News
Latest News
Rasenreport
03.02.2019
Moisander im Leistungsnachweis

Kohfeldts Ausnahmespieler

© nordphoto


  • 8
  • 105

Wir schreiben den 20. Spieltag der Bundesliga-Saison 2018/2019. Ganz Werder liefert beim 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg einen kritikwürdigen, uninspirierten Auftritt ab. Ganz Werder? Nein! Zumindest sah Trainer Florian Kohfeldt das im Anschluss an die Partie so, als er zwei Werder-Profis bewusst von seiner Generalkritik, in sich der Coach auch selbst einschloss, aussparte. Dass eine dieser Ausnahmen Jiri Pavlenka heißen würde, war nicht schwer zu erraten. Der einzige Feldspieler hingegen war nicht ganz so offensichtlich: „Ich nehme Niklas Moisander raus. Ansonsten muss sich jeder angesprochen fühlen“, schloss der Werder-Coach sein Fazit zu den Individualleistungen.

Extra-Lob für den Abwehrchef seitens des Trainers ist nichts Neues. Moisander, so wirkt es, kommt Kohfeldt oft zu schlecht weg. Anfang Oktober bedachte Werders Chefcoach Moisander nach dem 2:0 gegen Wolfsburg mit einer besonderen Würdigung („Überragend, was der da hinten rausgefischt hat!“), vor der Partie in Mainz Anfang November bescheinigte Kohfeldt dem Finnen „eine Qualität, die wir nicht eins zu eins ersetzen können“. Und tatsächlich schlagen sich Ausfälle und Formschwankungen des 33-Jährigen merkbar im Bremer Punkteschnitt nieder.

Gegen den 1. FC Nürnberg konnte auch Moisander den zweifachen Punktverlust nicht verhindern. Entsprechend angefressen präsentierte sich der Abwehrchef, der sich als einziger Bremer Spieler direkt nach Abpfiff vor die Fernsehkameras wagte, im Anschluss: „Sehr peinlich“ sei der Auftritt des SV Werder gewesen, „wie eine Niederlage“ fühle sich das Unentschieden an. Dabei lastete unplanmäßig noch mehr Verantwortung auf Moisanders Schultern als ohnehin schon: Mit 116 Ballaktionen registrierte der Finne mit Abstand die meisten Kontakte aller Feldspieler. Der Bremer Spielaufbau blieb einmal mehr an Moisander hängen, Unterstützung aus dem Mittelfeld unterbanden die aggressiven Nürnberger mit enormer Konsequenz.

Werders Routinier mühte sich nach Kräften, erreichte eine starke Erfolgsquote von 91,9 Prozent angekommener Bälle, die beste aller Akteure auf dem Platz. Auch neun von zehn langen Pässen erreichten ihren Mitspieler. Ohnehin handelte es sich bei Moisanders Zuspielen keinesfalls bloß um Sicherheitspässe: Immer wieder versuchte der Finne, die eigenen Offensivkräfte zwischen den Linien zu finden. Ganze 26 Mal gelang es ihm auch, vor allem Max Kruse machte sich aus der Dreierreihe im Angriff immer wieder anspielbar und wurde gleich in 16 Situationen von Moisander eingesetzt.

Dass die Bremer Angriffe in der Folge trotzdem häufig versandeten, lag dann bereits außerhalb des moisanderschen Einflussbereiches. Der endete zumeist etwa auf Höhe der Mittellinie gegen im 4-4-2 pressende Nürnberger, die sich lange damit begnügt hatten, die halbherzigen und unpräzisen Bremer Angriffsbemühungen zu verteidigen. Entsprechend selten wurde Moisander defensiv über weite Strecken der Partie geprüft, tat sich hier allerdings mit einem erneuten Top-Wert von 77,8 Prozent gewonnener Zweikämpfe hervor. Auch in der Luft gingen vier von fünf Duellen an den Finnen.

Besonders in den Fokus rückte Moisander in den entscheidenden Momenten der Partie: Nach dem Führungstor durch Johannes Eggestein in der 64. Minute intensivierten die Nürnberger ihre Angriffsbemühungen. Erst blockten Davy Klaassen und Moisander in der 68. Minute zwei Abschlussversuche von Hanno Behrens, in der 77. Minute war es erneut Werders Abwehrchef, der eine gefährliche Hereingabe von Enrico Valentini zur Ecke klären konnte. In der 80. Minute war Moisander plötzlich auch vorne zu finden: Nach einem abgewehrten Freistoß hatte der Finne den jungen Kevin Goden auf dem rechten Flügel getunnelt, Mitspieler Nuri Sahin konnte in der Folge aus der Situation noch eine Ecke rausholen.

Teil der Fehlerkette

Den Schlussakkord einer bestenfalls durchwachsenen Partie besorgte dann aber der Nürnberger Ausgleichstreffer in der 86. Minute. Es war eine der wenigen Szenen, in denen auch Moisander nicht gut aussah: Einen Angriffsversuch der Gastgeber klärte der Routinier etwas unkontrolliert ins Mittelfeld. Matheus Pereira kam an den Ball, spielte den Pass in die Schnittstelle – und legte das 1:1 durch Mikael Ishak auf.

Es war kein grober Fehler Moisanders. Zum Zeitpunkt von Pereiras Abspiel befanden sich noch sieben Bremer Feldspieler hinter dem Ball, ehe das Unheil seinen Lauf nahm. Zunächst kam Maximilian Eggestein zu spät, Kevin Möhwald schloss den falschen Raum und Milos Veljkovic ließ Ishak entwischen. Und dennoch hatte eben auch der Finne seinen Anteil daran, dass man bei Werder auf Themen wie Tabellenstand und Saisonziel nach Spielende nicht besonders gut zu sprechen war. Hätte der Rest des Teams während der vorangegangenen 85 Minuten ähnlich wie Moisander seine Normalform abgerufen, man hätte womöglich über diese eine Szene gar nicht mehr diskutieren müssen. Doch am Sonnabend war Moisander eben die Ausnahme.

Wer war euer „Man of the Match“ gegen Nürnberg?

Greenkeeper10 am 03.02.2019, 12:43
Eine gute Innenverteidigung hätte das Gegentor nicht bekommen. Außerdem verliert immer die gesamte Mannschaft. Wo ist die Kommunikation im Spiel
10
6
am 03.02.2019, 13:40
Der Kommentar wurde durch die Verfasserin / den Verfasser gelöscht.
jamal0781 am 03.02.2019, 14:39
Unsere Abwehr ist zu alt und zu langsam.Da muss im Sommer nachgebessert werden.Bei Velkovic fehlt die Klasse.
7
1
1-Werder am 03.02.2019, 15:41
Ich teile Ihre Meinung; @j. Ich würde meinen, dass Werder auch im Angriff mit Ausnahme von Rashica über keine wirklich schnellen Spieler verfügt. Ein Mangel an physische Schnelligkeit kann durch eine sehr schnelle Auffassungsgabe des Spielverlaufes bzw. ausgezeichnetes Stellungsspiel kompensiert werden. Hierzu, siehe auch die Kommentierungen von @Wolfgramm, sind die ständigen Wechsel der Positionen auch nicht unbedingt zielführend.
2
0
jamal0781 am 03.02.2019, 15:50
In der Vergangenheit hatten wir mit Naldo, Mertesacker, Vestergaard auch keine schnellen Spieler.Die hatten aber eine andere Klasse und haben bei Freistößen und Eckbällen für Torgefahr gesorgt.Solche Spieler fehlen.Im Sturm fehlt ein Ballermann.Kruse gehöhrt hinter die Spitzen.
1
0
WERDER2016 am 03.02.2019, 17:55
Erfolgsquote von 91,9 Prozent angekommener Bälle.

Wieder mal eine Statistik, die man in die Tonne treten kann. Diese Erfolgsquote nützt nichts, wenn ein einfacher Fehlpass zum Gegner gespielt wird und der zum Ausgleich und dem Verlust von 2 wertvollen Punkten führt.

Dennoch: Moisander und der Rest des Kaders ist das Beste, was Werder seit Jahren hat. Dass diese Spieler nicht die Creme de la Creme sind, ergibt sich aus der Vergangenheit der letzten Abstiegskampfjahre. Im Prinzip sollte man froh sein, dass dieser Abstiegskampf in dieser Saison nicht stattfindet und die Mannschaft in einigen Spielen ordentlichen bis guten Fußball anbietet.

Um die Qualität weiter zu steigern bedarf es aus meiner Sicht aber der Qualifikation zur EL. Ob dies nach dem Spiel gegen Nürnberg für die Werderfans aber überhaupt wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt. Dort sind, zumindest in der Gruppenphase, unaussprechliche und ausgesprochen schlechte Gegner (mit 9 Buchstaben, davon 8 Konsonanten) unterwegs, die spielerisch sogar eher weniger zu bieten haben als 96, Nürnberg oder Spitzenteams der 2. Liga. Dann gibt es zwischen September und Dezember zusätzlich mindestens 6 solcher Highlights wie gestern.
3
0

Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download