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30.05.2019
Wie Werder Verstärkungen auf Leihbasis sucht

Im Austausch mit Europas Top-Klubs

© nordphoto


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Ein paar Jahre ist es her, da handelte Thomas Eichin, damals Geschäftsführer Sport, eine Kooperation zwischen Werder und Juventus Turin aus. In erster Linie sollte es um Spieler gehen, die Werder ausleihen oder hätte kaufen können. Auch im Marketing wollten beide Klubs zusammenarbeiten. Und nicht zuletzt im Scouting, wo Werder Zugriff auf die Datenbank des italienischen Rekordmeisters haben sollte. Ein paar Mal reiste Thomas Eichin seinerzeit nach Turin, immer wieder führte er Gespräche, etliche Namen wurden in den Medien als potenzielle Neuzugänge gehandelt. Abgewickelt wurde ein Transfer jedoch nie.

Im Sommer 2016 musste Eichin gehen, Frank Baumann folgte ihm und beendete die Kooperation mit Juventus nach Amtsantritt sehr schnell. Eichin hatte die Zusammenarbeit zunächst viel Aufmerksamkeit und Lob gebracht, als kein Geschäft zustande kam, fiel ihm die groß angekündigte Bindung an Juventus auf die Füße. Kooperationen dieser Art gibt es weiterhin, nur sind sie nicht mehr schriftlich fixiert. „Ich halte von fest vereinbarten Kooperationen zwischen Vereinen nicht viel“, sagt Baumann.

Liverpools Grujic in Werders Fokus

Der Sportchef steht trotzdem im ständigen Austausch mit vielen Vereinen, darunter europäische Top-Klubs. Leihgeschäfte, wie Eichin sie mit Turin einst plante, bleiben für Werder unter bestimmten Aspekten weiterhin eine interessante Option. Konkret geht es derzeit um Marko Grujic, Mittelfeldspieler vom FC Liverpool. Werder will den 23-Jährigen für zwei Jahre ausleihen, die Gespräche laufen. Ohne sich dabei auf Grujic zu beziehen, sagt Baumann: „Es kann durchaus sein, dass wir einen Spieler von einem größeren Verein ausleihen, der dort nicht so zum Zug kommt, uns aber sofort weiterhelfen könnte. Solche Gedanken spielen in unseren Plänen eine Rolle.“

Vor ein paar Monaten, im März, stattete Per Mertesacker Werder einen Besuch ab. Es war ein Treffen unter Freunden, aber es ging dabei auch um eine Zusammenarbeit. Mertes­acker leitet beim FC Arsenal mittlerweile die „Arsenal Academy“, die Nachwuchsabteilung des Klubs. In den Gesprächen mit Baumann ging es um die Frage, wie beide Klubs vonein­ander profitieren können. „Es geht hier zunächst um einen inhaltlichen Austausch: über Ausbildung und Vereinsstrukturen“, erklärt Baumann. „Das ist ein gegenseitiger Austausch, wo wir von Arsenal mit Sicherheit vieles lernen können – wo aber auch Per und Arsenal sich bei Klubs wie Werder umschauen.“

Mertesacker hatte eine Liste dabei

Es soll jedoch recht konkret gewesen sein, was beide Parteien am 20. März besprochen haben. Im Gepäck soll Mertesacker eine Liste mit Spielernamen gehabt haben, die der FC Arsenal verleihen möchte. Baumann mag das so nicht bestätigen, er sagt: „Natürlich gibt es immer einen Austausch über verschiedene Spieler, aber diesen Austausch pflegen wir nicht nur mit Arsenal, sondern mit vielen Spitzenklubs.“

Darunter sind die namhaftesten Vereine Europas. Arsenal, Chelsea, Real, Manchester City, Bayern oder Juventus zählt der Sportchef auf und erklärt: „Es sind die großen Klubs, wo wir darauf schauen, welcher junge Spieler dort nicht zum Zug kommt und vielleicht einen Zwischenschritt braucht und uns sportlich weiterbringt.“ Es geht um Spieler, die sofort sportlichen Mehrwert bieten, keine Perspektivspieler, betont Baumann: „Einen U 17-Spieler für ein Jahr auszuleihen, der bei uns noch nicht so zum Einsatz kommen wird, macht für Arsenal und für uns wahrscheinlich wenig Sinn.“

Werder verleiht auch selbst

Dieses Prinzip wendet Werder selbst ebenfalls an: Bei jungen Profis, die noch nicht bereit sind für die Bundesliga – die aber der Regionalliga, in der die U 23 aktuell spielt, sportlich entwachsen sind. Baumann ist hier im Austausch mit Klubs aus der 2. oder 3. Liga, auch aus Österreich, Holland, der Schweiz oder Dänemark. Mit dem Ziel zu schauen, „wo wir vielleicht unsere jungen Spieler platzieren können und den Jungs mit einem Zwischenschritt weiterhelfen können“. Wie Niklas Schmidt, der vergangene Saison für Wehen Wiesbaden in der 3. Liga spielte. Oder Romano Schmid, derzeit an den österreichischen Erstlisten Wolfsberger AC verliehen.

Ob und zu welchen Bedingungen es lohnt, einen Spieler auszuleihen, wird individuell betrachtet. Spieler von Top-Klubs kosten mittlerweile sehr viel Geld. Der belgische Nationalspieler Divock Origi, vorvergangene Saison von Liverpool an Wolfsburg verliehen, kostete den VfL allein an Leihgebühr drei Millionen Euro – zuzüglich eines Millionengehalts.

So kommt für ein Jahr schnell ein hoher einstelliger Millionenbetrag zusammen für einen Spieler, der nach 34 Saisonspielen wieder weg ist. Trotzdem werden solche Bedingungen immer häufiger akzeptiert. „Inzwischen ist so viel Geld im Fußball im Umlauf, dass es immer gleich mehrere Klubs gibt, die bereit sind, solche Summen zu zahlen“, sagt Baumann.

Eine weitere Frage ist, ob die Laufzeit von einem Jahr sinnvoll ist. Oft braucht ein Spieler Zeit, sich an einen neuen Klub oder eine neue Liga zu gewöhnen. An eine neue Sprache, eine andere Kultur. Diese Hürden in nur einer Saison zu überwinden, ist manchmal schwer. Es gibt aber auch andere Beispiele.

De Bruyne war das beste Beispiel

2012 holte Werder Kevin De Bruyne für eine Saison von Chelsea, ohne die vertraglich festgeschriebene Möglichkeit, ihn zu kaufen. Es waren am Ende aber maßgeblich De Bruynes Leistungen, die Werder die Klasse sicherten: Zehn Tore und zehn Vorlagen in 34 Spielen waren eine ausgezeichnete Bilanz. Beide Seiten profitierten von diesem Leihgeschäft.

Kategorisch ausschließen will Baumann das Ein-Jahres-Modell deshalb nicht, wenn Real, ManCity oder Juventus einen Vorschlag unterbreiten. „Wenn wir jetzt wieder einen Spieler wie damals Kevin De Bruyne von Chelsea für ein Jahr ausleihen könnten, der uns in dem Jahr sportlich weiterhilft, dann ist das durchaus eine Option, so einen Spieler auch nur für ein Jahr auszuleihen“, sagt Baumann.

Es gibt ein aktuelles Beispiel, das ebenfalls zeigt, dass die Variante kurze Laufzeit ohne Kaufoption nicht grundsätzlich auszuschließen ist. „Bei Marco Friedl lief der Leihvertrag mit Bayern München über eineinhalb Jahre“, sagt Baumann. Ebenfalls ohne zugesicherte Option, den Verteidiger zu kaufen. In diesem Fall war es Friedl, der bei Werder bleiben wollte. Und ein Spieler, der sich klar positioniert, vereinfacht die Verhandlungen immer. Friedl ist nun fest zu Werder gewechselt. Manchmal sind eben Geduld und Zutrauen gefragt, damit sich ein Leihgeschäft in die richtige Richtung entwickeln kann.

j.micoud am 30.05.2019, 23:51
Habe blindes Vertrauen in Baumi. Der hatte als Spieler schon ein sehr gutes Auge.^^
Bin bis jetzt mehr als zufrieden mit seiner Arbeit für Werder Bremen. Am Anfang seiner Tätigkeit als Sportdirektor war ich noch skeptisch, da er noch sehr jung und unerfahren war, aber der hat Werder Bremen mit begrenzten Möglichkeiten wieder auf die richtige Spur gebracht.
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Frank1969 am 31.05.2019, 04:48
Ging mir nicht anders. Anfangs war ich auch ein wenig enttäuscht wie Eichin gegangen wurde. Fand ich nicht so toll, vor allem weil jeder sehen konnte dass Skripnik nicht lange Werder Trainer sein würde... Die Trennung nach dem Endspiel gegen Frankfurt wäre konsequent gewesen.
Baumann hat aus seinen Fehlern gelernt. Er macht einen sehr guten Job ist sehr solide und hatte schon interessante Transfers. Mal sehen was er noch im Zylinder hat....
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klarerBlick am 31.05.2019, 06:44
Grujic ist ein Klassespieler.

Der ist weit begehrt und würde für den Fall einer Leihe auch in Berlin bleiben wollen. Das hat er ja schon geäussert.

Die knappen Kassen sind in Bremen natürlich ein Problem. Umso unverständlicher, dass Baumann den sportinvaliden und spielerisch schwachen Füllkrug für einen Megabetrag verpflichtet hat
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Orwell am 31.05.2019, 09:50
Füllkrug wurde für knapp 7 Mio verpflichtet. Das ist kein Megabetrag. Vor einem Jahr gab es ein Angebot von 20 Mio von Gladbach für ihn,welches abgelehnt wurde. Ich gehe davon aus, dass er gesund ist. Sollte dies der Fall sein, ist die jetzt gezahlte Summe nicht zu viel für einen Spielertyp, den wir so nicht haben. Der wird seinen gezahltenn Preis wert sein. Da geh ich jede Wette.
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klarerBlick am 31.05.2019, 12:32
Ein Angebot gab es wohl (selbst, wenn man diese Zahl für einen spielerisch schwachen Mittelstürmer glaubt) VOR seiner erneuten schweren Verletzung.

Auf unsere medizinische Abteilung sollte niemand Wetten abschliessen:


Überlege mal, seit wieviel Jahren den Fans der Spieler Bargfrede als gesund verkauft wird....

Jedes Jahr heißt es, Bargfrede sein einsatzfähig. man brauche keinen neuen 6er.


M.E. ist der genauso sportinvalide wie Füllkrug
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Sweetwater am 31.05.2019, 11:39
Für mich ist jetzt der lockere "Baumi" eine Koryphäe, Sportdirektor des Jahres, ein Juwel.
Vergessen sind Herr Eichin und Herr Allofs. Leihgeschäfte mangels Masse, so lautet jetzt das Motto, genial.
Den noch in der Entwicklung steckenden Herrn Friedl verpflichtet, dann jener Herr Füllkrug von dem man noch nicht weiß ob die Rekonvaleszenz wirklich erfolgreich war und Herr Grujic, der bei Liverpool eh keine Chance hat...für mich Geschäfte mich Weitsicht zu kleinen Preisen.
Ich hoffe nur das bei Werders Verantwortlichen die wichtigsten Personalien weiterhin oberste Priorität haben, die langfristige Bindung von "Baumi" und natürlich auch "Flo", dem "Trainer des Jahres" damit sich die Herzen der gewogenen Anhänger noch lange an dieser einmaligen Symbiose erfreuen können.
Ich zumindest werde in mich kehren und meine stets kritische, in Teilen gelegentlich fiese Haltung gegenüber den Herren, jetzt einer strengen Selbstkritik unterziehen...
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