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03.05.2019
Frank Baumann im Mein-Werder-Interview

„Kohfeldt ist ein ganz entscheidender Faktor“

© nordphoto


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Werder gegen Dortmund – das waren in der Vergangenheit oft hochklassige Duelle. An welches Spiel erinnern Sie sich spontan zurück, Herr Baumann?

Frank Baumann: Aus der jüngsten Vergangenheit vor allem an unser emotionales Pokalspiel im Achtelfinale in Dortmund. Weil das Spiel gerade in der Endphase sehr dramatisch und hochklassig war. Aus der älteren Vergangenheit erinnere ich mich an eine kuriose Vorlage von mir zu einem Doppel-Kopfball-Eigentor. Und Fabian Ernst hat in Dortmund mal von der Mittellinie getroffen. Es gab viele besondere Spiele. Wobei es die letzten Jahre schon so war, dass der BVB etwas in einer anderen Liga gespielt hat. Auch wenn wir in der Tabelle und von allen Möglichkeiten noch ganz weit von Dortmund entfernt sind, haben wir diese Saison auf dem Platz bereits zwei interessante Duelle mit dem BVB erlebt, die relativ eng waren. Das ist für uns schon ein Riesenkompliment bei der Qualität, die Dortmund im Kader hat. Das wünschen wir uns mindestens auch für das Heimspiel jetzt, dass wir mit der Unterstützung der Fans unsere Chancen bekommen und das Momentum des Spiels vielleicht für uns nutzen können.

Für den BVB geht es um den Meistertitel, für Werder weiter um Europa. Wie groß ist diese Chance noch?

Die Chance ist für uns auf alle Fälle noch da. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir mindestens noch zwei Spiele gewinnen. Und da wir nicht mehr viele Spiele haben, sollten wir gegen Dortmund damit anfangen. Wir wissen, dass es gegen den BVB schwer ist. In der Woche darauf spielen wir gegen Hoffenheim, einen direkten Konkurrenten. Das sind jetzt Highlightspiele für uns. Wir haben gesagt, dass wir bis zum Ende um die Plätze kämpfen und dann auch zupacken wollen. Diese Option ist immer noch da.

Wenn es nicht mit Europa klappt, war es dann trotzdem eine gute Saison?

Für ein endgültiges Fazit ist es noch zu früh, die nächsten Wochen sind wichtig für die Endplatzierung. Bis hierhin aber, und das wird sich nicht mehr verändern, können wir mit vielen Sachen zufrieden sein. Was wir mit unserem offensiv formulierten Ziel erreichen wollten, haben wir aus meiner Sicht geschafft. Weil wir im Verein, bei den Mitarbeitern und bei den Spielern erreicht haben, dass wir nicht mit wenig zufrieden sind, sondern versuchen, das Bestmögliche herauszuholen. Dass wir unabhängig von Ergebnissen jeden Tag hart dafür arbeiten, als Klub für etwas zu stehen. Das betrifft auch die Art, wie wir Fußball spielen – hier haben wir bundesweit auf uns aufmerksam gemacht mit offensivem und mutigem Fußball. Das passt zur Historie von Werder und sollte unser Stil bleiben. Für diese Aufmerksamkeit waren die Pokalspiele gegen Dortmund, Schalke und Bayern bedeutend, aber auch die Art, wie wir außerhalb des Platzes aufgetreten sind. Nämlich authentisch und sympathisch, was uns sehr wichtig ist.

Sie haben früh an Florian Kohfeldt als Cheftrainer geglaubt und ihn durchgesetzt. Lehnt man sich da mal zurück und freut sich, was daraus entstanden ist?

Allein getroffen habe ich die Entscheidung nicht. Florian hat für sich selbst in den letzten zwölf oder 15 Jahren eine Entwicklung genommen, an der viele Leute speziell in unserem Leistungszentrum und später im Bundesligabereich beteiligt waren. Die Überzeugung in den Trainer und den Menschen Florian Kohfeldt war in unserem Verein und in der Geschäftsführung sehr sehr groß. Was die Entscheidung damals so schwer gemacht hat, war unsere brutal schwierige sportliche Situation und der Umstand, dass in der Öffentlichkeit eine gewisse Skepsis herrschte. Das hatte mit seinen beiden Vorgängern zu tun und damit, dass die Öffentlichkeit ihn so nicht kannte. Für beides konnte Florian aber nichts. Wir freuen uns, dass er diesen Weg für uns so gestaltet hat. Er ist für uns ein ganz entscheidender und elementarer Faktor für die Entwicklung der letzten 15 Monate.

Sie werden nicht verhindern können, dass große Vereine anklopfen und sagen: Wir hätten gerne diesen Trainer. Wie gehen Sie damit um?

Sehr entspannt.

Weil für Werder spricht, dass Kohfeldt ein Bremer ist?

Das ist nicht der alleinige Grund, aber Florian identifiziert sich schon zu 100 Prozent mit Werder und hat in der Öffentlichkeit betont, dass er sich auch in den nächsten Jahren bei Werder sieht.

Sie selbst sind in diesem Monat drei Jahre als Sportchef im Amt. Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie bislang umsetzen konnten?

Von meiner Persönlichkeit her bin ich ein Typ, der eigentlich nie zufrieden ist. Das war auch als Spieler so. Deswegen glaube ich zwar schon, dass wir auf einem guten Weg sind. Dass wir als Klub für Werte und für einen bestimmten Fußball stehen. Dass wir sportlich und finanziell deutlich stabiler sind als vor drei Jahren. Aber ich werde trotzdem nie komplett zufrieden sein, selbst wenn wir jetzt Zweiter wären. Weil es immer besser geht. Dieses Streben nach dem Optimum oder nach Perfektion im Fußball ist immer da, auch wenn man weiß, dass man es nie erreichen wird. Deshalb wird auch eine gewisse Unzufriedenheit immer da sein.

Wo liegt das Optimum für einen Verein wie Werder? Den FC Bayern kann wirtschaftlich wohl kein Bundesligaklub mehr einholen. Liegt das Optimum auf Augenhöhe mit Vereinen wie Borussia Mönchengladbach?

Das ist schwer zu sagen, weil man nicht weiß, wie sich die anderen Mannschaften entwickeln. Gladbach ist aber ein sehr gutes Beispiel. Sie sind in den vergangenen Jahren einen extrem guten Weg gegangen mit einer klaren Philosophie, einer klaren Handschrift und wirklich vorbildlicher Arbeit. Dass viele Topklubs über ganz andere finanzielle Möglichkeiten verfügen als wir, das ist so und lässt sich nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren aufholen. Aber wir versuchen, mit unseren Mitteln und unserem Weg das Bestmögliche herauszuholen, viele gute Entscheidungen zu treffen und mit großem Zusammenhalt und mit hoher Identifikation den ein oder anderen großen Klub zu ärgern.

Sie sind Werders letzter Meisterkapitän. Ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie das bleiben?

Ich weiß nicht, ob man das so sehen kann. Als ich im Jahr 2000 Kapitän wurde, hätte auch jeder unterschrieben, dass Mirko Votava Werders letzter Meisterkapitän bleibt. Andere Clubs wie auch der BVB waren damals meilenweit von uns entfernt. Wir haben 1999 gegen den Abstieg gespielt. In den Jahren danach kam extrem viel zusammen. Die Kirch-Krise traf den Fußball, hier bei Werder wurden viele richtige Entscheidungen getroffen. Es gab Kontinuität mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf, und in der Doublesaison 2004 hat alles gepasst für uns. So etwas kann man im Fußball nie komplett ausschließen, auch wenn das aktuell natürlich überhaupt nicht in unserer Vorstellungskraft liegt. Aber warum sollte man sich auf ewige Zeiten damit abfinden?

Was ist für einen Sportchef in Bremen schwieriger: Zwei Eggesteins zu halten oder einen Kruse?

Auch wenn sie von ihrer Historie und vom Alter nicht vergleichbar sind, sprechen in beiden Fällen ähnliche Argumente für uns. Die haben bei Maximilian und Johannes funktioniert, aber auch schon bei Max Kruse. Man darf ja nicht vergessen, dass er schon in der Vergangenheit richtig gute Jahre hier hatte und ein wichtiger Spieler war, an dem viele Vereine konkret interessiert waren. Aber wir konnten Max immer überzeugen, dass er bei Werder seine Topleistung abrufen kann und eine hohe Bedeutung im Mannschaftsgefüge innehat. Das sind auch jetzt unsere Argumente, mit denen wir Max vom Bleiben überzeugen wollen.

Sie wollten im Mai Klarheit haben über Kruses Zukunft. Bleibt es dabei?

(schmunzelnd) Erstmal ja.

Ihr Plan mit Claudio Pizarro ist aufgegangen. Gibt es einen Grund, nicht in ein weiteres Jahr zu gehen?

Man muss das in der Gesamtheit sehen. Wir wussten auch vor einem Jahr, was Claudio kann und dass er seine Karriere gerne bei Werder beenden möchte und nicht mit einem Abstieg in Köln. Trotzdem haben wir es erst im Laufe der Vorbereitung fixiert, weil für uns die Kaderzusammenstellung ganz wichtig ist. Da muss es einfach reinpassen. Dieses Mosaiksteinchen hat sich dieses Jahr perfekt eingefügt. Claudio hat eine wichtige Rolle im Kader gespielt, junge Spieler konnten sich an seiner Seite entwickeln. Und er hatte auch auf dem Platz immer wieder einen Effekt für uns. Jetzt müssen wir schauen, wie der Kader für die nächste Saison aussieht. Da haben wir im Offensivbereich noch offene Fragen, wir haben ja gerade über Max Kruse gesprochen. Man muss es wieder neu bewerten – unabhängig davon, ob Claudio selbst weiterspielen möchte.

Wie viel Veränderung braucht der Kader in diesem Sommer?

Ich glaube fest daran, dass ein gutes Verhältnis zwischen Kontinuität und Wechseln für eine nachhaltige Kaderplanung elementar ist. Ein bisschen Veränderung sollte es immer geben, dass kann auch mal ein oder zwei Stammspieler betreffen, mit Sicherheit aber drei bis vier Kaderspieler. Das ist ein Rahmen, in dem wir uns wohlfühlen würden. Wir könnten zwei Veränderungen in der Stammformation wegstecken, immer mit der Idee, sich dort breiter oder besser aufzustellen. Der Abgang von Thomas Delaney zum BVB ist ja das beste Beispiel. Das hat uns schon wehgetan, weil Thomas ein wichtiger Spieler war. Trotzdem haben wir uns durch die Verpflichtung von Davy Klaassen und Yuya Osako anders aufstellen können. Wechsel im Kader sind sinnvoll und gut, man sollte aber nicht vier bis fünf Stammspieler pro Jahr verlieren, denn Kontinuität ist und bleibt wichtig.

Die Bundesliga spielt dieser Tage verrückt. Fast überall werden Trainer und Manager gewechselt. Ist das schönste Kompliment für die Arbeit bei Werder, dass es hier gerade so ruhig ist?

Wir sind natürlich auch nicht komplett davor gefeit, das muss man sich immer eingestehen. Im Moment ist hier alles gut und schön. Die handelnden Personen im Aufsichtsrat und in der Geschäftsführung, auch der Trainer, wir sind alle davon überzeugt, dass Kontinuität sehr wichtig ist und wir auch schwierige Phasen zusammen durchstehen können und werden. Trainerwechsel gab es in der Liga schon immer in einer größeren Anzahl. Was sich schon geändert hat, ist die deutliche kürzere Verweildauer der Manager, Sportdirektoren oder Vorstände in den letzten zwei bis drei Jahren.

Wit am 04.05.2019, 10:30
Herr Baumann nicht Gladbach sonder Frankfurt soll für Sie besten Beispiel sein!
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alanya_fuchs am 04.05.2019, 12:01
Die Frage war allerdings:
Liegt das Optimum auf Augenhöhe mit Vereinen wie Borussia Mönchengladbach?

Da kann man schlecht mit Eintracht Frankfurt antworten.
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Mr23 am 04.05.2019, 12:32
Wieso nicht!?
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hashtag am 04.05.2019, 14:48
Gladbach hat sich nach dem Fast-Abstieg oben festgesetzt und das nachhaltig über Jahre bewiesen. So weit ist Frankfurt noch lange nicht.
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Neubadener am 04.05.2019, 12:39
Für mich ist der Trainer, neben Baumann, auch ein ganz wichtiger Faktor. Allerdings sind diese Augenhöhe Diskussionen oftmals müßig, da sich das wöchentlich ändern kann.

By the way, Gareth Bale scheint auf dem Markt zu sein. Vielleicht sollte man sich überlegen ihn als Back up für Milot Rashica zu holen. Ich bin mir sicher, dass unsere Trainer auch ihn noch besser machen kann.

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