News
Latest News
Life und Style
26.03.2019
Auszug aus „Pizarro – die Biografie“

"Lassen Sie sich typisieren!“

© dpa


  • 2
  • 89

Claudio Pizarro genießt in Bremen Heldenstatus. Der freie Journalist Reimar Paul (Jahrgang 1955), der unter anderem für den WESER-KURIER schreibt, hat nun eine Biografie über den Stürmer veröffentlicht. An dieser Stelle gibt es in loser Folge Auszüge aus dem Buch:

Familienvater Heinz Wagner aus dem oberbayerischen Unterreit hat Leukämie. Um zu überleben, braucht er dringend einen passenden Stammzellenspender. Sein Verein, der FC Grünthal, und die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern organisieren für den 19. September 2015 eine Typisierungsaktion auf dem Grünthaler Sportplatz. Auch Claudio Pizarro ruft in einer Videobotschaft zur Teilnahme auf.

„Ich hoffe, Sie können auch helfen“, sagt er. „Lassen Sie sich typisieren und kommen Sie am 19. September zum Sportplatz des FC Grünthal.“ Genau 800 Freiwillige lassen sich an dem Tag als potenzielle Knochenmarkspender registrieren. Um die Aktion mitzufinanzieren, werden auch Trikots von Miroslav Klose versteigert.

Humanitäres und soziales Engagement – und das entsprechende öffentliche Sich-in-Szene-Setzen – gehören bei vielen Stars aus Sport und Showgeschäft zum Pflichtprogramm. Pizarro ist nicht bei jeder Wohltätigkeitsaktion dabei, sein Engagement scheint überschaubar. Aber er inszeniert sich auch nicht als guter Mensch – und hebt sich damit von einigen Kollegen ab.

Im Dezember 2005 gründet „Pizza“ in München die „Claudio Pizarro Foundation“. In der Satzung, aus der die „Bild am Sonntag“ zitiert, steht, dass er 100 000 Euro als Stiftungsvermögen einzahlt. Mit diesem Geld soll die „gesundheitliche Förderung Bedürftiger und Minderbemittelter“ finanziert werden. Am 29. Dezember präsentiert Pizarro die Stiftung bei einer Pressekonferenz in Peru. Er lässt sich mit dem zehnjährigen Jungen Marcos fotografieren, der an Knochenkrebs leidet. Claudio sagt: „Ich biete konkrete Hilfe an für kranke und arme Kinder. Wir müssen diesen Kindern helfen, ihre Situation zu verbessern.“ Am 1. August 2017 besuchen Claudio und seine Frau Karla Salcedo ein S.O.S.-Kinderdorf in Lima, das er mit rund 114 000 Euro unterstützt. „Als Pizarro aus dem Auto stieg, gab es kein Halten mehr“, wird eine Mitarbeiterin auf der Homepage des Hilfswerks zitiert. Jubelnde Jungen und Mädchen mit leuchtenden Augen bilden eine Traube um ihren Helden. Ein Video zeigt, wie „Pizza“ mit den Kindern auf einem angrenzenden Fußballfeld kickt.

„Ich hatte eine tolle Kindheit und wurde von meinen Eltern immer gefördert“, sagt Pizarro. „Jetzt will ich einen Teil des Glücks zurückgeben, das ich erfahren habe.“ Er wolle vor allem benachteiligten peruanischen Kindern helfen, damit sie die Chance auf eine gute Ausbildung hätten – „wer weiß, vielleicht ist auch ein zukünftiger Nationalspieler mit dabei“.

Zu politischen Themen äußert sich Pizarro öffentlich nur selten. Wenn er einen Wunsch frei hätte, antwortet Claudio Ende November 2018 in einem Interview mit der Plattform „t-online“, „dann würde ich die Korruption in meinem Land endgültig abschaffen“. Fast täglich werden zu der Zeit neue Details über ein korruptes Netzwerk zwischen Richtern, Politikern und Unternehmern in dem südamerikanischen Land bekannt.

„Ich habe das die ganze Zeit im Hinterkopf, weil in Peru aktuell viel los ist, die ganze Justiz ist betroffen“, sagt Claudio zu „t-online“. „Es tut mir wirklich leid, dass ich da nichts tun kann. Es versuchen viele gute Leute, etwas zu ändern, aber sie schaffen es nicht oder werden vom Parlament in ihrer Arbeit gehindert. Jetzt hat man Verbindungen der Justiz zur Mafia aufgedeckt, es ist chaotisch, und es besorgt mich. Ich überlege, was ich tun kann, aber ich bin nicht vor Ort und muss erst einmal die richtigen Leute finden, die helfen können.“

Im August 2018 fragt ihn die Bloggerin Livia Kerp: „Wie politisch darf ein Fußballer oder Sportler heute sein?“ „Pizzas“ Antwort: „Sicherlich steckt auch die Politik im Fußball. Aber das war und ist nie ein Thema für mich. Auch wurde ich noch nie rassistisch beleidigt. Rassismus hat im Fußball auch einfach nichts zu suchen. Es ist ein Sport für die ganze Welt, viele Kulturen spielen und genießen den Fußball. Und da muss man jedem mit dem nötigen Respekt begegnen.“

Einen Monat später überrascht Claudio mit der Aussage, er würde gern den aktuellen peruanischen Staatschef Martín Vizcarra kennenlernen. „Es würde mir gefallen, einen Tag mit dem Präsidenten zu verbringen, um zu erfahren, was es bedeutet, ein Land zu führen.“


Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download