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12.02.2019
Max Lorenz im Mein-Werder-Interview

„Mein Leben stand auf der Kippe"

© nordphoto


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Herr Lorenz, wie geht es Ihnen zurzeit?

Den Umständen entsprechend gut, aber noch nicht wie vor der Operation. Ich bin fit ins Krankenhaus gegangen, und jetzt wackeln mir die Beine, wenn ich länger stehe oder unterwegs bin. Es wird aber von Tag zu Tag ein kleines bisschen besser. Ich muss jetzt einfach Geduld haben.

Die Operation selbst soll dreieinhalb Stunden gedauert haben. Gab es Probleme?

Es gab Komplikationen. Im Anschluss an die Operation hat man eine Blutung, die Ärzte sprachen von einer Leckage, entdeckt. Also musste die komplette Narbe noch einmal geöffnet werden. Mein Leben stand auf der Kippe, und ich lag danach zehn Tage im Koma und insgesamt 21 auf der Intensivstation. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Medikamente und Narkosen ich bekommen habe. Später kamen noch Beruhigungsmittel hinzu. Ich bin immer noch nicht wieder der Alte. Aber ich bin sehr dankbar, dass im Nachhinein alles so gut verlaufen ist.

Hatten Sie Angst vor der Operation?

Ich wusste, dass es keine leichte Operation wird. Aber ich wusste auch, dass, wenn ich es nicht machen lasse, es jederzeit vorbei sein könnte. Also habe ich es zugelassen. Angst direkt hatte ich nicht, aber natürlich schon so einige Befürchtungen.

Was hat Ihnen damals geholfen?

Meine Familie. Es ist einfach schön, so tolle Menschen um sich herum zu haben, die sich jederzeit kümmern. Dafür bin ich sehr dankbar.

Welche Rolle spielte Ihr Glaube an Gott?

Eine sehr große. Ich gehe zwar nicht jeden Tag in die Kirche, aber wenn ich am Marktplatz meine Bratwurst esse, gehe ich in den Dom oder die Liebfrauenkirche und halte inne. Der liebe Gott hat in meinem Leben eine große Rolle gespielt. Und ich danke ihm, dass er mich noch nicht geholt hat. Schließlich habe ich in diesem Jahr noch einiges vor.

Was denn genau?

Ich möchte im August meinen 80. Geburtstag feiern. Mit der Familie und Freunden. Und auch die Schneeforscher Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und Willi Holdorf haben sich schon angemeldet. Die wollen wir doch nicht enttäuschen.

Hatten Sie zuletzt auch Kontakt zu Werder?

Ja, sehr viel sogar. Klaus Filbry, Jürgen Born, Hans Schulz und viele Spieler haben immer wieder nachgefragt, mich besucht oder mir geschrieben. Die Unterstützung von Vereinsseite war sehr groß. Darauf bin ich auch ein kleines bisschen stolz, schließlich bedeutet mir Werder auch heute noch sehr viel. Es war eine sehr schöne Zeit, für die ich dankbar bin. Ich habe mit Werder viel erreicht und der Verein ist ein Stück meines Lebens.

Wie gefällt Ihnen die aktuelle Werdermannschaft?

Um ganz ehrlich zu sein, kann ich das momentan nicht beurteilen, da ich aufgrund meiner Erkrankung im letzten halben Jahr so gut wie keine Spiele sehen konnte. Ich freue mich aber, dass man sich vonseiten der Vereinsführung dazu entschlossen hat, Florian Kohfeldt eine Chance zu geben. Und das, nachdem es mit Viktor Skripnik und Alexander Nouri, die auch aus dem Verein kamen, nicht geklappt hatte. Dass es mit Maximilian und Johannes Eggestein zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Mannschaft geschafft haben, freut mich zudem ungemein.

Wo landet Werder am Ende der Saison?

(lacht) Meister werden wir nicht mehr! Aber Scherz bei Seite: Insgesamt finde ich die Entwicklung der Mannschaft sehr gut und mit dem Abstieg wird die Mannschaft aus meiner Sicht auch nichts zu tun haben. Ob es für einen Platz im oberen Drittel reicht, bleibt abzuwarten.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie Anfang der 60er-Jahre zu Werder gekommen sind?

Ich spielte damals als junger Bursche in Hemelingen. Man ist auf mich aufmerksam geworden und hat mich zum Probe-Training eingeladen. Und obwohl mein Vater dagegen war, bin ich trotzdem hingegangen.

Ihr Vater war dagegen?

Ja, er sagte zu mir: „Wat wullt du dor? Bliev hier“. Er meinte, dass wir in Hemelingen doch auch einen schönen Platz hätten. Ich bin aber natürlich trotzdem hin.

Und was passierte dann?

Ich habe zu der Zeit für die Firma Jacobs Kaffee ausgefahren. Ich bin dann ohne Trainingssachen während der Arbeitszeit zum Weserstadion gefahren und habe mich dort gemeldet. Vom Verein bekam ich Schuhe und was zum Anziehen und plötzlich stand ich mit den ganzen Stars von damals auf dem Platz. Sie haben mich anfangs noch ein bisschen belächelt. Aber spätestens nachdem ich ein paarmal richtig hingelangt hatte, haben sie mich ernst genommen und der Verein mir einen Vertrag angeboten. Nur konnte ich den gar nicht unterschreiben.

Warum nicht?

Zu der Zeit war man erst mit 21 volljährig und ich war damals gerade 20 Jahre alt. Meinen Vater hat das nicht gerade gefreut …

Wie waren Ihre ersten Eindrücke bei Werder?

Überwältigend. Wir hatten damals schon – noch in der Oberliga – eine tolle Mannschaft. Allein wegen unseres so gut aussehenden Torwarts Dragan
Illic kamen alleine 5000 weibliche Zuschauer zu den Spielen. Und es war natürlich gerade für mich als jungen Spieler etwas ganz Besonderes in ein Stadion mit 20 000 oder mehr Menschen einzulaufen.

Und auf einmal waren Sie 1965 deutscher Meister …

Das war Wahnsinn. Plötzlich kamen 40 000 ins Stadion, und ich durfte mit so tollen Leuten wie Pico Schütz, Torhüter Günter Bernard, Josef Piontek, Klaus Hänel und Helmut Jagielski zusammenspielen. Oder zum Beispiel Horst-Dieter Höttges – ein brillanter Fighter. Wo andere nicht einmal mit dem Fuß reingingen, flog er mit dem Kopf voran hinein. Eine Supertruppe. Und wir konnten auch richtig feiern. Ich erinnere mich noch, wie wir mit Pferd und Wagen von der Haake-Beck-Brauerei abgeholt und zum Marktplatz kutschiert worden sind. Ein tolles Erlebnis. Damals bin ich auch zum Nationalspieler geworden. Eine unbeschreiblich schöne Zeit.

Zur Person: 

In Hemelingen geboren und aufgewachsen, schaffte Max Lorenz 1960 den Sprung zu Werder. 1965 folgten die erste Meisterschaft und die Berufung zum Nationalspieler. Nach kurzem Gastspiel in Braunschweig kehrte Lorenz zu Werder zurück. Vergangenes Jahr musste er an der Aorta operiert werden, mittlerweile befindet Lorenz sich auf dem Weg der Besserung.

 

 
1-Werder am 13.02.2019, 10:57
Ein toller und bodenständiger Typ, der Max Lorenz. Ich hatte als Schüler Gelegenheit in Hemelingen, ihm im Fischgeschäft seiner Mutter gegenüber dem Sportplatz für die Schülerzeitung zu interviewen, ein unbedeutender Schüler tritt dem Nationalspieler gegenüber. Später haben wir hinter dem Deich mit ihm Fussball gespielt, er war bereits Nati-Spieler, wir Freizeit-Kicker im Jugendbereich. Bis er mich nach Werder empfohlen hat. Es hat nur zur 1. A Jugend gelangt, die Erinnerungen an den Kick hinter dem Deich sind aber geblieben. Alles Gute und beste Gesundheit, Max. Schade dass "Du" nicht mehr an Deiner ehemaligen Wirkungsstätte mit dem Alpha Romeo vor der Tür an der Oe-strasse daheim bist...
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