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Rasenreport
25.04.2019
Werder und seine Fans machen Eindruck

Mit Mut und Magie

© nordphoto


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Grüner Rauch stieg auf am Osterdeich. Dazu ertönten Gesänge, die einer Beschwörung glichen. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ Aus Tausenden Kehlen. Immer wieder. Die Szenen, die sich am Mittwochabend abspielten, als Werders Mannschaftsbus am Weserstadion ankam, hatten etwas von einem magischen Ritual. 2016 hatten die Bremer Fans ihr Team schon einmal derart beschworen und zum Klassenerhalt getrieben. Dieses Mal hätte ein magischer Abend im gleißenden Flutlicht des Weserstadions beinahe den Branchenriesen FC Bayern zu Fall gebracht. Am Ende aber half alle Magie nichts, ein schnöder Elfmeter ermöglichte den Münchenern den 3:2-Siegtreffer und den Einzug ins Pokalfinale.

Verständlicherweise dominierten nach dem Abpfiff bei den Werder-Spielern das Unverständnis über den Elfmeterpfiff und die Enttäuschung über das Ausscheiden die Gefühlswelt. Mit etwas Abstand werden aber auch sie realisieren: Dieser Pokalabend war Werbung für Werder zur besten Sendezeit vor Millionen von Zuschauern. Werbung für eine Mannschaft, die auch gegen den FC Bayern mit seinen Ausnahmekönnern mutigen Offensivfußball spielt und selbst nach einem 0:2-Rückstand nicht aufgibt. Und Werbung für die Fans, die eine Atmosphäre erzeugen können, wie es sie nur in wenigen Fußballstadien Deutschlands gibt.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt lobt regelmäßig das gute Gespür der Bremer Anhänger. Sie wüssten genau, in welchen Momenten die Mannschaft sie besonders dringend braucht, sagt er dann. Am Mittwochabend war dieser Moment in der 63. Spielminute gekommen. Nach Robert Lewandowskis Abstaubertor zum 1:0 in der ersten Halbzeit hatte Thomas Müller gerade auf 2:0 für die Bayern erhöht. Naheliegend für jeden Werder-Fan wäre nun gewesen, dieses Spiel abzuhaken, die Enttäuschung zu verdauen und schon vor dem Abpfiff den Heimweg anzutreten. Doch niemand ging. Die Fans wollten dieses wichtige Spiel einfach noch nicht verloren geben. Sie mobilisierten alle Kräfte und übertrugen ihre Energie auf die Mannschaft. „Das 0:2 war ein echter Genickschlag. Du denkst, dass das Ding durch ist und kriegst dann aber einen Push von den Fans. Das war natürlich eine Hilfestellung“, schilderte Kevin Möhwald.

Aufholjagd im Eiltempo

Werder kam zurück – und wie. Nach einer schönen Kombination verkürzte Yuya Osako auf 1:2. Nur etwa 60 Sekunden später vollendete Milot Rashica ein unwiderstehliches Solo mit dem 2:2, und das Weserstadion bebte. „Beim 2:2 war es extrem laut. Das war der Wahnsinn. Ich hatte das Gefühl, dass jetzt alle Dämme brechen“, sagte Maximilian Eggestein. Zwei Tore in rund einer Minute gegen die großen Bayern – diese Aufholjagd im Eiltempo weckte Erinnerungen an die legendären Wunder von der Weser. An diese mystischen Spiele, in denen Werder im Schein der vier Flutlichtmasten des Weserstadions sichere Niederlagen noch in Triumphe verwandelte. Spartak Moskau, BFC Dynamo, RSC Anderlecht, Olympique Lyon – der FC Bayern hätte sich wohl einreihen können, wenn es tatsächlich noch geklappt hätte mit einem Bremer Finaleinzug.

Die Mannschaft und die Anhänger glaubten jedenfalls nach Rashicas Ausgleichstreffer wieder an die Sensation. „Die Bremer Fans waren einmalig. In dieser tollen Atmosphäre kann immer was passieren“, lobte sogar Bayern-Präsident Uli Hoeneß die Fans, für die er seit Jahrzehnten eine Hassfigur ist. Auch Trainer Niko Kovac und Torschütze Thomas Müller erwähnten die besondere Atmosphäre im Weserstadion, die sogar die abgezockten Bayern-Stars nicht kalt ließ. Kurzzeitig wirkten die Münchener nach dem 2:2 verunsichert. Es knisterte im Weserstadion. Irgendetwas lag in der lauen Abendluft, das war zu spüren. Es war nur nichts Gutes für die Bremer. „Ohne den Elfmeter wäre vielleicht noch mehr möglich gewesen“, sagte Maximilian Eggestein.

Aber Schiedsrichter Daniel Siebert zeigte eben zehn Minuten vor dem Ende auf den Punkt. Im Laufduell zwischen Theodor Gebre Selassie und Kingsley Coman hatte es einen leichten Kontakt an der Schulter gegeben, für einen Strafstoß reichte das eigentlich nicht. Siebert gab trotzdem einen Elfmeter, den Lewandowski zum 3:2 verwandelte. „Ich finde nicht, dass es ein Elfmeter war. Der Schiri hat gesagt, der Kontakt sei unten gewesen. Unten war der Kontakt mit dem Rasen, mehr war da nicht“, ärgerte sich Maximilian Eggestein. Auch Trainer Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann hielten den Strafstoß für ungerechtfertigt. Sie äußerten ihr Unverständnis darüber, dass Siebert sich die Szene nicht noch einmal am Spielfeldrand angeschaut hatte. „Dafür haben wir doch die Möglichkeiten des Video-Schiedsrichters“, betonte Baumann.

Kohfeldts Bitte

Kohfeldt dagegen hätte am liebsten gar nicht über den Elfmeter gesprochen. „Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber wir müssen diesen Abend richtig einordnen. Ich will nicht, dass das Spiel auf diese eine Szene reduziert wird“, sagte der Werder-Trainer und fügte hinzu: „Nehmt bitte Folgendes mit: Das ist Bayern München. Die sind auf jeder Position besser besetzt, aber als Mannschaft waren wir heute klar besser.“ Die Botschaft ist klar: Der Ärger über den zweifelhaften Strafstoß hilft Werder in den entscheidenden Wochen der Saison nicht weiter, der Gedanke daran, was mit den Fans im Rücken möglich ist, dagegen schon. „Diese Abende zu wiederholen ist die Aufgabe für die letzten Spiele“, blickte Kohfeldt voraus.

Genau deswegen hatte er seine Mannschaft kurz nach dem Abpfiff sofort zusammengetrommelt. „Ich habe den Spielern gesagt, wie traurig und getroffen ich bin. Ich habe aber auch gesagt, dass wir uns belohnen und uns für Europa qualifizieren müssen, weil wir eine geile Mannschaft sind“, erzählte Kohfeldt. Kurzfristig gilt es für die Werder-Profis nun, die körperliche Belastung des Bayern-Spiels und die Enttäuschung über das Ausscheiden bis zur Partie in Düsseldorf am Sonnabend zu verdauen. Etwas langfristiger betrachtet aber könnte dieser magische Abend auch ohne magisches Ende noch eine enorme Wirkung entfalten. Kohfeldt zeigte sich davon überzeugt und sagte: „Auf Dauer ist es ein Abend, der uns helfen wird. Daran werde ich die Jungs noch oft erinnern“

Wer war euer „Man of the Match“?

slash1965 am 25.04.2019, 10:07
Alle haben gut bis sehr gut gespielt, zum Schluss Pech gehabt.....
Bin Mega Stolz auf Euch, nur der SVW 🤩🤩🤩
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alanya_fuchs am 25.04.2019, 10:10
Aber eines werden die Bayern auch nach 100 Meisterschaften niemals haben.
Solche Fans und diese Megaunterstützung im Stadion.
Einfach genial.
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alterwaller am 25.04.2019, 11:11
Genau !! Würden die nicht manchmal Klatschpappen verteilen man würde nicht drauf kommen das gerade ein Fussballspiel stattfindet !! Wie schreibt @Altobelli richtig ? " "Friedhof" Allianz-Arena !!
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Altobelli am 25.04.2019, 10:49
Es war gestern von der Atmosphäre her im Stadion mit das beste Spiel was ich jemals gesehen habe. Im Vergleich zum "Friedhof" Allianz-Arena, wo sich 76.000 Zuschauer versammeln, durfte man gestern mal einen echten Hexenkessel erleben. Klasse und großartig! Die Anreise mit dem Schiff bei dem Wetter war auch genial!

Ich hätte besser damit leben können, wenn man das Spiel mit 0-2 oder am Ende mit 1-2 verliert. Aber das der Schiri beim Stand von 2-2 in einem Pokalhalbfinale bei diesem Spielverlauf bei so einer Szene auf Elfmeter entscheidet ist schon ein starkes Stück. Allerdings ist es noch viel schlimmer, dass er sich diese Szene nicht nochmal angeschaut hat. Im Mittelfeld gab es während des Spiels auch zwei bis drei Szenen, bei denen leicht gestoßen und geschoben wurde. Da wurde das Spiel nicht unterbrochen. Gegen Osako hatte ich definitiv ein stoßen gesehen, was nicht abgepfiffen wurde.

Die Partie war nach dem 2-2 völlig offen und vielleicht wäre für Werder die Überraschung möglich gewesen.

Das dieses Spiel jedoch durch solch einen Elfmeterpfiff entschieden wurde, hat mindestens einen ganz faden Beigeschmack!
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Werderstern68 am 25.04.2019, 14:30
Perfekt hätte man es nicht auf den Punkt bringen können 👌. Sehe absolut genauso 👍
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