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09.05.2019
Werders Ex-Stürmer Belfodil

Mehr als ein Spaßkicker

© nordphoto


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Wie hoch die Anforderungen von Julian Nagelsmann an seine Angestellten sind, kann man immer ganz gut an der Eingewöhnungszeit neuer Spieler beobachten. Kaum einer hat es in den letzten Jahren auf Anhieb zum Stammspieler geschafft, als seltene Ausnahmen gelten Serge Gnabry oder Kerem Demirbay. Der große Rest zeigt Anpassungsprobleme: An Nagelsmanns Spielidee, an das sehr fordernde Training. Ishak Belfodil erging es im letzten Herbst kaum anders.

Zwar deutete der ehemalige Bremer bereits „in der ersten Trainingswoche“ sein Potenzial an, wie Sportchef Alexander Rosen bestätigte. Aber an der Umsetzung im Spiel haperte es doch enorm, dazu kam die aus Bremen schon bekannte Sprunghaftigkeit. Belfodil bekam wenig Konstanz in sein Spiel, pendelte ein bisschen zwischen Genie und Wahnsinn und das Prädikat „unberechenbar“ war nicht immer nur positiv besetzt. „Es ist relativ normal, dass Zugänge bei uns etwas mehr Zeit brauchen“, sagte auch sein Trainer und gab Belfodil diese Zeit.

Erzieherische Maßnahme fruchtet

Davor musste Nagelsmann den Angreifer aber einmal einnorden. Die Rückkehr auf die große Bühne der Champions League nach fast sieben Jahren verpasste Belfodil, weil er eine Videoschulung verschwitzt hatte. Nagelsmann strich ihn daraufhin aus dem Kader. Die rigorose disziplinarische Maßnahme zeigte mit ein bisschen Verzögerung Wirkung. In den Trainingseinheiten zeigte der Spieler einen anderen Zug und mehr Engagement, gerade in seinen eher schwächeren Disziplinen im Spiel gegen den Ball.

Belfodil eilte ja durchaus der Ruf voraus, etwas zu schlampig mit seinen großen Talenten umzugehen. Fünf verschiedene Klubs schon als Jugendlicher, dann neun Stationen in zehn Jahren als Profi. Das zeugt weder von großer Beständigkeit noch von Durchsetzungsvermögen. Und trotzdem war Hoffenheim im Sommer bereit, den Spieler für 5,5 Millionen Euro Ablöse zu kaufen. Weil Belfodil ein sehr eigentümliches Exemplar Angreifer ist. Für seine Körpergröße ist er unglaublich gut in engen Räumen und am Ball und kann selbst aus dem Stand trotz großer Übersetzung gut beschleunigen.

Große Fortschritte im Spiel gegen den Ball

Mit seiner Straßenkickermentalität bringt er eine andere Farbe in Hoffenheims Offensivspiel, das bis ins letzte Drittel sehr planmäßig verläuft und dann vor dem gegnerischen Tor Kreativität und Spielwitz erfordert. Belfodil ist für einen Verteidiger ein ziemlicher Horror, weil er so unberechenbar ist in seinem Spiel. Bei vielen Angreifern in der Bundesliga weiß man, was gleich passieren wird: Ein schlichtes Laufduell oder ein Pass auf den Flügel mit anschließendem Laufweg sofort ins Zentrum. Belfodil ist anders.

Er kann sehr direkt sein oder wuchtig, bringt im Kopfballspiel seine Körpermasse ein, agiert  zwischenzeitlich auf der Zehn als Ballverteiler, kann auf den Flügel ausweichen und ins Dribbling gehen. Und dann diese dauernden Haken, wie er den Gegenspieler eindreht. Seine neueste Errungenschaft ist ein deutlich verbessertes Verhalten im Spiel gegen den Ball.

In Bremen war das auch unter Florian Kohfeldt immer wieder ein Ärgernis. Aus der Position heraus fehlte es am Timing in den Momenten nach einem Ballverlust. Im Gegenpressing gilt vereinfacht formuliert die Regel „alle und intensiv“, Belfodil hielt sich nur nicht immer dran. Das monierte auch sein Trainer in Hoffenheim, der mittlerweile aber kaum noch etwas zu beanstanden hat. Er habe „viel Taktisches gelernt. Das richtige Anlaufen, das Pressingverhalten“, sagt Belfodil.

Er ist ernst- und gewissenhafter geworden in seinem Spiel, ohne dabei aber diese kindliche Naivität völlig auszublenden. „Früher ging es nur um Spaß. Jetzt ist es ein Beruf, man verdient Geld damit und es ist alles ernster geworden. Doch ich will jede Sekunde mit dem Ball genießen. Denn wenn man Spaß hat, spielt man besser. Freude ist die Basis des Erfolgs“, lautet sein Motto.

Gefährlichster Hoffenheimer Angreifer

In 13 Spielen der Hinserie hatte Belfodil schon die Zahl an Toren erreicht, für die er in Bremen doppelt so viele Spiele benötigte. Seit der Winterpause, also nach seiner Eingewöhnungsphase und einem zweiten, intensiven Trainingslager, explodierten Belfodils Zahlen aber förmlich. In 14 Rückrundenspielen kommt er auf elf Tore und vier Assists, er ist damit mit Abstand Hoffenheims gefährlichster Angreifer in diesem Zeitraum. „Ich verstehen nun viel mehr, was der Trainer von uns will“, sagt er. „Ich glaube an seinen Plan und ich versuche alles von dem umzusetzen, was er sagt.“

In Hoffenheim wird er offiziell als Mittelstürmer eingesetzt, also einer Position, die ihm an sich gar nicht so behagt. Lieber kommt er etwas versetzt vom Flügel oder aus dem offensiven Mittelfeld an und in den Strafraum. Die zurückfallenden Bewegungen, ein bisschen im Stil von Max Kruse, binden ihn aber trotzdem sehr gut in Hoffenheims kurzpasslastiges Spiel ein. Der sehr offensive Hoffenheimer Stil macht es einem Angreifer auch leicht, sich zu zeigen. Torchancen erspielt die Mannschaft schließlich in fast jedem Spiel en masse.

Für alle Optionen offen

Und dann gibt es noch die so genannten „soften Fähigkeiten“, die ihm auch außerhalb des Platzes helfen. Auf seinen vielen Stationen hat er viel erlebt, spricht mehrere Sprachen und kann sich anders in seine Mitspieler hineinversetzen als einer, der bisher vielleicht nur in der Bundesliga gespielt hat. Die deutsche Mentalität tue ihm gut, sagt er: Diese Disziplin, die Pünktlichkeit, die akkurate Vorbereitung selbst auf eine Trainingseinheit.

Sportlich läuft es sehr gut, seine Frau und die beiden Kinder sind nach Heidelberg gezogen und fühlen sich wohl. Und trotzdem lässt sich Belfodil auch immer die Option offen, eine neue Herausforderung zu suchen. Mit seinen Toren und den Auftritten in der Königsklasse hat er sich im Alter von 27 Jahren ins Rampenlicht gespielt, vielleicht interessiert sich ja doch noch einmal ein größerer Klub als es - mit Verlaub - Werder oder Hoffenheim sind.

„In diesem Geschäft trifft Business auf Leidenschaft. Es ist normal, dass man sich mit jedem Angebot auseinandersetzt. Die Fußball-Romantik habe ich schon lange verloren“, sagt Belfodil. Realistischer könnte man es kaum ausdrücken.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:

Wit am 10.05.2019, 09:24
Warum könnte er in Bremen nicht so entwickeln???
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Pikaya am 10.05.2019, 10:48
Man hat in Bremen gesehen, dass er ein sehr guter ist. Warum gab sich Werder keine große Mühe um ihn zu behalten, würde ich es gerne heute wissen.
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langerhagen am 10.05.2019, 11:28
Ich auch.
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Werderstern68 am 10.05.2019, 12:14
Damals war halt bei Weitem noch nicht so weit wie heute und da hätte ich auch nicht 5,5 Mio€ ausgegeben. Im Nachhinein lässt sich das immer alles leicht sagen.
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alanya_fuchs am 10.05.2019, 13:24
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Pikaya am 10.05.2019, 13:41
Da bin ich anderer Meinung. Alleine das Spiel gegen Augsburg hat gezeigt, welche klasse er besitzt.
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Bubba am 10.05.2019, 16:43
Ach ja, aber fuer Osako wurde den Koelnern 6 Millionen "geschenkt" was er bei weitem nicht Wert ist
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