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Rasenreport
16.12.2018
Kapitän auf dem Weg zur Topform

Kruse trifft die Messlatte

© nordphoto


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Es gibt Angreifer, bei denen die genaue Zahl der torlosen Minuten zu einem derartigen Thema gemacht wird, dass es nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis im Stadion ein personalisiertes Modell der Hamburger Nichtabstiegsuhr a. D. aufgehängt wird. Beim VfB Stuttgart beendete Mario Gomez am Sonnabend seine Flaute, die im Schwabenland wochenlang ein Thema gewesen war, nach 735 Minuten. Bei Kruse war es seit seinem letzten Treffer Ende September um viele Dinge gegangen, aber nicht um Minuten.

Sein drittes Saisontor war ein besonders schönes, eines der schönsten der Bremer Hinrunde: Ludwig Augustinsson setzte nach am gegnerischen Strafraum, Kruse zog ab mit dem schwächeren rechten Fuß, der Ball flog in den Winkel – und die virtuelle Uhr blieb bei 869 Minuten stehen. Das Tor zum 1:2 beim 1:2 gegen Borussia Dortmund hat das Spiel allerdings nur aufgepeppt und ihm keine Wendung gegeben, die sich in der Tabelle auswirkt.

Von Quoten und Erwartungen

Manchmal hat es den Anschein, als hätte Kruses Wahnsinnslauf in der Rückrunde 2016/17 ihm einen Bärendienst erwiesen: 16 Spiele, zwölf Tore. Dabei hatte Kruse schon 2015/16 für den VfL Wolfsburg nicht gerade am laufenden Band getroffen: Sechs Tore machte er, traf aber nur in drei verschiedenen Spielen. Vergangene Saison in Bremen lief es ähnlich: Sechs Tore, diesmal verteilt auf vier Partien. „Schön, dass er mal wieder reingegangen ist. Aber meine eigene Quote interessiert mich nicht so sehr“, sagte Kruse nach seinem dritten Saisontor entsprechend lapidar.

Nach dem Spiel in Dortmund umarmte er einen alten Wegbegleiter, der einst den vielleicht besten Max Kruse in seinen Reihen hatte: Lucien Favre, seit Sommer Trainer beim BVB und von 2013 bis 2015 Kruses Trainer bei der anderen Borussia aus Mönchengladbach. Dort gelang dem Angreifer zwischenzeitlich sogar ein halbes Jahr lang kein Tor aus dem Spiel heraus, trotzdem war er immer gesetzt.

Fast in Gänze aus dem Formtief

Kruse definiert sich nicht nur über Tore, er ist kein Mario Gomez, kein Robert Lewandowski, bei dem der Minutenzähler wohl so schnell angeschaltet würde wie bei keinem anderen in der Bundesliga. „Natürlich spiele ich, um der Mannschaft auch mit Toren und Vorlagen zu helfen. Aber wer mich kennt, der weiß: Mein Selbstbewusstsein war jetzt nicht so in den Keller gerutscht, dass es aufpoliert werden musste“, stellte Kruse am Sonnabend klar. Dass er neben drei Torschüssen in Dortmund auch vier Torschussvorlagen produzierte, lag an der verblüffend hohen Anzahl an Bremer Ecken. Auf insgesamt zehn kam Werder, alle brachte Kruse herein, drei sorgten für einen Abschluss. Ein gefährlicher Faktor waren die Ecken oftmals eher in der Umkehrbewegung. In der siebten Minute erspurtete sich der BVB eine geradezu absurde Sieben-zu-fünf-Situation, an deren Ende Davy Klaassen den Ball von der Linie kratzte und sich verletzte.

Dagegen erhärteten die Dinge, die in Dortmund bei Werder funktioniert haben, den Eindruck, dass Kruse sein Formtief endgültig überwunden hat. „Dass ich nicht in Form war, kam ja mehr als Thema von außen und nicht von innen“, wehrte er entsprechende Nachfragen ab. Fettabsaugung, Fitnesstrainer und Nutella zum Frühstück – mit seinen Auftritten gegen den FC Bayern, Fortuna Düsseldorf und Borussia Dortmund (ein Tor, zwei Assists) hat Kruse dafür gesorgt, dass die Geschichten aus dem November nun kurz vor Weihnachten keine Rolle mehr spielen.

Der Anspruch bleibt hoch

Während die vier eingesetzten Bremer Stürmer in Dortmund ohne Torschuss blieben, überzeugte Kruse erneut als Zehner in einer Raute. Auch Trainer Kohfeldt, wochenlang unermüdlicher Kruse-Verteidiger, hatte die Leistung gefallen. „Gleichzeitig ist es wichtig, zu betonen, dass das die Messlatte ist“, kombinierte der Trainer diesmal Lob und Ansporn. „Das hat Max drin. Also: Weitermachen am Mittwoch.“

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