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21.03.2019
Auszug aus „Pizarro – die Biografie“

Mit zwei Jahren schon am Ball

© dpa


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Claudio Pizarro genießt in Bremen Heldenstatus und zeigt noch immer, wie wertvoll er für Werder ist. Der freie Journalist Reimar Paul (Jahrgang 1955), der unter anderem für den WESER-KURIER schreibt, hat nun eine Biografie über den Stürmer veröffentlicht. An dieser Stelle gibt es in loser Folge Auszüge aus dem Buch, dieses Mal geht es um Pizarros Kindheit und Jugend:

Mit zwei Jahren schon am Ball

Am 3. Oktober 1978 gegen acht Uhr morgens kommt Claudio Miguel Pizarro Bosio im Marine-Krankenhaus der Stadt Callao, Bezirk Bellavista, auf die Welt. Er wächst bei seinen Eltern, dem Marineoffizier Claudio Pizarro Dávila und dessen Frau Patricia Bosio, in Santiago de Surco auf, einem zentralen Bezirk der peruanischen Hauptstadt Lima.

Der Großvater mütterlicherseits, Manfredo Bosio, stammt aus Turin. Dieser Umstand verschafft Claudio neben der peruanischen auch die italienische Staatsbürgerschaft – das wird ihn früh für europäische Fußballvereine interessant machen. Denn der italienische Opa macht aus Claudio einen EU-Bürger. Und als solcher belastet „Pizza“ nie das Ausländerkontingent eines Klubs.

Nikita Ramos, Claudios Kindermädchen, will schon früh die Vorliebe des Jungen für Fußball erkannt haben. Schon als Zweijähriger sei er immer Bällen hinterhergerannt, erzählt die „Nana“ viele Jahre später – Pizarro ist da längst erwachsen und ein Fußballstar – im peruanischen Fernsehen: „Wirklich immer. Seitdem er selbst laufen konnte, ist er jeden Tag runter zum Spielplatz, um Fußball zu spielen.“

Ansonsten sei Claudio „ein sehr lieber Junge“ gewesen: „Klar, alle Kinder sind mal frech, aber insgesamt war er sehr lieb und ruhig.“ Nikitas offenbar außergewöhnliche Kochkünste machen Claudio schon früh zu einem Fan der einheimischen Küche. Sein Lieblingsessen, sagt sie, sei immer Chupa del trigo gewesen, eine Suppe aus Weizenmehl, Gemüse und Brühe. „Er hat sie geliebt.“

Erste Schritte in Lima

Vater Claudio führt, wenn er zu Hause ist und nicht im Dienst in der Kaserne oder auf einem Schiff, ein strenges Regiment. „Als Kind habe ich natürlich immer gebeugt über dem Teller gesessen, habe den Mund zum Löffel bewegt“, erinnert sich Claudio im November 2018 in einem Interview mit „t-online“ an harte Regeln. Der Vater aber habe darauf bestanden: „Kerzengerade sitzen wie ein Brett und den Löffel zum Mund führen. Das haben sie ihm beim Militär wohl beigebracht.“

Claudio ist Fan des Hauptstadtklubs Alianza Lima. Bis heute. Auf der Tribüne des auch „La Caldera“ („Der Kessel“) genannten Estadio Alejando Villanueva jubelt der Junge seinen Idolen zu: Idolen wie Waldir Saenz, mit dem er später bei Alianza noch zusammenspielen wird. Als Claudio zehn Jahre alt ist, zieht die Familie Pizarro für zwei Jahre nach Paita, eine Hafenstadt im Norden Perus. Der Vater ist dorthin versetzt worden. Mit der Jugendmannschaft des örtlichen Fußballvereins gewinnt Claudio einige regionale Turniere.

In der Jugendmannschaft von Academia Deportiva Cantolao, einem mit der peruanischen Marine verbandelten Verein in Callao, beginnt Claudio mit strukturiertem Fußball-Training. „Es war anfangs etwas schwierig für mich, weil ich der einzige Weiße war und alle mich so merkwürdig angesehen haben“, sagt er Jahre danach. „Aber später, als wir Fußball gespielt haben, wurde alles gut.“ Der frühere Alianza-Trainer Juan José Tan attestiert dem Jungen ebenfalls herausragende Fähigkeiten. Bei den Turnieren der Asociación de Fútbol Interclubes de Menores (AFIM), einer Art Jugendmeisterschaft, nimmt auch die peruanische Presse Notiz von Claudio Pizarro. Einige Zeitungen sagen ihm eine große Zukunft als Fußballer voraus. Nur Papa Claudio Pizarro Dávila ist noch skeptisch. „Ich muss sagen, Claudios Karriere war nicht vorhersehbar oder geplant“, räumt der Vater Jahre später ein. „Ich hätte damals niemals geglaubt, dass Claudio es so weit bringen würde.“

Ein Leben für den Fußball

Gleichwohl fördert Papa Pizarro seinen Ältesten von Beginn an nach Kräften. „Er hat mir immer geholfen und mich immer unterstützt“, sagt Claudio. „Ich glaube, er ist der wichtigste Mensch in meinem Leben.“ Statt auf Partys verbringt Claudio nun immer mehr Zeit auf dem Trainingsplatz. Eine Entscheidung über seine berufliche Zukunft hat er 1994, ein Jahr vor seinem Schulabschluss, aber noch nicht getroffen. Er überlegt, ob er wie sein Vater zur Marine gehen oder ein Ingenieurstudium aufnehmen soll. Gleichzeitig lockt ihn die Möglichkeit, als Profikicker Geld zu verdienen und in die weite Welt zu ziehen.

Seine Mutter hätte es damals viel lieber gesehen, „dass ich studiere“, verrät „Pizza“ viele Jahre später in einem „Werder-Podcast“. Doch als die Verantwortlichen des peruanischen Fußballverbandes ihn in den nationalen U17-Kader berufen und er am 5. Mai 1995 sein erstes Spiel für die Nachwuchsmannschaft macht, wird klar, dass Claudios Zukunft auf dem Fußballplatz liegt.

„Das ist mein Leben, ich will Fußball spielen und werde natürlich versuchen, ein Guter zu sein“ – mit solchen Worten will Pizarro den mütterlichen Widerstand schließlich gebrochen haben. „Wenn es dich glücklich macht, dann mach es“, habe sie ihm mit auf die Reise gegeben, auf der er nicht nur ein Guter, sondern einer der Allerbesten werden sollte.


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