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Rasenreport
16.12.2018
Kohfeldt verteidigt Linienrichter

Meta-Diskussion um Zentimeter

© nordphoto


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Gegen Fortuna Düsseldorf war es noch um im wahrsten Sinne handfeste Entscheidungen gegangen. Kurz vor der Pause konnten die bis dahin harmlosen Gäste durch einen Handelfmeter ausgleichen – der Werder auf der Gegenseite zuvor verwehrt geblieben war. Auf die „Themenwoche Handspiel“ folgte nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund (1:2) eine deutlich kleinteiligere Debatte. „Themenwoche Fahne heben“ wäre ein passender Name.

Es lief die siebte Minute zwischen dem BVB und Werder, als die Fahne des Schiedsrichter-Assistenten unten blieb. Paco Alcácer, beim Zuspiel ein paar Zentimeter zu nah am Tor, wie die Zeitlupe zeigen sollte, lupfte den Ball über Jiri Pavlenka, doch Davy Klaassen rettete überragend auf der Linie. Es war eine Pyrrhus-Aktion, weil sich der Niederländer beim Sturz auf die Torbefestigung verletzte. Dass die Grätsche nicht einmal nötig gewesen wäre, machte den Vorfall noch bitterer. „Ob er das mitbekommt, wenn die Fahne hochgeht, ist spekulativ“, wollte sich Kohfeldt nicht allzu sehr auf eine Was-wäre-gewesen-wenn-Debatte einlassen. Doch der Umgang mit knappen Abseitsszenen in Zeiten des Video-Assistenten ist Werders Trainer schon länger ein Dorn im Auge.

Nachdem die neue Technik eingeführt worden war, klauten die Linienrichter den Spielern manch ein reguläres Tor, weil sie die Fahne sofort in die Luft reckten, obwohl der VAR später ermitteln sollte: kein Abseits. „Ich nehme lieber mal ein Tor, das nicht zählt, als dass ständig die Fahne nicht gehoben wird. Das suggeriert etwas“, sagte Kohfeldt. Was er meint: Manch eine Abseitsstellung wird gar nicht mehr aufgeklärt, weil der Spieler seine Chance ohnehin vergab. So gehe, das moniert Kohfeldt, häufig eine vergebene Chance zu Unrecht in die Statistik ein, die früher im Abseits-Nirwana verschwunden wäre. Werders Coach sorgt sich allerdings weniger um die offizielle Statistik als um das, was eine scheinbar reguläre Großchance im Stadion und in der Nachbetrachtung auslöst. „Vier Großchancen, drei davon Abseits – aber das kriegt niemand mehr mit“, sagte Kohfeldt und nahm Bezug auf Werders 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach vor einem Monat.

Kohfeldts Sorge

Wie es auch gehen kann, zeigte in Dortmund das Tor der Gastgeber zum 1:0. Sofort ging die Fahne hoch, als der Ball im Tor lag. Der Jubel des Westfalenstadions wurde erstickt. Doch der Video-Assistent in Köln teilte Schiedsrichter Guido Winkmann mit, dass bei der Freistoßhereingabe gleiche Höhe vorgelegen hatte. Mit Verspätung durften die Dortmunder doch noch jubeln, wenngleich nicht so euphorisch, wie es unmittelbar dann der Fall wäre, wenn der Ball im Tor liegt.

Es ist eben eine Meta-Diskussion, unterm Strich war die einzige bedeutsame Fehlentscheidung am Sonnabend der nicht gegebene Elfmeter nach Klaassens Schubser gegen Marco Reus. Deshalb wollte Kohfeldt dem Referee und seinem Team auch „keinen Vorwurf machen“. Er sorgt sich vielmehr um ihr Standing. „Du nimmst dem Schiedsrichter-Gespann in gewisser Weise die Hoheit“, sagte Kohfeldt über die Anweisung „von oben“. In der Zeit vor dem VAR wäre es vermutlich auch nicht zu der Aufregung in der Nachspielzeit gekommen, als Mario Götzes vermeintliches 3:1 zurückgenommen wurde, nachdem der Stadionsprecher den Torschützen schon mit dem Publikum abgefeiert hatte.

Missverständnis führt zu Wutausbruch 

So richtig regte sich Kohfeldt aber nur auf, weil Winkmann das Spiel danach sofort beendete. „Es war ein Missverständnis zwischen dem Assistenten und dem Schiedsrichter. Der Assistent hat zu mir gesagt, dass wir den langen Ball noch bekommen – und dann pfeift der Schiedsrichter ab“, erzählte Kohfeldt, der wütend umhergesprungen war und seinen Kaugummi auf den Rasen gepfeffert hatte. „Es war eine Phase, in der alle das Gefühl hatten, dass Dortmund wackelt und da noch etwas geht.“

In der Kabine schaffte Kohfeldt den Disput aus der Welt. „Alles ist gut. Guido Winkmann ist ein sehr angenehmer Schiedsrichter und ein sehr angenehmer Mensch. Das war einfach ein Missverständnis, bei dem ich blöd aussehe, mich aber definitiv nicht schuldig fühle“, sagte Kohfeldt. Und da hatte er plötzlich sogar etwas gemeinsam mit all den Linienrichtern, die neuerdings lieber die Fahne unten lassen und auf die Technik vertrauen.​

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