerwiegenden Verletzungen mit starken Leistungen zurück kommen kann.
Mit dem heutigen Stand der Medizin (Aufbau des Knorpels mit Hyaluronsäure und Eigenbluttherapie) ist selbst ein Knorpelschaden zwar langwierig, aber kein Grund mehr für ein Karriereende.
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jamal0781 am 09.04.2019, 15:02
Es geht nicht um Karriereende, sondern darum, dass wir keine Spieler brauchen die ständig verletzt sind.Wer 3 Knorpelschäden hatte wird wieder was am Knie haben.Wie schon geschrieben bekommt ma für das Geld andere Spieler.
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vigot am 09.04.2019, 15:14
Welche starken Leistungen haben Sie bei Bartels nach seinem Comback gesehen? Er stand seit dem ganze 20 Minuten auf dem Platz...
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Nomolas am 09.04.2019, 22:40
Ja, wenn man so kleingeistig ist und nur auf die Profis guckt, waren es nur 20 Minuten 🤦‍♂️

@jamal: Und woher beziehen sie die Gabe voraus zu sehen dass 3 Knorpelschäden automatisch weitere Knieprobleme mit sich bringen?
Aus sicherer medizinischer Quelle weiß ich das es keine Garantie dafür gibt. Allerdings dafür dass bei fachgerechter Behandlung ein spielen auf BL Niveau wieder möglich sein kann.
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Wit am 09.04.2019, 09:41
Bloß keinen neuen Johansson für viel Geld zu kaufen. Glatzel dagegen ist schon jetzt der Angreifer mit großer Qualität.
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SVgeorgeWerder am 09.04.2019, 02:08
Es fehlt uns ein wuchtiger Stürmer. Lücke ist so ein Spielertyp und für 8 Mio. ein Schnäppchen. Gute Stürmer bzw. gestandene Stürmer für kleines Geld sind nicht vorhanden. Für mich ein guter Transfer. Mit Lücke wären wir unberechenbarer und flexibler...
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vigot am 09.04.2019, 09:51
Mir wäre dieses Risiko viel zu teuer. 8 - 12 Millionen bei 3 Knorpelschäden... Noch einen Avdic, Johannsson brauchen wir wirklich nicht.
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Netzorath am 09.04.2019, 11:43
Es ist einfach immer wieder bemerkenswert, wie sich absolute Laien vollmundig zu Wort melden, ob es nun ein zu großes Risiko sei oder man es wagen könne und so suggerieren, mehr davon zu verstehen als hochbezahlte Sportmediziner.
Also ich bin kein Mediziner und kann es nicht beurteilen, wie mutig oder leichtsinnig es ist, ihn wieder zu verpflichten. Und mit Johannsson hat das nun gar nichts zu tun.
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vigot am 09.04.2019, 15:17
Naja, auch bei Avdic und Johannsson wurde wahrscheinlich von hochbezahlten Sportmedizinern untersucht. Das Ergebnis kennen wir alle. Auch diese können sich offensichtlich mal täuschen. Klar kann es auch gut gehen, aber warum unbedingt wieder so ein Risiko eingehen?
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delles.wiki am 09.04.2019, 12:05
Ein gewisses Risiko ist es sicherlich, wurde ja auch beschrieben und in den Zusammenhang mit den jetzt günstigeren Konditionen gestellt (8 Mio. anstatt an die 20, wie vor einem Jahr). Kohfeldt weiß natürlich genau, was er an ihm hat und wer da kommt. Als Naldo hier nach seiner Verletztengeschichte seine Zelte abbrach, hätte ich mir auch nicht vorstellen können, dass er noch so viele Saisons auf so hohem Niveau spielt. Allerdings weiß ich nicht mehr, welcher Art seine Verletzung war, jedenfalls war es auch das Knie.
Wenn ich heute aber Belfodil in Hoffenheim sehe, bin ich schon ein bisschen traurig, dass der Junge nicht mehr bei uns ist. Und der hat den Hoffenheimern 5,5 Millionen gekostet. Was die Gründe für dessen Nichtverpflichtung waren, weiß ich allerdings nicht, jedenfalls spielt er dort eine super Saison.
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vigot am 09.04.2019, 15:18
Naldo hatte damals wohl ein Knochen Ödem.
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WERDER2016 am 09.04.2019, 17:48
"jedenfalls spielt er dort eine super Saison"

Halbsaison. Zu Beginn hatte er in Hoffenheim die gleichen Probleme wie bei Werder. Er flog sogar aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader und hatte in der Vorrunde wenig Spielzeiten. Der gute Knabe scheint immer etwas Anlaufzeit zu benötigen. Es würde mich einmal interessieren, ob er sich immer noch nicht als Torjäger sieht.
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Greenkeeper am 09.04.2019, 13:22
Guter Artikel. Die Einschätzung zu den Auswirkungen eines solchen Transfers auf Harnik sind ohne Zweifel richtig und das eigentliche Risiko ist dann nicht Harnik, sondern Kruse, der seinen "besten Kumpel" Harnik auch gerne auf dem Platz sieht und bei dem sowas evtl. ja auch Auswirkungen auf die Verlängerung hat.
Dennoch: Werder muss was tun. Auch wenn Pizarro verlängert, wird der nicht jünger und fitter, sein Fitnesszustand beim letzten Sommertrainingslager am Chiemsee war damals schon fast eine Sensation. Es ist richtig, dass man mit Johansson nicht verlängert. Bartels wird 33 und Harnik ist auch schon Ü30.
Osako ist für mich, wenn er denn im Sturm spielt so eher eine Art "falscher Neuner" und auch Kruse kommt mir selbst dann, wenn er mal wieder vorn drin ist, immer wie ein torgefährlicher 10er vor. Es bleiben Sargent, der n-o-c-h nicht auf dem Niveau für einen Stammspieler ist und Rashica.
Es ist also vernünftig, einen guten, nicht zu alten Stürmer dazu zu holen.

Der Fehler lag damals eher darin, ihn nicht aus Nürnberg zurück zu holen, als man eine sehr kostengünstige Option dazu hatte. Aber hinterher ist man immer schlauer. Auch ich war mir damals höchst unsicher, ob er das vorhandene Potenzial würde nachhaltig zeigen können und auch ich habe nicht damit gerechnet, dass er das so tun würde, wie in der Anfangszeit in Hannover vor dem erneuten Verletzungs-Unglück.

Und Werder ist nicht so reich, dass man Spieler mit Potenzial, für die sich auch andere interessierten und vor der Verletzung noch 20 Mio geboten haben (Gladbach) denen weg schnappen kann.
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