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Rasenreport Life und Style
06.04.2019
Bode über DFB-Präsidentenamt

„Ich bin Lichtjahre davon entfernt“

© Frank Thomas Koch


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In gepflegter Atmosphäre niveauvoll plaudern? Ob das auch über Fußball möglich ist, wurde jetzt beim ersten nach klassisch bürgerlichem Vorbild angelegten „Salon im Volkshaus“ ausgelotet. „Philosophie trifft Fußball, Oper trifft Punk, Bundesliga trifft Bremen-Liga, Weserstadion trifft Panzenberg, Rathaus trifft Vereinsheim, Peterswerder trifft Walle“, hatten die Veranstalter ihren Talk-Abend angekündigt und diesen Anspruch mit entsprechendem Personal untermauert: Werder-Aufsichtsratschef Marco Bode ist da und Mansur Faquiryar, der Bremer Ex-Nationaltorwart von Afghanistan und Peter Warnecke (CDU) vom Vorstand des Bremer Sportvereins (BSV). Kristina Vogt von den Linken gibt den Fan.

Den Gesprächsreigen eröffnen Gastgeber Helmut Hafner und Marco Bode. Die beiden kennen sich schon lange, treffen sich regelmäßig, um über Philosophie, Fußball, Schach und die Welt zu reden. Hafner hält Bode für einen Liebling der Götter. Doch der holt das Thema ganz schnell wieder auf den Boden: „Ich weiß nicht einmal, ob es Götter gibt und ob sie sich tatsächlich einmischen. Wenn das so ist, haben sie es wohl gut mir gemeint.“ Hafner fragt nach: „Der Glaube kann Berge versetzen. Kann der Glaube auch Tore schießen?“ Marco Bode antwortet: „Na klar.“ Der Werdermann hat die wunderbare Fähigkeit, ein Gespräch ganz unkompliziert wieder auf den Boden der Wirklichkeit zu bringen. Frage: „Kann Fußball die Welt verbessern, Marco?“ Antwort: „Ja, aber er kann sie auch schlechter machen.“ Die Antwort führt zu den vielen Skandalen, zu Spielmanipulation und Wettbetrug, zu Korruption und Vorteilsnahme.

Dann ist das Fußballspiel von Monty Python zu sehen: „Deutschland gegen Griechenland“. Die deutschen Philosophen spielen gegen die griechischen. Nach dem Anpfiff wenden sich die Gelehrten vom Ball ab und beginnen zu diskutieren. Vermutlich ist ihnen nicht klar, was sie mit dem Ball machen sollen. Sie gehen langsam auf und ab. Sie dozieren, teils mit erhobenem Zeigefinger. Fünf Minuten vor Schluss, der Ball ist noch unbewegt, läuft sich auf der deutschen Seite Karl Marx warm – es scheint ernst zu werden. Die Griechen lassen nun den Ball laufen und Sokrates schießt zum 1:0 Endstand ein. Marco Bode: „Sokrates hatte durchaus eine praktische Ader.“

Später geht es um den DFB. Ein namhafter Fußballautor hatte vorgeschlagen, einen aufrichtigen, ehemaligen Profi in dem Amt zu installieren und hatte die Namen Marco Bode und Christoph Metzelder genannt. Die Frage: „Hat dich schon jemand dazu angerufen?“, verneint er lachend: „Wenn es nur zwischen uns beiden zu entscheiden wäre, wäre Metze der klare Favorit. Ich bin Lichtjahre davon entfernt, mir die Führung eines solchen Verbandes zuzutrauen. Außerdem wüsste ich auch nicht, was man mit dem DFB machen müsste.“ Eine Maßnahme wäre vermutlich, die Führung zu professionalisieren, meint er. Im Moment sei der Präsident formal ein Ehrenamtlicher mit einer Aufwandspauschale von 7000 Euro im Monat. Die Leute um ihn herum verdienen ein Vielfaches davon. Das sei auf die Dauer nicht gesund.

In Afghanistan der Deutsche

Ein außerordentliches Beispiel für eine Fußballerkarriere lieferte schließlich Mansur Faquiryar. Er war als Kind mit seinen Eltern aus Afghanistan gekommen und in Kattenturm aufgewachsen. Jetzt hat er ein Buch vorgelegt: „Heimat Fußball: Mein Leben zwischen Bremen und Kabul“. Er hat in Bremen in der 4. Liga gespielt und wollte gern seine afghanischen Wurzeln kennenlernen. Also ist er nach Kabul gegangen, um dort Fußball zu spielen - und stieg schnell zum Nationaltorwart auf. Man bejubelte ihn zwar euphorisch, aber er konnte die Sprache nur rudimentär, also galt er als Deutscher. Er hörte häufig Sätze, die mit „ihr Deutschen“ anfingen. Auf die Frage, wo jetzt seine fußballerische Heimat sei, meint er: „Auf den Straßen von Kattenturm. Da hat alles angefangen.“ Marco Bode sagt: „Fußball ist eine internationale Sprache, die überall verstanden wird.“

Nach der Pause treten Bastian Fritsch und Jens König von der Geschichts-Abteilung des Bremer SV auf. Vielleicht sollte man besser sagen, von der Geschichten-Abteilung. Die beiden sind glühende Verehrer ihres Vereins und reißen das vor allem lokale Publikum natürlich mit. Sie erklären, die Fußball-Geschichte müsse umgeschrieben werden: der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 sei nämlich das Verdienst des BSV. Auf der Position von Helmut Rahn, dem Rechtsaußen, gab es seinerzeit zwei Spieler. Herbert Erdmann und Rahn, der wohl nur Nummer zwei war, jedenfalls bis Erdmann in einem Freundschaftsspiel auf den BSV traf. Erwin Mill war ein ausgesprochen robuster Abwehrspieler, der Erdmann so schonungslos angegangen ist, dass er der Nationalmannschaft absagen musste. So kam Rahn in die Mannschaft und schoss das lautstark kommentierte Tor.

Kristina Vogt ist als Fan angekündigt. Tatsächlich hat sie auch eine Karriere als Fußballmutter hinter sich. Darum kennt sie zahlreiche Spielstätten in der Region und ist Wallerin mit Leib und Seele. Die schönste Spielstätte ist für sie das Stadion am Panzenberg. Das sei eine reine Fußballarena, die für eine einzigartige Atmosphäre steht. Sie hofft, dass die notwendigen Renovierungen finanzierbar sein werden. Das ist eine wunderbare Vorlage für Peter Warnecke, der sich aber erst einmal verteidigen muss, als CDU-Mitglied einen Waller Klub zu führen: „Müssten Sie nicht eigentlich in Oberneuland antreten?“ Das sieht er ganz und gar nicht so. Er sei Waller. Hier gehöre er hin. Und er klagt, dass ohne Ehrenamt und Sponsoren kein Vereinsfußball mehr möglich ist. „Wir dürfen den Fußball nicht den Funktionären überlassen.“

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