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Ballköniginnen
16.02.2019
Frauen-Trainerin Roth im Interview

„Ich bin überzeugt, dass wir die Klasse halten“

© Imago


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Frau Roth, sie werden ihren Vertrag nicht verlängern, sondern zurückkehren in den Job bei einer Münchner Versicherung. Ist die befristete Freistellung durch Ihren Arbeitgeber der einzige Grund für den Abschied?

Carmen Roth: Die befristete Freistellung ist schon der Hauptgrund, aber natürlich bin ich auch sehr heimatverbunden, und deshalb zieht es mich auch zurück nach München. Ich hatte dort ja 14 sehr schöne Jahre verbracht, bevor ich nach Bremen kam.

Und die sportliche Entwicklung spielt keine Rolle?

Natürlich ist eine Entwicklung vorhanden, vom Anfang der Saison bis jetzt. Da haben sich die Dinge positiv entwickelt. Bleibt unsere junge Mannschaft so zusammen, ist sie in ein, zwei Jahren sicher auf einem noch besseren Niveau.

Die Frage zielte auch mehr auf die sportliche Entwicklung im Allgemeinen ab: Es ist ja kein Geheimnis, dass der Kader im Vorjahr stärker besetzt war, dann konnte der Abschied einiger Leistungsträgerinnen jedoch nicht kompensiert werden.

Natürlich haben wir einige wichtige Spielerinnen verloren, aber der Kader ist gerade in der Breite weiter aufgestellt. Wir sind weiterhin in einer Entwicklung. Aber natürlich lasse ich mich daran messen, und wir haben ja auch gemeinsam eine ganze Menge aus der Situation gemacht. Ich bin deshalb nach wie vor davon überzeugt, dass wir die Klasse halten werden.

Und das nächste Heimspiel gegen den MSV Duisburg dürfte dabei eine große Rolle spielen, denn es ist das letzte direkte Duell gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller. Am Sonntag steht also eine Vorentscheidung an, oder?

Ja, es ist ein entscheidendes Spiel. Aber wir befinden uns auf Augenhöhe und sind uns bewusst, um was es geht. Ich bin auch sehr zuversichtlich, dass wir am Sonntag drei Punkte gewinnen werden. Der MSV spielt sehr kampfbetont, das werden wir annehmen und gleichzeitig unser Spiel machen. Wir werden agieren und alles in die Waagschale werfen.

Im Hinspiel kassierte Ihr Team eine bittere 0:3-Niederlage in Duisburg. Was spricht jetzt für Werder?

Das Spiel lief damals in Duisburg in den entscheidenden Situationen nicht zu unseren Gunsten. Beispielhaft sei die Gelb-Rote Karte an Lina Hausicke genannt. Trotzdem hat die Mannschaft damals alles versucht, um dieses Spiel erfolgreich zu gestalten, in Unterzahl und über eine lange Zeit. Das spricht sehr für uns.

Direkt vor der Winterpause war das ebenfalls sehr wichtige Spiel gegen den Tabellennachbarn in Leverkusen mit 0:1 verloren gegangen. Ist Ihre Mannschaft mental stark genug für solche Duelle?

Ja, das ist sie. Wir haben auch in Leverkusen ein gutes Spiel gemacht, waren dominant und hatten die Chancen zum Sieg. Wir waren die bessere Mannschaft und sind nur an der Zielstrebigkeit gescheitert. Das müssen wir besser machen: Unsere Leistung bringen und uns dafür belohnen.

Die Leistungen in der Offensive, vor allem aber die Chancenverwertung standen deshalb immer wieder in der Kritik. Ist denn Besserung in Sicht?

Wir haben uns mit unserem Zugang Sofia Nati in der Offensive verstärkt. Sie tritt nun auch noch gegen einen ehemaligen Verein an. Auch die Rückkehr der lange verletzten Giovanna Hoffmann vergrößert unsere Möglichkeiten im Angriff. Allein diese beiden Spielerinnen heben das gesamte Offensivpotenzial auf ein anderes Niveau.

Ihr Team hat das mit Abstand beste Torverhältnis der Mannschaften im Tabellenkeller. Sagt das eigentlich auch etwas aus?

Was die Defensive betrifft, haben wir viel gearbeitet. Da stehen wir kompakt, es greift vieles ineinander. Das Manko war zuletzt einfach die Chancenverwertung. Wir müssen jetzt einfach mehr knipsen. Aber allein das Torverhältnis zeigt, dass wir von der reinen Leistung her besser dastehen könnten. Das wissen wir, und daraus schöpfen wir eine Menge Mut.

Die Fragen stellte Stefan Freye.

Carmen Roth (40)

ist seit 2017 Trainerin von Werders Fußballerinnen. Im Heimspiel gegen den MSV Duisburg am Sonntag (14 Uhr) nimmt sie den Kampf gegen den Abstieg aus der 1. Bundesliga wieder auf. In der Vorwoche gab Roth bekannt, dass sie den Verein im Sommer verlassen wird.

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