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Rasenreport
05.04.2019
Konzentration statt Pokal-Euphorie

Kohfeldts Stolz auf die neue Reife

© nordphoto


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Diese Szene beschreibt die Stimmung rund um Werder ganz gut: Als Florian Kohfeldt am Weserstadion entlang geht, wird er von Fans nach gemeinsamen Fotos gefragt. Der Trainer erfüllt die Wünsche gerne. Und bekommt dabei immer wieder zu hören: „Und jetzt bitte gegen den HSV!“

Nach dem Sieg am Mittwoch auf Schalke sind der DFB-Pokal und der Einzug ins Halbfinale weiter ein großes Thema in Bremen, da geht das Sechs-Punkte-Spiel am Sonntag (18 Uhr) in Mönchengladbach fast ein wenig unter. Kohfeldt ist spürbar zufrieden, dass es in seiner Mannschaft aber anders aussieht. „Die Jungs sind bereits voll ausgerichtet auf das Spiel in Gladbach“, berichtet der Trainer und liefert am Freitag auch gleich den Beleg dafür mit: „Heute ist für die Mannschaft ein freier Tag, die Kabine ist aber trotzdem voll. Viele Spieler lassen sich behandeln oder bereiten sich individuell vor. Das zeigt, wie konzentriert alle auf das nächste Spiel sind.“ Und das trotz der großen Emotionen nach dem Pokal-Coup, den Kohfeldt durchaus als außergewöhnlich einstuft: „Es war wunderschön, und es passiert ja nicht jedes Jahr bei uns, dass wir ins Halbfinale einziehen.“

Mit einem gewissen Stolz beobachtet der Trainer, wie seine Spieler dieser Tage mit den Erfolgen umgehen. „Natürlich ist es etwas Besonderes, auf Schalke zu gewinnen. Aber es ist nicht mehr die größte Sensation aller Zeiten. Wir freuen uns, haben aber jetzt das Selbstverständnis, so etwas schaffen zu können. Der Glaube an sich und an die Stärke des Teams ist ausgeprägter, deshalb ist der Sieg auf Schalke jetzt schon abgehakt.“ Er wisse nicht, ob das in einer vergleichbaren Situation in der Hinrunde auch schon so gewesen wäre, meint Kohfeldt, der diesen rasanten Reifeprozess der Spieler als eminent wichtig einstuft für alles, was jetzt noch auf das Team wartet: „Diese Einstellung brauchst du, um in dieser Saisonphase erfolgreich zu sein.“

Kohfeldt bestreitet Gladbacher Krise

Dem Spiel in Gladbach kommt dabei besondere Bedeutung zu. Erstmals in dieser Rückrunde geht es für Werder darum, den Europacup-Platz zu verteidigen – und das gegen einen direkten Konkurrenten. Es ist das Duell Fünfter gegen Sechster. Direkt hinter Bremen lauern vor diesem Spieltag die punktgleichen Mannschaften aus Leverkusen und Wolfsburg, selbst Hoffenheim hat auf Platz neun nur einen Zähler weniger. Dass sich Werder nach Wochen des Heranpirschens erst mal daran gewöhnen müsse, statt Jäger plötzlich der Gejagte zu sein, hält Kohfeldt in der jetzigen Konstellation noch nicht für relevant – schließlich rollt der Ball für sein Team erst am Sonntagabend, wenn der Rest der Liga schon gespielt und gepunktet hat. Der Trainer rechnete es schon einmal durch: „Vor Anpfiff unseres Spiels sind wir im blödesten Fall Neunter, und nicht mehr Sechster.“

Vorrangig lautet die Aufgabe für Werder deshalb, von den Punkten her näher an Gladbach heranzurücken. Die Borussia sammelte fünf Zähler mehr (47), mit einem Auswärtssieg könnte Werder das Team in einen Mehrkampf um die Europa-League-Plätze verwickeln. Wobei Kohfeldt den „Fohlen“ im Grunde Königsklassen-Niveau attestiert: „Sie wollen in die Champions League – und das gibt ihr Kader auch her.“ Richtig ist jedoch auch: Gladbach konnte nur eines der jüngsten sieben Bundesligaspiele gewinnen, was ein Grund dafür ist, warum Trainer Dieter Hecking am Saisonende ausgetauscht wird, wie diese Woche bekannt wurde. Kohfeldt schätzt seinen erfahrenen Trainerkollegen für dessen umgängliche und hilfsbereite Art, er ist sich sicher, „dass diese Situation in Gladbach kein Vorteil für uns ist. Der Ehrgeiz lodert in Dieter Hecking, die Ziele noch zu erreichen. Ich halte es für sehr weit weg, das als Krise zu sehen“.

Um nach den Siegen gegen Mainz und Schalke auch das dritte Spiel binnen neun Tagen zu gewinnen, wird Werder erneut einen Tag mit diesen besonderen Momenten erwischen müssen, die diese Saison bisher so prägen. Der Borussia-Park ist mit 54.022 Zuschauern ausverkauft, was zuvor nur gegen die Bayern, Schalke und Düsseldorf der Fall war. Aus Bremen werden 3500 Fans erwartet, die in diesem 100. Bundesliga-Duell der beiden Traditionsvereine möglichst das Ende einer schwarzen Serie erleben möchten: Werder holte aus den vergangenen sechs Ligaspielen gegen Mönchengladbach nur einen einzigen Punkt. Um diesmal erfolgreicher zu sein, analysierte Kohfeldt mit seinem Trainerstab vor allem die Konteranfälligkeit des Gegners. Doch Werders Trainer ahnt: „Nach den drei Kontergegentoren gegen Düsseldorf werden sie da jetzt sicher schärfer sein.“

Gebre Selassie wieder fit, Fragezeichen hinter Bargfrede

So kommt dem eigenen Spiel nach vorne größere Bedeutung zu, auch deshalb richteten sich am freien Freitag bange Blicke auf den Trainingsplatz neben dem Weserstadion. Dort waren am Vormittag die angeschlagenen Philipp Bargfrede und Theodor Gebre Selassie nach muskulären Beschwerden zu einer Sonderschicht angetreten, vor allem der tschechische Außenverteidiger machte bei Dribblings und Flanken schon wieder einen guten Eindruck. Sein Mitwirken in Gladbach würde Werders Spiel über die rechte Seite mehr Dynamik und Tiefe verleihen, auch wenn Marco Friedl im Pokal ein vernünftiger Ersatz war. Kohfeldt ist bei Gebre Selassie „sehr positiv gestimmt“, dass er am Sonntag spielen kann – wie auch bei Innenverteidiger Milos Veljkovic, nach dessen Auswechslung auf Schalke man zunächst Schlimmstes befürchten musste. Nach eingehender Untersuchung gibt Kohfeldt erleichtert Entwarnung: „Seine scheinbare Verletzung hat sich als schwerer Krampf herausgestellt.“ Yuya Osako und Claudio Pizarro seien ebenfalls wieder „feste Optionen“ für den Spieltagskader. Ob es auch bei Bargfrede schon reicht, schließt der Trainer zumindest nicht aus.

So sehr sich Kohfeldt auch müht – das Thema Pokal wird er vor diesem Big-Point-Spiel nicht los. Die Auslosung des Halbfinales erfolgt pünktlich zum Anpfiff um 18 Uhr. „Während des Spiels ist mir das egal, der Pokal-Wettbewerb ruht für uns zwei Wochen lang. Ich bin sicher, dass auch die Jungs am Sonntag total auf das Gladbachspiel fokussiert sind.“ Kohfeldt grinst zufrieden. Kein Zweifel: Ihm gefällt, was er da sagt.

momaximo am 05.04.2019, 18:34
Ich verstehe keine Bayern München Fans.
Alle müssten Werder Bremen Fans sein
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Deltator1 am 05.04.2019, 18:40
Das Spiel wollen sie gewinnen und dann ist Vieles klarer für Alle oder???
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momaximo am 06.04.2019, 09:09
Ich finde es sehr gut , das sie sich auf die Liga konzentrieren, die ist nanämli sehr wichtig.

Auf den Pokal können sie sich konzentrieren wenn er wieder dran ist
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