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17.02.2019
Hängt Pizarro noch ein Jahr dran?

„Jetzt gerade sagt mein Kopf natürlich ja“

© dpa


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An einen schnellen Schlaf war nicht zu denken. Dafür waren die vorherigen Stunden einfach zu aufregend gewesen. Tor-Rekord, Werder-Held, Mann des Abends. Und so kam es, dass Claudio Pizarro mitten in der Nacht noch einmal einen besonderen Auftritt hatte. Es war gegen 2.30 Uhr am Sonntagmorgen, kurz nach der Rückkehr aus Berlin, als er im heimischen Wohnzimmer über die sozialen Medien live auf Sendung ging. „Es war ein besonderes Spiel und ich möchte gern danke sagen an alle, die mir geholfen und mich unterstützt haben“, sagte Pizarro lächelnd in die Kamera seines Smartphones. „Es ist für mich eine Ehre, solch einen Rekord zu haben und natürlich bin ich sehr stolz darauf.“

Der späte Treffer ins Glück gegen die Hertha war der nächste Meilenstein einer beeindruckenden Karriere. Nicht nur, dass er im 21. Jahr in Folge (!) traf, im Alter von 40 Jahren und 136 Tagen hatte zuvor ohnehin in der Bundesliga noch nie ein anderer Spieler ein Tor erzielt. Mit Mirko Votava hatte ein einstiger Werder-Kapitän diese Wertung bislang angeführt (40 Jahre und 121 Tage – 1996 beim 1:2 gegen Stuttgart), den Verlust des Rekords konnte der jetzige Co-Trainer der Bremer U23 locker verschmerzen. „Ich könnte mir keinen würdigeren Nachfolger als Claudio vorstellen. Er ist ein toller Typ und ein sportliches Phänomen“, sagte Votava dem „Kicker“ im Anschluss an das 1:1 von Berlin.

Selbst Kohfeldt ist erstaunt

Überhaupt hagelte es Lob von allen Seiten, wenn über Claudio Pizarro gesprochen wurde. „Man hat gemerkt, mit Pizza ändert sich auch unsere Spielweise. Er bereichert unser Spiel immer noch“, sagte beispielsweise Innenverteidiger Sebastian Langkamp. „Claudio kann sicher keine englische Woche mehr durchspielen“, meinte indes Maximilian Eggestein, „aber heute hat man mal wieder gesehen, für was er immer noch gut ist.“
Und manchmal, ja manchmal, da überrascht er sogar noch seinen eigenen Coach. „Der Trainer hat mich gefragt, warum hast du geschossen?“, sagte Pizarro lachend. In der Tat wusste Florian Kohfeldt nicht so ganz genau, was da in der sechsten Minute der Nachspielzeit eigentlich passierte. „Ich habe ihm nach dem Spiel nur gesagt: Du stehst gar nicht auf dem Plakat, warum schießt du Freistöße?“, verriet der 36-Jährige. Sorgen habe ihm diese Ausnahme aber nicht bereitet, grundsätzlich sei es „ein gutes Gefühl, wenn Claudio den Ball 18 Meter vor dem Tor hat.“

Eine Garantie für einen Treffer ist das aber natürlich noch nicht – Pizarros Qualitäten hin oder her. Und so wurde vor der Ausführung des finalen Versuch fleißig getüftelt – und sogar noch gescherzt. „Wir haben uns Gedanken gemacht und uns erst überlegt, den Ball unter der Mauer durchzuschießen, dafür war die Mauer aber ein bisschen weit weg“, sagte Max Kruse, der eigentlich wie prädestiniert für den Freistoß schien. „Dann wollte er den Ball einfach auf das Torwarteck ziehen. Da habe ich ihm aber gesagt: ,So viel Kraft hast du in deinem Alter nicht mehr.‘“ Also suchte Pizarro die Lücke in der Berliner Mauer – und fand sie. Gleich zwei gegnerische Spieler fälschten den Ball ab, sodass er tatsächlich den Weg ins Netz fand. Unkonventionell. Wirkungsvoll. Eben typisch Claudio Pizarro. Es hat schon Treffer dieser Kategorie gegeben, die im Nachgang als Eigentor gewertet wurden, dieses Mal ist das bislang nicht passiert. Bis Montag hätte die DFL theoretisch noch die Chance, dem Angreifer den Rekord wieder abzunehmen.

Das Tor gehört Pizarro

Gegenüber der „Welt“ gab der Ligaverband allerdings bereits an, das nicht tun zu wollen. Hertha-Trainer Pal Dardai, am Sonntagmorgen noch immer nicht allzu gut auf den spät verschenkten Sieg seiner Berliner zu sprechen, zeigte sich auf Nachfrage des Blattes fast etwas verärgert, zum Wegbereiter des Pizarro-Rekords geworden zu sein. „Ich habe Respekt vor ihm und dem, was er in Deutschland macht - als Mensch, Sympathieträger und Spieler“, stellte Dardai noch voran, sah die Verantwortung für den Ausgleichstreffer dann aber doch eher bei seinem Rechtsverteidiger Valentino Lazaro und nicht bei Pizarro: „Das war gestern nicht sein Tor. Da kann er mir alles erzählen.“

So oder so bastelt der Werder-Angreifer weiter an seinem Legenden-Status. „195 Tore sind viel - aber ich glaube, Robert Lewandowski kommt von hinten, um meinen Rekord zu brechen“, sagte Pizarro, der zugleich seinen Ansporn, sein Erfolgsrezept offenbarte. „Ich versuche einfach immer noch, wenn ich reinkomme, ein Tor zu machen und der Mannschaft zu helfen.“ Vielleicht sogar über den kommenden Sommer hinaus? „Alle fragen mich, ob ich weitermache. Jetzt gerade sagt mein Kopf natürlich ja“, erklärte Pizarro lachend, „aber ich muss immer noch warten, was mein Körper sagt – und deshalb werde ich vielleicht auch bis zum Saisonende mit meiner Entscheidung warten.“

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Bentlei am 18.02.2019, 09:54
Ich liebe Pizarro über alles und in dieser Saison manifestiert er endgültig seinen Status als Werder-Legende.
Und gerade deshalb sollte nach dieser Saison von beiden Seiten aus Schluss sein mit Pizza als Werder-Stürmer. Vor zwei Jahren hat der Verein es verpasst, die Kapitel "Werder & Pizarro" angemessen und ehrvoll zu beenden. Und nach dieser Saison ist nun der perfekte Zeitpunkt, das nachzuholen. Egal, was Pizarro in dieser Saison noch anstellt (oder eben auch nicht) - seine wertvollen Beiträge in dieser Spielzeit kann ihm keiner mehr nehmen und er hat die vierte Verpflichtung mehr als gerechtfertigt. Besser wird er nicht. Zumal Kruse (wenn er denn bleibt), Harnik und Bartels ebenfalls nicht jünger werden - Bremen muss nächste Saison im Sturm jünger werden - und die Mentorenrolle sollten die jungen Spieler dann explizit von Pizza auch nicht mehr brauchen, wenn sie stark genug sind. Also: Mit Pauken und Trompeten am Ende der Saison verabschieden und dann ab ins Nachwuchstraining mit der Nummer 4!
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alanya_fuchs am 18.02.2019, 11:35
Hertha und BVB Fans würden einen Abschied sicher auch begrüßen.
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Nomolas am 18.02.2019, 12:45
Was für ein schlechter Verlierer der Dardai doch ist.
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chrijunge am 18.02.2019, 14:19
Keine besonders sympathische Aktion von Dardei! Aber das Spiel von Hertha ( Mauern und Foulen ) war ja auch nicht sonderlich sympathisch ;)
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susanneundjens am 18.02.2019, 21:52
Tja, Dardai ist eben frustriert. Er hat als Spieler und Trainer eine absolute Horrorbilanz gegen Werder.
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