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14.04.2019
Nach Freiburg rückt Bayern in den Fokus

Kohfeldt freut sich „wie ein kleines Kind“

© nordphoto


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Es ist schon fast ein kleines Taktik-Seminar, das Florian Kohfeldt nach dem 2:1-Sieg gegen Freiburg in den Katakomben des Weserstadions abhält. Er spricht über tiefe Läufe und enge Räume, sogar über die dynamische Dreierkette – als sein Blick plötzlich das Display eines Smartphones fixiert. Der Trainer grinst nun breit und liest zufrieden vor: „Oh, eine Pushmeldung von Mein Werder. Klaassen in Topform, Kapino sicher.“

Seine funkelnden Augen lassen in diesem Moment den Schluss zu, dass er solche Meldungen kurz vor dem doppelten Showdown gegen den FC Bayern genießt. Er weiß natürlich, dass jeder Rückenwind und jedes zusätzliche Selbstvertrauen jetzt Gold wert sein kann, im Halbfinale des DFB-Pokals sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Und natürlich hörte auch Kohfeldt vorher die inbrünstigen Rufe der Werder-Fans, dieses ewig schöne „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ aus tausenden heiseren Kehlen. Mit Blick auf die Tabelle freut sich Werders Trainer deshalb, „dass wir diesmal in einer anderen Konstellation nach München fahren“, ganz anders nämlich als in den Jahren des Abstiegskampfs. „Zuletzt waren wir irgendwo zwischen Platz 14 und 18, wenn es nach München ging“, erinnert Kohfeldt, „jetzt haben wir nicht das Messer am Hals.“

Ob bewusst oder unbewusst, auch seine Spieler nutzen an diesem Tag das knappe Spiel gegen Freiburg, um daraus die bestmöglichen Schlüsse für die Duelle mit dem Rekordmeister zu ziehen. Zum Beispiel Maximilian Eggestein. Der packt den Arbeitssieg in einen süffisanten Quervergeich: „Gegen einen so defensiven Gegner ist es schwer. Die Bayern haben in beiden Spielen nur ein Tor gegen Freiburg geschafft.“ 1:1 endeten diese Spiele. Werder aber ist hier erfolgreicher als Bayern, könnte das heißen. Torschütze Theodor Gebre Selassie formuliert das neue Bremer Selbstverständnis geradezu staatsmännisch. „Ich kann bestätigen“, erklärt der Tscheche, „dass wir nun mit einem ganz anderen Gefühl nach München fahren, als in den vergangenen vier oder fünf Jahren. Es ist immer schwer dort. Aber jetzt sind wir optimistisch!“ Der zweite Torschütze des Wochenendes, Davy Klaassen, fasst den Werder-Plan schelmisch so zusammen: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen, auch die Spiele gegen Bayern. Das wird nicht einfach, weil Bayern auch in Form ist.“ Mit Betonung auf dieses eine Wörtchen: auch.

Bayern im Pokal: Die Stadt soll es genießen

Als Gesamtverantwortlicher für seine ambitioniert-freche Truppe weiß der Trainer selbstverständlich, was da auf Werder nun zukommt. Zwei sehr schwere Spiele „gegen die individuell stärkste Mannschaft Deutschlands“. Doch Kohfeldt weiß eben auch, was dieses Werder-Team im Frühjahr 2019 den Bayern entgegen setzen kann: „Ich spüre bei den Jungs, dass wir alles auf den Platz werfen werden, was wir haben, um in beiden Spielen was zu holen. Um am Wochenende in München zu punkten oder zu gewinnen. Und dann dieser Mittwoch-Abend…“

Oh ja, diese vielleicht magische Nacht. Man merkt Kohfeldt an, dass ein akribischer Profi wie er unter normalen Umständen niemals das übernächste Spiel thematisieren möchte. Aber was ist dieser Tage schon normal bei Werder? Am Ende ist auch Kohfeldt ein leidenschaftlicher Fußball-Fan, einer von hier, aufgewachsen in der Region und so grün-weiß wie die Kurve. Deshalb will er doch etwas sagen zu diesem Pokalmittwoch, „ein letztes Mal in dieser Woche vor dem Bundesligaspiel gegen Bayern“, wie er betont. Schon ist es vorbei mit seiner Zurückhaltung. Und das klingt so: „Auf dieses Abendspiel im Weserstadion freue ich mich wie ein kleines Kind. So ein schönes Spiel! Ich will, dass wir es genießen – und dass vielleicht auch das ganze Stadion und die ganze Stadt das genießen können.“

Kohfeldt benutzt dann dieses eine Wort, es besteht nur aus drei Buchstaben, und doch ist es der einzige Schlüssel gegen die Bayern: Mut! „Wir werden Mut brauchen, in beiden Spielen“, weiß der Trainer, „aber gefühlt haben die Jungs diesen Mut.“ Dabei geht es dem Trainer nicht darum, sich in den Tagen bis zum ersten Kräftemessen aufzuplustern und noch ein paar Spitzen abzufeuern. Wie so oft geht es ihm nur um den Mut auf dem Platz. „Wir müssen uns vor den Spielen nichts einreden, gar nix“, betont Kohfeldt, „im Spiel müssen wir mutig sein. Wir können vorher alle etwas erzählen: Aber erst am Sonnabend um 15.30 Uhr kommt es darauf an. Ich bin kein Freund von Kampfansagen.“

Dass er sich auf seine Jungs, wie er das Team gerne nennt, zunehmend verlassen kann, diese Gewissheit verstärkte sich sogar gegen Freiburg. Kohfeldt erinnert nach dem hart erarbeiteten Sieg an das trübe 1:1 vor ein paar Wochen gegen den VfB Stuttgart, als sich Werder noch schwerer tat, den defensiven Gegner zu bezwingen. Dank „ganz harter Arbeit“ und der Klasse von Spielern wie Klaassen oder Claudio Pizarro habe es diesmal zum Sieg gereicht. Kohfeldt: „Deshalb bin ich stolz auf die Mannschaft.“ Auch Klaassen sieht hier eine Entwicklung: „Wir sind in der Rückrunde effizienter und gewinnen Spiele, in denen wir nicht so gut sind. Weil wir an uns glauben und dran bleiben. Da ist etwas gewachsen.“ Auch deshalb sind positive Pushmeldungen aus der Mein-Werder-Redaktion nach beiden Bayern-Spielen durchaus möglich. Und niemand würde dann zufriedener grinsen als Kohfeldt.

Wer war euer „Man of the Match“ gegen Freiburg?


Greenkeeper10 am 14.04.2019, 11:34
Ich kann es auch kaum noch erwarten diesmal ist wirklich was drin mal wieder Bayern schlagen und dann Berlin ich will noch nicht aufwachen nein nicht wecken
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Flensi am 14.04.2019, 12:04
Trotz allem bleiben wir Außenseiter,der natürlich eine Überraschung schaffen kann,ich freue mich drauf
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Altobelli am 14.04.2019, 12:40
Absolut!

Gegen die Bayern ist man eigentlich grundsätzlich Außenseiter!

Da gibt es allerhöchstens vier oder fünf Vereine auf diesem Globus, die ich stärker einschätze als den FCB. Natürlich kann man gegen sie auch mal richtig untergehen. Es wird wichtig sein, gut in die Partien reinzukommen und auch mutig zu sein.

Meiner Meinung nach ist Bayern aber in dieser Saison auch mal zu packen. Der wichtigste Bayern Spieler ist Martinez im Mittelfeld. Seitdem Kovac so schlau war und ihn wieder auf die Sechser Position gestellt hat, geht es bei den Bazen wieder bergauf. Er sorgt für die defensive Stabilität und alle Mannschaftsteile, die natürlich auch durch die Bank weg absolute (Welt)klasse sind, profitieren von ihm.


Einen völlig hilf- und chancenlosen FC Bayern, den man zu Hause gegen den noch größeren FC Liverpool gesehen hat, wird es leider nicht nochmal geben.
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dalmatiner am 14.04.2019, 12:43
Kohfeldt hat es auf den Punkt gebracht:Mut.Genau den braucht man gegen Bayern,und es war lange nicht so wahrscheinlich,dass man tatsächlich eine Chance hat.Aber man darf eben nicht so ängstlich wie oft zuletzt auftreten.Ich sehe Werder nicht ohne Chancen in beiden(!) Spielen.Und wenn es nicht klappt,so what.
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susanneundjens am 14.04.2019, 17:20
@dalmatiner: Genau so isses!
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Pikaya am 14.04.2019, 12:51
Wenn man das Bild oben genau betrachtet, bekommt man den Eindruck, dass es 2 verschiedene Fußballspiele gerade laufen.
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adagiobarber am 14.04.2019, 13:41
Möge der Geist der Saison 2006/2007 wieder über Bremen schweben, als der SV Werder Bremen im Oktober 2006 Bayern München zuhause bezwungen hat.
Auch ein Oliver Kahn musste bei zwei Bremern -Pierre Womé und Diego- hinter der Torlinie den Ball aufnehmen.
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