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Rasenreport
22.01.2019
So kurios waren Werders Anfangsjahre

Kuhweiden, Maulwurfshügel und Wandervögel

© Frank Thomas Koch


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Auf zum Associationsball

Beim Abschlussfest der Realschule von C.W. Debbe fing alles an. Hermann Kassens gewann einen Preis, mit dem er erst einmal gar nicht so viel anfangen konnte: einen Lederball. Ein Freund erzählte ihm, dass man damit „Associationsball“ spiele. Also trafen sich Kassens und mehrere befreundete Mitschüler im Sommer 1898 auf dem Stadtwerder auf einer Kuhweide voller Maulwurfshügel, um diese merkwürdige Sportart auszuprobieren. Das Ganze soll anfangs noch sehr ungestüm und ungeordnet ausgesehen haben, als Tor dienten zwei Stangen mit dazwischen gespanntem Tau. Immer mehr Jungen kamen dazu, und bald sagten sie auch nicht mehr „Associationsball“, sondern Fußball. Bei einer Versammlung im Februar 1899 auf der Veranda des Lokals „Kuhhirten“, das Hermann Kassens‘ Vater Friedrich gehört, gründeten sie den Fußballverein Werder, um auch gegen andere Mannschaften antreten zu können. Es war ein historischer Moment, doch das war den Jungs damals wohl noch nicht bewusst.

Warum Werder?

Bei der Gründungsversammlung des Vereins stellte sich zwangsläufig eine Frage: Wie soll der Name lauten? „Warum nicht Werder? Schließlich spielen wir auf dem Stadtwerder“, sagte eines der Gründungsmitglieder – und traf damit auf große Zustimmung. Der Name passte übrigens noch aus einem zweiten Grund perfekt, denn das norddeutsche Wort Werder bezeichnete ursprünglich eine Flussinsel. Und der FV Werder wurde schließlich direkt an der Weser gegründet und ist bekanntlich bis heute am Fluss beheimatet. Die Vereinsfarben Grün-Weiß gibt es auch schon sehr lange: Zwei Jahre nach der Gründung wechselten die Werderaner von Grün-Rot zu den heutigen Farben.

Schulbildung war Pflicht

Die Gründer des FV Werder stammten allesamt aus besseren Kreisen. Jahrelang war es daher laut Satzung eine Voraussetzung für die Mitgliedschaft, über eine höhere Schulbildung zu verfügen.

Bloß nicht köpfen

Modisch ganz weit vorne: In der Anfangszeit trugen die Werder-Spieler bei den Spielen grüne Käppchen. Ein Problem beim Köpfen? Nein, gar nicht! „Kopfspiel wurde anfänglich überhaupt nicht betrieben“, stand in den Vereinsnachrichten.

Das Premieren-Tor

Gerade einmal 18 Zuschauer sahen das erste Wettspiel des FV Werder am 10. September 1899. Das könnte auch daran gelegen haben, dass der Anpfiff bereits um 8 Uhr morgens ertönte. Werder gewann gegen den Bremer SC mit 1:0. Das Tor erzielte Hermann Kassens. Ja, genau der Junge, mit dessen gewonnenem Lederball alles angefangen hatte. In den Vereinsnachrichten stand, dass der entscheidende Treffer von den Werderanern „mit furchtbarem Freudengebrüll begrüßt wurde, während die Gegenseite mit unheildrohendem Schweigen abzog“.

Englische Gäste

Im internationalen Wettbewerb lieferte sich Werder große Duelle mit englischen Topteams wie Arsenal oder Chelsea. Das erste Spiel gegen eine Mannschaft aus dem Mutterland des Fußballs wurde aber schon 1909 ausgetragen, also zehn Jahre nach der Werder-Gründung. Spiele gegen internationale Gegner waren damals etwas ganz Besonderes, und daher machte der FV Werder für dieses Ereignis im Vorfeld auch mächtig Werbung in der Stadt. Der Gegner waren die englischen Profis des Hartlepool United FC, gegen die Werder mit 2:4 verlor.

Torwart mit Fingerspitzengefühl

Extravagante Torhüter gab es bei Werder schon lange vor Tim Wiese. Schlussmann Fritz Töbelmann stolzierte etwa beim Spiel gegen Altona 93 (2:0) im Jahr 1904 mehr als 30 Meter über den Platz und ließ dabei den Ball aufreizend lässig auf einem Finger rotieren. Die Gegenspieler waren laut Aufzeichnungen erbost, doch die Bremer verwiesen darauf, dass ihr Torwart den Ball beim Rotieren auf dem Finger doch nicht in die Hand nehme. Die Fußballregeln waren damals noch nicht so klar festgelegt wie heute. Altona wollte sich beim Deutschen Fußball-Bund beschweren, Ausgang unbekannt.

Ein Herz für Wandervögel

Es ging bei Werder schon früh nicht nur um Fußball. 1912 gründete der Verein eine Wandervogelabteilung. Was dort genau passierte, ist nicht überliefert. Klar ist aber, dass Wandervögel im Verein auch später noch ein Rolle spielten. Besonders bekannte Exemplare dieser Gattung sind Havard Flo, Ailton, Carlos Alberto und Ishak Belfodil.

Spenden für den Trainer

Dass Werder größere sportliche Ambitionen hatte als die meisten anderen Klubs der Stadt, wurde schon recht früh deutlich. 1922 leistete sich der Verein zum Beispiel mit Franz Konya den ersten bezahlten Trainer im Bremer Fußball. Bei der Finanzierung musste Werder einen ungewöhnlichen Weg gehen: Konyas Gehalt wurde durch Spenden finanziert, die auf ein „Sportlehrerkonto“ eingezahlt werden sollten.

Zigaretten und Alkohol

Ebenjener Franz Konya war als Trainer dann auch sehr engagiert. Im Jahr 1924 empfahl er die Gründung einer „Fürsorgekommission“. Damit wollte der Trainer seine Spieler vor „Alkohol und Zigarettenverwüstungen“ schützen, wie er erklärte. Solch eine „Fürsorgekommission“ hätte übrigens auch später noch ihren Nutzen gehabt, Mario Basler hätte etwas Schutz vor „Zigarettenverwüstungen“ nicht geschadet.

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