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Rasenreport
12.01.2019
„Für uns nicht wichtig“

Kohfeldt blendet Hannovers Querelen aus

© nordphoto


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Dass Hannover 96 in der Winterpause besonders viele Schlagzeilen produziert, liegt nur zum Teil daran, dass der Tabellenvorletzte sich am meisten Zeit genommen hat. Schon am 28. Dezember mussten die Spieler wieder zum Training antreten. In den Medien äußerten sich Trainer André Breitenreiter, Manager Horst Heldt und Präsident Martin Kind im Wechsel fast täglich über neue Spieler, die kommen müssen, nicht kommen müssen, kommen könnten oder nicht kommen können. Walace grüßte derweil vom Strand aus dem Heimaturlaub, den der Verein verlängert hatte, damit der Brasilianer sich um seine kranke Mutter kümmern kann.

Darüber hinaus ist das Verletzungspech groß: Niclas Füllkrugs Saison war schon vor Weihnachten beendet, Ihlas Bebou fällt sechs bis acht Wochen aus. Für den „Kicker“ war er „der einzige 96-Feldspieler, der in der Hinrunde Bundesligaklasse nachgewiesen hat“. Und dann fragte ein Spieler des Testspielgegners Nijmegen nach dem öden 0:0 im Trainingslager auch noch Journalisten, ob dies die erste Bundesliga-Mannschaft aus Hannover gewesen sei.

Es wäre Florian Kohfeldt nicht zu verübeln, wenn er die schwierige Lage bei Werders Gegner zum Rückrundenauftakt als positiv für seine Mannschaft bewerten würde. Doch der Trainer betont: „Was man nach außen hört, ist für uns nicht wichtig.“ Falls Kohfeldt online Serien guckt, ist er wohl keiner, der sich den Abspann ansieht. Stattdessen: Weiter, nächste Folge. Am Freitag war das Testspiel gegen die Bidvest Wits (2:2) erst eine halbe Stunde beendet, als Kohfeldt ankündigte, am Abend im Teamhotel schon mit der Hannover-Analyse zu beginnen. Einige seiner Spieler ließen das Trainingslager unterdessen bei einem Restaurant-Besuch ausklingen.

Kohfeldt mit Respekt vor 96-Trainer Breitenreiter

„Ich erwarte ein sehr schweres Spiel. Wir sollten nicht den Eindruck haben, dass wir auf einen angeschlagenen Gegner treffen. Ich kenne André (Breitenreiter, Anm. d. Red) sehr gut, er wird die Zeit jetzt in der Winterpause sehr gut genutzt haben“, sagte Kohfeldt. Dass der Auftaktgegner, gegen den Werder in der Hinrunde dank Theodor Gebre Selassie ein 1:1 rettete, bereits in seinem Kopf herumschwirrt, hatte Kohfeldt schon früher im Trainingslager durchblicken lassen. Auf die Frage, ob der schwierige Untergrund im Test gegen die Kaizer Chiefs nicht eine gute Vorbereitung auf den chronisch schlechten Rasen in Hannover gewesen sei, entgegnete der Trainer, dass der Rasen dort vor dem Rückrundenstart noch ausgetauscht werde. Auch die taktischen Pläne Hannovers beobachtet er genau, aktuell variiere 96 noch zwischen Dreierkette, Viererkette und einer pendelnden Formation.

In der Hinrunde war das Duell mit dem in dieser Saison am nächsten an Bremen gelegenen Bundesligisten besonders wichtig, weil Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann unmittelbar vorher als Saisonziel die Europa League ausgerufen hatten. Eine Halbserie später steht Werder auf dem zehnten Tabellenplatz. Im schlechtesten Fall ist der Rückstand auf den Sechsten nach dem Hannover-Spiel genauso groß wie der Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze. Das Niemandsland droht. Im besten Fall stellt Werder mit einem Sieg wieder den Anschluss her. Trotzdem will Kohfeldt die Bedeutung des Spiels nicht so zuspitzen, wie er es im Dezember vor dem Duell mit Fortuna Düsseldorf getan hat. „Jedes Spiel in der Bundesliga ist ein Druckspiel“, sagte Kohfeldt und räumte dennoch ein: „Jetzt beginnt so langsam die Zeit, wo es richtig um was geht, wo das Deuten der Saisonziele nicht mehr so wichtig ist, sondern du punkten musst.“

Kohfeldt mag sich in Johannesburg schon intensiv mit Hannover beschäftigt haben, doch die folgenden Aufgaben – Frankfurt, Nürnberg, Augsburg – sind noch nicht präsent. „Ich schalte jetzt wieder in den Modus, von Spiel zu Spiel zu schauen“, sagte der Trainer. „Sonst wirst du verrückt.“

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