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Rasenreport
03.01.2019
Zugang Schmid im Portrait

Kreativkraft aus der Talentschmiede

© imago


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Je nach dem, wen man fragte, erhielt man dieser Tage unterschiedliche Wünsche mit Blick auf Bremer Winter-Transfers: In Fan-Kreisen, traditionell weniger kritisch auf die Ausgabenseite blickend, gab es Hoffnungen auf einen neuen Knipser zu hören, auf eine Alternative zu Philipp Bargfrede als Abräumer im Mittelfeld, vielleicht einen Innenverteidiger. Erkundigte man sich hingegen bei Frank Baumann, hörten sich die Pläne der Werderaner ganz anders an: „Wir haben genügend Auswahl, genügend Qualität, genügend Variationsmöglichkeiten“, betonte Werders Sportchef. Mit Zugängen sei nicht zu rechnen.

Die Verpflichtung von Romano Schmid schlägt in keine dieser Kerben: Werder investierte bereits im Winter, eine ganze Million Euro Ablöse soll der österreichische U19-Nationalspieler laut „Bild“ gekostet haben. Andererseits ist Schmid, der von Österreichs Serienmeister Red Bull Salzburg kommt, nicht als Soforthilfe angedacht, sondern ein Versprechen für die Zukunft, augestattet mit einem langfristigen Vertrag. „Direkt für 18 Monate weiter verleihen“ möchte Baumann den Offensivspieler, am liebsten in die Niederlande. „Romano hat dort auch schon einen sehr guten Namen“, erklärt Werders Sportchef. Die Art und Weise des niederländischen Fußballs sowie die Bereitschaft, auf junge Spieler zu setzen, seien weitere Argumente für diesen Weg.

Bestens ausgebildet

Bislang durfte sich Schmid seine Minuten in der zweiten österreichischen Liga holen, beim FC Liefering. Der Klub dient als Farmteam für die Salzburger. Schon Bundesliga-Stars wie Herthas Valentino Lazaro oder Leipzigs Dayot Upamecano holten sich ihren letzten Feinschliff auf dem Weg in den Herrenbereich im Ausbildungsverein des österreichischen Branchenprimus.

So sehr das Red-Bull-Franchise bei Traditionalisten in der Kritik steht, so renommiert ist die Jugendarbeit besonders der Salzburger. Neben dem Ungarn Dominik Szoboszlai galt Schmid als vielversprechendster Youngster des FC Liefering – rangierte in der RB-internen Hierarchie allerdings doch deutlich hinter dem nur ein Jahr älteren Hannes Wolf, wenn es um Einsätze jenseits des Farmteams, in österreichischer Bundesliga und Europa League, ging.

Wie Wolf kommt Schmid meist im offensiven Mittelfeld zum Einsatz. Dabei hält er sich gern als Rechtsfuß im linken Halbraum auf. Fachkundige Beobachter aus Österreich loben Wendigkeit und Dribbelstärke des nur 1,74 Meter großen Nachwuchsmannes. Ein kreativer Passspieler mit Spielmacherqualitäten sei Schmid, der derzeit auch als hängende Spitze eingesetzt wird und von dort selbst Torgefahr entwickelt. Perspektivisch wäre dem technisch starken 18-Jährigen aber auch eine Karriere als spielstarker Achter zuzutrauen. „Er kommt über den Kombinationsfußball“, beschreibt Baumann den Neuen, „muss aber körperlich noch etwas zulegen.“

Rekord-Tor und Verletzungssorgen

Mit Schmid konnte Werder ein interessantes Talent an die Weser lotsen – eine Leistung, bei der sicherlich auch die guten Beziehungen zur Berateragentur „Grass is Green“, bei der auch die Ex-Bremer Florian Grillitsch und Ex-Kapitän Zlatko Junuzovic sowie U23-Talent Simon Straudi unter Vertrag stehen, nicht geschadet haben. Allerdings auch ein Deal, der nicht ganz ohne Risiko ist: Schmids Karriere verlief schon früh steil, aber nicht immer geradlinig.

Schmids Premierentreffer am 30. Juli 2017 ging in die Geschichtsbücher ein: Der damalige Grazer war durch sein Tor gegen Austria Wien der erste Spieler des Jahrgangs 2000, dem ein Treffer in der österreichischen Bundesliga gelang. „Ich kann mich daran erinnern, dass ich vor zwei Jahren schon einmal mit Andreas Herzog über ihn gesprochen habe, der von ihm geschwärmt hat“, berichtet Baumann. Schmids baldigem Wechsel nach Salzburg folgte dann jedoch lediglich ein weiterer Einsatz im fußballerischen Oberhaus der Alpenrepublik. Ansonsten hieß die Devise: Für Liefering auflaufen, um im Rhythmus zu bleiben.

In dieser Spielzeit misslang nun sogar das: Seit Anfang Oktober bestritt der Offensiv-Allrounder kein Spiel mehr. Grund dafür ist eine Schambeinentzündung. Dass Schmid nach seinem ersten Karriere-Schritt zurück bislang nicht die erhofften zwei Schritte nach vorn tun konnte, hat also nicht allein mit der sportlichen Leistung zu tun. Bei Werder wird man nun darauf hoffen, dass Schmid fit bleibt – um nach der angekündigten Leihe einen ähnlichen Weg wie Junuzovic oder Grillitsch zu gehen.

Chancenreich, aber kein Überflieger

Dass eine Zwischenstation in den Niederlanden für Schmid ein durchaus angebracht wäre, zeigen auch die Statistiken: Mit vier Treffern in elf Partien für Österreichs U19 sowie einem Tor und drei Assists in sechs Spielen für Liefering in dieser Saison lesen sich Schmids Leistungsdaten auf dem bisherigen Niveau durchaus ansprechend.

Um die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Talents für den Moment einschätzen zu können, liefert der Goalimpact-Algorithmus (GI) eine Annäherung. Jörg Seidel, Gründer und Ideengeber des GI, misst die Qualität eines Spielers anhand seines Einflusses auf die Tordifferenz eines Teams: Entwickelt diese sich positiver als erwartet, wenn ein Spieler auf dem Feld steht, steigt dessen Goalimpact-Wert, entwickelt er sich negativer, sinkt er. Die so ermittelten Leistungsstärken funktionieren unabhängig von individuellen Assist- oder Torstatistiken – wer seine Mannschaft besser macht, profitiert, ganz gleich, wie er es anstellt.

Die Prognosekraft des GI ist nicht unfehlbar – etwa die starke Saison des VfL Wolfsburg oder die bemerkenswerte letzte Spielzeit des damaligen Zweitliga-Aufsteigers Holstein Kiel hatten Seidels Zahlen bereits frühzeitig auf dem Zettel. Für Schmid sieht der GI derzeit einen eher niedrigen Wert von 86 vor – im Vergleich zu 140 als Werder-internem Durchschnitt. „Er wird sich sehr gut entwickeln müssen, um es zum Startspieler zu bringen“, tippt Seidel. Schmids „Peak“, also sein voraussichtlicher Höchstwert, liegt bei 130 Punkten.

Ein Wunderkind ist Schmid gemäß der Zahlen also nicht, Werder-Stürmer Joshua Sargent etwa war im gleichen Alter in seiner Entwicklung schon ein wenig weiter. Potential ist aber da – und auch, wenn die Datenlage mit 8600 erfassten Einsatzminuten für Schmid bereits verhältnismäßig belastbar ist, sind weitere Leistungssprünge gerade angesichts der dynamischen Entwicklung junger Spieler keinesfalls ausgeschlossen. Ob Schmid es in die Bundesliga schafft, dürfte also auch entscheidend davon abhängen, wie die Nachwuchshoffnung in Bremen gefördert wird.

klarerBlick am 04.01.2019, 05:54
Ein oder zwei gute Innenverteidiger wären dringend zu verpflichten.

Ansonsten werden wir uns vom 10. Platz sicher nicht verbessern
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NiDre520 am 04.01.2019, 15:10
Der Typ hat ein 83er Fifapotential also alles gut XD
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