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05.05.2019
Warum bei Werder die Mentalität stimmt

Im Borowski-Modus

© nordphoto


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Es gibt da diese Geschichte. Zweifelsfrei bewiesen ist sie nicht. Als es nach dem WM-Viertelfinale 2006 zwischen Deutschland und Argentinien auf dem Platz richtig heiß herging, wurde Per Mertesacker von Cufre in den Unterleib getreten. Eigentlich, so heißt es, wollte der Argentinier aber gar nicht Mertesacker wehtun, sondern Tim Borowski. Er soll die beiden großgewachsenen Blondschöpfe nur verwechselt haben. Die Argentinier fühlten sich nämlich von Borowski provoziert. Ähnlichen Vorwürfen sah sich der Mittelfeldspieler auch schon einmal 2004 ausgesetzt, als Werder in der Champions League durch ein 2:0 in Valencia den Achtelfinal-Einzug schaffte. Festhalten lässt sich also: Borowski war ein Spieler, den der jeweilige Gegner nicht gerade mochte. Werder-Trainer Florian Kohfeldt fasste es so zusammen: „Boro hatte diese positive Arroganz.“

Mit seinem aufrechten Gang, seiner manchmal lässigen Spielweise und seinem körperlichen Spiel konnte Borowski Gegenspieler auf die Palme bringen – und dem eigenen Team in kritischen Phasen weiterhelfen. Inzwischen ist Borowski Werders Co-Trainer und nimmt laut Kohfeldt eine wichtige Rolle ein, wenn es um die Mentalität der Mannschaft geht. „Er lässt die Jungs immer wieder teilhaben. Wir wollen sie dahin erziehen“, verdeutlichte Kohfeldt nach dem 2:2 gegen Dortmund. Vereinfacht gesagt: In jedem Werder-Profi soll ein kleiner Borowski stecken. Ein Spieler also, der einen Gegner allein durch seine Präsenz und Ausstrahlung beeindrucken kann.

Und tatsächlich sind die Bremer auf einem guten Weg, was die Mentalität angeht. Innerhalb kurzer Zeit haben sie nun gegen die zwei besten deutschen Mannschaften mit 0:2 zurückgelegen. Die meisten Teams würden in solch einem Moment aufgeben und eine richtige Klatsche kassieren. Werder jedoch kam zweimal zurück. Im Pokal gegen die Bayern reichten knapp 60 Sekunden, um aus einem 0:2 ein 2:2 zu machen, am Ende gab es eine unglückliche 2:3-Niederlage. Gegen Dortmund dauerte die Bremer Aufholjagd fünf Minuten und brachte immerhin einen Punkt ein.

Eggestein, der emotionale Leader

„Wir sind dafür bekannt, dass wir zu Hause nie aufstecken. Das haben wir uns bewusst gemacht“, verdeutlichte Maximilian Eggestein. Dass Eggestein so etwas sagt, kommt nicht von ungefähr, denn in dem Mittelfeldspieler sieht Kohfeldt eine Art emotionalen Leader. „Maxi macht es nicht über große Gesten, aber er ist in solchen Momenten einfach da.“ Der Glaube daran, dass immer etwas geht, ist inzwischen nicht nur in Eggestein, sondern in der ganzen Mannschaft verwurzelt, sogar wenn es gegen die Schwergewichte der Liga geht. „Wir müssen lernen, auch gegen diese Mannschaften auf Augenhöhe zu spielen“, betonte Kohfeldt, der seine Mannschaft in dieser Hinsicht auf einem guten Weg sieht. „Du musst als Spieler das Gefühl haben, dass es geht, dann glaubst du selber dran. Du kannst offene Spiele haben gegen Bayern, Dortmund, Leipzig.“

Dass es gegen derartige Hochkaräter trotzdem Niederlagen geben kann, versteht sich von selbst. Aber Werder ist stabil genug, um diese Misserfolge zu verarbeiten. Nach zwei knappen Niederlagen gegen die Bayern und der Pleite in Düsseldorf hätte bei einem 0:2-Rückstand gegen Dortmund auch der große Einbruch folgen können, doch es kam ganz anders. In solch kritischen Situationen steht die fußballerische Qualität nicht mehr an erster Stelle, sondern die Mentalität entscheidet. Werder hat in diesem Bereich hart gearbeitet, seit Kohfeldt das Traineramt innehat. Dabei komme dem Sportpsychologen Andreas Marlovits eine wichtige Rolle zu, sagte der Coach. „Wie reagiere ich nach einem Rückschlag? Das ist Teil unserer Analysen.“ Natürlich ist auch Kohfeldt selbst wichtig. Er ist jemand, der nie aufgibt. „Der Trainer hat es vorgelebt, dass jeder dran glaubt“, berichtete Kevin Möhwald aus der Halbzeitpause des Dortmund-Spiels.

All die mentale Arbeit bei Werder scheint sich nun auszuzahlen. „Es spricht für die Mentalität dieser Mannschaft, dass wir zurückgekommen sind. Gegen einen Gegner wie Dortmund mussten wir als Mannschaft einiges kompensieren, um individuelle Qualität zu neutralisieren“, verdeutlichte Kohfeldt und fügte hinzu: „Ich bin stolz, aber nicht zufrieden. Die Art und Weise des Spiels hätte besser sein können, unsere Mentalität ist unfassbar.“

Endspiel gegen Hoffenheim

Also befand sich Werder nach dem Remis gegen Dortmund gewissermaßen in einem Zwiespalt zwischen dem nackten Ergebnis und dem guten Gefühl nach einer gelungenen Aufholjagd. „Tabellarisch ist die Ausgangslage nicht besser geworden, aber die mentale Ausgangslage ist viel besser geworden, weil wir etwas geschafft haben“, fasste Kohfeldt zusammen. Klar ist: Bei vier Punkten Rückstand auf den siebten Platz helfen Werder in den zwei ausstehenden Spielen gegen Hoffenheim und Leipzig nur zwei Siege weiter, wenn das Ziel Europa League noch erreicht werden soll.

Kohfeldt hat sich in dieser Saison schon mehrmals dagegen gewehrt, ein Spiel vorschnell als Endspiel um Europa zu titulieren. Jetzt sagte er aber zu den Journalisten: „Ihr könnt vom Endspiel in Hoffenheim schreiben.“ Und wer will ihm da widersprechen? Wenn Werder nicht gewinnt, ist die Europa League nicht mehr zu erreichen. Es geht um alles oder nichts, aber dass die Mannschaft an diesem Druck zerbricht, ist spätestens seit der mentalen Meisterleistung gegen Dortmund nicht zu erwarten.

Wer war euer „Man of the Match“ gegen Dortmund?

klarerBlick am 06.05.2019, 08:54
die "Mentalität" stimmt.

Die Punktausbeute allerdings nicht.

Die Qualität des Kaders auch nicht, wenn man unter die ersten 8 kommen möchte.

Gerde die Dortmunder, die ohne ihren besten Spieler angetreten waren, hätte 5:0 führen können, bevor Werder der Glücksanschluß gelang. Etwas mehr Blick für die Realität täte vielen gut.
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djhg am 06.05.2019, 09:18
"Etwas mehr Blick für die Realität täte vielen gut." Stimmt. Ihnen ganz besonders...
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alanya_fuchs am 06.05.2019, 10:22
Gerade die Dortmunder, die ohne ihren besten Spieler angetreten waren, hätte 5:0 führen können,

Hätte? Haben sie aber nicht, obwohl bei Werder der beste Abwehrspieler gefehlt hat.
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Room am 06.05.2019, 09:42
Fakt ist : was die Herren Florian Kohfeldt & Tim Borowski aus der Mannschaft gemacht haben ist absolut topp ! Respekt! Klasse ! Irgend was hat man ja wohl aus der Vergangenheit bei Werder gelernt und EUROPA LEAGUE wäre dann Ergebnis für deren Einsatz ! Nicht mehr und nicht weniger ! Weiter so !
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Wynton01 am 06.05.2019, 10:53
Das stimmt! Die Mentalität war diese Saison Bombe. Ich würde sogar sagen, was das angeht stehen wir auf Platz 1! Was die Qualität und die ständigen Ballverluste angeht, stehen wir leider genau richtig.
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vpcn am 06.05.2019, 12:52
Oh Mann, mir gehen so langsam die Kommentare mancher Foristen echt auf die Nerven. Einige haben echt die Weisheit mit Löffeln gefressen und kennen nur noch schwarz oder weiß. "Alles ist doof und eine Schande, dass wir noch nicht europäisch spielen." Deren Sicht ist mir zu viel zu kurz.

Fakt ist, dass FK und FB eine eine Mannschaft hervorgebracht haben, die zurecht dort stehen. Mit etwas mehr Glück stünde sie auch etwas höher, mit etwas mehr Pech etwas weiter unten.
Aber sie haben es fertig gebracht, mit gezielten Einkäufen und Veränderungen in der Mannschaft eine stark spielende, selbstbewußte Truppe zu formen. Der Marktwert der Mannschaft hat sich binnen einer Saison von 78 Mio auf 140 Mio fast verdoppelt.
Und DIESE Mannschaft mit DIESEM Trainerstab und DIESEM Vorstand brauchen einfach Zeit, um auch die notwendigen Erfolge nachhaltig zu erreichen.

Erst in dieser Konstellation konnten Spieler wie die Eggestein-Brüder gehalten, Sahin, Klaassen oder Osako eingekauft und einen Füllkrug nach Bremen gelotst werden. Sympathie und einen klaren Weg sind sehr wichtige Argumente. Auch für den "Erwerb" von neuen wichtigen Spielern.

Selbstverständlich sind auch Dellen in der Erfolgskurve zu verzeichnen. Aber mit ansteigender Mannschaftsklasse wird auch das bald kommen.
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Sweetwater am 06.05.2019, 14:44
Immer wieder die gleiche Schönfärberei!

Da wird von "stimmender Mentalität" gesprochen, von dem "gestenarmen Leader" Eggestein, vom "verwurzelten Glauben in der Mannschaft" das immer was geht und vom "Zurückkommen der Mannschaft nach Rückständen" argumentiert, ahja und mit welchem Ergebnis?
Neunter, nur ein Neunter Platz statt CL. Dazu noch die ganzen fiesen Hochrechnungen wie es doch noch mit der EL klappen könnte. Es wird aber nicht klappen! Werder ist festgefahren! Festgefahren durch Nürnberg, Stuttgart, H96 und Aufsteiger Düsseldorf. Nebenbei vergaß ich, daß der grün-weiße Anhänger sich weiter in Geduld üben soll, sind ja bisher erst knapp 10 Jahre vergangen seit den letzten Erfolgen. Die Qualität des Kaders stimmt einfach nicht, besonders in der Defensive. Sicher wird wieder nachgebessert, wie immer mit Leuten kaum etwas kosten, wieder wird eine neue Saison so enden wie die letzte, wieder vom Trainer des Jahres alles "scharf analysiert"woran es denn diesmal lag, doch weiter verharrend in Gefilden die durch Trostlosigkeit kontaminiert sind..
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vpcn am 06.05.2019, 16:55
Genauso wie - Ihrer Meinung nach - alle bei Werder Bremen massiv festgefahren sind, so sind Sie es doch auch. Sie sind so konsequent negativ und gehässig. Ich schätze Ihre Haltung, zumal Sie ja auch dann und wann mal Recht haben. Aber ich hoffe, dass Sie doch nur provozieren wollen. Denn mit so einer schwarzmalerischen Einstellung... Das macht doch nur Magengeschwüre. Oder Vitamin-D-Mangel, weil Sie ja nie die hellen Momente sehen (wollen).
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WERDER2016 am 06.05.2019, 18:12
In dem Bericht geht es um Mentalität, nicht darum, ob Reus jetzt dabei war oder nicht, und auch nicht um Kaderqualität oder "fiese" Schönfärberei. Dennoch wird hinsichtlich der Mentalität aus meiner Sicht über das Ziel hinausgeschossen. Natürlich hat man sich auch in diesem Bereich weiter entwickelt, aber Mentalität sollte nicht erst ab der 65. Minute sichtbar werden wenn es fast schon zu spät ist. Bis zu diesem Zeitpunkt (z.T.auch gegen die Bayern) war es ein blutleerer Auftritt. Ich würde mir noch mehr wünschen, dass sich die Mannschaft in Spielen mit schwachem Start schneller berappelt, sodass die letzten 20 Minuten eines Spiels die vorher zu Tage getretenen Defizite in eine viel zu gutes Licht rücken. Auch ein 0:1 sollte Anreiz genug sein, sich stärker reinzuhängen.

Es waren doch nicht nur die Spiele gegen Bayern und den BVB, in denen man viel zu spät die Mentalität ausgepackt hat. WOB, RB zählen für mich ebenfalls dazu.
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Altobelli am 06.05.2019, 18:30
"Natürlich hat man sich auch in diesem Bereich weiter entwickelt, aber Mentalität sollte nicht erst ab der 65. Minute sichtbar werden wenn es fast schon zu spät ist. Bis zu diesem Zeitpunkt (z.T.auch gegen die Bayern) war es ein blutleerer Auftritt."

@WERDER2016:

Es ist immer leicht gesagt, so etwas als "blutleeren Auftritt" zu bezeichnen. In erste Linie muss man sagen, dass der BVB fast eine Stunde lang extrem schnell gespielt. Zu schnell für Werder! Wie oft wurden wird dort auf den Außenbahnen überlaufen? Mehrmals! Das war auch gegen Bayern nicht anders. Ob Coman, Thiago, Sancho, Götze oder oder oder..... Das sind schon Spieler mit enormer Qualität, die das gegen uns auch sehr gut auf den Platz gebracht haben. Da muss man überhaupt erstmal in die Duelle kommen. Und ehe man sich versieht, liegt man gegen solche Mannschaften mal 0-2 hinten.

Aber....am Samstag hat der BVB in Form von Bürki Geschenke verteilt, die das Spiel dann komplett gekippt haben. Werder war dann auch am Drücker und der Punkt am Ende hochverdient.

Wie Kohfeldt es bereits vor einiger Zeit erwähnt hatte, muss man es hinbekommen, gegen die eher destruktiven Teams die Dreier einzufahren. Als ich beim Spiel in Düsseldorf war, da musste man sich schon fragen, wer denn im Strafraum mal einen gefährlichen Kopfball ansetzen kann. Ich hoffe das wir mit Füllkrug in der Hinsicht eine echte Waffe bekommen.
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